01.09.2015

Schweiz: Wolfsabschuss bewilligt

Staatsrat Jacques Melly ordnete heute den Abschuss eines Wolfs an, der zwischen dem 25. Juni und 25. August 2015 auf den Alpen im Turtmanntal und der Augstbord-Region 44 Schaffe gerissen hat. Der Bewilligungsentscheid stützt sich auf das Jagdgesetz und die Jagdverordnung des Bundes.

Aus den in den letzten beiden Jahren erfolgten Angriffen geht hervor, dass sich das Streifgebiet des Wolfs derzeit vom Turtmanntal bis nach Törbel-Bürchen erstreckt.

Gemäss der seit 15. Juli 2015 rechtskräftigen Revision der Jagdverordnung (JSV) darf ein einzelner Wolf abgeschossen werden, wenn er in seinem Streifgebiet mindestens 15 Schafe getötet hat, nachdem im Vorjahr bereits Schäden zu verzeichnen waren, wobei Schäden nur berücksichtigt werden dürfen, sofern zumutbare Schutzmassnahmen ergriffen worden sind.

Der Bund fördert den Einsatz von Herdenschutzhunden, um Schäden an Nutztieren durch Grossraubtiere vorzubeugen. In der konkreten Situation hielt die kant. Dienststelle für Landwirtschaft (DLW) diese Massnahme aber für ungenügend bzw. ungeeignet und schlug daher andere Vorkehrungen vor, wie das Behirten, Einzäunen und Nachtpferche.

Nach den Angriffen im Vorjahr und auf der Grundlage unterzeichneter Absichtserklärungen haben die Alpbetreiber von Törbel-Bürchen und Oberems-Turtmanntal die betrieblich zumutbaren Massnahmen umgesetzt (Zusammenlegung der Alpen, ständige Behirtung, Umzäunungen und Nachtpferche; im Oberems-Turtmanntal auch Schutzhundeeinsatz). Die Absichtserklärungen beinhalten auch Massnahmen für den Schutz und die Bewirtschaftung der Alpen in Zukunft.

Auf dieser Grundlage kam die für den Herdenschutz zuständige DLW in ihren Berichten vom 12., 21. und 26. August 2015 zum Schluss, dass die zumutbaren Massnahmen auf den schützbaren Alpen getroffen worden sind.

Daher erachtete der Vorsteher des Departements für Verkehr, Bau und Umwelt die Voraussetzungen für den Abschuss des Wolfes gemäss den gesetzlichen Bestimmungen als erfüllt und ordnete diesen folglich auch an. Die Abschussbewilligung gilt für 60 Tage, und solange es auf den betroffenen Alpen noch Schafe hat (was gegenwärtig in Bürchen-Törbel und Oberems-Turtmanntal noch der Fall ist). (Quelle)

Foto © Gunther Kopp

Stellungnahme Gruppe Wolf Schweiz
 
Das ist für die Gruppe Wolf Schweiz klar rechtswidrig und damit nicht akzeptabel. Während sie für die Abschussbewilligung eines Wolfes in Uri Verständnis zeigte und diejenige im Val d’Anniviers zwar kritisierte, aber nicht weiter intervenierte, wird sie diese Abschussbewilligung nicht hinnehmen. Die Kriterien für eine Abschussbewilligung sind eindeutig nicht erfüllt. 

Die Rechtswidrigkeit ergibt sich aus zwei Gründen: Erstens wurden für die Abschussbewilligung zahlreiche gerissene Nutztiere gezählt, die nicht geschützt waren, zweitens ist im Gebiet seit einem Jahr ein Wolfspaar nachgewiesen, das möglicherweise Junge hat. Gemäss den Vorgaben für Abschussbewilligungen in der Jagdverordnung, dürfen aber in langjährigen Wolfsgebieten nur Risse an ausreichend geschützten Nutztierherden für Abschussbewilligungen gezählt werden, zudem sind Einzelabschüsse in Rudelgebieten nicht erlaubt. Dort käme einzig ein Regulierungseingriff in Frage, bei dem aber nur Jungtiere erlegt werden dürfen und der der Zustimmung des BAFU unterliegt.

Ein Wolfsabschuss nur zehn Tage vor dem Ende der Alpzeit in einem Gebiet, wo möglicherweise Jungtiere geboren wurden, ist unverständlich. Die zeitliche und örtliche Abfolge der Schäden legen zudem nahe, dass nicht einer, sondern mehrere Wölfe für diese verantwortlich sind. Der Verdacht liegt daher auf der Hand, dass für die Erteilung einer Abschussbewilligung die Schäden von mehreren Wölfen zusammengezählt wurden.

Stossend ist ferner, dass für die Abschussbewilligung die zahlreichen Risse auf der Moosalp ausschlaggebend waren. Auf dieser wurde im Sommer kein angemessener Herdenschutz betrieben. Weder die Behirtung tagsüber, noch die Führung der Herde in teilweise offenen Koppeln – beides wichtige Massnahmen zur Herdenführung, die die GWS explizit würdigt -, stellen einen Herdenschutz dar. Bei der Zäunung der Koppel (elektrifizierter 3-facher Litzenzaun) handelt es sich zudem auch nicht um einen Schutzzaun. Diese Zäune werden problemlos von allerlei Wildtieren überwunden und auch von den Schafen selbst regelmässig passiert. Dass sie einen Wolf nicht abhalten, ist hinreichend bekannt. Erst Mitte August wurden die Bemühungen derart intensiviert, dass aktuell zumindest von einem Teilschutz der Herde gesprochen werden kann. Seither wurde folglich auch nur noch ein einziges Schaf gerissen. Die Entscheidung der Walliser Behörden, die bis Mitte August 25 auf der Moosalp gerissenen Schafe als angemessen geschützt zu betrachten, ist für die GWS deshalb eindeutig rechtswidrig. Dieser Entscheid stellt zudem einen heftigen Schlag ins Gesicht all derjenigen Alpbewirtschafter dar, die ihre Herden mit den gängigen Massnahmen tatsächlich schützen.

Aus genannten Gründen lehnt die GWS die Abschussbewilligung für einen Wolf im Gebiet Augstbord-Turtmanntal entschieden ab und wird diese nach Kräften bekämpfen. (Quelle)