20.01.2017

Wolf/Sachsen: Politisch motivierte Abschussfreigabe

Gemeinsame Stellungnahme der Umweltverbände IFAW, NABU und WWF zum angekündigten Wolfs-Abschuss in Sachsen.
Berlin (ots) – In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren die Naturschutzverbände IFAW, NABU und WWF einhellig und aufs Schärfste die Abschussfreigabe für einen Wolfsrüden in Sachsen. Sie sprechen von einer „politisch motivierten“ Entscheidung, der es an jeder naturschutzfachlichen Grundlage mangelt. Das zuständige Umweltministerium in Dresden hatte die Abschussfreigabe ohne Vorwarnung am späten Donnerstagnachmittag bekannt gegeben. Das Landratsamt Görlitz erteilte für die offiziell als „Entnahme“ bezeichnete Aktion eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Der Abschuss wurde offenbar bereits beauftragt. Die Umweltverbände prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen die Abschussfreigabe.


Die Stellungnahme im Wortlaut:
„WWF, IFAW und NABU liegen derzeit keine Hinweise vor, dass der Wolfsrüde eine akute Gefahr für den Menschen darstellt. Auch wurden offenbar die Experten der extra dafür eingerichteten Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) nicht angehört. Die Einschätzung der in Deutschland führenden Wolfsforscher vom LUPUS Institut in Sachsen wurde sogar offensichtlich bewusst ignoriert.

Das intransparente Informationsgebaren der sächsischen Behörden legt nahe, dass hier eine politisch motivierte Abschussfreigabe erteilt wurde. Anders als im Fall des niedersächsischen Wolfsrüden MT6, der 2016 nach erfolglosen Vergrämungsversuchen abgeschossen wurde, können IFAW, NABU und WWF die aktuelle Entscheidung in Sachsen nicht mittragen. Es wurde keine Entscheidung im Sinne des Artenschutzes getroffen. Eine naturschutzfachliche Grundlage können wir nicht erkennen. Dementsprechend prüfen wir derzeit juristische Schritte gegen die Entscheidung und das Vorgehen der zuständigen Behörden in Sachsen.

Der Wolf ist eine in Deutschland streng geschützte Tierart. Jedes potentiell kritische Verhalten muss gesondert bewertet werden. Richtschnur und Leitlinie hierfür muss ein entsprechender Wolfs-Managementplan sein, der von den einzelnen Bundesländern im Vorfeld erarbeitet wurde. Die Einschätzung von Konfliktfällen beruht dabei auf einer Veröffentlichung des Bundesamtes für Naturschutz zum Umgang mit Wölfen in Deutschland. Für die Beratung der Länder im Umgang mit Wölfen wurde beim Bundesumweltministerium mit dem DBBW extra ein Expertengremium eingerichtet. Dieses jetzt nicht einmal anzuhören stellt für uns Naturschutzverbände, die wir uns um eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zum Wolf bemühen, ein eklatanter Vertrauensbruch dar.

Wirklich auffällige oder problematische Wölfe, wie es etwa bei MT6 der Fall war, können jederzeit entnommen werden. Dafür reichen die Ausnahmeregelungen des Bundesnaturschutzgesetzes bereits völlig aus.“ (Quelle)

17.01.2017

Jahresrückblick Wölfe in Sachsen 2016

Verbreitung der Wölfe in Sachsen

Im Monitoringjahr (MJ) 2015/2016 wurden im Freistaat Sachsen 15 Rudel, 3 Paare und ein territoriales Einzeltier nachgewiesen (siehe Abb. 1). Von diesen 19 Territorien konnten bisher 17 auch im laufenden Monitoringjahr bestätigt werden. Vom Cunewalde Rudel gibt es aktuell keine Nachweise mehr. Im Raum Spremberg ist es im aktuellen Monitoringjahr zu Verschiebungen zwischen angrenzenden Wolfsterritorien gekommen. Derzeit wird versucht über das Monitoring abzuklären, welche Wölfe im Gebiet zwischen Schleife und Spremberg unterwegs sind und ob das Spremberger Rudel noch existiert. Der Status in den Territorien Cunewalde und Spremberg ist derzeit unklar.
Im Raum Bernsdorf wurde im letzten Monitoringjahr ein markierendes Paar nachgewiesen. Der Rüde wurde im Oktober bei Kamenz tot aufgefunden. Einige Tage später wurde bei Bernsdorf ein Welpe angefahren und auf Grund seiner Verletzungen eingeschläfert. Die Vermutung, dass er ein Nachkomme des Bernsdorfer Wolfspaares sein könnte, bestätigte sich nicht. Bei der genetischen Untersuchung konnte der Welpe keinen genetisch bekannten Wölfen zugeordnet werden. Da in diesem Gebiet aktuell erneut ein Wolfspaar bestätigt wurde, muss es hier zu einem Wechsel gekommen sein. Aktuell wird versucht über genetische Untersuchungen festzustellen, ob der tote Welpe dem neuen Wolfspaar zuzuordnen ist und ob es sich bei diesem um dieselben Tiere handelt, die auch im Gebiet um Senftenberg (Brandenburg) nachgewiesen wurden.

Im aktuellen MJ 2016/2017 konnte bisher in 10 Territorien (Biehain, Daubitz, Gohrischheide, Knappenrode, Königsbrücker Heide, Milkel, Nochten, Raschütz, Seenland, Raum Bernsdorf) der Nachweis von Welpen erbracht werden. Außerdem gibt es aus dem Daubaner und dem Neustädter Territorium Aufnahmen aus dem Sommer von automatischen Wildkameras, welche die jeweilige Fähe mit Gesäuge zeigten. Trotz intensiven Monitorings und dem regelmäßigem Nachweis des Neustädter Wolfspaares konnten in diesem Gebiet allerdings keine Welpen nachgewiesen werden. Es ist daher zu vermuten, dass das Neustädter Paar, das sich erst im Winter 2015 etabliert hat, seinen ersten Wurf verloren hat.

Das Territorium Gohrischheide ist grenzübergreifend mit Brandenburg. Möglicher Weise sind auch die Territorien Raschütz und Raum Bernsdorf grenzübergreifend. Zusätzlich gibt es drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z, siehe Karte), die ihr Gebiet nur zu einem kleinen Teil auf sächsischer Seite haben und daher in den Nachbarländern mitgezählt werden.
Nachweise von einzelnen Wölfen außerhalb etablierter Territorien gab es 2016 im Bereich des Wermsdorfer Forstes im LK Nordsachsen (Dezember 2016), bei Hohnstein im LK Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (November 2016), sowie in Tschechien an der Grenze zum Erzgebirgskreis bei Königswalde (Juli 2016). Dabei handelte es sich jeweils um Einzelnachweise. 

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen im Monitoringjahr 2015/2016. Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Schraffiert gekennzeichnet ist das Gebiet Löbau/Zittau, in dem der Status unklar ist. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz. Aktuell wurde darüber hinaus auch direkt südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien, im Schluckenauer Zipfel, ein Wolfsrudel nachgewiesen (Rumburk, in der Karte nicht dargestellt).

Tote Wölfe
Im Freistaat Sachsen wurden im Jahr 2016 insgesamt neun tote Wölfe erfasst. Davon kamen fünf Wölfe durch Autounfälle ums Leben, wobei in einem Fall der Wolfswelpe den Zusammenstoß überlebte und anschließend, aufgrund seiner schweren Verletzungen, eingeschläfert wurde. Bei der veterinärpathologischen Untersuchung stellte sich heraus, dass das Tier bereits einmal beschossen worden war, dies aber überlebt hatte. Zwei Wölfe starben eines natürlichen Todes: beide Tiere waren stark abgemagert und wiesen entzündete Verletzungen auf. In zwei Fällen blieb die Todesursache unklar: Bei einem im Mai bei Cunewalde (LK Bautzen) gefundenen Wolf, dessen Kadaver schon zu verwest war für eine Todesursachenbestimmung und bei einem Totfund im Juli bei Horka (LK Görlitz). Hier hatte zunächst der Verdacht auf eine illegale Tötung bestanden. Dies konnte durch die Untersuchung am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin jedoch nicht bestätigt werden.

Besondere Vorkommnisse
Seit Mitte November 2016 sind dem Wolfsmanagement wiederholt Sichtungen eines Wolfes bei Teicha – Neuhammer – Alte Ziegelei (Gemeinde Rietschen, LK Görlitz) gemeldet worden, der im Siedlungsbereich Futter sucht. Zunächst wurde das Tier im Laufe von zwei Wochen mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten, jedoch häufig vormittags, im Siedlungsbereich beobachtet. Bei einigen Sichtungen befand sich der Wolf auf bzw. in der unmittelbaren Nähe von bewohnten Grundstücken. Die Beschreibungen der Sichtungen weisen darauf hin, dass der Wolf auf der Suche nach Futter war.
Während in der ersten Dezemberhälfte nur noch sporadische Hinweise auf den Wolf eingingen, tritt der Wolf seit der zweiten Dezemberhälfte wieder vermehrt in Erscheinung, wobei er nun überwiegend abends/nachts im Siedlungsbereich unterwegs ist. Die meisten Hinweise liegen im Moment durch Aufnahmen von Fotofallen vor. In einigen Fällen wurde das Tier auch direkt gesichtet, diese fanden dann meist vom Haus aus oder aus dem Fahrzeug statt. Bei direkter Begegnung mit Menschen, die als solche zu erkennen sind (Menschen zu Fuß), zog sich das Tier zurück.

Seit Eingang der ersten Sichtungsmeldungen wird die Situation vor Ort durch ein intensives Monitoring beobachtet. Das Landratsamt Görlitz beauftragte dafür das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung, welches in Sachsen die Kernkompetenz für das Wolfsmonitoring ist. Außerdem wurde durch das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" die Informationsarbeit vor Ort verstärkt, um die Bevölkerung über das Tier auf zu klären. Die Anwohner wurden dazu aufgerufen, keinerlei Essensreste auf Komposthaufen oder in Siedlungsnähe zu entsorgen, um dem Tier nicht weiter Anreiz zu bieten, im Siedlungsbereich auf Nahrungssuche zu gehen. Wolfshinweise werden vom Kontaktbüro, dem Landkreis und direkt von LUPUS entgegen genommen. Allen Hinweisen wird zeitnah nachgegangen. Vor Ort wurde außerdem mit einem Hund nach Auslösereizen (Nahrung) gesucht, Genetikproben sichergestellt und verstärkt Fotofallen aufgestellt. Auf einigen Fotofallenaufnahmen ist zu sehen, wie der Wolf Fressbares von Komposthaufen holt. Einige Anwohner haben zudem eigene Fotofallenplatziert und leiten Wolfsaufnahmen an das Wolfsmanagement weiter.

Abb. 2. Jährlingsrüde aus dem Ruszow Rudel hält sich seit November 2016 bei Rietschen auf und sucht im Siedlungsbereich nach Futter, z.B. an Komposthaufen.(Fotofallenaufnahme)

Mittels genetischer Untersuchung konnte die Identität des Wolfes ermittelt werden. Es handelt sich um einen Jährlingsrüden aus dem polnischen Ruszow Rudel (Abb. 2). Das Ruszow Territorium erstreckt sich überwiegend auf polnischer Seite direkt angrenzend an Sachsen etwa auf Höhe von Rothenburg O.L. (LK Görlitz). Nach Angaben polnischer Wissenschaftler ist dieses Tier als Welpe von Menschen gefüttert worden.
Durch den genetischen Abgleich konnte nun nachträglich geklärt werden, dass es sich um denselben Wolf handelt, der Anfang Juni 2016 dabei beobachtet wurde, wie er vom Vorhof eines Grundstücks im Rothenburger O.L. Ortsteil Lodenau die Schwarte (Fell) eines dort am selben Tag zerlegten Wildschweins in das angrenzende Waldstück verschleppte (Kontaktbüro berichtete).

Nach den vorliegenden Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass der Wolf in der Vergangenheit bereits mehrmals Nahrung in der Nähe von Menschen erhalten bzw. gefunden hat und auf Grund dieser, für ihn positiven Erfahrungen, gezielt Siedlungen auf der Suche nach Fressbarem aufsucht. Das Verhalten des Tieres ist für einen wilden Wolf ungewöhnlich und nur durch die Vorgeschichte dieses Individuums zu erklären. Bislang hat das Tier keinen direkten Kontakt zu Menschen gesucht und geht einer direkten Begegnung aus dem Weg. Derzeit gibt es keine Hinweise auf ein sicherheitsrelevantes Verhalten gegenüber Menschen. Trotzdem ist ein solches Verhalten unerwünscht und für die Anwohner vor Ort nicht dauerhaft zumutbar.
Das Sächsische Wolfsmanagement beobachtet die Lage weiterhin intensiv. Sofern es die Lage erfordert wird das Landratsamt Görlitz geeignete Maßnahmen entsprechend des Managementplans für den Wolf in Sachsen veranlassen.

Herdenschutz
Im Jahr 2016 wurden dem sächsischen Wolfsmanagement insgesamt 71 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet. Davon konnte in 44 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden. Zwei weitere Fälle sind noch in Bearbeitung. Bei den 44 bestätigten Übergriffen wurden 219 Nutztiere getötet, 15 sind vermisst und 19 weitere wurden verletzt. Bei den geschädigten Nutztieren handelt es sich um 222 Schafe, 4 Ziegen, 3 Rinder und 24 Stück Wild in Gattern (Dam-, Sika- und Muffelwild).

Die meisten Übergriffe im letzten Jahr fanden im Territorium des Rosenthaler Rudels statt. Seit der Etablierung des Rosenthaler Wolfspaars im Sommer 2013 im Raum Rosenthal kam es immer wieder zu Übergriffen auf Schafe. 2014 waren es insgesamt achtzehn Übergriffe, 2015 sechszehn Übergriffe und 2016 elf Übergriffe. Anfangs wurden vermehrt ungeschützte bzw. nicht ausreichend geschützte Tiere angegriffen. Mit der Zeit waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. Zehn der 11 Übergriffe 2016 fanden auf Schafe statt, die hinter Festzäunen gehalten wurden.
Gemäß dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation von Schafen und Ziegen im Bereich des Rosenthaler Rudels flächendeckend zu verbessern. Neben Informationen zum Herdenschutz und den Fördermöglichkeiten, z.B. durch Pressemitteilungen, wurden 2015 und 2016 im Territorium des Rosenthaler Rudels kostenlos ca. 17.000 Meter „Flatterband“ (Breitbandlitze) und zugehörige Weidepfähle an Schaf – und Ziegenhalter verteilt. Zusätzlich können sich Tierhalter individuell über Schutzmaßnahmen vor Ort beraten lassen. Dies wird insbesondere Tierhaltern empfohlen, die ihre Schafe hinter einem Festzaun halten. Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material stellen eine rein physische Barriere dar, da sie anders als Elektrozäune, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden. Das Wolfsmanagement empfiehlt daher den Einsatz von Elektrozäunen, in Kombination mit „Flatterband“, welches 20 – 30 cm darüber gespannt werden soll.

Sollten die empfohlenen Schutzmaßnahmen keine Wirkung zeigen, kann die Entfernung eines Wolfes als letztes Mittel ergriffen werden.

Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen. Dies wurde wieder von zahlreichen Tierhaltern angenommen. So wurden in 2016 insgesamt 489 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 338.771,70  EUR ausgezahlt. Frühzeitig umgesetzte, präventive Herdenschutzmaßnahmen können helfen, Übergriffe auf Nutztiere minimieren.

Umbenennung zu Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“
Zum 01.01.2017 wurde das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“, die zentrale Informationsstelle zum Thema Wolf im Freistaat Sachsen, umbenannt in Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“.
Bei der Gründung des Kontaktbüros 2004, gab es in der sächsischen Lausitz mit einem Wolfsrudel und einem Wolfspaar das einzige Vorkommen von wildlebenden Wölfen in Deutschland. Der Titel des Kontaktbüros stellte damals diesen regionalen Bezug dar. Inzwischen ist das Wolfsvorkommen nicht mehr auf die Lausitz begrenzt. Vor diesem Hintergrund und auch angesichts der Tatsache, dass das Kontaktbüro seit der Entstehung des Managementplans für den Wolf in Sachsen im Jahr 2009 als die zentrale Ansprechstelle zum Thema Wolf für den ganzen Freistaat zuständig ist, wurde der Name des Büros angepasst.
Der Sitz des Kontaktbüros in Rietschen und somit auch Telefon- und Faxnummer sind unverändert geblieben, aber die E-Mail und Website-Adresse sind neu. Ab sofort ist das Kontaktbüro unter der E-Mailadresse kontaktbuero@wolf-sachsen.de erreichbar. Die neue Internetadresse lautet: www.wolf-sachsen.de.

Ansprechpartner zum Thema Wolf in Sachsen
An wen wende ich mich wenn meine Nutztiere getötet oder verletzt wurden?
Was ist beim Auffinden eines toten/verletzten Wolfes zu tun?
Wo bekomme ich Antworten auf Fragen zum Wolf?

Seit 2009 ist der Managementplan für den Wolf in Sachsen in Kraft. Zuständig für die Umsetzung des Wolfsmanagements in Sachsen sind die Landratsämter. In jedem Landratsamt der Landkreise und kreisfreien Städte gibt es geschulte Mitarbeiter. Sie nehmen Meldungen zu wolfsrelevanten Themen entgegen und sind vorrangig für die Begutachtung von toten Nutztieren zuständig.

Zusätzlich gibt es sachkundige Institutionen und Personen, welche die Kernkompetenzen im sächsischen Wolfsmanagement bilden:

Das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung (Dipl.-Biol. Gesa Kluth und Dipl.-Biol. Ilka Reinhardt) ist seit dem Jahr 2002 mit dem wissenschaftlichen Wolfsmonitoring (Bestandserfassung und -überwachung) beauftragt. Diese Arbeiten werden im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz fachlich betreut und koordiniert.

LUPUS Institut
Tel. 035727 / 577 62
E-Mail: kontakt@lupus-institut.de

Der Wolfsbeauftragte Herr Dipl.-Forsting.(FH) André Klingenberger mit Sitz im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist mit der Aufarbeitung der Daten im Bereich Herdenschutz, sowie dem Bearbeiten von Schadensausgleichzahlungen beauftragt. Außerdem berät er Tierhalter in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie in der Stadt Dresden.

André Klingenberger
Tel. 035932 / 365 31
E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de

Für die Beratung von Tierhaltern in den Landkreisen Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie den Städten Leipzig und Chemnitz ist Herr Dipl.-Agraring. Ulrich Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in Roßwein, OT Haßlau zuständig.

Ulrich Klausnitzer
Tel.: 0151 / 5055 1465
E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org

Die Beratungen für die Tierhalter sind für diese kostenfrei und können auch vor Ort zur Klärung offener Fragen stattfinden.

Die Öffentlichkeitsarbeit wird vom Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in Rietschen zentral geleitet. Seit September 2004 ist das Kontaktbüro die zentrale Ansprechstelle für die Informations- und Aufklärungsarbeit zum Thema Wolf in Sachsen gegenüber der Bevölkerung und der Presse im gesamten Freistaat. Es wurde vom SMUL und dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis eingerichtet und befindet sich in der Trägerschaft des Landkreises Görlitz.

Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“
Tel. 035772 / 467 62
E-Mail: kontaktbuero@wolf-sachsen.de
Weitere Informationen zum Thema Wolf finden Sie unter www.wolf-sachsen.de

Abkürzungen
LK - Landkreis,  MJ -     Monitoringjahr (01.05.XX bis 30.04. des darauffolgenden Jahres), SMUL    - Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Alle Fotos und Skizzen: © LUPUS

07.01.2017

NABU: Unnötige Wolfs-Debatte von Agrarminister Schmidt - für Wölfe kann es derzeit überhaupt keine Abschussquote geben

Berlin (ots) - Der NABU hält die in den vergangenen Wochen von Politikern der CDU/CSU und verschiedenen Interessenverbänden der Nutztierhalter und Jäger geführte öffentliche Debatte zur Aufweichung des Schutzstatus' von Wölfen für unnötig und fordert von der Politik ein klares Bekenntnis zum Schutz des Wolfes. Dazu NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller:

"Der Wolf ist nach nationalem und internationalem Recht streng geschützt. In Deutschland kann es für ihn derzeit überhaupt keine Abschussquote geben, das weiß auch Minister Schmidt. Aber glücklicherweise ist er auch gar nicht zuständig für den Wolf."

Die von ihm angestoßene Debatte gehe in die falsche Richtung, so Miller. "Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir mit dem Wolf leben können. Der Wolf gehört zu Deutschland und er hat hierzulande noch lange keinen stabilen Bestand erreicht. Wir fordern von der Politik, und auch von dem für die Jagd und die Nutztierhaltung zuständigen Minister Schmidt, sich klar zum Schutz des Wolfes zu bekennen. Der NABU lehnt eine Herabstufung des Schutzstatus' sowie eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht strikt ab."

Obwohl die Zuwachsraten der Wolfspopulation in Deutschland von manchem derzeit als hoch empfunden würden, seien die Wachstumsraten aus biologischer Sicht vollkommen normal. Auch ohne Eingriffe würden sie wieder abflachen. Mit derzeit 46 Rudeln sei der Wolfsbestand in Deutschland keinesfalls ausreichend stabil.

Mit Blick auf die vielfach diskutieren Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere sieht der NABU in möglichen Abschüssen keine Lösung. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: "Bei Übergriffen stellen wir fest, dass es fast immer zu Fehlern beim Schutz der Herden kam. Es wäre falsch, den Landwirten jetzt vorzugaukeln, mit dem Abschuss eines einzelnen Wolfes sei ihnen geholfen. Der Rest des Rudels wird dadurch keine Angst vor Weidetieren bekommen. Die Tötung eines Wolfes ist ein völlig ungeeignetes Mittel zum Schutz von Nutztieren." Stattdessen sei es wichtig, die Tierhalter stärker beim Schutz ihrer Herden, beispielsweise durch spezielle Zäune und Herdenschutzhunde, zu unterstützen und diese Maßnahmen ausreichend zu finanzieren.

"Hier ist auch das Bundeslandwirtschaftsministerium und damit Herr Schmidt in der Verantwortung. Ähnlich wie es das Bundesumweltministerium vor einem Jahr mit der Einrichtung einer zentralen Dokumentations- und Beratungsstelle für den Wolf vorgemacht hat, sollte jetzt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein Kompetenzzentrum für den Herdenschutz aufbauen", so Miller. (Quelle)

26.12.2016

Erfreulicher Wolfsstatus Dezember 2016: 63 Rudel

Zum Jahresende eine erfreuliche Nachricht von Ulrich Wotschikowsky, dessen Recherchen zur Entwicklung der Wolfspopulation zum Jahresende 63 Rudel ergeben haben. Das ist ein deutlicher Anstieg zum letzten Jahr und macht nach allen Katastrophenmeldungen über gewilderte Wölfe und Abschussquoten Mut. Mehr hier.

Ich danke allen, die sich in diesem Jahr für den Wolf eingesetzt haben, für eure Arbeit, euren Mut und euer Durchhaltevermögen. Lasst uns nicht aufgeben und weiterhin für das Tier kämpfen, das uns Menschen am ähnlichsten ist.

Ich wünsche euch allen ein friedliches, gesegnetes und wölfisches 2017.

Eure
Elli

P.S. Ein längerer Neujahrsbrief ist an die Newsletter-Abonnenten unterwegs .



20.12.2016

UPDATE Wolf Mecklenburg-Vorpommern: Offizielle Bestätigung: Wolf „Arno“ wurde erschossen

Zu dem am vergangenen Wochenende im Umfeld der Lübtheener Heide tot aufgefundenen Wolf liegen weitere Erkenntnisse vor. Die Untersuchungen im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde Berlin (IZW) haben bestätigt, dass es sich bei dem nahe Woosmer gefundenen Wolf um „Arno“ handelt. Das Tier wurde durch einen gezielten Blattschuss getötet, der Halsbandsender wurde entfernt und vermutlich zerstört, denn er liefert keine Peildaten mehr.

„Der Täter ist offenbar mit großer krimineller Energie vorgegangen: Wölfe sind bekanntermaßen streng geschützt und nicht jagdbar. Alle Fakten und Befunde werden jetzt den Ermittlungsbehörden übergeben. Wir werden alles daransetzen, diese Straftat aufzuklären“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

„Arno“ war im Oktober 2015 als Welpe besendert worden, um Daten zur Raumnutzung des Lübtheener Wolfsrudels und zum Einfluss der Wölfe auf das Schalenwild zu sammeln. Mit Hilfe der Peildaten konnten zum Beispiel gezielt Informationen zu den gejagten Beutetieren gesammelt werden, diese sind eine wichtige Quelle für die angepasste Abschussplanung in Wolfslebensräumen. In die aufwendigen Arbeiten sind Jäger, Förster und Naturschützer aus der Region sehr eng eingebunden.

„Diese wichtige wildbiologische Forschung hat nunmehr einen herben Rückschlag erlitten“, so der Minister. „Auch ist die Wolfsbesenderung ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, ein möglichst konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wildtieren in unserer Kulturlandschaft zu gestalten. Dieses Ziel wurde durch scheinbar mutwilliges illegales Vorgehen konterkariert – dafür habe ich keinerlei Verständnis.“ (PM Nr. 391/16, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt)

Aktuelle Meldungen WOLF

Passend zur aktuellen Stimmung hier noch ein paar Meldungen.

Wolf/Brandenburg:
Abschuss des Rathenower Wolfs genehmigt

Nachrichten über Wolfssichtungen oder Angriffe auf Vieh gibt es regelmäßig. Gefahr für Menschen bestehe aber nicht, hieß es. Bis jetzt. Nun soll sich ein Wolf in Rathenow im Garten einer Kita rumgetrieben und sogar einem Kind genähert haben. Das geht zu weit, sagt das Ministerium. Wenn sich das Tier nicht bald nach Sachsen-Anhalt absetzt, sieht es schlecht aus für den „Problemwolf“.
Der Wolf streift derzeit durch die Straßen und Vorgärten in der Rathenower Innenstadt – er ist zum Abschuss freigegeben.
Mehr ...

Wolf/Mecklenburg-Vorpommern:
Dömitz: Wurde gechipter Wolf erschossen?
Nach dem Fund des toten Wolfs bei Dömitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) will Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) heute Untersuchungsergebnisse bekanntgegeben. Ein Mann hatte den Kadaver am Sonnabend in der Nähe der Gemeinde Woosmer am Straßenrand entdeckt. Nach Angaben eines Gutachters hat das Tier eine Wunde, die auf eine Schussverletzungen deuten könnte.
Mehr ...

Luchs/Bayern:
Bayern: Wilderer identifiziert, der Luchse erschossen haben soll

Im Bayerischen Wald wurden in letzter Zeit viele Luchse erschossen und die Staatsanwaltschaft Regensburg hat nun wohl den Mann identifziert, der dafür verantwortlich sein soll.
Mehr ...

Die Redaktion des Wolf Magazins muss sich danach erst einmal von der Wolfshetze erholen und ist erst wieder ab 6. Januar 2017 erreichbar. Ich wünsche allen, dass das neue Jahr besser anfängt, als es aufgehört hat.

14.12.2016

Niedersachsen: Antwort auf Dringliche Anfrage Herdenschutzmaßnahmen

Rede Umweltminister Stefan Wenzel - Antwort auf die Dringliche Anfrage (LT-Drs. 17/7085): 

„Was passiert, wenn Herdenschutzmaßnahmen den Wolf nicht mehr abhalten?               

Anrede,
ich danke herzlich für ihre Anfrage!
Wolf und Hund haben seit Jahrtausenden mit Menschen zusammen gelebt. Allerdings ist der Wolf in den letzten 100-150 Jahren in Mitteleuropa ausgerottet worden. Hier ist viel Erfahrungswissen verloren gegangen. Das betrifft die Nutztierhalter ebenso wie Menschen, die sich in Natur und Landschaft bewegen. In sehr vielen Ländern Europas ist der Wolf immer heimisch geblieben, in einigen Bundesländern ist er bereits vor ca. 15 Jahren aus dem Osten kommend wieder zugewandert. Der Wolf ist wie die Giraffe, der Elefant und der Löwe durch das Washingtoner Artenschutzabkommen und durch nationales Recht geschützt. Zu Recht erwarten andere Länder, dass wir genauso sorgfältig mit unserer Tier- und Pflanzenwelt – unserem gemeinsamen Weltnaturerbe - umgehen, wie andere Länder auch. Dennoch ist die Entnahme einzelner Tiere unter Anlegung strenger Kriterien und im Ausnahmefall möglich. Diese Kriterien besagen unter anderem, dass vor einer Entnahme alle milderen Alternativen tatsächlich erfolglos geblieben sind.

Der Fragesteller zitiert eine Zwischenauswertung der dokumentierten Nutztierrisse. In der Tat gibt es nach dieser Auswertung eine leichte Entspannung bei den Risszahlen, die zeigt, dass Herdenschutzmaßnahmen greifen. Diese Beobachtung wurde auch in Regionen gemacht, wo der Wolf schon länger zurückgekehrt ist. Die Risszahlen gehen zurück, wenn die Nutztierhalter ihren Herdenschutz verbessert haben.

Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass ein wirksamer Herdenschutz gegen den Wolf möglich ist. Am wirksamsten sind dabei Herdenschutzmaßnahmen, die den Wolf von vornherein davon abhalten, mit der Erbeutung von Nutztieren positive Erfahrungen zu machen. Jede Verzögerung in der Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen durch die Nutztierhalter führt dazu, dass die verschiedensten Wolfsindividuen Nutztiere als Beute schätzen lernen können. Die Analyse von mehr als 4.000 Losungsproben hat jedoch gezeigt, dass sich Wölfe in Deutschland zu 92,2% von Schalenwild ernähren. Nur 0,8% entfallen auf Nutztiere. Präventionsmaßnahmen können die Wölfe in der überwiegenden Zahl der Fälle davon abhalten, Nutztiere zu reißen. Die Jagd auf Schalenwild wiederum verringert den Wildverbiss und auch die Zahl der Wildunfälle. Diese beiden Aspekte sind volkswirtschaftlich durchaus von Bedeutung, da derzeit allein in Nieder-sachsen etwa 15.000 km Zaun zum Schutz vor Wildverbiss errichtet wurden. Der finanzielle Aufwand übersteigt die Kosten des Wolfsmanagements um ein Vielfaches. Zudem wird die Resilienz der Ökosysteme gestärkt. Dabei ist der Wolf genauso geschützt, wie viele andere heimische Säugetiere, Vögel, Reptilien und Insekten. Im Alltag weniger diskutiert, aber von ungleich höherer Relevanz ist der massive Artenverlust unserer Naturräume. So haben wir beispielsweise bei der Lerche einen Rückgang von fast 70% zu verzeichnen. 47 Indikatorarten der Vögel weisen einen Rückgang von gut einem Drittel auf. Auch unsere eigene menschliche Ernährung basiert auf den Ökosystemdienstleistungen der Natur. Sauberes Wasser, klare Atemluft und fruchtbare Böden lassen sich nicht künstlich herstellen. Allein die Bienen und Wildbienen sind von unschätzbarem Wert für die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen. Es gibt also sehr gute Gründe für den bestmöglichen Schutz unserer Natur.

Wölfe sind nicht in der Lage, zwischen Wildtieren und Nutztieren eine grundsätzliche Unterscheidung vorzunehmen, beide sind potenzielle Beutetiere. Die Erbeutung wird bei Wildtieren durch deren Feindvermeidungsverhalten erschwert, bei Nutztieren u. a. durch Präventionsmaßnahmen des Menschen. Zu diesen Präventionsmaßnahmen gehören in erster Linie entsprechende Zäune – als wirksam haben sich vor allem elektrifizierte Zäune erwiesen, die auch in Bodennähe stromführend sind, so dass ein Wolf bei dem Versuch, diesen Zaun zu untergraben, zwangsläufig Stromschläge erhalten muss. Ebenfalls wirksam sind feste Zäune, die tief genug in den Boden eingelassen sind, um ein Untergraben wirksam zu verhindern und bei denen auch ein Darüberklettern unmöglich gemacht wird.

Erheblich erhöht wird die Wirksamkeit von Zaunanlagen durch die Anwesenheit von Herden-schutztieren - hinreichend erprobt sind Herdenschutzhunde, die jedoch nach Möglichkeit mindestens als Zweierteam eingesetzt werden sollen. Für größere Herden auch mehr Hunde. Haben Wölfe gelernt, Elektrozäune zu überspringen, hat es sich als wirksam erwiesen, in ca. 20 cm Abstand direkt über dem Elektrozaun ein Flatterband zu spannen. Einer Meldung des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz zufolge, gab es auch in Sachsen keinen einzigen Fall, bei dem es zu einer Überwindung eines Zauns mit ordnungsgemäß angebrachtem Flatterband kam.

Nutztiere, für die der Mensch keine entsprechenden Präventionsmaßnahmen umgesetzt hat, sind für Wölfe eine leichte Beute. Wölfe sind in der Lage, Schwachstellen der vom Menschen installierten Präventionsmaßnahmen herauszufinden und zu deren Überwindung auszunutzen. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob diese Schwachstellen durch fehlerhaftes Aufstellen oder durch höhere Gewalt entstanden sind. Auch die nächtliche Stallhaltung trägt wirksam zum Schutz bei. Moderne Stallhaltungsysteme wie Boxenlaufställe haben u. a. dazu beigetragen, dass die Weidehaltung insgesamt zurückgegangen ist. Der Erhalt der Weidehaltung und des Grünlandes liegt jedoch zugleich im landwirtschaftlichen, wie auch im naturschutzfachlichen Interesse. Deshalb muss eine wirksame Beratung und Unterstützung der Weidetierhaltung geleistet werden. Gerade Weidetierhalter haben oft geringere Einkommenserwartungen als Ackerbau- oder Veredelungsbetriebe.

Alle Maßnahmen des Wolfsmanagements unterliegen einem kontinuierlichen Verbesserungs-prozess, einem Erfahrungsaustausch mit anderen Bundesländern und im internationalen Kontext. Derzeit wird das Wolfskonzept in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Wolf fortgeschrieben, weil viele Ansätze von 2010 nicht mehr zeitgemäß waren. Der Bund leistet zudem wertvolle Unterstützung mit der Dokumentations- und Beratungsstelle DBBW. Ich will auch betonen, dass die Sicherheit des Menschen immer an erster Stelle steht. Deshalb war auch die Entnahme¬entscheidung richtig, die wir getroffen haben. Die letzte Umweltministerkonferenz hat die Maßnah¬men der Länder einmütig begrüßt und den Bund zudem gebeten regelmäßig zum Erhaltungszustand zu berichten.

Dies vorausgeschickt beantworte ich die Fragen wie folgt:

1.       Ab welchem Zeitpunkt sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, Wölfe, die Nutztiere gerissen haben, zu vergrämen, und wann betrachtet sie eine Vergrämung als erfolgreich?
Beim Schutz vor Wolfsangriffen dienen die Herdenschutzmaßnahmen wie geeignete Zäune, stromführende Drähte und Herdenschutztiere der Vergrämung. Herdenschutzmaßnahmen sind erfolgreich, wenn sie dazu führen, dass auf der betreffenden Fläche keine Nutztiere mehr gerissen werden.

2.      Wie viele Kilometer Zaun müssten nach Auffassung der Landesregierung mit welchen Kosten pro Weidetierhalter in Niedersachsen verbaut werden, damit alle Berufs- und Hobbyweidetierhalter ihre Tiere wolfssicher einzäunen können?
Siehe auch Antwort auf Frage Nr. 46 der Großen Anfrage zum Wolf, LT-Drucksache 17/5112.
Nach jahrelangem Rückgang, ist seit 2013 die Zahl der Schafe und schafhaltenden Betriebe in Niedersachsen – anders als im Bundestrend – wieder deutlich (+7,8% von 2013 auf 2015) gestiegen. Hauptursache dafür war die Entscheidung der Landesregierung, die Heide- und Deichflächen in Niedersachsen in die Agrarförderung neu aufzunehmen. Das Landwirtschaftsministerium hat 2013 entschieden, dass die von Schafen oder Ziegen beweideten Flächen die vollen Agrarprämien bekommen sollen. Unter der Vorgängerregierung bis 2013 galten diese Flächen nicht als landwirtschaftliche Nutzflächen und bekamen keine EU-Agrarförderungen. Seit 2014 mit Beginn der Förderperiode sind zur Unterstützung der Schafhalter großflächig bewirtschaftete Flächen – sog. Dauerweiden in der Lüneburger Heide und auf Deichen – in die Förderung der EU in Niedersachsen neu aufgenommen worden. Es handelt sich um etwa 10.000 ha. Die Höhe der Subvention ist abhängig von der landwirt¬schaftlichen Fläche, die ein Betriebsleiter bewirtschaftet. Im Durchschnitt erhält ein Empfänger von Direktzahlungen in Niedersachsen 16.000 Euro pro Jahr. Daneben kann er bzw. sie bei Vorliegen der Voraussetzungen an verschiedenen Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen, die unterschiedliche Fördersätze aufweisen. 

Gemäß Nutztierhalterverordnung sind Tiere soweit erforderlich und möglich vor widrigen Witterungsverhältnissen und vor Beutegreifern zu schützen. Zur Unterstützung erhalten Tierhalter zudem Zuwendungen nach der Richtlinie Wolf. Diese Zahlungen umfassen im Jahr 2016 ca. 260.000 Euro und fallen bislang noch unter die de-minimis Regel. Bislang konnten alle Anträge bedient werden. Die Länge der Zäune hängt von verschiedensten Faktoren und Entwicklungen ab und ist von Region zu Region sehr verschieden. Statistiken liegen dazu nicht vor.

Das Umweltministerium prüft derzeit, ob die Förderung auch auf Hobbyhalter ausgedehnt werden kann und ob eine erneute Förderung nach Ablauf einer Abschreibungsfrist möglich und sinnvoll ist.

3.      Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Landesregierung in dem Fall, in dem vermutlich ein Wolf in Südergellersen innerhalb einer Woche dreimal eine Schafsherde angegriffen hat, obwohl diese durch einen wolfssichereren Zaun, einen Esel sowie beim letzten Angriff durch einen Herdenschutzhund geschützt war?
Zur Abwehr von Wölfen werden in der Regel Zäune eingesetzt, die bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich ihrer Beschaffenheit erfüllen müssen (siehe Definition „wolfsabweisender Grundschutz“ in der Anlage 1 zur Richtlinie Wolf). Zäune, die diesen Anforderungen genügen, sind in der Regel ausreichend zur Vermeidung von Wolfsübergriffen. Einen 100-Prozent wolfsicheren Schutz der Nutztiere vor Wolfsübergriffen bieten aber solche Zäune nicht. Verschiedene Umstände können dazu führen, dass die Zäune Schwachstellen aufweisen, insbesondere wenn sie durch Einwirkung äußerer Kräfte – Wind, Äste oder Ähnliches –  in ihrer Form beeinträchtigt wurden. In seltenen Fällen können Wölfe lernen, auch intakte Schutzmaßnahmen zu überwinden. 

Sowohl der örtliche Wolfsberater, als auch eine Mitarbeiterin des Wolfsbüros des NLWKN waren bei Südergellersen vor Ort, um die Risse und auch die Gesamtsituation zu dokumentieren. Die Auswertung der Spurenlage ist noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel fehlt auch noch das Ergebnis der genetischen Analyse.

Mit dem Tierhalter wurde über Möglichkeiten zur Verstärkung des Herdenschutzes gesprochen und Material wie Lappenzaun und Flatterband inklusive höherer Zaunstäbe zur Verfügung gestellt.

Der beim dritten der inzwischen vier Übergriffe anwesende Herdenschutzhund befand sich ganz frisch in der Herde, um diese an die Anwesenheit von Herdenschutzhunden zu gewöhnen. Eine tatsächliche Schutzfunktion hatte dieser einzelne Hund in der siebenhundertköpfigen Herde noch nicht.

Beim letzten Rissvorfall befanden sich zwei Herdenschutzhunde in der Herde. Diese haben anscheinend auch größere Schäden erfolgreich verhindert, denn nicht einmal das einzige gerissene Tier wurde vom Wolf genutzt. Allerdings war auch hier dem Wolf das Eindringen nicht auf ganzer Zaunlänge effizient erschwert worden, da teilweise das Flatterband mit bis zu 40 cm Abstand außen vor dem Zaun und noch dazu in viel zu großer Höhe angebracht war und nicht, wie empfohlen in 20 cm Abstand direkt über dem Elektrozaun. Einen ähnlichen Fall gab es bereits im Raum Goldenstedt, in dem das zu hoch über dem Zaun angebrachte Flatterband vom Wolf – für Fachleute erwartungsgemäß – ignoriert und beim Überspringen des Elektro-Netzzaunes untersprungen wurde. Ein Flatterband, das vom Wolf schon bei der Annäherung an den Zaun unterquert werden kann, wird von diesem gar nicht mehr als Hindernis wahrgenommen.

In Sachsen, wo das Rosenthaler Rudel gelernt hatte, reguläre Elektrozäune von 90 cm Höhe zu überspringen, ist nach – ordnungsgemäßem – Anbringen von Flatterband kein Fall eingetreten, bei dem diese bereits „spezialisierten“ Wölfe diesen verbesserten Grundschutz überwunden hätten.

Die Erfahrungen mit Südergellersen haben gezeigt, dass die schnelle Bereitstellung eines verbesserten Grundschutzes essentiell ist. Das Meldesystem wird daher verändert. Meldungen der Wolfsberater gehen künftig direkt an das Wolfsbüro und in Kopie an Jägerschaft und untere Naturschutzbehörde. Das Verfahren zur Feststellung der Rissursachen wurde beschleunigt, wird aber noch weiter verbessert.

Künftig soll den Tierhaltern noch schneller Beratung und praktische Unterstützung zukommen. Dabei wird geprüft, wie verstärkt konkrete Soforthilfe vor Ort geleistet werden kann. Dass kann die Bereitstellung von Zaunmaterial sein, dass kann tatkräftige Unter-stützung sein, dass kann gegebenenfalls auch die temporäre Unterstützung mit Herden-schutzhunden und erfahrenen Hirten sein.

Fakt ist aber auch, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidehalter unabdingbar ist. Das ist von entscheidender Bedeutung.
(Umweltministerium Niedersachsen, 15.12.16, Hervorhebungen von der Redaktion Wolf Magazin)