06.11.2014

Rezension: Vom Wolf getroffen

Vom Wolf getroffen - und andere wilde Geschichten von Hunden und Wölfen
Nicole Wilde
Kynos, 2014
204 Seiten
ISBN 978-3954640232
14,95 €

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Inhalt
Hunde, Wolfshunde und Wölfe gehörten schon immer zu Nicole Wildes Leben. Als professionelle Hundetrainerin hat sie sich jahrzehntelang insbesondere mit Tierschutz- und Problemfällen befasst und dabei viel über das besondere Verhalten von Wölfen und Hund-Wolfs-Mischlingen gelernt.
Ihre Geschichten sind mal fröhlich, mal witzig, mal komisch und mal tragisch – von Lachen bis Weinen ist beim Lesen alles garantiert. Nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über das Verhalten von Hunden und Wölfen. Autorin: Nicole Wilde ist Hundetrainerin und lebt in Kalifornien. Ihre zahlreichen Bücher über Hundetraining und Hundeverhalten sind auch in Deutschland Verkaufserfolge.

Rezension
"Vom Wolf getroffen" ist ein autobiografisches Buch.
Die erste Hälfte des Buches ist eine Sammlung von Geschichten über das Leben der Autorin mit vier Hunden, die sie gerettet hat.
Wilde schreibt aus dem Herzen, was den Leser immer wieder berührt. Sie bringt uns zum Weinen und Lachen. Man erfährt nebenbei noch nützliche Trainingstipps – und dass die besten Hundetrainer selbst nicht unbedingt die perfektesten Hunde haben.
Beim zweiten Teil "Die Wölfe" hatte ich anfangs Bedenken, kannte ich doch die ersten Bücher der Autorin - Hybridenratgeber -, die (in Englisch) vor 10 und 15 Jahren erschienen sind. Dort gab sie Tipps, wie man Wölfe und Wolfsmischlinge am besten unterbringt und trainiert. Aber entgegen meinen Befürchtungen rät sie auch in "Vom Wolf betroffen" eindeutig von der Haltung von Hybriden ab.
Sie berichtet, wie sie auf eine Anzeige für Wolfshunde antwortete und Tia traf, die ein Auffangcenter für die Tiere führte. Wilde leitete später selbst dieses Zentrum selbst. Sie berichtet über die Qualen der Tiere, die abgegeben wurden, weil die Menschen, die sie sich leichtsinnig anschafften, nicht mehr mit ihnen zurechtkamen. Schließlich nahm sie selbst drei der Hybriden mit nach Hause und baute ein Gehege für sie.
Immer wieder jedoch warnt sie den Leser davor, sich ein solches Tier anzuschaffen: "Es fühlte sich schrecklich falsch an, dass er irgendwo anders sein sollte als frei in der Wildnis."
Und so erfahren wir in diesem Buch nicht nur viel über Hybriden, sondern auch einiges über die Menschen dahinter. Eine behinderte Frau wollte von ihr einen Wolf, der ihren Rollstuhl ziehen sollte. Ein Mann brauchte Rat für seinen "Mix aus reinrassigem Alaskan Malamute und blondem Bobtail-Timberwolf". Ein anderer wollte wissen, wo er für sein Kunstprojekt "Mythos Werwolf" warme Wolfsmilch herbekommen könne, weil man sich durch das Trinken angeblich in einen Werwolf verwandeln könne.
Wir alle, die die "Szene" kennen, wissen, welche Abgründe sich da auftun.

"Vom Wolf getroffen" ist kein Schritt-für-Schritt-Ratgeber nach dem Motto: Wenn du das tust, ist dein Problem gelöst. Vielmehr teilt die Autorin ihre Geschichten, Frustrationen und Erlebnisse mit dem Leser. Und das ist es, was das Buch so emotional und lesenswert macht.
Bewundernswert auch die Geduld und Unterstützung ihres Mannes C.C., ohne den sie wahrscheinlich nie ein solches Leben hätte führen können.

Noch eine Warnung zum Schluss: In Deutschland ist die Haltung von Wolfshybriden verboten (wir unterscheiden heute in der Terminologie nicht mehr zwischen Wolf-Hund-Mischling oder Wolfshybride). Da die Tiere unter strengen Artenschutz fallen, benötigt man für ihre Haltung eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Fachleute und Wissenschaftler wie Dorit Feddersen-Petersen, Udo Gansloßer oder Günther Bloch warnen dringend vor der Haltung von Wolfsmischlingen. (ehr)

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