12.10.2015

Guter Wolf? Böser Wolf? BUND veröffentlicht Standpunkt zur Rückkehr des Wolfes

Anlässlich des 21. Naturschutztages Schleswig-Holstein unter dem Motto „Wildnis in der Kulturlandschaft“ in Rendsburg hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schleswig-Holstein ein Standpunkte-Papier zur Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein veröffentlicht.

„Durch mehr Naturnähe können wir die biologischen Prozesse in unseren heimischen Ökosystemen stabilisieren und diese so fit für die Zukunft machen. Dazu gehört auch, dass wir Prädatoren wie dem Wolf sein Existenzrecht zugestehen“, fasst Dr. Claudia Bielfeldt, BUND-Landesvorsitzende, die Position zusammen. „Angesichts der anhaltenden Ausbreitung ist Deutschland ganz offensichtlich wieder ein akzeptabler Lebensraum für Wölfe. Ob der Wolf in unser Land passt, ist vor allem eine ‚Abstimmung mit der Pfote‘ und keine, die wir Menschen uns anmaßen dürfen. Seine Wiederansiedlung muss weder aktiv gefördert werden, noch sollte sie das. Es geht vor allem darum, einem Heimkehrer nicht unnötig Steine in den Weg zu legen“, so Bielfeldt weiter.

Seit wenigen Jahrzehnten kehrt der Wolf, Ursprung aller Haushunde, wieder in seine Heimat Deutschland zurück. In Schleswig-Holstein wurde durch ein überfahrenes Jungtier in Ostholstein im April 2007 erstmals wieder ein Wolf seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Seitdem hat sich der Wolf auch in Schleswig-Holstein zum Politikum entwickelt. Mit dem vorliegenden Standpunkte-Papier möchte nun auch der BUND zu einer sachgerechten Diskussion beitragen.

„Es gibt in anderen Teilen der Bundesrepublik schon seit Jahren gute Erfahrungen mit dem Management und Monitoring von Wölfen. Insbesondere Sachsen hat einen sehr guten Plan aufgestellt. Es ist unverständlich, weshalb jedes Bundesland glaubt, das Rad neu erfinden zu müssen. Besser wäre es, das Monitoring und Management einer hochmobilen Tierart wie dem Wolf bundesweit zu vereinheitlichen“, stellt Tobias Langguth, BUND-Naturschutzreferent, fest. „Um Konflikte zu vermeiden, müssen wilde Wölfe auch wild bleiben. Es braucht deshalb eine klare Vorgabe, wie verhaltensauffällige Tiere beobachtet und vergrämt werden können, damit sie ihre Verhaltensmuster nicht an Artgenossen weitergeben. Dass auch eine Entnahme von Einzeltieren kein Tabu ist, wenn dies fachlich angebracht ist, sagen die Naturschutzverbände seit langem. Wenn nun noch Nutztierhaltern sowohl beim präventiven Schutz sowie bei Entschädigungen für Risse, schnell und unbürokratisch geholfen wird, dann steht einem respektvollen Miteinander von Mensch und Wolf nicht mehr viel im Wege“, so Langguth abschließend. (BUND)