24.03.2015

Interview mit Günther Bloch zur Wolfs-Panikmache in Deutschland

Wölfe in Deutschland: Werden sie zum Problem?
Von Judith Böhnke

Wie gefährlich sind Wölfe?
Norddeutschland im Februar 2015: Ein Förster filmt ein Rudel Wölfe 50 Kilometer vor Hamburg, eine Spaziergängerin wird von Wölfen samt ihrer Golden Retriever „aus dem Wald geleitet“, ein Wolf dringt in eine Schafherde ein, ohne vom Schäfer und seinem Helfer Notiz zu nehmen. Und an einem Waldkindergarten hat Isegrim obendrein vorbei geschaut. Die Diskussionen, die in Deutschland seitdem rund um das Thema Wolf geführt werden, könnten kaum hitziger sein.

Und kaum bizarrer. Gibt es da wirklich Wölfe, die ihre „natürliche Scheu vor Menschen“ verloren haben, womöglich „angefüttert“ wurden und wer weiß was als nächstes im Schilde führen? Was sagt ein Wolfsforscher dazu, der seit Jahrzehnten kontinuierliche Verhaltensbeobachtungen an frei lebenden Wölfen realisiert und für den Wolfsbegegnungen die alltäglichste Sache der Welt sind?

Wir haben nachgefragt: bei GÜNTHER BLOCH.
Herr Bloch, die Medien in Deutschland sind derzeit voller Meldungen über jüngste Wolfsbegegnungen, wobei sich viele Menschen über die fehlende Scheu der Tiere wundern. Sie selbst erforschen Wölfe im Freiland seit 1991 – verhalten sich die Wölfe in Deutschland aus Ihrer Sicht außergewöhnlich oder ganz normal für Wölfe?
Einfache Antwort: Ganz klar letzteres. Weder ist es außergewöhnlich, dass diese Begegnungen stattgefunden haben, noch haben sich die Wölfe außergewöhnlich oder gar „aggressiv“ verhalten ...

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(Foto © Gerry Hogston)
 
Kommentar
Dieser Wolf, der in Yellowstone völlig unbeeindruckt von Autos und Besuchern über die Straße läuft, ist ein Jährling der Druid-Wolfsfamilie. Situationen wie diese sind in Yellowstone völlig normal und ich habe sie unzählige Male erlebt, ebenso wie ich zahlreiche Nah-Wolf-Begegnungen hatte.
Ich lebe noch, oder?
Langsam geht es mir wirklich auf die Nerven, dass sich zahlreiche sogenannte "Wolfsexperten" (mit Vorliebe einige Jäger) profilieren wollen, indem sie auf das vermeintlich "aggressive" oder "unnatürliche" Verhalten von Wölfen hinweisen, die sich in der Nähe von Menschen aufhalten oder durch Dörfer laufen.
Wer von diesen selbst ernannten "Fachleuten" hat jemals in seinem Leben einem wilden Wolf gegenüber gestanden, geschweige denn die Tiere und ihr Verhalten über einen längeren Zeitraum hinweg in der Wildnis beobachtet? Man kann weder in einem Zoo, noch in einem Wochenendkurs oder bei der weit entfernten Sichtung eines einzelnen Tieres lernen, "wie sich Wölfe verhalten", sondern nur durch lange Jahre Freilandbeobachtungen.
Es wird langsam an der Zeit das Chaos und die falschen Behauptungen zu beenden.
Ein einfacher Tipp an alle, die in eine Diskussion hineingezogen werden um die vermeintliche Gefährlichkeit von Wölfen. Fragen Sie die Schlaumeier ganz einfach einmal, wie viele wilde Wölfe sie schon gesehen haben und wie lange sie sie beobachtet haben. Keine Ausflüchte. Verlangen Sie konkrete Antworten. Mal sehen, was da noch übrig bleibt. (Elli H. Radinger)