14.09.2015

Sachsen: Übergriffe auf Schafe im Rosenthaler Raum

In den letzten vier Wochen gab es im Raum Königswartha, Puschwitz und Wittichenau (Landkreis Bautzen) 16 gemeldete Übergriffe von Wölfen auf Schafe. Die Übergriffe fanden im Territorium des Rosenthaler Rudels statt. Es handelte sich dabei sowohl um nicht oder unzureichend geschützte Schafe, als auch um Schafe die nach den geforderten Mindestschutzstandards gesichert waren. In einigen dieser Fälle wird davon ausgegangen, dass der oder die Wölfe den Elektrozaun übersprungen haben.
Im Territorium des Rosenthaler Rudels (siehe Karte) ist es daher nun erforderlich Elektrozäune durch die Anbringung eines „Flatterbandes“ (Breitbandlitze), welches ca. 20 - 30 cm über den Zaun gespannt wird, zusätzlich zu sichern. Das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) kann kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden. Kontakt: Herr Klingenberger, Tel. 035932/36531, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de
Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist voraussichtlich für die Dauer eines Jahres notwendig.

Wenn Wölfe wiederholt erfolgreich unzureichend geschützte Nutztiere töten können, lernen sie, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind, als ihre natürlichen Beutetiere Rehe, Hirsche oder Wildschweine. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen geschützte Schafe zu töten. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst alle Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet ausreichend geschützt werden.
Bereits vor einigen Jahren gab es im Freistaat Sachsen im Norden des Landkreises Bautzen die Situation, dass Elektrozäune von einem Wolf wiederholt übersprungen wurden. Nach dem Spannen von „Flatterband“ bei den betroffenen Tierhaltern und dem Einsatz von Herdenschutzhunden in einem größeren Schäfereibetrieb hörte die Serie an Übergriffen auf.

Das Sächsische Wolfsmanagement appelliert an alle Schaf- und Ziegenhalter, der Verantwortung für ihre Tiere gerecht zu werden und diese entsprechend zu schützen. Die Schutzmaßnahmen sollten den geforderten Mindestschutzstandards entsprechen. Dazu gehören die Verwendung von mind. 90 cm hohen stromführenden Zäunen oder Festkoppeln von mind. 120 cm Höhe. Dies empfiehlt sich schon aus Gründen der Weidesicherheit und sollte gute fachliche Praxis bei der Weidetierhaltung sein. Bei kleinen Tierbeständen kann auch die Unterbringung in einem festen Stall über Nacht eine Alternative sein.
Tierhalter sollten ihre Zäune regelmäßig auf Schwachstellen prüfen und diese zeitnah beseitigen. Die Umzäunung darf keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten. Wichtig ist auch, dass alle Seiten der Koppel geschlossen sind – über offene Gräben können Wölfe leicht eindringen. Bei stromführenden Zäunen sollte ausreichend Spannung (mind. 2.500 V) anliegen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht.

Wenn Tierhalter bei der täglichen Kontrolle ihre Nutztiere tot vorfinden und die Vermutung besteht, dass ein Wolf der Verursacher sein könnte, dann ist zeitnah  (innerhalb von 24 h) das zuständige Landratsamt zu informieren, damit eine Begutachtung vor Ort organisiert werden kann.

Zum präventiven Schutz haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im Freistaat Sachsen die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen fördern zu lassen.

Territorium Rosenthal; Copyright LUPUS