18.08.2015

Rezension: Meine kleine Farm

Meine kleine Farm
Anleitung für Selbstversorger

Miriam und Peter Wohlleben

Verlag Eugen Ulmer, 2015
272 Seiten
ISBN 978-3800183944
29,90 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Seit 25 Jahren lebt die Familie Wohlleben in einem Forsthaus in der Eifel. Von Anfang an war das Ziel, sich weitestgehend selbst zu versorgen. Was sich bewährte, wurde weiter angebaut, anderes wurde nach etlichen Versuchen verworfen. Der Leser profitiert von diesem Langzeitversuch. Vom eigenen Gemüse über Getreide bis hin zu Honig, Käse und Fleisch wird gezeigt, was man auf der eigenen Scholle produzieren kann. Selbst die Versorgung mit Futter für die Tiere, Wasser oder Strom wird dargestellt. Besonderer Wert wird auf die Produkte gelegt, die einen echten Beitrag zur Selbstversorgung leisten, ohne zu viel Aufwand zu erfordern.


Rezension
Wir alle schimpfen über Billigfleisch, genmodifizierte Lebensmittel und Gemüse, das nicht mehr „wie früher“ schmeckt. Also kaufen wir vielleicht auf dem Markt ein, beim Bauern oder in teuren Bio-Supermärkten und träumen dabei, wie toll es wäre, alles selbst herzustellen. Die Autoren haben sich diesen Traum verwirklicht.
Peter Wohlleben ist vielen von uns durch seine wunderbaren Baum-Bücher bekannt. Dass dieser Mann auch das lebt, wovon er spricht, war zu erwarten. Zusammen mit seiner Frau Miriam lebt er in seinem Forsthaus fast vollständig autark. Nun haben die beiden eine „Anleitung für Selbstversorger“ geschrieben. Dieses große Buch ist mit seinen zahlreichen Farbfotos, den Tipps und Hinweise zum Gärtnern und zur Tierhaltung nicht nur optisch ein Genuss, sondern auch für die Geschmacksnerven eine Herausforderung, wenn die leckeren Rezepte das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Das Buch beginnt mit den wichtigsten Fragen, die sich alle stellen sollten, die vor solch einer Mammutaufgabe stehen: Schaffen wir das überhaupt? Wie viel Zeit und Platz brauchen wir? Welche Werkzeuge, Kleidung? Tiere, ja oder nein?
Da mag mancher Leser schon verzagen. Aber bevor Sie jetzt schon aufgeben, vertrauen Sie den Autoren, die Sie an die Hand nehmen und Ihnen helfen, sich Stück für Stück dem Traum von der eigenen Scholle zu nähern.
Die Autoren leben autark – und das bis zur letzten Konsequenz. Das bedeutet auch, dass sie die Tiere, die sie essen, selbst schlachten. In meinen Augen ist das ehrlicher als mancher Möchtegern-Veganer, der von etwas predigt, wovon er keine Ahnung hat. Das Leben ist ein Kreislauf, von der Geburt bis zum Tod, und die Wohllebens leben dieses komplette Leben. Das dies möglich ist, zeigen Sie in ihrem Buch. Als ich Peter Wohlleben für ein Interview besuchte, konnte ich mich übrigens selbst davon überzeugen, dass sie alles, was sie schreiben, auch leben.
Ich gestehe, auch ich habe kurz darüber nachgedacht, es den Autoren gleichzutun, bin aber schon an den Anfangsfragen gescheitert. Ich gehöre eher zu den „faulen“ Gärtnern. Ich habe einen kleinen Garten, in dem ein nicht genutztes Gewächshaus steht, und ich habe ein Hochbeet mit Salat und Radieschen. Meine eigene „kleine Farm“ ist also minimalistisch. Jedoch hat mich das Buch dazu inspiriert, ein paar Dinge zu ändern, sodass ich mit wenig Aufwand dennoch gesunde Lebensmittel genießen kann. Es muss also nicht immer die große Farm sein. Im Buch finden wir zahlreiche Tipps für den kleinen Garten, für natürliche Schädlingsbekämpfung, Haltbarmachung von Lebensmitteln und Schutz der Natur.
Wenn Sie glauben, dass ein einziges Buch das alles nicht abdecken kann, dann irren Sie sich. Und genau das ist es, was „Meine kleine Farm“ so einzigartig macht.
Wenn Sie Ihren Salat selbst ziehen wollen – ob im Großgarten oder auf der Fensterbank – wenn Sie natürlich essen und leben möchten, dann kommen Sie an diesem Buch nicht vorbei.
Wenn Sie sich aus allen Garte- und Selbstversorgerratgebern einen einzigen aussuchen müssten, dann wählen Sie „Meine kleine Farm“. (ehr)