05.06.2015

Rezension: Die Gefühle der Tiere

Die Gefühle der Tiere: Von glücklichen Hühnern, liebenden Ziegen und träumenden Hunden.
Ein Plädoyer für Respekt und Achtsamkeit

Peter Wohlleben

pala-verlag, 2014
160 Seiten
ISBN 978-3895663376
14,00 €

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Inhalt
Sind frei laufende Hühner glücklich? Wovon träumen Fruchtfliegen und Hunde? Welches Zeitgefühl hat ein Schmetterling? Peter Wohlleben schreibt kurzweilig über Gefühlsleben, Intelligenz und Bewusstsein der Tiere und fordert, ganz ohne erhobenen Zeigefinger, zu ethischem Handeln auf. Dabei macht er wenig Unterschiede zwischen liebenswerten Hunden, Milch gebenden Ziegen oder lästigen Fliegen. Und er scheut sich nicht, Parallelen zu menschlichen Gefühlen zu ziehen und provokante Thesen zu vertreten. Seine Ansichten zu Liebe, Mitgefühl, Trauer und Schmerz bei Tieren belegt der Autor anhand aufsehenerregender Studien von Verhaltensforschern und Biologen, aber auch durch viele Beobachtungen der Wildtiere im Eifeler Forst und seiner eigenen Haustiere. Das Buch räumt mit Vorurteilen über böse Wölfe, ängstliche Hasen oder blöde Ziegen auf und regt vor allem zum Nachdenken über die Konsequenzen unseres alltäglichen Handels an. Seite für Seite wird dabei immer klarer, warum ein achtsamer Umgang mit unseren Mitgeschöpfen auch uns Menschen glücklich macht.

Rezension
In der jüngeren Forschung wurde schon viel darüber geschrieben, dass Tiere intelligent sind, Gefühle und sogar eine Kultur haben, dass sie Empathie und Spiritualität empfinden. Selten jedoch tut dies ein Autor so spannend und humorvoll wie Peter Wohlleben. Dabei stellt er auch provozierende Fragen wie: Lieben uns unsere Haustiere wirklich? Oder handelt es sich eher um das „Stockholm-Syndrom“: Sie bleiben bei uns, weil wir sie einer Art „Gehirnwäsche“ unterzogen haben. Wäre es dann nicht „ethisch korrekter“, alle Haustiere freizulassen?
Der Autor und Förster setzt sich leidenschaftlich für die Abschaffung der Jagd ein und hat sich damit schon viele Feinde gemacht. Im Buch kritisiert er darum auch die Jagd, Winterfütterung und kommerzielle Forstwirtschaft und gibt einen sehr praktischen Tipp für Landbesitzer, der leider noch viel zu wenig bekannt ist:
Am 26. Juni 2012 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Landbesitzer in Deutschland die Jagd auf ihrem Eigentum verbieten lassen können. Seitdem kann nun jeder, der die Jagd ablehnt, sein Grundstück sperren lassen und somit großflächige, zusammenhängende Treibjagden unmöglich machen. Ich wünschte mir, mehr Jagdgegner würden dieses Urteil anwenden.
„Die Gefühle der Tiere“ räumt auf mit vielen Vorurteilen: scheues Reh, blöde Ziege, schlauer Fuchs, fleißige Biene usw. Sie alle erhalten jeweils einen größeren Textkasten mit interessanten Informationen. Meine einzige Kritik geht hier an den Satz/das Layout. Die Kästen sind teilweise mitten in einem Kapitel platziert und reißen so den Leser aus dem Lesefluss. Ich hätte es schöner gefunden, wenn diese Infos jeweils am Ende eines Kapitels gestanden hätten. Das ist jedoch nur ein „optisches“ Problem und ändert nichts an meiner uneingeschränkten Leseempfehlung.
„Die Gefühle der Tiere“ ist nicht nur ein Buch für Tierschützer und Tierrechtler, sondern für jeden von uns. Es sollte zur Pflichtlektüre im Ethikunterricht an Schulen gehören. (ehr)

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Das geheime Leben der Bäume
Wald ohne Hüter (Mein persönliches Lieblingsbuch)