23.03.2017

Schweiz: Verfügung zum Abschuss eines Wolfes

Zwischen dem 21. Januar und dem 8. Februar 2017 hat ein Wolf im Bergell, in der Leventina (Kanton Tessin) und im Misox mehr als 40 Schafe gerissen. In drei Fällen, nämlich in Stampa, in Faido und in Cama konnte aufgrund von genetischen Analysen ein und derselbe Wolfsrüde M75 als Verursacher identifiziert werden.

Wolf in der Fotofalle des AJF, 12.12.2016
Gestützt auf Art. 9bis der eidgenössischen Jagdverordnung kann eine Abschussbewil-ligung für einzelne Wölfe erteilt werden, die erheblichen Schaden an Nutztieren an-richten. Ein erheblicher Schaden an Nutztieren durch einen einzelnen Wolf liegt unter anderem dann vor, wenn in seinem Streifgebiet innerhalb eines Monats mindestens 25 Nutztiere, trotz Herdenschutzmassnahmen, getötet werden. Schäden, die auf dem Gebiet von zwei oder mehreren Kantonen entstanden sind, haben die betroffe-nen Kantone koordiniert zu beurteilen. Die Abschussbewilligung muss der Verhütung weiteren Schadens an Nutztieren dienen.

Die beiden Kantone Tessin und Graubünden haben in gegenseitiger Absprache eine Abschussverfügung für den Wolf M75 erlassen. Diese ist auf 60 Tage befristet.

Die Schwierigkeit eines gezielten Abschusses des Wolfes M75 besteht im typischen Verhalten eines nicht stationären Wolfes, d.h. in der häufigen und schnellen Ver-schiebung über grössere Distanzen. Es ist deshalb durchaus möglich, dass der Wolf M75 auch für die sieben Schafrisse am 18. Februar in Trun verantwortlich ist. Das gezielte Vorgehen in Trun ist nämlich identisch mit jenem in Cama und Faido. Im Kanton Graubünden wird deshalb die Surselva neben den beiden Südtälern Misox und Bergell in den Abschussperimeter einbezogen. (Medienmitteilung, Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, 22.03.2017)

20.03.2017

Niedersachsen: Umweltminister Stefan Wenzel im Umweltausschuss: Wolfsmanagement wird weiter verbessert


Mehr Unterstützung für Weidehaltung, Wolfsmanagement wird weiter verbessert

Umweltminister Stefan Wenzel hat heute (Montag) die Mitglieder des Umweltausschusses im Niedersächsischen Landtag über die Weiterentwicklung des Wolfsmanagements informiert. Mit der Einrichtung des Wolfsbüros, dem Aufbau einer Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW), dem finanziellen Ausgleich von Nutztierrissen und der Förderung von Präventionsmaßnahmen im Rahmen der Richtlinie Wolf seien wichtige Voraussetzungen geschaffen, sagte der Minister. „Auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben und rechtlichen Rahmenbedingungen wird das Wildtiermanagement in Niedersachsen kontinuierlich weiterentwickelt“.

Erfreulich sei, dass die Weidehaltung von Schafen in Niedersachsen entgegen dem Trend in anderen Bundesländern sogar zugenommen habe.

Bei allen Maßnahmen stehe die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle, sagte der Minister. Bei Wölfen mit auffälligem Verhalten bleibe es weiterhin zulässig und geboten, die Tiere gezielt zu vergrämen, wenn dies fachlich sinnvoll ist. Auch könne im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten erneut veranlasst werden, einen Wolf im Einzelfall zu töten, wenn eine konkrete Gefahr für Menschen von diesem Tier ausgeht.

Die Unterstützung für die Nutztierhalter werde intensiviert, sagte Wenzel.

Der Minister kritisierte den von der Opposition für die heutige Unterrichtung vorgelegten Forderungskatalog. Darin seien Maßnahmen enthalten, die in vielen Punkten gegen geltendes Recht verstoßen.

Details zu den Maßnahmen der Landesregierung finden Sie in der Zusammenfassung der Ausführungen des Ministers hier...


17.03.2017

Rezension: Die Intelligenz der Tiere

Die Intelligenz der Tiere
Wie Tiere fühlen und denken

Carl Safina
C.H.Beck, 2017
526 Seiten
ISBN 978-3406707902
26,95 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Was geht im Inneren von Tieren vor? Können wir wissen, wie sie fühlen und denken? Carl Safina nimmt uns mit auf abenteuerliche Entdeckungsreisen in die unbekannte Welt der Elefanten, Wölfe und Orcas. Sein spannend zu lesendes Buch erzählt außergewöhnliche Geschichten von Freude, Trauer, Eifersucht, Angst und Liebe und ist voll von erstaunlichen Einsichten in die Persönlichkeiten der Tiere.

Rezension
Carl Safina nimmt uns mit auf eine Reise in die Gefühlswelt und Intelligenz von drei großen, charismatischen Tierarten, die sich durch ihr besonders Sozialverhalten und ihre Lebensgemeinschaften auszeichnen.
  1. Das Trompeten der Elefanten (Elefanten)
  2. Das Heulen der Wölfe (Wölfe und Kaniden)
  3. Jaulen und Ärgernisse (Philosophie, Forschung, Verhalten)
  4. Der Gesang der Wale (Orcas und Delfine)
Der Biologe und Naturforscher Carl Safina hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Der Wissenschaftler mit dem Herzen eines Dichters betrachtet Tiere als seinesgleichen. Er beschreibt die komplexen emotionalen und intellektuellen Leben von Tieren. Wir sind als Leser gefordert, die Tiere als Individuen zu sehen mit ihren ganz individuellen Persönlichkeiten.

Eigentlich wollte ich mich bei dieser Rezension überwiegend auf Kapitel II (Wölfe) konzentrieren, dann hat mich jedoch das dritte Kapitel so gefesselt, dass ich damit meine Rezension beginne. In „Jaulen und Ärgernisse“ beschäftigt sich Safina mit der Forschung zum Verhalten von Tieren. Dabei erzählt er weniger dazu, was wir sind, sondern wie wenig wir doch wissen. Beispiel: „Ein Elefant ist ein Elefant und hat die Intelligenz eines Elefanten, nicht menschliche Intelligenz.“ Denn die meisten wissenschaftlichen Tests zur Intelligenz der Tiere basieren auf menschlicher Intelligenz, was zu einem voreingenommenen Ergebnis führen muss, wie der Spiegeltest, mit dem bei Menschen das Selbstbewusstsein geprüft wird. Ein Mensch mit Selbstbewusstsein sollte demnach in der Lage sein, einen Punkt, der ihm im Schlaf auf sein Gesicht gemalt worden ist, im Spiegelbild zu erkennen und ihn mit dem Finger im Gesicht zu lokalisieren. Bei Hunden funktioniert das nicht, weil für Hunde der Geruchssinn wichtiger ist als die Sicht, und weil es einem Hund ziemlich egal ist, wie er in einem Spiegel erscheint.

Safina bemerkt zu solchen Versuchen ironisch: „Manches ist nicht wissenschaftlich genug. Man muss aufwändige Versuchsreihen initiieren, um zu einem einfachen Ergebnis zu kommen.“

Auf sehr amüsante und zutreffende Art kritisiert er den Hype, der um wissenschaftliche Forschung gemacht wird (oder den die Wissenschaftler um ihre Forschung machen) und zeigt die Absurdität mancher Versuche mit Tieren auf.

Immer wieder ertappe ich mich beim Lesen, dass ich bekräftigend nicke: recht hat er. Beispielsweise hier (S. 328): „Wir sind zu umfangreichem Mitgefühl fähig, aber wir leben unser Potenzial nicht aus. Warum wirkt der Gedanke, dass andere Tiere denken und fühlen könne, so bedrohlich für das menschliche Ego? Weil es schwieriger ist, andere zu misshandeln, wenn man ihnen ein Bewusstsein zugesteht? Wir sind unvollständig und fühlen uns schnell angegriffen. Vielleicht gehört Unvollständigkeit zum ‚Menschsein‘.“

Es ist unbestritten, dass Tiere Gefühle haben. Wir Hundehalter sehen es unseren Lieblingen an, wenn sie traurig oder glücklich sind. Safinas Beispiele von emotionalem und intelligentem Verhalten von Tieren gehen weit darüber hinaus.

Kommen wir zum wölfischen Teil, zu Kapitel Nr. II. Ein großer Teil handelt von den Yellowstone-Wölfen. Als langjährige Mitarbeiterin im Yellowstone-Wolfsprojekt war ich bei vielen der geschilderten Szenen live dabei. Das altruistische Verhalten eines verletzten Jungwolfes, den Druid-Leitwolf, der mit seinen Welpen spielt, die charismatische Leitwölfin 06, sie alle habe ich gesehen – oft gemeinsam mit Safina und anderen Langzeitwolfsbeobachtern im Lamar Valley. Der Autor ist ein ausgezeichneter Beobachter nicht nur der Tiere, sondern er charakterisiert auch die Menschen, die mit den Wölfen arbeiten ganz vortrefflich. Als ich das Buch las, verglich ich es mit meinen Tagebuchaufzeichnungen und fühlte mich wieder zurückversetzt nach Yellowstone.
Für alle Wolfsfans ist darum Teil II ein absolutes MUSS.

Aber auch die anderen Kapitel sind grandios und unbedingt lesenswert. Wir erleben zahlreiche Aha-Momente. Mit seinen detaillierten Beobachtungen drängt sich der Autor niemals auf, weder den Tieren, die er respektiert, noch dem Leser, den er überzeugen will. Seine Empathie für alle Lebewesen macht nicht Halt vor dem Mensch – wenngleich das manchmal berechtigt wäre – vielmehr versucht er zu verstehen, warum manche Menschen Tiere töten wollen.

Ich gebe zu, dies ist kein Buch, das man mal eben so nebenbei liest. Der intellektuelle Stil und viele der wissenschaftlichen Beschreibungen erfordern, dass man sich der Lektüre ganz hingibt. Aber es lohnt sich! Bleiben Sie dran. Tauchen Sie ein in die geheime Welt der Tiere. Lassen sie sich berühren von ihrem Familienleben, ihrer Intelligenz und ihren Emotionen.

„Die Intelligenz der Tiere“ sollte Pflichtlektüre für jedes menschliche Wesen sein. Wenn wir lesen, wie liebevoll hoch soziale Tiere miteinander umgehen, dann bleibt uns nur die Frage, ob sie nicht die besseren Menschen sind. (ehr)


16.03.2017

Mecklenburg-Vorpommern: Saaler Bodden, Bützow, Löcknitz, Pampow – Wolfsübergriffe bestätigt


In Mecklenburg-Vorpommern gab es in diesem Jahr bisher vier Vorfälle, bei denen Wölfe verschiedene Nutztiere gerissen haben. Dies wurde aktuell durch genetische Analysen des Senckenberg-Instituts in Gelnhausen bestätigt.

In drei Fällen waren Schafhaltungen betroffen: Anfang Februar südlich des Saaler Boddens, Mitte Februar in der Nähe von Bützow und bei Löcknitz, nahe der polnischen Grenze. Ende Februar drang ein Wolf in ein gut gesichertes Damwildgatter in Pampow (nordöstlich Löcknitz) ein und riss mehrere weibliche und junge Damhirsche.

„Insgesamt gab es bei den Übergriffen 20 tote und 8 verletzte Tiere. Im Bereich des Saaler Boddens und bei Bützow sind derzeit keine territorialen Wolfsvorkommen bekannt, daher ist dort jeweils ein durchwandernder Wolf als Verursacher zu vermuten. Die beiden anderen Orte liegen innerhalb des Territoriums des Wolfsrudels aus der Ueckermünder Heide. Die betroffenen Tierhalter können auf Basis der Förderrichtlinie Wolf Kompensations­zahlungen für die gerissenen Tiere erhalten“, sagte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern.

Insbesondere Schaf- und Gatterwildhalter sollten die Vorfälle zum Anlass nehmen, ihre Vorkehrungen zum Herdenschutz zu überprüfen. Die Zäune müssen allseitig geschlossen sein. Empfohlen werden entweder mind. 90 cm hohe stromführende Zäune mit einem Bodenabstand <20 cm bzw. Maschendrahtzäune mit mind. 120 cm Höhe und Bodenabschluss. Über diesen Grundschutz hinausgehende Schutzvorkehrungen sind auch über die Förderrichtlinie Wolf förderfähig.

Unabhängig von den aktuellen Schadensfällen ruft Minister Backhaus die Bevölkerung dazu auf, dass Wolfsmonitoring des Landes zu unterstützen: „In der Vergangenheit sind immer wieder Fotos oder Videos von vermeintlichen Wolfssichtungen in unserem Land aufgetaucht. Um ihren Echtheitswert überprüfen zu können, sind wir darauf angewiesen, dass uns Belege für konkrete Beobachtungen, zur Verfügung gestellt werden“, betonte der Minister. Adressaten sind das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) oder der Fachbereich Forstzoologie der TU Dresden. Die genauen Kontaktdaten können auf der Internetseite www.wolf-mv.de unter dem Stichwort „Monitoring“ abgerufen werden. Dort besteht auch die Möglichkeit Wolfsbeobachtungen, Spuren, Losungen oder Risse online mitzuteilen. Kontaktformular hier.

Verglichen mit dem vergangenen Jahr ist bis jetzt kein Anstieg der Wolfsübergriffe in 2017 zu verzeichnen.

 HintergrundIn Mecklenburg-Vorpommern wurde der erste sesshafte Einzelwolf im Jahre 2006 bestätigt. Bis zum Jahr 2013 war insgesamt von 3 Einzeltieren auszugehen (im Bereich der Lübtheener Heide, der Ueckermünder Heide und in der südlichen Müritz-Region im Grenzbereich zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern). Seit Ende März 2013 gab es Hinweise zu Verpaarungen in der Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide und seit 2014 konnten in diesen Bereichen jeweils Reproduktionen nachgewiesen werden (Lübtheen: 5, 6 und 4 Welpen; Ueckermünde: 4, 7 und 6 Welpen).

Auf Grundlage von Wildkamerabelegen mit 5 abgelichteten Wölfen vom Januar 2017 (davon 4 Welpen aus dem zurückliegenden Jahr) konnte ein drittes Rudel für den Bereich der Kalißer Heide (Landkreis LUP) bestätigt werden.

In der brandenburgischen Grenzregion der Kyritz-Ruppiner Heide hat das dort bislang bekannte Einzeltier im Jahre 2016 ein Rudel begründet, dessen Aktionsradius sich auch auf Mecklenburg-Vorpommern (südliche Müritz-Region) erstreckt.

Monitoringergebnisse aus den Bereichen der Nossentiner/Schwinzer Heide und der Brohmer Berge ergeben Hinweise hinsichtlich sich dort etablierender territorialer Vorkommen eines Einzeltieres sowie eines Wolfspaares.

Unabhängig von den etablierten Tieren kommt es in loser Abfolge zu weiteren Einzelsichtungen oder sonstigen Hinweisen auf Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist nach bisherigen Erkenntnissen davon auszugehen, dass es sich dabei i.d.R. um wandernde Wölfe handelt. (Quelle)

14.03.2017

Rezension: Wölfe (DVD)

Rezension: Wölfe (DVD) - Verlosung im nächsten Newsletter!

Wölfe
DVD, Blue-ray
Tiberius Film
Regie: Julia Huffmann
Laufzeit: 71 Min.
14,99 / 16,99 €

Hier können Sie die DVD bestellen

Inhalt
Viele Völker, die seit jeher von der Jagd lebten, sahen im Wolf einen ihnen überlegenen Konkurrenten. Der Wolf wurde auch als Beschützer und übernatürliches Wesen verehrt. Doch der Wolf war schon immer auch der Feind des Menschen, was bis heute in vielen Legenden und Märchen seit jeher erzählt wird. In dieser faszinierenden Dokumentation macht Filmemacherin Julia Huffmann mit dem renommierten Naturfotografen und Filmemacher Jim Brandenburg eine Reise nach Minnesota, in das sogenannte Wolfs-Land, wo eines der größten Wolfsrudel der USA lebt. Auf ihrer Reise porträtieren die Filmemacher sowohl Menschen, die die Wölfe schützen wollen, als auch diejenigen, die sie hassen und ergründen so die Faszination dieser wunderbaren Tiere.
Faszinierende Dokumentation über die Suche nach dem wahren Wesen des Wolfes.

Rezension
Dieser Film ist etwas ganz Besonderes. Er enthält Dokumentationen, Interviews, Philosophie, Weisheit aber vor allem ganz große Magie.

„Wölfe“ ist ein stiller Film, der tief in uns etwas berührt und den Zuschauer lange nicht mehr loslässt. Es geht um Wölfe und um Menschen, die sie lieben oder hassen. In der englischen Originalversion heißt der Film „Medicine oft the Wolf“ (Wolfsmedizin), was den Inhalt meines Erachtens besser beschreibt als ein schlichtes „Wölfe“. Denn Medizin und Magie sind sie, die großen Beutegreifer. Das begreift jeder, der diesen Film anschaut.

Der Naturfotograf und Filmemacher Jim Brandenburg erzählt von den Wölfen, die in der Nähe seiner Blockhütte Ravenwood in Ely, Minnesota, leben und welche Beziehung er zu ihnen aufgebaut hat. Diese Gespräche haben mich tief berührt. Ich kenne Jim Brandenburg persönlich. Ich habe ihn Anfang der 1990er Jahre kennengelernt, als ich ein Jahr in einer Blockhütte in der Wildnis ganz in der Nähe von Brandenburgs Cabin gelebt habe. Auch ich hatte Wölfe auf dem Grundstück. Ich traf Jim in seiner Galerie in Ely und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir von Ravenwood und „seinen“ Wölfen, und ich berichtete über die deutschen Wölfe, die zu diesem Zeitpunkt offiziell noch nicht angekommen waren, von denen aber immer wieder vereinzelte Tiere illegal erschossen wurden. „Du musst etwas für die Wölfe tun“, sagte mir Brandenburg sehr eindringlich. „Wir müssen diese Tiere schützen.“ Manchmal glaube ich, dass das Gespräch mit ihm den Ausschlag gegeben hat für meine jahrzehntelange Arbeit für den Wolf.

Brandenburg ist eine beeindruckende Persönlichkeit wie wohl jeder Mensch, der lange Zeit in der Wildnis verbringt: ein ruhiger, zurückgezogener und sehr gütiger Mann, der absolut authentisch ist, was er auch in seinen grandiosen Fotografien ausdrückt.

Leise und traurig erzählt er im Film, wie seine Lieblingswölfe getötet wurden, nachdem der Wolf von der Artenschutzliste genommen wurde. Man spürt seine Verletzlichkeit und seine Verzweiflung fast körperlich, als er sagt: „Ich bin nicht mehr der alte. Es hat mich zum Weinen gebracht“, und dabei mit den Tränen kämpft.

Es sind schlimme Szenen im Film, die deprimieren, wie der Abschuss eines Wolfes durch einen Jäger zu Fuß und seine Freude darüber, ihn erwischt zu haben. Wütend macht die Anhörung zum Gesetzentwurf zur Streichung der Wölfe von der Artenschutzliste, wo im Regierungssaal über Zahlen und Abschussquoten verhandelt wird wie über einen Börsenindex statt über das Schicksal von  lebendigen, intelligenten und fühlenden Lebewesen. Das Bewusstsein, dass dies überall auf der Welt gleich ist – und auch in Deutschland so geschachert wird – macht mich hilflos.

Aber wir sehen in der Dokumentation auch traumhaft schöne Szenen aus dem Familienleben der Wölfe. Viele davon zeigen die Wölfen von Yellowstone (zum Beispiel bei der Jagd von Wapitis), die mir natürlich vertraut sind.

Sehr berührend fand ich auch die Begegnungen von New Yorker Problemkids mit Gehegewölfen. Unter Wölfen zu sitzen, sie zu streicheln und sich von ihnen küssen zu lassen, verändert vielleicht das weitere Leben des einen oder anderen Jugendlichen für immer. Das ist Wolfsmedizin!

Aussagen von Menschen, die Wölfe lieben, wie Jane Goodall, Marc Bekoff, einem Ojibwa-Chief und vielen anderen geben einen tiefen Einblick in die Gefühle und Philosophie der Menschen, die von Wölfen tief berührt worden sind. Sie lassen uns wissen, dass wir nicht allein sind mit unseren Emotionen.

Mich hat dieser Film sehr aufgewühlt. Und so sehr mich die stille Verzweiflung von Jim Brandenburg berührt hat, so dankbar bin, dass der Film damit nicht endet, sondern mit einer Note der Hoffnung, als Jim eine frische Wolfshöhle findet. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren.

Mein Fazit und meine Empfehlung: unbedingt sehenswert – and the Oscar goes to „Wölfe“.

Der Filmstart von „Wölfe“ ist am 6. April. Der Film erscheint auf Blue-ray und DVD sowie DIGITAL. Das Wolf Magazin verlost im Newsletter April FÜNF Exemplare unter allen Abonnenten des Newsletters Wolf & Co. Ich danke Tiberius Film dafür!!


13.03.2017

Bundestagspetition gegen grausamste Tierversuche in Deutschland gestartet

Mindestens 50.000 Mitzeichner bis 11. April benötigt

Elektroschocks, schwimmen müssen bis zur Erschöpfung, tödliche Vergiftungen, mehrfaches Organversagen, tödliche Bestrahlungsschäden - diese und andere schwerste Leiden und Schäden dürfen Tieren in deutschen Versuchslaboren immer noch zugefügt werden, obwohl die EU solche erheblich belastende Tierversuche verbietet. Diese Missstände sowie 17 weitere in einem Rechtsgutachten dokumentierten Verstöße Deutschlands gegen die EU-Tierversuchsrichtlinie prangern die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO an und haben aktuell eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. Bis zum 11. April werden jetzt mindestens 50.000 Mitzeichner benötigt, damit die Petition Gehör findet.

Tierversuche, die „starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursachen, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können“ könnten in Deutschland längst der Vergangenheit angehören, wenn die 2010 novellierte EU-Tierversuchsrichtlinie korrekt in nationales Recht umgesetzt worden wäre. Denn die EU-Richtlinie verbietet besonders leidvolle Tierversuche, die im Schweregrad „schwer“ angesiedelt sind.

Deutschland nutzte jedoch bei der Umsetzung der EU-Richtlinie ein Schlupfloch, um dieses Verbot schwerstbelastender Tierversuche nicht in das nationale Recht übernehmen zu müssen.

Darüber hinaus belegt ein Rechtsgutachten* 18 tierschutzrechtliche Verstöße bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht. So sind zum Beispiel in Deutschland Tierversuche zu Aus-, Fort-, Weiterbildungszwecken nicht wie von der EU verlangt genehmigungspflichtig, sondern müssen der Behörde nur angezeigt werden. Auch die Prüfkompetenz der Behörden beim Genehmigungsverfahren von Tierversuchen ist stark eingeschränkt, das heißt in Deutschland müssen die Behörden ein Versuchsvorhaben genehmigen, wenn alle formalen Vorgaben erfüllt sind, wenn etwa der Antrag korrekt ausgefüllt wurde. Die EU fordert aber eine unabhängige Abwägung zwischen dem Leid der Tiere und dem postulierten Nutzen des Versuchs. Nicht einmal eine solche Abwägung ist den deutschen Behörden erlaubt.

„Mit der mangelhaften Umsetzung der EU-Richtlinie zum Nachteil der Tiere hat die Bundesregierung nicht nur die Absicht des Unionsgesetzgebers, sondern auch die eigene Staatszielbestimmung Tierschutz völlig außer Acht gelassen“, betonen die Vereine. Der seit 2002 gültige Verfassungsrang des Tierschutzes gebiete nämlich die Nutzung jedweden Spielraumes nach oben bei der Verwirklichung von mehr Tierschutz.

Damit sich der Bundestag mit dieser rechtlichen Schieflage bei Tierversuchen beschäftigen muss, haben die Verbände dort eine Petition eingereicht.

Foto: Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Wenn innerhalb der nächsten vier Wochen, also bis zum 11. April 2017, mindestens 50.000 Menschen auf der Internetplattform des Petitionsausschusses für das Anliegen ihre Stimme abgeben, haben die Vereine die Möglichkeit, bei einer öffentlichen Anhörung ihre Forderung nach einem Verbot schwerstbelastender Tierversuche sowie der Beseitigung der tierschutzrechtlichen Verstöße persönlich vorzutragen.

*Gutachten Dr. Maisack v. 18.1.16 zur Frage, ob und ggf. welche Bestimmungen der Richtlinie 2010/63/EU durch das Dritte Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes und die Tierschutz-Versuchstierverordnung nicht oder nicht ausreichend in deutsches Recht umgesetzt worden sind.

Weitere Informationen

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2017/_01/_09/Petition_69364/forum/Beitrag_447883.%24%24%24.batchsize.10.tab.1.html

http://www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de/

12.03.2017

Wissen Wolf: Rotten Wölfe das Wild aus?

"Wölfe (und Luchse) rotten das Wild aus."

Dies ist die immer wieder vorgetragene Sorge der Jäger mit der Forderung nach Abschussquoten. Wie immer gibt es in der Natur keine einfache Antwort – auch wenn dies populistisch gestrickte Zweibeiner gerne hätten.

Beutegreifer-Beute-Systeme gehören zu den kompliziertesten Geflechten der Natur. Generell gilt, dass Beutetiere die Anzahl ihrer Räuber regulieren, selten umgekehrt. Das Ausmaß des Einflusses von Wölfen auf ihre Beute hängt vom Zusammenspiel vielen Faktoren ab, unter anderem von menschlicher Bejagung, Lebensraumbedingungen, Wetterlagen, Nahrungsdichte und Verbreitung.
Unser heimisches Schalenwild hat sich in Jahrmillionen, in denen es entwicklungsgeschichtlich mit Wölfen zusammenlebt, an diese angepasst und umgekehrt, auch wenn der Beutegreifer zwischenzeitlich lange Zeit abwesend war.

Für die Wolfsgegner unter den Jägern ist der Wolf nichts als ein nutzloser Konkurrent. Fakt ist: Sind Wölfe im Revier, weicht das Wild eher in offenes Gebiet aus, da sie dort den Beutegreifer besser sehen und ihr Verhalten darauf einstellen können.

Jedoch müssen wir auch ehrlich zugeben, dass die Furcht vieler Jäger, dass der Wolf ihnen „alles wegfrisst“, im Ausnahmefall dann begründet sein kann, wenn es sich um eine Spezies wie beispielsweise Muffelwild handelt, das nie in Deutschland heimisch war und hier nur angesiedelt wurde. Diese aus Sardinien und Korsika stammenden Wildschafe wurden erst um 1900 aus jagdlichen Gründen in Deutschland ausgewildert. Als Gebirgstiere vermeiden sie schnelle Fluchten und werden in einem Lebensraum ohne unzugängliche Felswände leichte Beute. Den daraus resultierenden Einbruch der Muffelwildpopulationen nun den Wölfen anzulasten, ist schon ein starkes Stück.

Wir sollten nie vergessen, dass der Wolf einen Wildbestand gesund halten kann. In Nordamerika beträgt das durchschnittliche Alter der von Wölfen getöteten Hirsche 16 bis 17 Jahre, menschliche Jäger töten dagegen die kräftigen sechs- bis siebenjährigen Hirsche.

Weitere Informationen: Der Wolf kehrt zurück

Europäisches Mufflon © Jörg Hempel/Wikipedia