23.09.2016

NABU: Wolfsschutz weiter verbessern - illegale Tötungen sind kein Kavaliersdelikt

Berlin (ots) - Der NABU begrüßt die weiterhin positive Entwicklung der Wölfe in Deutschland. Wie das bundesweite Wolfs-Beratungszentrum und das Bundesamt für Naturschutz am heutigen Freitag in Berlin mitteilten, lebten bis Ende April 2016 insgesamt 46 Rudel und 15 Paare in Deutschland. Das sind rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig mahnte der NABU an, Ressourcen zu schaffen, um die steigende Zahl illegaler Tötungen von Wölfen aufzuklären und den Wolf weiterhin konsequent zu schützen.

"Deutschland schreibt mit der eigenständigen Rückkehr des Wolfes seit dem Jahr 2000 eine echte Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Die Populationen entwickeln sich gut und perspektivisch rechnen wir damit, dass Wölfe in allen Flächenbundesländern vorkommen werden", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Gleichzeitig betonte Miller, dass es wichtig sei, potenzielle Konflikte im Zusammenleben von Mensch und Wolf frühzeitig zu erkennen und Lösungen für Betroffene anzubieten. "Mehr als 15 Jahre mit dem Wolf in Deutschland zeigen uns, dass der Wolf keine finstere Bedrohung in dunklen Wäldern ist, wie es uns in den Märchen überliefert wird. Aber er bleibt ein Wildtier, an dessen Rückkehr wir uns erst gewöhnen müssen", so der NABU-Bundesgeschäftsführer. "Insbesondere für die Nutztierhalter ergeben sich grundlegende Veränderungen, die gemeinsam angegangen werden sollten."

Der NABU begrüßte, dass das Wolfsberatungszentrum erstmals auch einheitliche Empfehlungen und Hilfestellungen für die Länder zum Umgang mit auffälligen Wölfen erarbeitet. Nach Ansicht des NABU muss es künftig vor allem darum gehen, kritische Fälle von Vornherein zu vermeiden. Mit entscheidend sei dabei der Umgang des Menschen mit dem Wolf. "Wölfe sind von Natur aus weder scheu noch auffällig. Das sollten wir immer im Kopf behalten. Durch Fehlverhalten von Menschen, wie etwa Fütterungen, kann es aber dazu kommen, dass einzelne Tiere auffällig werden. Die effektivste Methode, kritische Situationen von Beginn an zu vermeiden, ist, Wölfe als echte Wildtiere zu behandeln und respektvollen Abstand zu wahren", sagte Miller.

In der Bevölkerung stößt die Rückkehr des Wolfes grundsätzlich auf breite Unterstützung, wie eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des NABU zeigte. Demnach finden es 80 Prozent der Befragten erfreulich, dass der Wolf unsere Landschaft wieder bereichert. 78 Prozent stimmten zu, dass Wölfe auch dann hier leben sollten, wenn es teilweise zu Problemen kommt.

"Die neuen Bestandszahlen sind ein positives Signal, dass wir mit unseren Schutzbemühungen auf einem guten Weg sind und zu einem gesicherten Überleben des Wolfes in Deutschland kommen können. Dazu müssen wir seinen hohen Schutzstatus aber weiterhin aufrecht erhalten und neuen Wolfsbeständen, auch in weiteren Bundesländern, den Weg ebnen", so Miller. Der NABU-Bundesgeschäftsführer appellierte an alle Bundesländer, sich auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten. So hat sich zum Beispiel der Ausgleich von Schäden für getötete Nutztiere als ein wichtiges Mittel für die Akzeptanz des Wolfes erwiesen. Als ein Vorbild für gutes Wolfsmanagement nannte der NABU-Bundesgeschäftsführer Sachsen, das sich als erstes Bundesland auf den Rückkehrer einstellen musste.

Die Zahl illegaler Wolfs-Tötungen liegt mit mindestens 19 toten Tiere seit dem Jahr 2000 weiter hoch. Hinzu kommt eine hohe Zahl unentdeckter Übergriffe. "Diese Straftäter haben in Deutschland leider zu leichtes Spiel. Es gibt zu wenige auf Umweltkriminalität spezialisierte Beamte bei Polizei und Justiz. Bis heute wurde kein einziger Schütze durch polizeiliche Ermittlungen identifiziert. Wir fordern eine Stärkung der Behörden, bessere Ermittlungsarbeit und eine konsequente Verurteilung der Täter. In Afrika und Asien kämpfen wir gegen Wilderei, aber gleichzeitig tun wir so, als wäre das illegale Töten eines Wolfes in Deutschland ein Bagatelldelikt", so Miller. Auch der Straßenverkehr bleibt weiterhin ein hohes Risiko für den Wolf: Bis August 2016 wurden mehr als 100 Tiere tot auf Deutschlands Straßen gefunden.

Der NABU begrüßte die Arbeit des neu eingerichteten Wolfs-Beratungszentrums des Bundes, das Daten zum Wolf bundesweit sammelt und die Länder gezielt mit Informationen und bei Bedarf mit Experten unterstützt. Die Einrichtung einer solchen bundesweit tätigen Stelle hatte der NABU lange Zeit gefordert. "Dem Wolf sind Landesgrenzen einerlei. Daher sind bundeseinheitliche Maßstäbe der Schlüssel zum Erfolg für das Zusammenleben von Mensch, Wolf und Nutztieren in Deutschland", sagte NABU-Wolfsexperte Markus Bathen. Auch auf EU-Ebene müsse die Kooperation der Mitgliedsstaaten zum Wolf perspektivisch verbessert werden.

Seit dem Jahr 2000 setzt sich der NABU für die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ein. Mit mehreren Hundert ehrenamtlichen Wolfsbotschaftern klärt er in Deutschland über das Wildtier auf. In diesem Jahr hat der NABU erstmals auch einen Journalisten-Wettbewerb ins Leben gerufen, mit dem er besonders ausgewogene und fundierte Beiträge zum Wolf auszeichnet. Die Preisverleihung findet am 13. Oktober in Berlin statt.

Rüde des Daubnitzer Rudels. Foto Jan Noack
Mehr zum Wolf: www.NABU.de/wolf

15.09.2016

Rezension: wir wölfe

wir wölfe – gedichte
Eine poetische Hommage an unsere Tierwelt

Franziska Röchter (Herausgeberin)
chiliverlag, 2016
148 Seiten
ISBN 978-3943292459
9,90 €

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Inhalt
Eine poetische Hommage an unsere Tierwelt.
Annähernd 60 Autorinnen und Autoren, unter ihnen Michael Starcke, Peter Ettl, Esther Ackermann, Thomas Rackwitz, Sören Heim, dichten über die Vielfalt
und den Artenreichtum unserer Tierwelt. Aus den Gedichten und den Fotos von Heike Großmann und Christine Zeides spricht eine große Wertschätzung gegenüber Tieren und ein Erkennen ihrer unglaublichen Einzigartigkeit sowie Bewunderung ihrer Schönheit.
Die Subjekte der vorliegenden Gedichte sind neben Katzen, Hunden, Vögeln, wildlebenden sowie vom Aussterben bedrohten Tieren auch Kleinstlebewesen wie z. B. Insekten, des Weiteren Exoten aus anderen Ländern. Mal humorvoll, zunehmend aber auch ernsthaft werden Besonderheiten einiger Tierarten und Wissenswertes poetisch beleuchtet und ihr Dasein in Relation zum Menschen bespiegelt.

Rezension
Bei einem Buch, das den Titel „wir wölfe“ trägt und zwei Wölfe auf dem Titelblatt hat erwarte ich normalerweise auch Wölfe im Inhalt. In dieser Hinsicht wurden meine Erwartungen leider enttäuscht. In einem Buch mit 101 Gedichten, handelten lediglich 2(!) von Wölfen und 8 von Hunden. Das ist mir persönlich zu wenig für diesen Titel. Was mich ebenfalls gestört und auch zu einem Punktabzug geführt hat, ist das schlecht lesbare Layout bzw. der Satz. Die Autorennamen im Buch sowie der Klappentext sind in einer sehr dünnen Schrift in Großbuchstaben gesetzt, die nicht nur irritiert, sondern sich auch noch schwer lesen lässt. Hier wäre es schöner gewesen, wenn der Verlag beim traditionellen Schriftbild geblieb
Nun aber genug der negativen Kritik. Ich rechne es der Herausgeberin hoch an, dass sie über 100 Gedichte von fast 60 Autoren zusammengetragen hat; wahrlich eine reife Leistung! Wenn auch wenig Wölfe, so kommen doch sehr viele andere Tierarten zu Wort – vom Skarabäus bis zum Krokodil. Die Gedichte sind mal lustig, mal nachdenklich, oft sehr emotional. Es ist wunderschöne Lyrik, die anklagt, Mut macht oder zu Tränen rührt. Hinzu kommen prächtige Farbfotos, die – wohltuend anders – mal nicht auf Hochglanzseiten gedruckt sind. Jeder Leser wird hier etwas für sich finden. „wir wölfe“ ist kein Buch, das man in einem Rutsch liest, sondern das man – je nach Stimmung – immer wieder gerne zur Hand nimmt, um darin zu Schmökern. Dazu wünsche ich dem Leser viel Freude. (ehr)


13.09.2016

Rezension: Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen

Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen
Eine Reise zur Leichtigkeit
Clara Maria Bagus
Allegria, 2016
208 Seiten
ISBN 978-3793423072
14,00 €

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Inhalt
Traurig und einsam blickt der Mann auf die trübe Landschaft des nicht enden wollenden Winters. Doch plötzlich setzt sich ein kleiner Vogel unverhofft auf den Ast eines kargen Baumes, der wie von Zauberhand unmittelbar anfängt zu blühen. Kaum fliegt der Vogel davon, kehrt der Winter jedoch zurück. Der Mann erkennt, wie sehr er sich nach der Wärme und Schönheit des Frühlings sehnt, und macht sich auf, den geheimnisvollen Vogel zu finden. Auf seiner Reise erwarten ihn Abenteuer, und er begegnet Menschen, die ihn daran erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist.



Rezension
Dieses Buch beginnt einfach und düster. Nacht, Dunkelheit, Frost. Ein alter Mann, der auf den Frühling wartet, der nicht kommen will. Aber bevor der Leser sich der Melancholie hingibt und das Buch schon weglegen will, taucht ein bunter Vogel auf, der alles verändert. Was er berührt wird in ein Blütenmeer verwandelt. Und schon ist der Leser gefangen und kommt nicht mehr los.
Mir kam beim Lesen der vielen kurzen Kapitel manchmal der Gedanke, dass sich der Vogel vielleicht zwischen den Seiten versteckt und den Leser mit der Poesie der Autorin verzaubert. So soll Literatur sein. Sie soll uns vergessen machen und an das Gute, Schöne glauben lassen. Soll uns die Augen öffnen.
Fasziniert hat mich auch die Sprache und die Handlung des Buches. Als Leser taucht man ein in eine Welt, von der man eigentlich nichts erfährt. Keine Namen, keinen Ort, keine ausführliche "Beschreibung", wie man sie sonst gewohnt ist. Wir konzentrieren uns ganz auf den Mann und folgen ihm auf der Suche nach dem Vogel, der den Frühling bringt. Die Handlung hat etwas eigenartig altertümliches. Es erinnert mich an die Küche meiner Urgroßmutter, die nur von dem Feuer erhellt wurde, der durch das Türchen des Holzofens schien. Neben ihm stand ein Sessel und ich saß bei meiner Urgroßmutter auf dem Schoß, während sie mir Märchen erzählte. Ein wunderbares, warmes Gefühl von Geborgenheit. So habe ich mich gefühlt, als ich dieses Buch gelesen habe.
Die Fragen, die sich der Mann – und jeder von uns –stellt, sind so banal wie universell: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Die allgegenwärtige Suche nach dem Sinn des Lebens. Und sogar die Antworten kennen wir eigentlich alle schon, sie werden uns in unzähligen Ratgebern vermittelt. Dennoch ist dieses Buch „anders“. Niemand, der sich darauf einlässt, bleibt unberührt.
Lesen Sie das Buch, machen Sie sich auf die Suche nach dem bunten Vogel – und finden Sie am Ende heraus, dass der Frühling schon längst in Ihnen ist. (ehr)

06.09.2016

Rezension: Heart of a Dog


Heart of a Dog
Was siehst du, wenn du die Augen schließt
(DVD)
Laurie Anderson
Indigo, 2016
Englisch mit deutschen Untertiteln
Spieldauer: 75 Minuten
16,99 €

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Inhalt
Laurie Anderson verwebt in dem Film Kindheitserinnerungen, Videotagebücher, philosophische Gedanken zum Datensammeln, zur Überwachungskultur und zum Leben nach dem Tod, und Ehrerbietungen an die Künstler, Schriftsteller, Musiker und Denker, die sie inspirieren, zu einem Tribut an ihren geliebten Terrier Lolabelle, der 2011 während eines Zeitraumes starb, in dem unter anderem auch Laurie Andersons Mutter und ihr Ehemann Lou Reed starben.
Während er ihr eigenes gewitztes Erzählen mit ihrer Musik, handgezeichneten Animationen, 8mm-Home-Movies und Kunst vermischt, fließt der Film durch so verschiedene Themen wie Familienerinnerungen, Überwachung und buddhistische Techniken …

Rezension
Dies ist kein einfacher Film, sicher nicht für jedermann und er ist ganz sicher nicht das, was man auf den ersten Blick vielleicht erwartet: Er ist kein Hundefilm. In den ganzen 75 Minuten Spielzeit, kommt der Hund der Künstlerin, der Terrier Lolabelle, nur etwas eine Viertelstunde vor (meist als Klavier spielender Hund). Gleichwohl war der Tod von Lolabelle wohl der Auslöser für die Gestaltung des Films. Wir alle wissen, wie traumatisierend und lebensverändert der Tod eines Hundes sein kann.
Laurie Anderson verbindet mehrere einschneidende Erlebnisse ihres Lebens miteinander: Den Tod ihres Hundes, den Tod ihrer Mutter und den Tod ihres Ehemannes Lou Reed. Sie webt daraus eine Collage von Bildern, Klängen und Lyrik zu, wie sie es nennt "einer Verbindung zwischen Liebe und Tod".
"Heart of a Dog" ist kein "Film" im üblichen Sinn, sondern ein avangardistisches Experiment, das man nur schwer verstehen, geschweige denn beurteilen kann. Der Untertitel "Was siehst du, wenn du die Augen schließt" beschreibt ihn wohl am besten. Es handelt sich um eine Meditation über das Leben, die Liebe und das Loslassen, gesprochen von der Künstlerin mit einer sehr wohltuenden ruhigen und beruhigenden Stimme, der ein Hauch von Traurigkeit innewohnt.
Trauer ist das große Thema des Films, wenn auch nie so direkt erwähnt. Die Kunst, die Laurie Anderson als "sich traurig fühlen, ohne traurig zu sein" beschreibt, kann man beim Anschauen dieses Werkes sehr gut üben. Es ist empathisch, ehrlich, emotional, ruhig und manchmal auch irritierend. Für mich ist es ein Film, den ich mich auf jeden Fall mehrmals ansehen muss, um ihn in seiner ganzen Fülle zu verstehen. (ehr)

02.09.2016

Wolf und Wildschäden

Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg e.V. (ÖJV Brandenburg)

Landesjagdverband Brandenburg verwechselt Ursache und Wirkung. Nicht der Wolf ist Verursacher von Wildschäden sondern überhöhte Schalenwildbestände. Wolfsexperte attestiert: „Große Rotwildrudel im Wald sind immer ein Zeichen übermäßig hoher Wilddichte“ - zumeist auf Grund unzureichender Bejagung.

In einer vor einigen Tagen vom Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) herausgegeben Pressemitteilung wird behauptet, dass in der Züllsdorfer Feldflur besorgniserregende Wildschäden trotz hoher jagdlicher Aktivitäten zu beklagen seien. Verursacht würden diese durch bis zu 120-köpfige Rotwildrudel, die wegen eines Wolfsrudels ihr Verhalten stark änderten und schon tagsüber schwere Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen verursachten. Die Jäger seien machtlos, die Landesregierung lasse sie im Regen stehen.

Seit Jahren ist wildbiologisch belegt, dass der Wolf für die Bildung solcher Großrudel nicht verantwortlich ist. Stellvertretend für zahlreiche Wissenschaftler, die diese Position teilen, sei hier der Jäger, Wildbiologe und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky zitiert:

„Die Größe von Rotwildrudeln wird in erster Linie durch zwei Faktoren bestimmt: Die Lebensraumstruktur und die Populationsdichte. Voraussetzung ist ein hohes Nahrungsangebot, in unserer Kulturlandschaft beispielsweise ertragreiches Grünland oder große Raps-oder Luzerneschläge. Rudel in der Größenordnung von 50 und mehr Tieren kennen wir nur bei einer sehr hohen Populationsdichte, jedenfalls bei einem Mehrfachen der amtlich zulässigen Dichte von etwa drei Stück pro 100 ha. Solche Rudelgrößen sind in vielen Gebieten bekannt, wo Wölfe fehlen, z.B. auf Truppenübungsplätzen oder in der Letzlinger Heide vor Ankunft der Wölfe.”
„Der Wolf ist ein einheimisches Wildtier, das unsere Landschaft enorm bereichert. Er ist ein großartiger Helfer auf dem Weg zu höherer Biodiversität und Naturnähe. Die Wiederbesiedlung Brandenburgs durch den Wolf fordert viel Mühe, Engagement und Wissen. Dieser Aufgabe stellen sich alle Betroffenen. Den Wolf jedoch verantwortlich zu machen für eigenes jagdliches Versagen ist unsachlich und abwegig.“ betont Simon Karrer, stellvertretender Vorsitzender des ÖJV Brandenburg und ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter des Landes.

Der LJVB propagiert eine Jagd, die auf hohe Wildbestände und Trophäenkult ausgerichtet ist und die damit der gesetzlichen Hegepflicht widerspricht. Diese Jagd ist verantwortlich für die erheblichen Wildschäden, die es in Brandenburg in vielen Gegenden gibt, unabhängig davon, ob der Wolf dort bereits wieder heimisch ist oder nicht.

Wer über zu hohe Wildschäden klagt, sollte wissen, dass zuallererst der Jäger die Wildbestände reguliert. Wer dann den Wolf als Ausrede ins Spiel bringt, hat weder von der Jagd noch von der Lebensweise des Wolfes etwas verstanden. (www.oejv-brandenburg.de)


01.09.2016

Rezension: Wildnis Yellowstone (DVD & Blue-ray)

Wildnis Yellowstone
Im Wechsel der Extreme
DVD & Blue-ray
Polyband/WVG, 2016
Regisseur(e): Joe Kennedy, Tom Stephens
Spieldauer: 100 Minuten
7,99 €

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Inhalt
Ein Ort - ein Mythos - eine Naturlandschaft im Wechsel der Extreme. Das ist der Yellowstone-Nationalpark mit seinen heißen Quellen, seinen vulkanischen Geysiren und tierischen Bewohnern wie Bison, Bär und Wolf. Die großartige Wildnis dieser aufregenden Naturlandschaft im Herzen Nordamerikas fordert von seinen Bewohnern ein Leben am Limit: Im Winter herrscht klirrende Kälte mit Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius, während eine gut 10 Meter dicke Schneedecke über dem Land liegt. Inmitten der winterlichen "Märchenlandschaft" zeigt der Park mit seinen heißen Quellen und mehr als 300 Geysiren eine raue, bedrohliche Seite, die von vulkanischer Aktivität im Untergrund gespeist wird. Im Sommer ändert sich das Bild: Sanfte Hügel, hohe Berge, wasserreiche Flüsse und fruchtbare Grasweiden prägen die Landschaft. In atemberaubenden Bildern zeigt die zweiteilige Serie die beeindruckende Schönheit einer wilden Naturlandschaft.
Als Bonus gibt es ein umfangreiches Begleitbooklet mit spannenden Hintergrundinfos und großer Bildstrecke.

Rezension
Die DVD besteht aus zwei Teilen: Winterwildnis und Sommerreigen.

Ich fahre seit 40 Jahren in den Yellowstone-Park und leite und organisiere seit mehr als 20 Jahren Wolfsreisen dorthin. Das bedeutet, dass ich fast alle Szenen in diesem Film schon live erlebt habe. Die Aufnahmen in extremer Zeitlupe jedoch sind ein ganz besonderer Genuss, den man in der Wildnis selbstverständlich so nicht erleben kann. Das gilt auch für die Luftaufnahmen.

Wenn man weiß, dass die Tierfilmer im Schnitt etwa fünf Jahre für die Dreharbeiten eines solchen Films brauchen und dabei täglich und bei jedem Wetter – auch bei Minus 40 Grad draußen stehen und filmen, dann kann man nicht anders als ihnen höchsten Respekt für diese Aufnahmen zollen.

Sehr gut und informativ auch die Erklärungen zu den Tieren, der Natur und der Geologie des Parks. Wunderbar erklärt der Film die ökologischen Zusammenhänge. Die Farbaufnahmen sind einfach grandios ebenso wie der passende Sound, wenngleich manche Geräusche überflüssigerweise und unkorrekt hinzugeschnitten wurden: Beispiel Wölfe. Wölfe leben und jagen relativ still. Weder knurren oder bellen sie, wenn sie ein Tier jagen, noch jaulen sie, wenn sie flüchten. Ebenso wenig passt das tiefe Grollen der Bisons, die durch den Schnee laufen zur Realität. Solche Töne hört man nur in der Paarungszeit im August, wenn die Tiere gegenseitig ihre Stärke messen und um die Bisonkühe kämpfen, was im Sommer-Teil des Films auch sehr schön zu sehen und zu hören ist. Ich gehe davon aus, dass die Töne hinzugeschnitten wurden, um den Film dramatischer wirken zu lassen – was er überhaupt nicht nötig hat.

Viele der Aufnahmen sind schon "Klassiker". Die Winterszene, in der ein Weißkopfadler dem Kojoten einen Brocken Fleisch aus dem Maul schnappt, wurde schon unzählige Male gefilmt, was vermutlich auch an den zahlreichen Fotografen und Tierfilmern liegt, die in Yellowstone die Straßen säumen. Nur wenige und nur die besten von ihnen bleiben lange genug, um einen solch grandiosen Film in ganzer Länge zu drehen.

Dieser Film zeigt die Härte des Winters und die Schönheit des Sommers. Und bei aller Faszination der großen Beutegreifer Wolf, Bär oder Kojote vergessen die Filmer nicht die "Kleinen". So gibt es u. a. spektakuläre Aufnahmen von Kolibris. 60 Flügelschläge pro Sekunde in Superzeitlupe – einfach nur "Wow".

"Wildnis Yellowstone" ist ein Film voller Schönheit, Dramatik und Faszination. Das zweitbeste Erlebnis nach einem Live-Besuch des Nationalparks. Was bleibt nach dem Ansehen des Films, ist eine große, große Sehnsucht, so schnell wie möglich wieder nach Yellowstone zurückzukehren. (ehr)

31.08.2016

Zwei weitere Wolfsnachweise in Schleswig-Holstein

Wolfsnachweise im Kreis Herzogtum Lauenburg und im Kreis Schleswig-Flensburg
Im August wurden 2 weitere Wolfsnachweise auf unterschiedliche Art erbracht


KIEL/FLINTBEK. Am 12. August 2016 wurden Mitarbeiter des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements durch einen Jagdausübungsberechtigten aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg über eine mögliche Wolfsbeobachtung informiert. Von seiner Jagdkanzel aus hatte der Jäger beobachtet, dass – wie er annahm – ein Wolf vergeblich versuchte, ein Reh zu erbeuten und kurz danach verschwand. Leider gelang es nicht, die Beobachtung durch ein Foto oder ein Video zu dokumentieren, wie bei einer wenige Woche zurückliegenden Beobachtung im Kreis Pinneberg. Das ganze ereignete sich in der Nähe A 20 bei Groß Sarau. Der herbeigerufene Wolfsbetreuer untersuchte am gleichen Tag den Ort und fand Spuren, die aufgrund ihrer Größe und der anhand dieser Spuren dokumentierten Fortbewegungsweise tatsächlich auf einen Wolf hinwiesen. Das Tier hatte insbesondere eine für Wölfe typische Fortbewegungsart, den geschnürten Trab gezeigt, bei dem die Tritte fast perlschnurartig in einer Linie liegen und die Hinterpfoten jeweils in die Abdrücke der Vorderpfoten gesetzt werden. Diese energiesparende Gangart ist bei Wölfen besonders häufig. Die Schrittlänge überschreitet im geschnürten Trab beim adulten Wolf 110 cm. Da auch viele Hunde schnüren können, muss eine fragliche Spur möglichst weit ausgegangen werden, um entsprechende Abgrenzungen vornehmen zu können. Die Dokumentationen der Sichtbeobachtung und insbesondere der festgestellten Spuren wurden von Herrn Dr. N. Stier von der Technischen Universität Dresden, dem für die Klärung entsprechender Fragen zuständigen Fachmann in Schleswig-Holstein, begutachtet und als Wolfsbeobachtung der Kategorie C 2 (bestätigter Hinweis) eingestuft.

Am 15. August 2016 wurde dann durch einen Schafhalter aus der Nähe von Satrup im Kreis Schleswig-Flensburg zwei tote sowie ein verletztes Schaf gemeldet. Die Tiere wiesen Verletzungen auf, die den Verdacht weckten, dass ein großer Beutegreifer für die Verletzungen der Tiere verantwortlich sein könnte – in Frage kamen in diesem Fall ein Hund beziehungsweise ein Wolf. Aufgrund der Schwere der Verletzungen starb letztendlich auch das zunächst verletzte Tier.

Der Vorfall wurde am gleichen Tag durch Wolfsbetreuer des Landes aufgenommen. Diese nahmen genetische Proben für weitergehende Untersuchungen zur Klärung des möglichen Verursachers. Die toten Tiere wurden anschließend zur veterinär-pathologischen Untersuchung in das Landeslabor nach Neumünster verbracht.

Die genetische Analyse des „Nationalen Referenzzentrums für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf“, dem Forschungsinstitut Senckenberg bei Frankfurt, ergab eindeutig, dass ein Wolf die Schafe angegriffen und getötet hat. Bislang konnte lediglich die Artzugehörigkeit, nicht aber die Herkunft des Tieres ermittelt werden. Aufgrund des gelungenen genetischen Nachweises wurde der Vorfall durch Herrn Dr. N. Stier, dem für Schleswig-Holstein zuständigen Experten von der Technischen Universität Dresden, als Wolfsbeobachtung der Kategorie C 1 (eindeutiger Nachweis) eingestuft. Der Tierhalter wurde durch Mitarbeiter des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements bereits über das Untersuchungsergebnis informiert Aufgrund der Ausgleichsregelungen des Landes Schleswig-Holstein besteht für den betroffenen Schafhalter jetzt die Möglichkeit, den durch die Tierverluste entstandenen Schaden auf Antrag finanziell ausgeglichen zu bekommen.

Es handelt sich damit um die 30. bzw. 31. Beobachtung eines freilebenden Wolfes in Schleswig-Holstein seit dem ersten Wiederauftreten der Art in Schleswig-Holstein im Jahr 2007.
(Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein)