25.02.2015

Kommentar zu: Wolf ohne Angst in Schleswig-Holstein

Ein Wolf in Schleswig-Holstein verletzte vier Schafe und hatte vor Menschen keine Scheu. Wenn er aggressives Verhalten zeigt, darf ein Wolfsbetreuer ihn erschießen.
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Die erste Frage, die sich mir beim Lesen des Artikels sofort stellt, ist: Was ist ein sogenanntes "aggressives" Verhalten? Wie kann ein Wolfsbeauftragter (auch wenn er Jäger ist), der noch nie in seinem Leben über einen längeren Zeitraum hinweg wilde Wölfe in ihrem natürlichen Umfeld beobachtet hat, entscheiden, ob sich ein Wolf sich "aggressives" verhält? Das ist selbst für mich oder Günther Bloch, die wir über 20 Jahre lang das Verhalten von Wölfe in der Wildnis beobachten, nicht einfach. Dass das Tier keine Scheu vor Menschen hat, bedeutet noch lange nicht, dass es sich "aggressives" verhält und einen Abschuss rechtfertigt. 
Nach meiner Erfahrung reichen im Allgemeinen Gummikugeln, Knaller und Feuerwerkskörper aus, um einen Wolf zu vertreiben – allerdings platziert im richtigen Augenblick.Jeder Hundetrainer weiß, wie wichtig es ist, den perfekten Zeitpunkt für eine negative Konditionierung zu erwischen.

Inzwischen gibt es auch ein Video über den Wolfsangriff.
Hier erkennt man, dass die Schafe nicht geschützt waren, was der Schäfer auch zugibt. 
Sorry, aber wenn mir als Wolf das Essen so offen dargeboten wird, wäre ich ganz schön blöd, wenn ich hier nicht zugreife.
Die Schafe verhalten sich übrigens genau so, wie auch die Kojoten in Yellowstone, wenn sie von Wölfen angegriffen werden: Sie laufen auf Autos und Menschen zu, weil sie ihnen Schutz bieten. Da sag noch mal einer "dummes Schaf".
Und - mit Verlaub - wo um alles in der Welt ist der Wolf hier "zutraulich"? Er war dabei, Nahrung zu jagen und hat alles andere vergessen. Außerdem hat er sich vom Schreien des Wolfsbeauftrgen letztendlich vertreiben lassen. Was ist da "zutraulich"?
Mein Dank geht an den Schäfer Rudolph Walch, der trotz seiner Verluste die Situation wohl besser einzuschätzen weiß als mancher sogenannte "Experte" und Ruhe bewahrt.
Und zum Glück ist der betreffende Wolf weitergezogen. Hoffentlich hält er sich diesmal aus Schwierigkeiten heraus.
Dennoch wird es Zeit, dass nicht nur in den ausgewiesenen Wolfsgebieten, sondern auch in „Wolfsdurchgangsgebieten“ die Schäfer aufrüsten. Dass sie die Kosten dafür nicht alleine tragen können, versteht sich von selbst.

Weitere Infos und Videos im Newletter Wolf & Co März 2015

Positionspapier zur Wiederbesiedelung Schleswig-Holsteins durch den Wolf

WWF Infobroschüre zum Schutz von Nutztieren in Sachsen-Anhalt

Foto Wolf: Gehegeaufnahme © Gunther Kopp