26.08.2016

Wolfstourismus in Deutschland

Ein Erlebnisbericht aus Niedersachsen
(Fotos: Kenny Kenner)

Ich führe seit 20 Jahren im Yellowstone-Nationalpark Touristen zu den Wölfen. Wir sind verwöhnt, erleben wir doch täglich Wolfssichtungen und können manchmal sogar Nahbegegnungen erleben. Dass dies in Deutschland nicht möglich ist, ist schade, wenngleich bei unserer Wolfshysterie vielleicht auch besser so. Im Sommer war ich für das neue Wolfsbuch auf Recherche als Wolfstourist Niedersachsen. Hier ein kleiner Auszug aus meinen Erlebnissen. (Einen detaillierten Bericht zu denen, "die mit den Wölfen tanzen", könnt ihr nächstes Jahr im Buch lesen.

Das Vier-Häuser-Örtchen Dübbekold  liegt rund 30 Kilometer Luftlinie von Gorleben entfernt, am Rand des Waldes Görde im Landkreis Lüchow-Danneberg in Niedersachsen. Der Staatsforst Göhrde („die Göhrde“) ist das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet Norddeutschlands – und die Heimat mehrerer Wölfe, die bei ihren Wanderungen gelegentlich (unfreiwillig) Spaziergänger erschrecken (oder faszinieren – je nachdem, wen man fragt).
In diesem Wald stehe ich an einem Morgen im Juli und hoffe auf eine Wolfssichtung. Verwöhnt durch meine täglichen Begegnungen mit den Tieren in Amerika, mache ich mir keine Illusionen. Ein Heulen oder auch nur ein Trittsiegel würden mir reichen. Ich beobachte in der Ferne auf einer Wiese zwei Weißstörche bei der Futtersuche und einen Fuchs beim Mäusesprung, keine großen Kaniden.
Und dann plötzlich geht es los.
Der Wald bebt von zahlreichen Stimmen: laut und leise, hoch und tief, schrill und dunkel. Ein Chor aus 26 Stimmen heult. Nein, es sind keine Wölfe, sondern Kinder, die versuchen „Wolf zu sein“. Sie alle nehmen teil am „Familienurlaub auf den Spuren der Wölfe“, der vom BIO Hotel Kenners Landlust in Göhrde organisiert wird.

 
Das Hotel liegt idyllisch mitten im Grünen - und im Wolfsgebiet

Das Hotel ist Niedersachsens erstes klimaneutrales Hotel und hat sich ganz auf die Natur und insbesondere auf die Wölfe eingestellt. Mehrmals im Jahr bieten die Besitzer Kenny und Barbara Kenner Wolfswochen für Familien mit Kindern an.
Kenny Kenner ist seit 2007 Wolfsberater und außerdem NABU Wolfsbotschafter. Er hatte zunächst Bedenken. „Ich habe befürchtet, dass Stammgäste wegbleiben könnten, wenn wir auf den Wolf im Wendland aufmerksam machen. Doch unsere Gästezahlen sind sogar gestiegen. Unsere Wolfswochen für Familien mit Kindern sind unser am besten besuchtes Angebot, wir haben dadurch viele neue Besucher gewonnen“, sagt er.

 
Die Kinder bereiten sich mit Wolfsmasken auf ihr Theaterstück vor

In den Wolfswochen dreht sich alles um das scheue Wildtier. Kinder errichten in der „Waldzeit“ Fotofallen und gehen mit Kenny Kenner auf Wanderung und Spurensuche. Sie besuchen eine Schäferin mit Hunden und spielen in einem selbst entwickelten Theaterstück das Zusammenleben in einem Wolfsrudel nach. In diesem Jahr lautet das Thema „Der Wolf – vom wilden Tier zum lieben Haushund“. Auch für die Eltern gibt es ein „wölfisches“ Programm mit Wolfswanderungen mit dem Wolfsberater und einem Abendvortrag mit dem Thema „Leben mit Wölfen“.

 
Die Erwachsenen sind unterdessen auf der Spur der Wölfe ...

Das Heulen, das ich an diesem Morgen im Wald höre, kommt aus 26 Kinderkehlen im Alter von fünf bis fünfzehn, die gemeinsam mit der Försterin Tatjana Jensen lernen, wie Wölfe sind; wie sie jagen, riechen, sich verständigen. Die Kids sind begeistert dabei, die Eltern müssen sich nicht sorgen, denn bei diesem Lärm sind die echten Wölfe schon längst über alle Berge.
Kenners Frau Barbara betont: „Wir wecken nicht die Erwartung, dass man einen Wolf sehen kann. Doch das ist auch gar nicht nötig, denn wer auf unseren Führungen eine Spur oder etwas Wolfskot findet, freut sich und ist stolz.“
Während des Essens (natürlich rein biologisch) spreche ich mit einigen Eltern. Sie kommen mit ihren Kindern hierher, weil für sie der Wolf gleichbedeutend ist mit einer intakten Umwelt. Sie lernen, dass man sich vor dem Wildtier nicht fürchten muss und genießen den Aufenthalt in der Natur.
Im Jahr 2014 erhielt die „Wolfswoche“ in der Kategorie „Reisen mit Kindern“ die begehrte Touristikauszeichnung Goldene Palme von Geo Saison für das Programm „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“

Und werden fündig ... Wolfslosung!

„Hat jemand hier schon einen Wolf gesehen?“, frage ich am Abend, nachdem ich einen kleinen Wolfsvortrag gehalten habe, in die Runde der Gäste. Bedauerndes Kopfschütteln.
„Doch ich!“, meldet sich Barbara Kenner. „Drei Mal! Und einmal stand einer auf dem Radweg vor mir!“ Wir beneiden sie. Und wir werden wiederkommen und erneut versuchen, einen wilden deutschen Wolf zu entdecken. Vielleicht sind wir ja irgendwann einmal zur rechten Zeit am rechten Ort. Das ist der „Suchtfaktor Wolf“.

BIO Hotel Kenners Landlust mit Wolfsprogramm: www.kenners-landlust.de 

Mehr zum Wolfstourismus in Deutschland im neuen Buch „Der Wolf kehrt zurück“.


24.08.2016

Rezension: Tief im Land

Tief im Land
Meine Jahre in den Wäldern von Wales

Neil Ansell
Allegria, 2016
272 Seiten
ISBN 978-3793423119
18,00 €

Bestellen Sie das Buch hier

Inhalt
"Tief im Land" entführt uns in die Ruhe eines archaischen, asketischen Lebens. Neil Ansell verbrachte fünf Jahre zurückgezogen in den Hügeln von Wales. In exzellenter Prosa erzählt er von seinem Alltag in einem alten, halb verfallenen Cottage ohne Strom und Gas. Im Laufe der Zeit verschmilzt er immer mehr mit seiner Umgebung. In bemerkenswerter Selbstvergessenheit beschreibt er Landschaft, Tier- und speziell die Vogelwelt. Auf wunderbare Weise gelingt es ihm, uns in die Stille des Landes hineinzuziehen.

Rezension
Das Buch beginnt auf eine gewisse Art und Weise "düster". Wir folgen dem Autor auf seinem Weg zur selbst gewählten Isolation und fragen uns: Kann jemand dort überhaupt leben?
Der Autor kann es. Und wie gut er das kann. Mit jeder Seite zieht Ansell den Leser tiefer in das Buch und sein Leben und lässt ihn nicht mehr los. Einer der vielen Gründe dafür sind die wunderschönen, detaillierten Beschreibungen von Pflanzen, Tieren (insbesondere von Vögeln) und der Natur. Irgendwann im Laufe der Lektüre vergisst der Leser den Alltag mit all seinen Problemen und blickt durch die Augen des Autors frühmorgens im Nebel von seinem Berg herunter, wo die Welt nur noch aus kleinen Inseln besteht, die aus dem Nebel herausragen.
Ruhe, Langsamkeit, Bedachtsamkeit, Stille. Die Konzentration aufs Detail, die Beschreibung des Lebens in der Einsamkeit. Das alles macht die Magie des Buches aus und schafft eine Sehnsucht, die fast schon schmerzhaft ist.
Der Autor will herausfinden, wer er ist, und sucht dazu die Einsamkeit. Er sagt dazu: "Das gewählte Alleinsein ist das Gegenteil von Einsamkeit." Wie Recht er hat. Und wirklich allein ist er nie, denn er hat seine gefiederten und haarigen Freunde, deren Leben er beobachtet.
Ein schlichter Lebensstil geprägt von den Jahreszeiten und Elementen. Warum ist ein solches Leben für unsere gehetzte, digitalisierte, gestresste Gesellschaft so verlockend? Vielleicht weil wir tief in uns eine Ahnung haben, dass dieses Leben im Grunde unsere eigentliche Bestimmung ist.
Warum haben Sie zu diesem Buch gegriffen? Mich persönlich hat das Stichwort "Wildnis" neugierig gemacht. Darunter stellen wir uns normalerweise Länder wie Alaska, Montana oder den Yukon vor. In "Tief im Land" erleben wir, dass der Mensch keine große endlose Wildnis in der Ferne braucht, um Frieden zu empfinden. Es reicht ein kleines halb verfallenes Cottage in den Hügeln von Wales (oder jeder andere Ort in unserer Nähe). Keine wilden, gefährlichen Tiere, keine Abenteuer, nur der Wechsel der Jahreszeiten und das Kommen und Gehen von Pflanzen und Tieren. Ein einfaches Leben, das dem Rhythmus der Natur folgt. Fünf Jahre lang!
Damit soll man ein Buch füllen können? Glauben Sie mir: man kann! Und das sogar so grandios und poetisch, dass das Lesen niemals langweilig wird. (ehr)

23.08.2016

Niedersachsen: Umweltminister Wenzel beantwortet Anfragen zum Wolf

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf folgende mündliche Anfrage von Abgeordneten geantwortet. (Fragen kursiv)

Freilassung eines Wolfswelpen in der Lüneburger Heide
Anfrage von Ernst-Ingolf Angermann (CDU)

Vorbemerkung des Abgeordneten
In einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz vom 29. Juni 2016 wird berichtet, dass ein weiblicher Wolfswelpe, der am 20. Juni in der Lüneburger in schlechtem Zustand aufgefunden wurde, nach acht Tagen Pflege in der Wildtierauffangstation Soltau wieder freigelassen und dem Rudel zugeführt wurde. Nach Ansicht von Experten sei es für die Zukunft wichtig, Informationen über das Verhalten der Wölfe und deren Ursachen zu erforschen. Dazu gehören auch Ursachen, die sich gegebenenfalls durch Nahkontakte zwischen Menschen und Wolfswelpen während deren Pflege in der Prägungsphase der Tiere (zweite bis vierte Woche) ereigneten.

1. In welchem Rahmen und Umfang kam es zu Kontakten zwischen Menschen und dem Wolfswelpen vor und während seines Aufenthalts in der Wildtierauffangstation?
Der Kontakt wurde auf das Nötigste beschränkt und hat nur in sehr geringem Umfang stattgefunden. 

2. Kann die Landesregierung eine „Prägung“ auf den Menschen angesichts der Mutmaßungen - „Fehlprägung“ von MT 6 - ausschließen?
Nein, eine solche Prägung kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Nach Ansicht von Experten ist dies jedoch sehr unwahrscheinlich, auch da der Welpe viele negative Erfahrungen (z.B. tierärztliche Untersuchung) mit Menschen gemacht hat. Ein Zusammenhang zu dem Fall „MT6“ ist nicht ersichtlich.

3. Wurde der weibliche Wolfswelpe vor seiner Freilassung gekennzeichnet, sodass bei möglichen späteren Nahbegegnungen mit Menschen eine Wiedererkennung möglich ist?
Nein, von einer dauerhaft sichtbaren Markierung (wie durch Brandmal oder Ohrmarke) wurde aus tierschutzrechtlichen Erwägungen abgesehen. 

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Bildaufnahmen des Munsteraner Rudels?

Anfrage der Abgeordneten Dr. Gero Hocker, Jörg Bode und Hermann Grupe (FDP)

Vorbemerkung der Abgeordneten
Im Juli berichtete der NDR über Film- und Fotoaufnahmen, auf denen sich Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen auf dem Truppenübungsplatz Munster mit dem Wolfswelpenwurf von 2014, aus dem auch MT06 stammte, ablichten ließen.
Gezeigt wurden die Bilder dem Anschein nach bereits im Februar 2015 von einem Mitarbeiter der Bundesforstbetriebe auf einer Sitzung mit Naturschutzverbänden, Wolfsberatern und der Landesjägerschaft in Oerrel (Landkreis Heidekreis). Dazu eingeladen hatte der damalige Artenschutzreferent des niedersächsischen Umweltministeriums, der auch selbst an der Sitzung teilnahm.
Vorbemerkung der Landesregierung
Bei der 76. öffentlichen Sitzung am 08.08.2016 wurde der Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz durch den Umweltminister über Bildaufnahmen des Munster-Rudels und die darauf folgenden Maßnahmen des Wolfsmanagements ausführlich unterrichtet. 

1. Seit wann wusste die Landesregierung von den Bildaufnahmen?
Anfang des Jahres 2015 gab es verschiedene Hinweise zu Nahbegegnungen im Raum Munster. Um frühzeitig ein umfassendes Bild zu erlangen, hatte das Umweltministerium daher Ende Februar zu einem Treffen eingeladen, um vorhandene Informationen zusammenzutragen und frühzeitig einer Auswertung zugänglich zu machen. Bei diesem Treffen wurden unterschiedliche Aufnahmen präsentiert und diskutiert.

2. Wer hatte nach Information der Landesregierung noch Kenntnis über diese Bildaufnahmen?
Als Teilnehmer der Veranstaltung Vertreter des Heidekreises und benachbarter Landkreise, der Landesjägerschaft, der Bundesforsten, der Wolfsberater und des Niedersächsischen Landesbetriebes für Küsten- und Naturschutz (NLWKN), sowie die jeweiligen Fotografen. 

3. Ist die Landesregierung im Besitz aller Bilder, und wurden diese Bilder dem Wolfsmonitoring zur Verfügung gestellt? Wenn nein, weshalb nicht?
Die Landesregierung erhält die ausgewerteten Aufnahmen spätestens mit dem Quartalsbericht der Landesjägerschaft, sofern die Autoren dies zulassen. Bei besonderen Vorkommnissen, wie Nahbegegnungen, sind die Wolfsberater/innen dazu angehalten, diese parallel auch an das Wolfsbüro des NLWKN zu senden. Sollte das Wolfsbüro Aufnahmen erhalten, die nicht auch an die Landesjägerschaft gegangen sind, werden diese weitergeleitet. Bezüglich der Frage wird zudem auf die Unterrichtung vom 8.8.2016 im Fachausschuss verwiesen.

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Welche Konsequenzen zieht die Landesregierung aus den Bildaufnahmen des Munsteraner Rudels?
Anfrage der Abgeordneten Dr. Gero Hocker, Jörg Bode und Hermann Grupe (FDP)

Vorbemerkung der Abgeordneten
Im Juli berichtete der NDR über Film- und Fotoaufnahmen, auf denen sich Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen auf dem Truppenübungsplatz Munster mit dem Wolfswelpenwurf von 2014, aus dem auch MT06 stammte, ablichten ließen.
Gezeigt wurden die Bilder dem Anschein nach bereits im Februar 2015 von einem Mitarbeiter der Bundesforstbetriebe auf einer Sitzung mit Naturschutzverbänden, Wolfsberatern und der Landesjägerschaft in Oerrel (Landkreis Heidekreis). Dazu eingeladen hatte der damalige Artenschutzreferent des niedersächsischen Umweltministeriums, der auch selbst an der Sitzung teilnahm.
Vorbemerkung der Landesregierung
Bei der 76. öffentlichen Sitzung am 08.08.2016 wurde der Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz durch den Umweltminister über Bildaufnahmen des Munster-Rudels und die darauf folgenden Maßnahmen des Wolfsmanagements ausführlich unterrichtet. 

1. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung über den Verbleib und das Verhalten der anderen Tiere des Rudels?
Der Landesregierung liegen Erkenntnisse über wenig scheues Verhalten der Welpen des Munster-Rudels nur aus dem Wurf von 2014 vor. Anhand von Fotos und genetischen Analysen konnten sechs Welpen dieses Jahrgangs bestätigt werden. Vier der Welpen sind individuell bekannt. Der „Wanderwolf“, „MT6“, „FT10“ und ein weiteres weibliches Geschwister mit der genetischen Kennung „GW422f“. Der Wanderwolf ist am 15.04.2015 nach einem Verkehrsunfall tot aufgefunden worden. Der Wolf „MT6“ ist am 27.04.2016 letal entnommen worden. Die Wölfin „FT10“ ist aufgrund einer Sepsis, ausgelöst durch nicht zuzuordnende Bissverletzungen (vorläufiger Bericht des IZW) gestorben. Der Wolf, der in Schleswig-Holstein auffällig geworden war, ist nicht wieder in Erscheinung getreten. Auch der Verbleib der beiden anderen 2014er Welpen des Munster-Rudels ist unbekannt. Die aus Munster stammende Fähe des Rudels in der Göhrde könnte ein Welpe des 2014er Jahrgangs oder früher sein. Das Gleiche gilt für den Totfund aus dem September 2015 an der B71. Von „FT10“, und „GW422f“ sind keine Auffälligkeiten bekannt. Die tatsächlichen Gründe für das Verhalten einiger 2014 geborener Welpen des Munster-Rudels, wie eine vermutete Fütterung, sind nicht bekannt.  

2. Welche Konsequenzen zieht die Landesregierung aus der Gewissheit, dass mehrere Tiere des Munsteraner Rudels an Menschen gewöhnt wurden?
Der Landesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, dass die Tiere an Menschen aktiv gewöhnt wurden. Auch eine passive, unabsichtliche Gewöhnung oder Habituierung kann stattgefunden haben. Gewiss ist nur, dass sich einige der 2014 geborenen Tiere des Munster-Rudels sich weniger scheu verhielten. Wegen der Konsequenzen wird zudem auf das Protokoll der Sitzung des Fachausschusses vom 8.8.2016 verwiesen. 

3. Weshalb wurden die Tiere nach Bekanntwerden der Bilder, die eine Gewöhnung der Tiere an den Menschen belegen, nicht vor Ort vergrämt?
Einer Maßnahme gegen einen Wolf geht eine gründliche Prüfung des Verhaltens und der mit diesem Wolf in Zusammenhang stehenden Ereignisse voraus. Die entsprechenden Maßnahmen wurden eingeleitet. Voraussetzung für jede Vergrämungsmaßnahme oder Entnahme aus der Natur ist bspw. die eindeutige individuelle Zuordnung zu dem betreffenden Tier. Nur gegen dieses dürfen sich entsprechende Maßnahmen richten. Nach § 45 Abs. 7 Bundesnaturschutzgesetz dürfen Ausnahmen vom Fang- oder Tötungsverbot zudem nur zugelassen werden, wenn zumutbare (mildere) Alternativen nicht gegeben sind.



22.08.2016

Rezension: Deutschland. Ein Wandermärchen

Deutschland. Ein Wandermärchen
Unterwegs mit einem Koffer voller Gedichte

Anna Magdalena Bössen
Ludwig Buchverlag, 2016
368 Seiten
ISBN 978-3453280762
16,99 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Mit Fahrrad und Gedichten auf der Walz – eine andere Reise durch unser Land.
Bin ich Deutschland? Um das zu erfahren, reist die die Rezitatorin Anna Magdalena Bössen durch die ganze Republik und ein wenig über die Grenzen hinaus. Wie die alten Geschichtenerzähler tritt sie überall dort auf, wo sie eingeladen wird. Dafür gibt sie ihre Wohnung auf, lässt den Job ruhen und wagt das Leben neu. Die Autorin wird Mitmenschen treffen und Zeitzeugen sprechen, beim Adel residieren und in Wohnzimmern rezitieren, Dörfer entdecken und in Städten versinken – und lernen, warum aus jeder Richtung der Gegenwind kommt.
Ein Buch, das von der Freiheit des Unterwegsseins erzählt und dieses Land und seine Menschen auf eine ebenso lebendige wie ehrliche Weise einfängt. Ein Buch voller Begegnungen und Entdeckungen, voller Überraschungen und Erfahrungen: ein Wandermärchen!

Rezension
„Deutschland. Ein Wandermärchen“. Warum WANDERmärchen? Die Autorin ist mit dem Rad unterwegs. Das war für mich auf den ersten Blick irritierend, hatte ich doch vom Titel her eher einen Wanderer erwartet. Aber gut, Radwandern ist auch eine Form des Wanderns.
Mich hat das Buch in jeder Hinsicht fasziniert. Da ist die Idee der Autorin, mit dem Fahrrad durch Deutschland zu fahren und gegen Kost und Logis aufzutreten und Gedicht und Geschichten zu rezitieren. Ein mutiges Unterfangen. Wenn ich als Autorin Lesungen halte, bin ich heilfroh, wenn ich mich nach der Lesung in ein anonymes Hotelzimmer zurückziehen kann und meine Ruhe habe. Nicht so die Autorin. Sie übernachtet bei wildfremden Menschen in deren Haus, muss mehr oder weniger notgedrungen „Konversation“ machen – und darüber hinaus auch mit dem Rad zu ihren Veranstaltungen fahren. Dabei ist sie noch fit genug, am Abend aufzutreten und ihr Publikum zu unterhalten. Und das alles ohne Honorar. Wer einmal sein Lebensunterhalt als freier Künstler verdient hat, weiß, wie todesmutig das ist. Aber vermutlich kann man nur so wirklich ein Land und seine Menschen kennenlernen.

Heimat ist in. Zeitschriften wie „Landlust“, „Landliebe“ oder „Liebes Land“ haben Hochkonjunktur. Noch nie haben so viele Deutsche Urlaub im eigenen Land gemacht. Die Sehnsucht nach einem Zuhause ist Teil eines neuen Eskapismus. Wir haben die Nase voll von Krieg, Terror und schlechten Nachrichten und sehnen uns nach einer heilen Welt, in der wir uns geborgen fühlen.
Anna Magdalena Bössen lässt uns teilhaben an ihrer Suche nach Heimat, einem Ort, an den sie gehört. Und wir kommen bei der Lektüre des Buches nicht umhin, uns ebenfalls zu fragen: Wo ist mein Platz in der Welt?
Bössen stellt Fragen und stellt vieles in Frage. Sie wirft einen philosophischen und politischen Blick auf unser Land und seine Menschen. Besonders gefallen haben mir ihre Gedanken über Europa und ihre Warnung, nicht zu vergessen, wie viel wir mit unseren Nachbarn gemeinsam haben und wie einzigartig dieses vereinte, friedliche Zusammenleben unterschiedlichster Länder und Kulturen ist. Manchmal braucht man in einer schwierigen Zeit wie der unseren eine solche Erinnerung.
Das „Wandermärchen“ macht Sehnsucht, weckt Erinnerungen und schafft Träume. Als Leser lerne ich durch die Augen und Erlebnisse der Autorin neue Landschaften und Orte kennen, die ich vielleicht einmal selbst besuchen möchte.
Am Ende findet die Autorin ihren Platz nicht an einem Ort, sondern im Herzen eines Menschen.
Danke für dieses wunderbare Buch, das mich mein Land mit neuen Augen sehen lässt. (ehr)

21.08.2016

Rezension: Wald der toten Jäger

Wald der toten Jäger
Schreiber unter Mordverdacht

Werner Schmitz
Franckh Kosmos Verlag, 2016
256 Seiten
ISBN 978-3440152218
16,99 €

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Inhalt
Reporter Hannes Schreiber hatte sich auf ein Sabbatjahr in seiner Jagdhütte an der Mosel gefreut. Doch bei der Drückjagd im Nachbarrevier kommt der Chef einer einflussreichen Unternehmerfamilie ums Leben. Die tödliche Kugel soll aus Schreibers Waffe stammen, meint die Polizei. Um der Kripo – und sich selbst – seine Unschuld zu beweisen, ermittelt der Reporter in eigener Sache und bringt Erstaunliches ans Licht.

Rezension
Ich gebe zu: Als Tierschützer mag ich keine Jäger und mehr noch verabscheue ich die Jägersprache, die aus einem lebendigen Tier ein „Stück“ macht. Beides findet man logischerweise reichlich in diesem Buch.
Aber ich bin ein Fan von Werner Schmitz – dem Autor, nicht dem Jäger. Und um dieses Buch zu lesen und gut zu finden, muss man kein Jagdfan sein. Man muss einfach nur gut geschriebene und spannende Krimis mögen. Denn das ist „Wald der toten Jäger“. Das Buch besticht durch seine klare, einfache Sprache mit kurzen Sätzen. Man merkt, dass hier ein Journalist am Werk ist, der keine große Literatur schreiben sondern einfach nur unterhalten will. Das tut Schmitz.
Darüber hinaus entdeckt der aufmerksame Leser viele Parallelen zum „richtigen“ Leben. Schmitz schreibt über den „Förster, der den Bäumen Gefühle zuschrieb“ und erwähnt das Buch „Die Geheimnisse der Bäume“. Sein Leben in der Redaktion des Hamburger „Magazins“ schildert er so real, dass man sich fragt, ob er die Reporter des STERN, für den er gearbeitet hat, ebenfalls authentisch portraitiert hat. Und er lässt eine Protagonistin im Modehaus „Hasi & Mausi“ einkaufen.
Diese Prise Ironie macht das Buch besonders unterhaltend. Die Handlung ist spannend und lässt den Leser bis zum überraschenden Schluss im Ungewissen. Mein einziges Problem war die Identifizierung des Dialekts (welcher?) von Mattes.
„Wald der toten Jäger“ ist kurzweilige Unterhaltung und sowohl für Jäger als auch für Krimifans unterhaltend. (ehr)

18.08.2016

Schweiz - Wolfnews

Kanton Uri

Die DNA-Analyse des erlegten Wolfes bestätigt, dass es sich beim toten Wolf um den männlichen Wolf M68 handelt

Nachdem ein Wolf die gemäss Jagdgesetzgebung und Wolfkonzept Schweiz festgelegte Schadenschwelle überschritten hatte, erliess die Sicherheitsdirektion Uri am 14. Juli 2016 eine Verfügung für den Abschuss des schadenstiftenden Wolfes. Dabei wurde aufgrund des Bewegungsmusters davon ausgegangen, dass es sich beim schadenstiftenden Wolf um den männlichen Wolf M68 handelt, welcher im ersten Halbjahr 2016 mehrfach bei DNA-Analysen von Rissen in den Kantonen Uri, Nid- und Obwalden nachgewiesen werden konnte.

Am 28.7.2016 wurde der schadenstiftende Wolf im Gebiet Surenen / Blackenalp erlegt. Das Laboratoire de Biologie de la Conservation de l'Université de Lausanne hat nun mit einer DNA-Analyse des erlegten Wolfes bestätigt, dass es sich beim toten Wolf tatsächlich um den männlichen Wolf M68 handelt. (Medienmitteilung Kanton Uri, 17.08.2016)


Kanton Oberwallis

Am 14. Juni 2016 erteilte Staatsrat Jacques Melly eine Abschussbewilligung für einen Wolf in der Augstbordregion. Mit dem Ablauf der Frist von 60 Tagen ist die Bewilligung verfallen.

Die Abschussbewilligung wurde erteilt, nachdem zahlreiche Nutztiere auf geschützten Weiden gerissen wurden. Die Schäden werden für die Erteilung einer Abschussbewilligung berücksichtigt, sofern die zumutbaren Herdenschutzmassnahmen umgesetzt wurden. Aufgrund der geltenden Gesetzgebung musste der Abschussperimeter sehr restriktiv festgelegt werden. Diese Tatsache, verbunden mit der zeitlichen Beschränkung, haben die Möglichkeiten zu einem Wolfsabschuss stark eingeschränkt. Im Weiteren haben die nicht geschützten Nutztiere im Streifgebiet des Wolfes die Erfolgsaussichten zusätzlich geschmälert.

Die zum Abschuss berechtigten Personen waren in der ganzen Region jeweils auf den geschützten Weiden und später den geschützten oder nicht schützbaren Alpen unterwegs. Trotz des grossen Einsatzes der Berufs- und Hilfswildhüter sowie der beigezogenen Jäger wurde der Wolf nur ausserhalb des erlaubten Perimeters festgestellt.

Während der Dauer der Abschussbewilligung erfolgten neue Risse. Diese ereigneten sich ausserhalb der festgelegten und erlaubten Perimeter. Sollten weitere Risse auf den Alpen oder Herbstweiden erfolgen, so wird die Situation neu beurteilt, unter Berücksichtigung der bisherigen Risse. (Medienmitteilung, Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere VS, 17.08.2016)

17.08.2016

Mecklenburg-Vorpommern: Wolfsnachwuchs in Lübtheener Heide durch Fotofallenbilder bestätigt

Das Wolfsrudel in der Lübtheener Heide hat Nachwuchs bekommen. Im Rahmen des Wolfsmonitorings des Bundesforstbetriebes Trave der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Kooperation mit der TU Dresden konnten auf ersten Fotofallenbildern mindestens vier Welpen nachgewiesen werden. Die genaue Anzahl ist noch unklar.

Auch im Ueckermünder Rudel werden Welpen vermutet. Zumindest liegen bereits Fotofallenbilder von einer Wölfin mit Gesäuge vor.

Landwirtschafts-und Umweltminister Dr. Till Backhaus nimmt dies zum Anlass, erneut an die Tierhalter zu appellieren, die Schutzmaßnahmen für Schaf- und Ziegenherden entsprechend den Anforderungen aus dem Wolfsmanagementplan durchzuführen. „Die Welpennachweise bestätigen unsere Erkenntnis, dass sich die Wolfsvorkommen in absehbarer Zeit weiter entwickeln werden. Wir haben entsprechend Vorsorge getroffen und mittlerweile das ganze Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns mit Ausnahme der Inseln Usedom, Rügen, Poel und kleinerer Ostseeinseln zum Wolfsgebiet erklärt“ betont Dr. Backhaus. Demzufolge unterstützt das Land die Aufwendungen der Tierhalter für Präventionsmaßnahmen mit bis zu 75 %. Bei entsprechendem Herdenschutz werden auch Schäden der Tierhalter, die durch Wölfe verursacht wurden gemäß der 2013 in Kraft getretenen Förderrichtlinie Wolf – FöRiWolf M-V zu 100 % ausgeglichen.

Hintergrund
Seit dem Jahre 2000 gibt es wieder dauerhafte Vorkommen wildlebender Wölfe in Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern wurde der erste sesshafte Einzelwolf im Jahre 2006 bestätigt. Bis zum Jahr 2013 war insgesamt von 3 Einzeltieren auszugehen (im Bereich der Lübtheener Heide, der Ueckermünder Heide und in der südlichen Müritz-Region im Grenzbereich zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern). Seit Ende März 2013 gab es Hinweise zu Verpaarungen in der Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide sowie erste Hinweise zu einem weiteren Einzelwolf im Umfeld von Warin.

Im Juli 2014 konnte durch Fotobelege nachgewiesen werden, dass die Wolfspaare in der Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide Welpen aufziehen.

Auch im Jahr 2015 wurden in der Lübtheener Heide mindestens 6 und in der Ueckermünder Heide mindestens 7 Welpen per Fotofalle nachgewiesen. (Pressemitteilung Nr. 268/216, regierung-mv.de)

Alle Fotos © Norman Stier