07.12.2016

Österreich: Naturschutzbund ernennt den Wolf zum Tier des Jahres 2017

Der Wolf ist es: das Tier des Jahres 2017 für Österreich. 
Wolfssichtungen, -risse und sogar eine Wolfsfamilie haben in den letzten Monaten die Diskussion um die mögliche dauerhafte Rückkehr des Wolfes nach Österreich angeheizt. Der Naturschutzbund will nun mit der Kür des Wolfs zum Tier des Jahres sachliche Diskussionen ermöglichen und so gemeinsam mit allen Betroffenen zu einer für alle akzeptablen Lösung kommen.

Der Wolf polarisiert. Schon in frühester Jugend wird uns vom „bösen Wolf“ erzählt, der nicht nur Geißlein, sondern auch ganze Menschen verschlingt. Die dabei erzeugte Angst ist in vielen Personen bis ins hohe Alter tief verankert. Doch gleichzeitig strahlt der Wolf für viele eine große Faszination aus – auch das mag oft auf die frühkindlichen Erfahrungen zurückzuführen sein.

Faktum ist, dass Wölfe eine große Scheu vor Menschen haben und sie daher möglichst meiden. Auf ihrer Speisekarte stehen vorzugsweise Wildtiere, allen voran Hirsche, Rehe oder Wildschweine. Haustiere wie Schafe oder Ziegen machen einen vergleichsweise geringen Anteil an der Nahrung aus.

Die Lebensbedingungen für Wölfe im Alpenraum haben sich seit Jahrzehnten spürbar verbessert. Die Waldfläche ist in den meisten Ländern gewachsen und die heutigen Bestände der primären Beutetiere sind so hoch wie in den letzten Jahrhunderten noch nie. Große Beutegreifer spielen eine ökologische Schlüsselrolle an der Spitze der Nahrungspyramide, da sie als „Gesundheitspolizei“ für die Fitness der Wildbestände sorgen. Die Rückkehr des Wolfs nach Mitteleuropa schließt demnach die Lücke, die in natürlichen Ökosystemen den Großraubtieren zukommt.

Schutzstatus
Der Wolf ist in der FFH-Richtlinie in den Anhängen II und IV aufgeführt. Erklärtes Ziel der Richtlinie ist die Erhaltung bzw. die Erreichung eines günstigen Erhaltungszustandes für die betreffenden Arten und Lebensräume. Davon sind wir in Österreich, was den Wolf betrifft, noch weit entfernt. Er gilt lt. der österreichischen Roten Liste gefährdeter Tierarten als ausgestorben, ausgerottet oder verschollen. Für den Wolf besteht die Gefahr, dass die Art ein zweites Mal verloren geht. Daher setzt sich der Naturschutzbund dafür ein, dass bei Erhaltung der aktuellen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung auch die Bildung einer lokalen Wolfspopulation möglich ist. In der Berner Konvention ist der Wolf in Anhang II (streng geschützte Tierarten) angeführt. Diese Tierarten dürfen weder gestört, noch gefangen, getötet oder gehandelt werden.

„Der Wolf gehört zum natürlichen Arteninventar Österreichs, dementsprechend positiv sehen wir vom Naturschutzbund seine selbstständige Rückkehr. Es ist uns aber auch bewusst, dass damit Herausforderungen verbunden sind. Mit der Kür zum Tier des Jahres 2017 wollen wir dazu aufrufen, an einer akzeptablen Lösung für alle zu arbeiten“, appelliert Naturschutzbund-Präsident Roman Türk.
(Quelle)

Hier gehts zur Position des Naturschutzbundes zum Wolf

Anm. der Wolf Magazin Redaktion: Glückwunsch, Österreich! Nicht nur zu dieser Wahl sondern auch zum neuen Präsidenten!

28.11.2016

Schweiz: Wolfsrudel im Augstbordgebiet fotografisch nachgewiesen

In einem abgelegenen Teil des Augstbordgebietes abseits von Siedlungen, Wanderwegen und Infrastrukturen ist es der Gruppe Wolf Schweiz (GWS) gelungen, das dortige Wolfsrudel mehrfach mittels Fotofallen und Direktbeobachtungen nachzuweisen. Das Rudel umfasst aktuell mindestens vier Wölfe, darunter auch diesjährige Jungtiere. Die Fachstellen von Bund und Kanton wurden über die Nachweise informiert.

Im November wurden mehrfach adulte Wölfe und diesjährige Jungwölfe von Fotofallen aufgenommen, welche an Wildwechseln im vermuteten Einstandsgebiet der Wölfe platziert wurden. Auf einzelnen Bilder sind bis zu vier Wölfe gemeinsam zu sehen. Auch fotografisch dokumentierte Direktbeobachtungen von vier Wölfen belegen die Präsenz eines Wolfsrudels. Damit hat sich die Reproduktion der Wölfe im Augstbordgebiet, welche sich bereits im Frühling abzeichnete und im August erstmals nachgewiesen werden konnte, erneut bestätigt. Zur Anzahl der Jungwölfe kann die GWS anhand ihrer Grundlagen noch keine definitive Aussage machen.

Die Fachstellen von Bund und Kanton wurden kürzlich im Detail über die Nachweise informiert. Gegenüber Medien und Dritten werden keine weiteren Einzelheiten zu Zeiten und Örtlichkeiten gemacht. Da die Jungwölfe mit einem Alter von mittlerweile sechs Monaten bereits in der mobilen Phase sind und ihren Eltern auf den Streifzügen folgen, darf im gesamten Augstbordgebiet jederzeit mit der Anwesenheit des Rudels gerechnet werden. (Gruppe Wolf CH)

Hier zwei Aufnahmen der Wölfe im Augstbordgebiet (Fotos: Gruppe Wolf Schweiz)




22.11.2016

Der Wolf in Sachsen: Fragen zur aktuellen Lage

In den letzten Monaten häufen sich kritische Medienberichte zum Thema Wolf, in denen auf Probleme durch Wölfe hingewiesen und deren Regulierung gefordert wird. Die Intensität dieser Forderungen fällt zeitlich zusammen mit einer Häufung von Nutztierschäden durch Wölfe, vor allem im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels. Die Übergriffe auf Nutztiere und die dazu veröffentlichten Beiträgen mit unterschiedlichen Äußerungen und Wertungen durch verschiedene Akteure und Interessensvertreter haben in der Öffentlichkeit Fragen aufgeworfen, auf die hier eingegangen werden soll.

1. Fressen die Wölfe in Sachsen immer mehr Nutztiere?

Anhand der Losungsuntersuchungen im Senckenberg Museum für Naturkunde ist nachgewiesen, dass sich die Wölfe in Sachsen zu ca. 95 % (Anteil Biomasse) von wildlebenden Huftieren ernähren.  Dieser Anteil blieb seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2001 nahezu unverändert. Nutztiere – fast ausschließlich Schafe - kommen immer wieder in der Wolfsnahrung vor, machen jedoch nur einen sehr geringen Teil an der verzehrten Biomasse aus (ca. 1,0 %). 
Die Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. 2016 gab es bislang in Sachsen 40 Übergriffe durch Wölfe auf Nutztiere. Dabei gibt es eine Häufung der Übergriffe im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels. Dies hat den Eindruck erweckt, dass die Wölfe in Sachsen generell immer mehr Schäden verursachen. Dem ist nicht so. Grundsätzlich steigt mit Ausbreitung des Wolfsvorkommens und Vergrößerung des Wolfsgebietes zwar tendenziell auch die Anzahl der Nutztierschäden, es handelt sich dabei allerdings nicht um einen flächendeckenden Trend. Auf die Anzahl der Territorien bezogen sind die Schäden in diesem Jahr (Stand 21.11.2016) im Vergleich zu den beiden Vorjahren von ca. 3 auf ca. 2 Übergriffe/Territorium sogar gesunken. Aktuell sind in Sachsen  19 Wolfsterritorien nachgewiesen (Rudel, Paare, Einzeltiere). In den meisten Sächsischen Wolfsterritorien gibt es nur sehr wenige oder gar keine Übergriffe auf Nutztiere.

2. Sind die als sicher eingestuften Zäune inzwischen nicht mehr sicher?

Die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen garantieren keinen 100%-igen Schutz, da dieser nur mit sehr hohen materiellen und praktischen Aufwendungen für die Tierhalter zu erreichen wäre. Vielmehr handelt es sich bei den empfohlenen Schutzmaßnahmen um solche, die gemäß den hiesigen und internationalen Erfahrungen in vielen Fällen geeignet sind Wölfe davon abzuhalten in die Koppel einzudringen. Demnach bieten Elektrozäune mit einer Höhe von 100 cm -120 cm einen wirksamen Schutz. Die Wirksamkeit von Elektrozäunen kann noch erhöht werden, in dem ein "Flatterband" (Breitbandlitze) 20 - 30cm über dem Zaun befestigt wird. Der Einsatz von „Flatterband“ wird insbesondere in Gebieten empfohlen, in denen Elektrozäune wiederholt von Wölfen übersprungen wurden. Elektrozäune mit „Flatterband“ wurden bislang in Sachsen noch nie von Wölfen überwunden.
Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material stellen eine rein physische Barriere dar, da sie anders als Elektrozäune, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden, weshalb sie seitens des Wolfsmanagements nicht empfohlen werden.
Unabhängig von diesen Empfehlungen werden auch Festzäune mit einer Höhe von mind. 120 cm und Elektrozäune ab 90 cm Höhe als Mindestschutz akzeptiert, der als Voraussetzung für einen Schadensausgleich bei Nutztierrissen gilt, da sie in vielen Fällen als Schutz ausreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mindestschutz überwunden wird, steigt allerdings je öfter Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass Nutztiere eine leicht zugängliche Beute darstellen. Diese Erfahrung machen die Tiere meist an unzureichend geschützten Schafen. Wölfe lernen rasch. Bereits ein einmaliger Erfolg kann dazu führen, dass sie gezielt versuchen Schafe zu töten. Je häufiger sie Erfolg hatten, desto mehr Aufwand nehmen sie auf sich, um diesen Erfolg zu wiederholen. Dieser Lernprozess kann dazu führen, dass auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwunden werden.  

3. Werden die Anforderungen an die Tierhalter immer weiter erhöht?

Nein, die Mindestschutzkriterien, die ein Tierhalter mindestens vorweisen muss, damit dieser im Falle eines Schadens durch Wölfe  Anspruch auf Schadensausgleich hat, sind seit Einführung der Förderrichtlinie 2008 unverändert. Demnach kann ein Tierhalter Anspruch auf Schadensausgleich geltend machen,  wenn sein Elektrozaun mind. 90 cm hoch ist bzw. sein Festzaun eine Höhe von mind. 120 cm aufweist. Die Koppel muss außerdem an allen Seiten – auch zum Wasserlauf – geschlossen sein und die Zäune müssen einen festen Bodenabschluss haben. 
Bei der Beratung von Tierhaltern bzgl. der Neuanschaffung von Herdenschutzmaßnahmen werden meist höhere Zäune (106 oder 110 cm hohe Elektrozäune bzw. 140 cm hohe Festzäune) empfohlen. Diese Höhen beziehen sich auf internationale Erfahrungen im Herdenschutz.

4. Ist langfristig eine Weidetierhaltung in Wolfsgebieten überhaupt noch möglich?

Erfahrungen aus europäischen Ländern, aus denen der Wolf nie verschwunden war zeigen, dass eine Weidetierhaltung auch in Wolfsgebieten möglich ist. Dort haben sich die Nutztierhalter an die Anwesenheit von Wölfen angepasst und entsprechende Schutzmaßnahmen gehören zum Standard der Weidetierhaltung. In Gebieten, in die Wölfe nach längerer Zeit der Abwesenheit wieder einwandern, dauert es meist eine Zeit, bis die Nutztierhalter sich auch hier an die für sie zunächst neue Situation angepasst haben. Die Erfahrungen aus Sachsen zeigen jedoch, dass auch hier Nutztierschäden minimiert werden können, wenn die Halter die empfohlenen Schutzmaßnahmen umsetzen. Der Staat fördert diese Maßnahmen, wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde mit 80% des Nettopreises. Komplett vermeiden lassen sich Nutztierverluste durch den Wolf jedoch nicht. 

5. Werden die Tierhalter nicht mehr 100%-ig entschädigt?

Bislang wurden alle Tierhalter mit Anspruch auf Schadensausgleich zu 100% des Marktwertes der gerissenen Nutztiere entschädigt. Anspruch auf Schadensausgleich haben Tierhalter deren Tiere, wie gesetzlich vorgeschrieben, bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind und deren Schutzmaßnahmen zumindest dem Mindeststandard entsprechen. Die Schadenshöhe wird vom Landesamte für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf Basis von aktuellen Richtlinien ermittelt. Diese sind mit den Nutztierhalterverbänden abgestimmt. Bei gewerblichen Tierhaltern können auch Folgekosten z.B. für zerstörte Zäune, Tierarztbehandlung oder Entsorgung des Kadavers berücksichtigt werden.  
Der Schadensausgleich ist bei gewerblichen Tierhaltern aus beihilferechtlichen Gründen derzeit europaweit beschränkt. Schäden können deshalb nur auf Grundlage der landwirtschaftlichen Deminimis-Verordnung mit öffentlichen Mitteln ausgeglichen werden. Zahlungen sind danach bis zu einer Grenze von 15.000,- Euro in drei aufeinander folgenden Jahren zulässig. Falls ein Nutztierhalter innerhalb von 3 Jahren mehr als 15.000 Euro staatliche Beihilfen im Sinne dieser Verordnung erhalten hat, ist eine Schadenausgleichzahlung durch den Freistaat nur noch zu 80 % möglich. In diesem Fall hat sich die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe für die Zahlung der übrigen 20 % bereit erklärt. 
Dem Tierhalter können also, bei Einhaltung der geforderten Voraussetzungen, alle Sachschäden durch den Wolf, unabhängig von der Schadenshöhe, vollständig ersetzt werden. Dies gilt für alle Nutztierarten. Bisher ist ein solcher Fall aber noch nicht eingetreten.

6. Leistet der Freistaat insgesamt zu wenig Unterstützung für die Tierhalter?

Der Freistaat gewährt sowohl Hobbyhaltern als auch Tierhaltern im Neben- und Haupterwerb eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 80 % der Nettokosten zur Anschaffung von Herdenschutzmaßnahmen (Elektrozäune, Herdenschutzhunde und für Wildgatter ein Untergrabungsschutz). Die gilt für Halter von Schafe und Ziegen sowie von Gatterwild. Für Pferde und Rinder gibt es keinen vorgeschriebenen Mindestschutz, da Übergriffe auf diese Tiere nur selten vorkommen. Daher gibt es für Pferde und Rinder auch keine pauschale Förderung von Schutzmaßnahmen. Sollte es im Einzelfall doch einmal zu Übergriffen auf diese Tiere kommen, können jedoch auch hier Schutzmaßnahmen gefördert werden. 
 In Fällen in denen Wölfe, an nach Mindestschutz gesicherten Nutztieren Schäden verursachen, ist ein 100 %-iger Schadensausgleich geregelt. Zwei Tierhalterberater sichern ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot vor Ort ab. Sie informieren Tierhalter zu allen Fragen des Herdenschutzes und der Förderung und leisten praktische Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen (z.B. Austeilung von „Flatterband“ und Elektrozaun). Zudem hält der Freistaat eine „Herdenschutzhunde-Einsatzgruppe“ vor, die in größeren Herden unmittelbar nach einem Übergriff einen guten Schutz gewährleistet, bis eine langfristige Schutzmaßnahme eingerichtet wird. Der Freistaat investiert zudem in ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm zum Herdenschutz welches an der Weiterentwicklung effizienter Herdenschutzmethoden forscht. Damit hat der Freistaat insbesondere im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern bereits effiziente Maßnahmen zur Unterstützung von Tierhaltern ergriffen. Deren Evaluierung und ggf. Weiterentwicklung ist gemäß des dynamischen Ansatzes des Managementplanes, welcher  entsprechend den praktischen Erfordernissen fortgeschrieben und ergänzt wird, vorgesehen. Dazu dient auch eine vom Freistaat dauerhaft eingerichtete Arbeitsgruppe Wolf-Nutztiere, in der speziell Vertreter von Nutztierhalterverbänden an der Lösung aktueller Probleme mitwirken beziehungsweise auf neue Schwerpunkte hinweisen.

7. Sind die Rosenthaler Wölfe verhaltensauffällig? Warum wird noch keine Genehmigung zur Entnahme (Tötung) erteilt?

Tötet ein Wolf Nutztiere ist das kein auffälliges Verhalten. Er verhält sich normal indem er günstige Gelegenheiten nutzt, um an Nahrung zu gelangen. Wölfe die gehäuft ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Tiere vorfinden und erbeuteten, lernen, dass  Nutztiere deutlich einfacher zu erbeuten sind, als wildlebende Beutetiere. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden.
Dies ist im Rosenthal Rudel der Fall. Seit der Etablierung des Rosenthaler Wolfspaars im Sommer 2013 im Raum Rosenthal kam es immer wieder zu Übergriffen auf Schafe. 2014 waren es insgesamt 18 Übergriffe, 2015 16 Übergriffe und in diesem Jahr bisher 11 Übergriffe. Anfangs wurden vermehrt ungeschützte bzw. nicht ausreichend geschützte Tiere angegriffen. Mit der Zeit waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. In letzteren Fällen wurden in den beiden Vorjahren vor allem Elektrozäune überwunden. Zehn der 11 Übergriffe 2016 fanden auf Schafe statt, die hinter Festzäunen gehalten wurden. Empfohlene Schutzmaßnahmen, wie Elektrozäune, die zusätzlich mit „Flatterband“ überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden. 
Gemäß dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation im Rosenthaler Rudel flächendeckend zu verbessern. Neben Informationen zum Herdenschutz und den Fördermöglichkeiten, unter anderem durch Pressemitteilungen, wurde 2015 und 2016 im Territorium des Rosenthaler Rudels kostenlos „Flatterband“ an Schaf – und Ziegenhalter verteilt. Zusätzlich können sich Tierhalter individuell über Schutzmaßnahmen informieren lassen. Dies wird insbesondere Tierhaltern empfohlen, die ihre Schafe hinter einem Festzaun halten. Sollten auch die empfohlenen Schutzmaßnahmen  keine Wirkung zeigen, kann die Entfernung eines Wolfes oder mehrerer Wölfe als letztes Mittel ergriffen werden.

8. Können Nutztierschäden durch eine Bejagung des Wolfsbestandes verhindert werden?

Internationale Erkenntnisse aus Wolfsgebieten zeigen, dass Nutztierschäden durch Wölfe am wirksamsten durch Herdenschutzmaßnahmen minimiert werden können. Die Höhe der Schäden korreliert nicht mit der Anzahl von Wölfen die in einem Gebiet leben, sondern mit dem Ausmaß des Schutzes der Nutztiere. Dort wo Nutztiere nicht oder unzureichend geschützt sind, kann bereits ein einzelner Wolf viele Schäden verursachen. Nutztierschäden konzentrieren sich oft in Gebieten, in denen Wölfe neu einwandern, da die Tierhalter dort häufig noch nicht auf Wölfe vorbereitet sind. 
Das Töten von Wölfen kann kurzfristig zu einer Reduzierung von Nutztierschäden führen. Durch die Besetzung des freigewordenen Gebietes durch andere Wölfe, ist jedoch von einer Fortsetzung der Nutztierübergriffe auszugehen.
Langfristig kann in Wolfsgebieten daher nur über die Etablierung von effektiven Herdenschutzmaßnahmen eine Minimierung von Nutztierverlusten erzielt werden.

9. Warum töten die Wölfe bei manchen Übergriffen viel mehr Schafe als sie fressen können?

Das Phänomen von Mehrfachtötungen (surplus killing), ohne dass alle getöteten Tiere gefressen werden, ist von Wölfen und anderen Beutegreifern, wie z.B. Marder oder Fuchs im Hühnerstall bzw. auch von Hunden, bekannt. Mehrfachtötungen treten fast ausschließlich unter „künstlichen“ Bedingungen auf. Bei der Jagd auf freilebende Beutetiere haben Beutegreifer kaum Gelegenheit mehr als ein Tier zu töten, da die übrigen Beutetiere die Flucht ergreifen. Bei Übergriffen auf Nutztiere, welche meist in hoher Dichte auf begrenztem Raum stehen, und bei welchen das Fluchtverhalten durch die Domestikation deutlich abgeschwächt ist, bietet sich den Beutegreifern ein Überangebot von verfügbarer Nahrung. Diese günstige Gelegenheit veranlasst dazu, mehr Tiere zu töten, als sogleich verzehrt werden können. Die Beutegreifer würden ggf. zu einem späteren Zeitpunkt zum angelegten „Vorrat“ zurückkehren.

10. Wölfe töten Nutztiere auch direkt in Ortsnähe oder im Ort. Zeigt das, dass sie ihre Scheu verlieren und somit zu einer Gefahr für Menschen werden?

Nein, wenn Wölfe gelegentlich nachts und selten auch mal am Tage in Siedlungsbereichen Nutz- oder Wildtiere reißen, ist dies nicht als gefährliches Verhalten gegenüber Menschen zu bewerten. Begegnungen mit Menschen vermeiden Wölfe in der Regel, weshalb die Übergriffe auf Nutztiere in Abwesenheit von Menschen stattfinden. Grundsätzlich können Wölfe, die in Kulturlandschaften leben - auch wenn dies selten ist - durchaus mal am Tage in Ortsnähe gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehört zum Repertoire des normalen Wildverhaltens.

11. Muss die Wolfsdichte in Grenzen gehalten werden?

Weltweit sind Wolfsdichten von 0,1 -9 Wölfe/100 km beschrieben. Dort wo wenige Beutetiere leben, benötigen Wölfe größere Territorien als in beutetierreichen Gebieten. In Regionen mit spärlicher Vegetation und kurzen Vegetationszeiten sind daher geringere Wolfsdichten zu finden, als z.B. in den produktiven Wald-Feld Gebieten Mitteleuropas. In vielen Teilen Sachsen ist die Schalenwilddichte vergleichsweise hoch, wie sich auch anhand der Jagdstrecken widerspiegelt. Im vergangenen Jagdjahr wurde mit einer Jagdstrecke von mehr als  75 000 Rehen, Hirschen und Wildschweinen, soviel Schalenwild erlegt wie seit 1991 nicht mehr.  Aus ökologischer / biologischer Sicht besteht keine Notwendigkeit zur Bejagung von Wölfen. Wölfe zählen zu den sogenannten Spitzenprädatoren - das heißt sie stehen am Ende der Nahrungskette, ihre Zahl wird nicht durch natürliche Feinde, sondern weitgehend durch die Häufigkeit und Verfügbarkeit ihrer Beutetiere reguliert. Durch die Lebensweise des Wolfes (Leben in Rudeln mit ausgesprochener Territorialität) ist der Anzahl der Wölfe in einem Gebiet stets eine natürliche Grenze gesetzt. 
Kommt es im Einzelfall zu ernsten Problemen mit Wölfen, etwa, wenn Einzeltiere ein Verhalten entwickeln, das für den Menschen sicherheitsrelevant ist oder wenn Wölfe wiederholt empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden, kann der Abschuss eines oder mehrere Tiere erforderlich werden. Dies hat jedoch nichts mit einer generellen Bejagung zu tun, sondern ist eine Managementmaßnahme, die darauf abzielt Konflikte gezielt zu minimieren. Eine solche Maßnahme ist auch möglich, solange der Wolf nicht dem Jagdrecht, sondern ausschließlich dem Naturschutzrecht unterliegt. 

12. Wer ist in Sachsen im Wolfsmanagement für was zuständig?

Die Koordinierung des Managements der streng geschützten Tierart Wolf obliegt dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL). Die Landratsämter und kreisfreien Städte sichern im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Realisierung des Wolfsmanagements durch ihre geschulten Mitarbeiter in den Kreisgebieten ab. Dabei arbeiten sie mit der Kernkompetenz in Sachen Wolf zusammen. Die Landratsämter sind unter anderem für die Begutachtung von durch Wölfe getötete Nutztiere, für die Aufnahme von Hinweisen zu Wölfen und die Öffentlichkeitsarbeit zum Wolf zuständig. Unterstütz und betreut werden Sie hierzu durch die Kernkompetenz der jeweiligen Bereiche. Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für die Entnahme eines Wolfes obliegt ebenfalls den Landratsämtern, in Abstimmung mit dem SMUL. 
Die Kernkompetenz für Wolfsmonitoring und -forschung stellen das Senckenberg Museum Görlitz und das  LUPUS Institut dar. Das LUPUS Institut ermittelt auf Basis der Monitoringdaten alljährlich den Stand des Wolfsvorkommens und dessen Verbreitungsgebiet und gibt den Landratsämtern Einschätzungen und Handlungsempfehlungen bei eventuell auftretenden Problemen mit Wölfen. Die Senckenberg Gesellschaft ergänzt das Wolfsmonitoring durch wissenschaftliche Untersuchungen wie Genetische Analysen und Losungsanalysen. Die Kernkompetenz für den Bereich Herdenschutz, Prävention und Kompensation verkörpert der Sachbearbeiter Wolfsmanagement. Zu seinen Aufgaben gehört die Dokumentation und Bewertung der Nutztierschäden in Sachsen, Anleitung der  Landkreisbeauftragten zu Nutztierrissbegutachtungen, und Beratung der Tierhalter zum Thema Herdenschutz und Förderung. Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz ist die Kernkompetenz im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Es ist vom SMUL und dem Landkreis Görlitz beauftragt alle aktuellen Informationen über Wölfe in Sachsen zu bündeln und der Öffentlichkeit in geeigneter Weise zugänglich zu machen bzw. aktiv bekannt zu geben. Dabei wird es durch die geschulten Mitarbeiter in den Kreisgebieten unterstützt. 
(Pressemitteilung Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz, 22.11.16)


16.11.2016

Wolf/Mecklenburg-Vorpommern: Weiblicher Wolfswelpe mit Peilsender bestückt

In Mecklenburg-Vorpommern konnte erneut ein Wolfswelpe erfolgreich besendert werden. Nachdem es im Oktober 2015 erstmals gelang, einen männlichen Welpen („Arno“) aus dem Rudel in der Lübtheener Heide mit einem Peilsender auszustatten, wurde nun ein weiblicher Welpe („Naya“) aus dem gleichen Rudel mit einem Peilsender versehen.

„Das ist ein toller Erfolg für alle Beteiligten, denn nur auf diesem Wege können wir das Wanderverhalten und die Gewohnheiten der Tiere verfolgen, um daraus nützliche Erkenntnisse für den weiteren Umgang mit ihm zu ziehen. Das ist dringend geboten: Erst kürzlich haben Fotofallenbilder sieben neue Wolfswelpen im Land bestätigt. Sie belegen, dass sich die Wolfsvorkommen weiterentwickeln und es die richtige Entscheidung war, das ganze Land mit Ausnahme der Inseln zum Wolfsgebiet zu erklären“, kommentierte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Der Übergriff auf eine Rinderherde bei Niendorf habe deutlich gemacht, dass sich Bund und Länder der Debatte um einen günstigen Erhaltungszustand der Wolfspopulation stellen müssen, so Backhaus. Mecklenburg-Vorpommern habe mit der Wolfstagung im Juni bereits einen wichtigen Grundstein für einen sachlichen Austausch gelegt. Auch auf der Umweltministerkonferenz Ende Juni in Berlin werde M-V den Wolf auf die Themenagenda heben, kündigte er an. Grundlage seien auch Erkenntnisse aus der Telemetrie.

Der GPS-Sender des Wolfswelpen „Arno“ hat im Verlauf der letzten 12 Monate planmäßig Daten geliefert. Als nicht geschlechtsreifer „Jährling“ ist er noch immer Teil des Lübtheener Wolfsrudels und hilft bei der Aufzucht der diesjährigen Welpen. Es ist davon auszugehen, dass er mit Erreichen der Geschlechtsreife seine Familie verlässt und sich sein eigenes Territorium sucht. Bisher ist nicht bekannt, dass sich ein Welpe aus den beiden bekannten Rudeln des Landes innerhalb von M-V angesiedelt hat.

Das Telemetrie-Projekt wird seit 2011 vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in enger Abstimmung mit dem Landesjagdverband MV, dem Bundesforstbetrieb Trave der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und der TU Dresden durchgeführt. Für 2016 standen zwei Peilsender zur Verfügung, von denen der erste jetzt zum Einsatz kam. Künftig wird versucht, weitere Wölfe im Land zu markieren.

Hintergrund
Die ersten Fangversuche von Wölfen zwischen 2011 und 2013 in der Lübtheener Heide blieben erfolglos. Zu jener Zeit lebte dort nur ein einzelner Rüde. Nachdem sich im Jahr 2014 ein Wolfspaar erfolgreich reproduziert hat, wurden 2015 die Fangbemühungen wieder aufgenommen und waren erfolgreich. Im Oktober 2015 konnte ein männlicher Welpe aus dem Lübtheener Rudel erfolgreich besendert werden. Die Sender liefern wichtige Daten zur Raumnutzung des Rudels und unterstützen damit das Wolfsmonitoring des Landes. Über die Ergebnisse wird in regelmäßigen Abständen informiert. (Quelle)

Rezension: Halten Sie Ihr Huhn fest!

Halten Sie Ihr Huhn fest!
Hundeleben auf dem Land

Katharina von der Leyen
Franckh Kosmos Verlag, 2016
224 Seiten
ISBN 978-3440149515
16,99 €

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Inhalt
Locker, sehr komisch und pointiert erzählt Katharina von der Leyen vom Leben ihrer Hunde auf dem Land. Sie genießt Wald und Wild so weit das Auge reicht. Aber sie muss feststellen, dass das Hundeleben zwischen Schafskötteln als Delikatesse und nervösem Federvieh beim Bauern nebenan so manche Herausforderung zu bieten hat.

Rezensionen
„Halten Sie Ihr Huhn fest“ ist ein amüsantes, kurzweiliges und unterhaltendes Buch über den Alltag mit Hunden auf dem Land. Nach „Dogs in the city“, wo wir die Stadthunde kennengelernt haben, erfahren die Leser nun, wie aufregend das Leben auf dem Land sein kann – nicht nur für Hunde. Besonders berührt war ich jedes Mal, wenn die Autorin den Abschied von einem Hund schilderte. Haben wir das nicht alle schon erlebt?

Gut gelungen auch die Beschreibungen der Hunde und ihrer Eigenarten. Wie schön, dass man sich auch anhand der Farbfotos im Innenteil ein Bild von dem jeweiligen Vierbeinern machen kann. Das Buch ist sehr liebevoll und warmherzig geschrieben, und der Spaßfaktor ist garantiert.

Völlig überflüssig fand ich die ganzseitige Werbung für die Hundefutterfirma der Autorin am Schluss des Buches (S. 221).

Zur Wolfsbegegnung (Kapitel 19): Sehr schön beschrieben hat die Autorin, wie sie mit ihren Hunden einen wilden Wolf trifft. Glückwunsch zu dieser Begegnung. Das baut hoffentlich Ängste ab. Allerdings gibt es hier einen entscheidenden Fehler, was die geschilderte Anzahl der Wölfe in Deutschland angeht. Frau von der Leyen schreibt: „Ich wusste von verschiedenen Jägern, dass es bis 2014 in Deutschland 94 Wolfsrudel gab“ (Seite 76).
Diese Aussage ist schlichtweg FALSCH! Es gab in Deutschland noch NIE 94 WolfsRUDEL. Vielleicht hat ihre Quelle 94 Wölfe gemeint? Der aktuelle, offiziell bestätigte Stand der Wolfspopulation beträgt jetzt im November 2016: 46 Rudel, 15 Paare und 4 Einzeltiere, das entspricht je nach Rudelgröße einer durchschnittlichen Gesamtzahl von ca. 350 Wölfen.
Man sollte sich gerade bei einem so sensiblen Thema wie dem Wolf niemals auf die Aussagen von Interessengruppen (Jägern) verlassen, sondern stets die objektiven Fakten checken. Dem Verlag empfehle ich, die Zahl bei der nächsten Auflage zu korrigieren. (ehr)



13.11.2016

Rezension: Wölfe

Wölfe: Ein Portrait
Petra Ahne
Matthes & Seitz Berlin, 2016
ISBN 978-3957573339
18,00 €

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Inhalt
Der Wolf ist zurück in unseren Breiten, und mit ihm eine jahrhundertealte Obsession zwischen Angst und Anziehung. Petra Ahne nimmt die kultur- und naturgeschichtlich Fährte des bernsteinäugigen Wanderers auf, durchstreift die Motivgeschichte von Rotkäppchen bis zum Werwolf, erkundet die ambivalente Beziehung zu seinem domestizierten Nachfahren, dem Hund, und der Spezies, die ihm entweder verklärend huldigt oder noch immer nach dem Leben trachtet: dem Menschen.




Rezension
Ich gestehe, ich bin zunächst skeptisch an das Buch herangegangen, als ich den ersten Satz vom Text auf der Buchrückseite las: „Manchmal töten Wölfe Menschen.“
Auch wenn es stimmt, so halte ich diesen Satz an einer derart wichtigen Stelle nicht gerade als verkaufsfördernd für Wolfsfreunde, mag er doch viele abschrecken. Ich war jedoch schnell wieder „versöhnt“, als ich begann, das Buch zu lesen.

Das Büchlein gehört zur Naturkunde-Reihe von Matthes & Seitz, die bewusst keine bloße Wissenschaft betreiben will, sondern die leidenschaftliche Erforschung der Welt. Und so hebt sich auch dieses Buch wohltuend anders von den üblichen Wolfsbüchern ab, die heute auf dem Markt sind.

Schon äußerlich sticht es hervor mit seinem ungewöhnlichen Einband und der farbigen Prägung. Das Tier auf dem Cover ist sehr dunkel und erst auf den zweiten Blick als Wolf zu erkennen, zumal der Holzschnitt aus dem Jahr 1891 wie ein Kojote aussieht.
Die Autorin Petra Ahne ist Redakteurin bei der Berliner Zeitung, also keine „Wolfsfachfrau“, was sie ja auch nicht sein muss. Aber Wölfe geküsst hat sie allemal, wenn es auch nur Tanja Askanis weiße Gehegewölfe waren (wie Fotos aus dem Internet zeigen). Gut recherchiert hat sie auf jeden Fall. So gesehen halten alle Aussagen im Buch meinem kritischen Expertenurteil stand. „Wölfe: Ein Portrait“ ist aktuell, wölfisch korrekt, aufklärend und ohne die sonst so typischen Klischees, die wir leider noch allzu oft lesen können.

Mir hat besonders das Kapitel „Vom Ruf einer unbekannten und ursprünglichen Kraft“ gefallen, über dessen Thema wir sonst nur wenig lesen: „Vom Drang zum wilden Tier.“ Hier beschreibt die Autorin Menschen, die mit Wölfen beziehungsweise Wolfsmischlingen leben, weil sie „etwas Unverfälschtes, Wildes besitzen wollen“. Den Irrglauben, sich durch die Haltung von Gehegewölfen (die Pianistin Hélène Grimaud) oder von Wolfsmischlingen (der Philosoph Mark Rowland) selbst bestätigen zu müssen. Bei aller Kritik bleibt Ahne stets respektvoll und verständnisvoll.

Im Kapitel „Mit Anfa im Garten (Der Wolf und die Wissenschaft)“ klärt die Autorin erneut über den Mythos Alpha auf (Danke!) und fragt: „Ob sich die Idee vom Leitwolf auch deswegen so lange gehalten hat, weil sie reichlich Identifizierungsmöglichkeiten für ein viriles Selbstbild bietet?“ (Seite 51) Denn „Die Geschichte der Wolfsforschung ist auch die Geschichte einer überschaubaren Zahl von Männern, die ihr Leben diesem einen Tier verschrieben haben.“

In „Wölfe“ wird der Wolf aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, u.a. historisch, kulturell, wissenschaftlich. Auch die Bilder im Buch sind ungewöhnlich: historische Bilder, Zeichnungen, Holzschnitte, Skizzen. Das letzte Kapitel „Portraits“ listet Wolfsarten und –unterarten auf mit farbigen Abbildungen und Beschreibungen.

„Wölfe: Ein Portrait“ ist für mich ein wunderschönes Buch, das deutlich aus den meisten Wolfsbüchern heraussticht. Es ist interessant, klug und empathisch geschrieben. Wem der Preis für 144 Seiten zu hoch scheint, dem sei versichert: Es lohnt sich!
Ein wunderbares Geschenk für jeden Wolfsfreund. (ehr)

Übrigens: Der Artikel „Tierschau“ von Petra Ahne über Zoos war 2014 für den bekanntesten Journalistenpreis, den Theodor-Wolff-Preis, nominiert. Hier geht es zum lesenswerten Artikel ...


08.11.2016

Sachsen: Tote Schafe bei Cunnewitz

Am 06.11.2016 wurden in Cunnewitz (Landkreis Bautzen), im Territorium des Rosenthaler Rudels, 7 Schafe getötet und 1 Schaf verletzt. Der betroffene Schafhalter hatte bereits am 05.10. und 06.10.2016 insgesamt 32 Schafe bei Wolfsübergriffen verloren. In den beiden vorhergehen Fällen überwand der Wolf ca. 1,40 m hohe Festzäune, im aktuellen Fall wurde ein 1,35-1,50 m hoher Festzaun aus Knotengeflecht überwunden. Über diesen war an einer Seite des Zaunes, auf dem obersten Draht aufliegend, eine Breitbandlitze gespannt. Unklar ist, auf welcher Seite der Zaun überwunden worden ist.

E-Zaun mit Breitbandlistze ("Flatterband") (c) A. Klingenberg
Da Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material im Gegensatz zu stromführenden Zäunen, die bei Berührung Schmerz verursachen, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen, ist der Effekt eines „Flatterbandes“ (Breitbandlitze) in Verbindung mit einem Festzaun fraglich und wird daher nicht empfohlen. Das „Flatterband“ ist eine als optische Barriere wirkende Breitbandlitze, die sich in Kombination mit einem Elektrozaun als effektive Maßnahme gegen das Überspringen bewährt hat und daher empfohlen werden kann. Dazu wird die Breitbandlitze ca. 20 - 30 cm über dem Elektrozaun angebracht, so dass sie frei in der Luft hängt und dem Wolf erschwert, die Höhe des Hindernisses abzuschätzen.
Dem betroffenen Tierhalter wurden von Seiten des Wolfsmanagementes geeignete, förderfähige Herdenschutzmöglichkeiten angeboten. Das sind der Einsatz von Elektrozäunen mit Flatterband, Herdenschutzhunde oder die Nachrüstung des vorhandenen Festzaunes mit Untergrabungs- und Übersprungschutz (stromführende Drahtlitze).

Im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels wurden im Jahr 2016 bislang 11 Übergriffe gemeldet, davon wurden in 8 Fällen Festkoppeln überwunden. Elektrozäune, die mit „Flatterband“ überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden. Um weiteren Nutztierschäden im Raum Rosenthal vorzubeugen, werden Schaf- und Ziegenhalter im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels, wie auch im letzten Jahr, dazu aufgerufen, ein „Flatterband“ (Breitbandlitze) ca. 20 – 30 cm über ihren Elektrozaun zu spannen. Sollte das Flatterband des letzten Jahres nicht mehr einsetzbar sein oder nicht ausreichen, kann das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden (Kontakt: siehe unten). Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im gekennzeichneten Gebiet (siehe Karte) voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig.
Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen (mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, „Flatterband“, Unterwühlschutz) zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen.

Beratung zur Verbesserung des Herdenschutzes und zu Fördermöglichkeiten sowie die Möglichkeit zur Ausleihe von „Flatterband“ erhalten Sie unter folgendem Kontakt: Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de).