21.07.2015

Rezension: Der unwiderstehliche Garten

Der unwiderstehliche Garten: Eine Beziehungsgeschichte
Barbara Frischmuth

Aufbau Verlag, 2015
240 Seiten
ISBN 978-3351035853
24,20 €

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Inhalt
Was uns alles blüht. Auch für eine hingebungsvolle Gärtnerin wie Barbara Frischmuth kommt der Tag, an dem sie beschließt, den Garten zu verkleinern. Während sie halbherzig Beete auflöst, muss sie daran denken, was die moderne Neurobiologie darüber entdeckt hat, wie Pflanzen kommunizieren – untereinander und mit dem Menschen. Trotz guter Vorsätze ertappt sie sich dabei, dass sie wieder Setzlinge kauft. Aber macht ein schmerzender Rücken manchmal nicht glücklicher, als es im Alter bequem zu haben? Man muss sich einer Sache widmen können, um glücklich zu sein, und dafür bietet der Garten einen perfekten Raum. Wenn Barbara Frischmuth also über die Unwiderstehlichkeit eines Gartens erzählt, lenkt sie unseren Blick auf die Vielfalt des Lebens selbst. „Mir ist klar, dass die Bewohner des Gartens wesentlich besser über mich Bescheid wissen, als ich über sie.“

Rezension
Natur ist nicht nur in der Wildnis da draußen, wir können sie auch in unseren Garten holen. Die Autorin Barbara Frischmuth hat zahlreiche Bücher über Natur, Tiere und Pflanzen geschrieben. Dies ist mein erstes Buch, das ich von ihr gelesen habe. Es hat mich vor allem neugierig gemacht, weil ich (im gleichen Alter wie die Autorin) mir anhand des Klappentextes wohl eine Anleitung zum „Lazy Gardening“ erhofft hatte. Denn auch ich möchte meinen Garten verkleinern, einfacher machen, und scheitere bisher immer noch daran - ebenso wie die Autorin letztendlich auch.
Ich gehöre zu den Gartenbesitzern, die ihre Pflanzen nicht hegen und pflegen, sondern eher wie der Künstler Lois Weinberger anstupsen und dann ihrem Schicksal überlassen, nach dem Motto „Schafft sie es nicht alleine, ist es nicht schade um sie.“ Wahrscheinlich hatte ich bisher einfach nur Glück, denn ich kann mich über einen robusten, blühenden Garten freuen.
Ich bin also von falschen Voraussetzungen ausgegangen, als ich „Der unwiderstehliche Garten“ las, und fühlte mich darum auch anfangs völlig überfordert mit den Anleitungen und Anregungen für einen prachtvollen Garten, den die Autorin wahrlich hat, wie ich in einem TV-Beitrag über sie gesehen habe.
Streckenweise kommt mir das Buch wie ein Fachbuch für Botaniker oder zumindest Gärtner vor und nicht für den gewöhnlichen Leser. Ich fand es sehr mühsam, immer wieder die lateinischen Fachbegriffe zu googeln, um so zu erfahren, über welche Pflanze sie schreibt. Dafür gab es aber immer wieder Momente der Freude, wenn ich entdeckte, dass beispielsweise Paeonia veitchii als gewöhnliche Pfingstrose schon lange in meinem Garten fröhlich vor sich hin wuchert.
Aber Barbara Frischmuth gibt nicht nur Pflanzentipps, sondern reflektiert auch über das Älterwerden, denn ein Garten veranschaulicht uns das Werden und Vergehen. Dies konnte ich sehr gut nachempfinden, ebenso wie die Ausführungen über die Macht der Pflanzen. Nur zu oft vergessen wir, dass wir ohne Pflanzen nicht lebensfähig wären (Sauerstoff, Nahrung, Klimaregulierung).
Die besondere Begeisterung der Autorin über die Iris kann ich persönlich nicht nachempfinden, und so finde ich gleich vier(!) Iriskapitel einfach zu viel.
"Der unwiderstehliche Garten" ist meines Erachtens kein Buch für einen Anfänger, der wie ich jeden Pflanzenbegriff nachschlagen muss, damit er überhaupt weiß, worüber gesprochen wird.
Dennoch zieht die Liebe der Autorin zu den Pflanzen den Leser in seinen Bann. Und darum ist es trotz allem ein unterhaltendes, liebevolles Buch, aus dem man auch noch eine Menge lernen kann.
Mein besonderes Lob gilt den wunderschönen, zarten, farbigen Grafiken von Melanie Gebker. (ehr)