09.08.2014

„Wolf verfolgt Landwirt“ oder die Sprache der Medien

Mal wieder ist ein „Raubtier“ aufgetaucht und hat einen Menschen „verfolgt“. Immer mehr Kadaver tauchen auf von Tieren die „offenbar von Wölfen gerissen wurden“.

Wenn ich dies lese (Bericht der az-online), dann sehe ich sie bildlich vor mir: Blutrünstige Wölfe, die über ein Schlachtfeld von gerissenen Tierkadavern steigen, um anschließend unschuldige Menschen zu verfolgen.

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, derartige Berichte weder zu kommentieren, noch hier darauf hinzuweisen. Nicht so heute. Der Artikel mag für den Leser vielleicht harmlos erscheinen – ganz im Gegensatz zum Sensationsgeschrei des Tagesblatts mit den vier Buchstaben. Aber gerade hier ist mir die subtile Stimmung machende Sprache der Medien aufgefallen.

Das „Raubtier“ „verfolgt“ den Landwirt.

Wir wissen nicht, ob und wenn ja, warum der Wolf dem Landwirt gefolgt ist. Wir haben nur die Aussage des Landwirtes, also eines Laien, der keine genaue Verhaltensbeobachtung geben konnte – was aus seiner Sicht auch verständlich ist. (Hilfe! Ich werde von einem Wolf verfolgt!)
Ich erinnere an die Diskussion, als in Niedersachsen ein Bundeswehrsoldat von einem „Wolfsrudel verfolgt“ wurde. Es stellte sich heraus, dass es um drei neugierige Jungwölfe handelte, die sich völlig normal verhalten haben.

Hirschkalb gerissen. Toll, dass ohne zu zögern sofort der Wolf zum Täter gemacht wird, ohne zunächst das Gutachten von Experten abzuwarten. Den Leiter eines Rotwildhegerings zähle ich nicht zum Kreis der „Wolfsexperten“ (derer es schon mehr als genug gibt). Das zeigt sich schon an seinem unqualifizierten Kommentar.

Wie gerne wird von der Presse Panik geschürt. Die Auflage steigt, und die Jäger freuen sich, dass sie mal wieder einen Beweis haben, wie gefährlich doch die Wölfe sind.

Und dann reißt ein Wolf auch noch ein Hirschkalb!!! Immer wieder der gleiche Aufschrei. Ja mein Gott, was soll er denn sonst fressen? Schafe darf er nicht, wenngleich ihm die immer noch teilweise ungeschützt präsentiert werden. Da er schlecht zum Supermarkt kann, frisst er nun einmal das, was Wölfe so fressen: Hirsche, Schwarzwild, Mufflons.

Ich verfolge die Wolfsberichte in der Presse, und manchmal wird mir schlecht vor so viel Unkenntnis, Ignoranz und Sensationshascherei. Je nachdem, welche Zeitschrift berichtet, oder welcher Gesinnung der Redakteur ist, wird das Auftreten von Wölfen entsprechend zurechtgebogen.
Und ja, ich gestehe, dass auch ich nicht unvoreingenommen bin, das schreibe ich bereits auf der Homepage vom Wolf Magazin. Aber das Wolf Magazin ist eine Zeitschrift für Wolfsfreunde und genauso objektiv oder subjektiv wie eine Jagdzeitschrift. Nicht so jedoch eine regionale Tageszeitschrift. Ein wenig Neutralität wäre hier sehr wünschenswert.

Dem Leser kann ich nur empfehlen, sämtliche Berichte über „Wolfsverfolgungen“ oder vermeintliche „Wolfsrisse“, die sich darüber hinaus oft als Risse durch wildernde Hunde herausstellen, kritisch zu lesen und zu hinterfragen. Wer wissen will, wie gefährlich der Wolf wirklich ist, dem empfehle ich mein Buch "Wolfsangriffe. Fakt oder Fiktion?".

Und jetzt bediene auch ich mich einer reißerischen Methode, um Aufmerksamkeit für diesen Kommentar zu erlangen. Ich stelle dieses Bild hier ein (Foto: Gunther Kopp). Was zeigt es?


Einen angreifenden, aggressiven Wolf? Rotkäppchen aufgepasst!

NEIN, dieser Wolf wurde aufgenommen, als er einem Familienmitglied gegenüber sein Futter verteidigte!
Ein Bild, zwei Möglichkeiten der Interpretation. Wir als Journalisten und Reporter haben die Verantwortung, uns einer gemäßigten Sprache zu bedienen, wenn wir über ein derart emotionsbeladenes Thema wie den Wolf schreiben.