23.11.2015

Fachgespräch Wolf im Bundestag

Wie Landwirte und Jäger den Wolf sehen 


Nachdem sich der Umweltausschuss in einem Fachgespräch bereits mit dem Wolf befasst hat, steht das Tier am Mittwoch, 25. November 2015, auch im Mittelpunkt eines öffentlichen Fachgesprächs des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft. Geht es im Umweltausschuss um Artenschutz und Management, so richtet der Agrarausschuss seinen Fokus unter dem Titel „Der Wolf im Spannungsfeld von Land- und Forstwirtschaft und Jagd“ auf den Herdenschutz. Die Sitzung unter Vorsitz von Alois Gerig (CDU/CSU) beginnt um 8 Uhr im Sitzungssaal 1.302 des Jakob-Kaiser-Hauses in Berlin und dauert eineinhalb Stunden. (Foto: Gunther Kopp)

Die Sitzung wird live im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen.

„Erhebliches Konflikt- und Gefährdungspotenzial“
Der Deutsche Bauernverband sieht in der Rückkehr des Wolfes ein erhebliches Konflikt- und Gefährdungspotenzial. Nicht akzeptabel seien Forderungen, nach denen sich die Nutztierhaltung auf der Weide den neuen Gegebenheiten anzupassen habe. Dies werde dem Ernst der Lage nicht gerecht und verkenne, dass die Rückkehr des Wolfes die Weidehaltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Kühen im Grundsatz infrage stellen könne.

Statt sich weiterhin nur auf die Wiederansiedlung des Wolfes zu fokussieren, müssten die Belange der Weidetierhaltung und der Landwirte stärker in den Blickpunkt rücken, so der Bauernverband. Die Bedürfnisse und Sorgen der Landwirte und Grundeigentümer sowie der Bevölkerung im ländlichen Raum dürften nicht weiter ignoriert werden. Es sei dringend erforderlich, auf Bundesebene durch Schaffung eines Kompetenzzentrums unter “ausgewogener Beteiligung von Landwirten und Weidetierhaltern“ ein koordiniertes und zwischen den Bundesländern abgestimmtes Vorgehen beim Umgang mit dem Wolf zu gewährleisten.

„Berechtigte Anliegen der Jägerschaft“
Auch der Deutsche Jagdverband fordert, die Argumente der ländlichen Bevölkerung ernst zu nehmen. Dies gelte auch für die „berechtigten Anliegen der Jägerschaft“, natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen zu wollen. Der Jagdverband fordert einen nationalen Wolf-Managementplan, der auch die Bestände der Beutetiere des Wolfes mit einbezieht und Handlungsempfehlungen für bekannte Konfliktszenarien einschließlich Seuchenprophylaxe enthält. Wissensdefizite zur Raumnutzung des Wolfes in der Kulturlandschaft müssten abgebaut werden, um möglichst realitätsnahe Habitatmodelle entwickeln zu können.

Der Jagdverband fordert Bund und Länder auf, sich damit auseinanderzusetzen, wie die zunehmende Wolfspopulation auf einem stabilen, den Lebensraumbedingungen angepassten Niveau gehalten werden kann. (vom/20.10.2015)

Zeit: Mittwoch, 25. November 2015, 8 bis 9.30 Uhr
Ort:  Berlin, Jakob-Kaiser-Haus, Sitzungssaal 1.302

Interessierte Besucher, die an der Sitzung teilnehmen möchten, können sich beim Sekretariat des Ausschusses (Telefon: 030/227-37986, Fax: 030/227-36022, E-Mail: elv-ausschuss@bundestag.de) unter Angabe des Vor- und Zunamens sowie des Geburtsdatums anmelden. Zum Einlass muss ein Personaldokument mitgebracht werden.
 
Liste der geladenen Sachverständigen


  •     Dr. Norman Stier, Technische Universität Dresden - Forstzoologie
  •     Frank Faß, Wolfcenter GbR
  •     Gesa Kluth, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
  •     Jürgen Körner, Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V.
  •     Markus Bathen, NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.
  •     Projektbüro Wolf


  • 22.11.2015

    Rezension: Der Biophilia-Effekt

    Der Biophilia-Effekt
    Heilung aus dem Wald

    Clemens G. Arvay

    edition a, 3. Aufl., 2015
    253 Seiten
    ISBN 978-3990011133
    21,90 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Der Wald tut uns gut, das spüren wir intuitiv. Doch was bisher mehr ein Gefühl war, belegt jetzt die Wissenschaft. Sie erforscht das heilende Band zwischen Mensch und Natur, das einen viel stärkeren Effekt auf uns hat, als wir bisher dachten. So kommunizieren Pflanzen mit unserem Immunsystem, ohne dass es uns bewusst wird, und stärken dabei unsere Widerstandskräfte. Bäume sondern unsichtbare Substanzen ab, die gegen Krebs wirken. Der Anblick unterschiedlicher Landschaften trägt zur Heilung unterschiedlicher Krankheiten bei, und wenn ein Spaziergang im Grünen die Stimmung aufhellt, hat das auch einen Grund. Clemens G. Arvay zeigt diesen Biophilia-Effekt nicht nur, er sagt auch, wie wir ihn mit Übungen besonders gut für uns nützen können. Im Wald oder auch im eigenen Garten.

    Rezension
    Biophilia ist die Liebe des Menschen zur Natur, zum Lebendigen. Der Biophilia Effekt bedeutet Naturerfahrung und Wildnis. Darum geht es in diesem Buch.
    Michael Jackson holte sich Inspiration für seine Songs, indem er in die Krone eines hohen Baumes kletterte. Tierfreunde senken ihren Blutdruck beim Kuscheln mit ihrem Hund oder dem Streicheln ihrer Katze. Ich selbst finde Frieden, Trost und Kreativität auf einem Berg in Yellowstone, wo ich auf rauchende Quellen und ausbrechende Geysire blicke, die mich dem Inneren der Erde so nah sein lassen.
    So schön, zu erfahren, dass es ausreicht, in den Wald zu gehen, um gesund zu sein oder zu bleiben. Wir müssen weder joggen noch Rad fahren. Es reicht, wenn wir uns drei Tage unter Bäume mit ausladenden Kronen setzen und schon ist die Anzahl der natürlichen Killerzellen drei Wochen lang erhöht.
    Dass die Natur heilt, ist nichts Neues. Unser „evolutionär geschultes Reptiliengehirn sucht instinktiv immer die Orte auf, die uns gut tun. In seinem Buch legt der Autor verständlich und nachvollziehbar dar (und belegt dies auch mit Studien), dass der Erhalt von Naturgebieten und Wildnis nicht nur einen ökologischen Nutzen hat, sondern dass auch die Gesundheit der Menschen davon profitiert.
    Die Natur, die Tiere, die Pflanzen, sie alle beurteilen uns nicht. In der Natur zu sein, fernab der modernen Zivilisation, weit weg von den Erwartungen der Gesellschaft bedeutet für uns Menschen angenommen zu sein, wie wir sind. Hier ist jeder von uns ein Lebewesen mit unzähligen Lebensformen. Es gibt Reize in der Natur, nach denen wir uns bewusst sehnen und die dem Stressabbau dienen wie beispielsweise stehende, glitzernde Gewässer wie Seen oder ruhige Fließgewässer wie Bäche und das Meer. Der Autor schlägt praktische Entspannungs- und Meditationsübungen vor, die jeder im Wald durchführen kann und die helfen sollen, das Immunsystem zu stärken.
    In diesem Buch spürt man mit jeder Zeile die große Liebe von Clemens G. Arvay zur Natur. Es ist ein wunderschönes, heilendes Buch, das die Sehnsucht nach einem Waldspaziergang weckt. (ehr)

    21.11.2015

    Rezension: Artgerechte Menschenhaltung

    Artgerechte Menschenhaltung
    Tipps zu Anschaffung, Erziehung und Pflege

    Tucki Kaiser

    Kynos, 2015
    120 Seiten
    ISBN 978-3954640461
    16,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Haben Menschen ein Bewusstsein? Wie vermeidet man ihre Verhundlichung? Worauf ist bei Anschaffung, Erziehung und Beschäftigung besonders zu achten? Sollen Menschen ein eigenes Körbchen haben? Ganz souverän im Stile eines Loriot dreht der Autor – Verzeihung, der Hund des Autors – hier den Spieß einmal um und gibt sehr ernsthafte und gut fundierte Tipps, wie hund sich seinen Menschen erzieht, damit das Zusammenleben mit ihm ein wahres Vergnügen wird.

    Rezension
    Ein Rat, den manche Verleger Autoren geben, lautet, niemals ein Buch aus Sicht eines Hundes zu schreiben. „Geht gar nicht!“, heißt es da. Dass es doch geht, beweist Tucki, der „Autor“ dieses Buches, ein fünfjähriger Kleinspitz – und er macht das genial. „Artgerechte Menschenhaltung“ stellt die üblichen Hunderatgeber auf den Kopf und hält uns einen Spiegel vor. Wie er das macht, ist manchmal schon arg beschämend für uns Zweibeiner. So also sieht mich mein Hund? Und so höre ich mich an: „Menschen bellen zwar leise, dafür ungemein viel.“ Da möchte man sich am liebsten vor seinen Hund setzen, ihm in tief die Augen schauen und sagen: „Okay. Jetzt hör ich dir zu. Sprich mit mir!“
    Wie erzieht man nun also seinen Menschen? Tucki weiß es: „Ihr zweibeiniger Liebling braucht eine starke Pfote!“
    Meine Meinung: Dieses Buch trägt mehr zum Verständnis des Hundes bei als die meisten Ratgeber, die von Zweibeinern geschrieben wurde.
    Nicht unerwähnt bleiben dürfen die großartigen Grafiken von Heinz Grundel.
    Fazit: Ein köstliches, unterhaltendes und mit einem Augenzwinkern auch sehr lehrreiches Buch. (ehr)

    20.11.2015

    Rezension: Ein Napf, ein Teller

    Ein Napf, ein Teller
    Kombinierte Rezepte für Hund und Mensch

    Martina Schöps

    Kynos, 2015
    88 Seiten
    ISBN 978-3954640492
    12,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Einmal kochen, zweimal genießen: Das ist die Idee dieses Kochbuchs, in dem für Mensch und Hund gemeinsam gekocht wird. Das Hundegericht ergibt sich als Beiprodukt des Menschengerichts und wird während des Kochens von ihm „abgezweigt“. So entstehen leckere, gesunde Mahlzeiten, die zwar nicht den Anspruch auf eine langfristige vollwertige Allein-Ernährung des Hundes erheben, aber für gesunde Abwechslung im Napf und leuchtende Hundeaugen sorgen!

    Rezension
    Es gibt Kochbücher für Menschen, und es gibt Kochbücher für Hunde. In diesem Buch kombiniert die Autorin beides. Sie bietet Rezepte für Mensch und Hund.
    Die Autorin ist ausgebildete Konditorin und Patissière. Die Rezepte sind so entwickelt, dass das „Grundrezept“ für Mensch und Hund gleich ist, dann aber getrennt weitergearbeitet werden kann. Die Rezepte sollen den Speiseplan des Hundes abwechslungsreich gestalten, nicht jedoch seine ausschließliche Ernährung sein.
    Ich probiere es aus. Heute wird also keine Dose aufgemacht und mit frischem Gemüse in den Napf gegeben, sondern es wird gekocht. Ich entscheide mich für Hühnerfrikassee mit Reis, verzichte jedoch darauf, für meine Hündin ein Herz aus Möhren zu schnitzen und – wie auf dem Farbfoto – damit ihr Essen zu dekorieren. Das ist ihr ziemlich egal.
    Auch wenn das Essen uns beiden schmeckt – am Ende bleibt ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich daran denke, dass, während ich exklusive Menüs für meinen Hund koche, sich zahlreiche Menschen auf der Welt von Dosenhundefutter ernähren müssen, weil das Geld für eine normale Mahlzeit nicht reicht … (ehr)


    18.11.2015

    Rezension: Das Jahr des Straßenhundes

    Das Jahr des Straßenhundes
    Für alle Streuner dieser Welt

    Heinz Grundel

    Kynos, 2015
    200 Seiten
    ISBN 978-3954640478
    19,95 €

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    Inhalt
    So ein Hundeleben auf der Straße ist hart – aber auch niemals langweilig. Kult-Cartoonist Heinz Grundel bearbeitet auch dieses Thema mit viel Witz und Fantasie – und trifft dabei wie immer die genau richtige Mischung aus „nur ein bisschen böse,“ scharfsinniger Beobachtung und fantasievoller Anspielung. Grundel-Fans werden es lieben!

    Rezension
    Cartoonist Heinz Grundel hat schon das Buch „Artgerechte Menschenerziehung“ mit seinen Zeichnungen so wunderbar bebildert. „Das Jahr des Straßenhundes“ ist nun ein Buch für alle Fans von Hundecartoons. Wunderbare Bilder erzählen Alltagsgeschichten.
    Großer Lesespaß und ein ideales Geschenk für Hundefreunde. (ehr)

    16.11.2015

    Rezension: 101 Top Dogs

    101 Top Dogs
    Von verkannten Hunden bekannter Menschen und umgekehrt

    Dana Horáková

    Kynos, 2015
    450 Seiten
    ISBN: 978-3954640508
    19,95 €

    Hier können Sie das Buch bestellen

    Inhalt
    Wussten Sie, dass Charles Schulz’ weltberühmter Peanuts-Hund Snoopy ein ganz reales Vorbild hatte? Dass Mozart, wenn er auf Konzertreisen weilte, seinem daheimgebliebenen Foxterrier „Bimberl“ schriftlich Grüße ausrichten ließ? Dass ein kleiner Hund fast Isaac Newtons Karriere ruiniert hätte und Pablo Picasso seinen Dackel Lump geradezu vergötterte? Dieses unterhaltsame Buch stellt – augenzwinkernd! – 101 Hunde vor, die zwar nicht die Welt, aber ganz sicher ihre Menschen veränderten und deren Verdienste um die Entstehung der Erfindungen, Heldentaten, Kunstwerke ihrer „Halter“ immer noch verkannt werden. Einige dieser genügsamen Bodyguards unserer Seelen kennt man bereits, die meisten jedoch sind bislang anonym geblieben.

    Rezension
    Dies ist ein Fleißwerk, das man nicht einfach als Bettlektüre von vorn bis hinten liest. Aber es ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um etwas über interessante Mensch-Hund-Gespanne zu erfahren. Es erzählt die Beziehung von berühmten Menschen und ihren Hunden. So liest man unter anderem über die Hunde von Tutanchamun, Thomas Mann, Jack London, Abraham Lincoln, Steve Jobs oder Martin Luther.
    In jedem Kapitel erfahren wir etwas über den Hund, seinen Menschen und deren gemeinsame Geschichte und findet am Ende Tipps zum Weiterlesen oder Anschauen (YouTube). Der Hinweis „Übrigens“ bietet darüber hinaus interessante Kurzinformationen.
    Das Buch bietet lustige, erstaunliche und emotionale Geschichten und ist eine gigantische Fleißarbeit, die leicht drei Bände hätte umfassen können. Darum hat man es wohl auch in kaum lesbarer Winzigschrift gedruckt, und als Ersatz dafür zu große Absätze gemacht. Das Layout und der Satz sind daher meine einzige Kritik, die zu einem Punkteabzug führen. (ehr)

    15.11.2015

    12.11.2015

    Niedersachsen: Goldenstedter Wölfin wird NICHT zum Abschuss freigegeben

    Die Goldenstedter Wölfin wird nicht zum Abschuss freigegeben. Das hat Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am 11. November vor dem niedersächsischen Landtag klar gestellt.

    Rede zur Aktuellen Stunde „Was muss noch passieren? Wann handelt die Landesregierung beim Goldenstedter Wolf“; Antrag der CDU-Fraktion (11.11.15)

    Anrede,
    lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen: „Eine erfolgreiche Rückkehr des Wolfes, eine der seltensten Tierarten Mitteleuropas, wäre nicht nur ein großartiger Beitrag zum Erhalt der natürlichen biologischen Vielfalt in Deutschland; sie wäre auch ein Beweis dafür, dass Mensch und Natur auch in einer hoch zivilisierten Gesellschaft kein Gegensatz sind," so mein Vor-Vorgänger Hans-Heinrich Sander vor fünf Jahren in seinem Vorwort zum Niedersächsischen Wolfskonzept.

    Anrede,
    so schön dieses Bekenntnis zum Wolf klingt, so unzureichend war das System der Maßnahmen und Richtlinien, das uns CDU und FDP für den Umgang mit dem Wolf zurück gelassen haben. Wir haben das Wolfsmanagement neu aufstellen müssen. Das ist die Wahrheit. Während Sie, Herr Angermann, in Ihrer Phantasie auf Safari gehen, sorgen wir für die Sicherheit der Menschen und für den Ausgleich der Interessen zwischen Artenschutz und Nutztierhaltung.

    Anrede,
    Anlass unserer heutigen Erörterung ist eine Wölfin, der eine Reihe von Nutztierrissen zugeordnet werden kann. Das Gros dieser Risse betrifft ungeschützte Tiere und stellt unter Beweis, dass der Wolf gewissermaßen ein Opportunist ist, der einfache Angebote - und das sind ungeschützte Schafe auf der Weide im Vergleich mit Wildtieren - bevorzugt.
    Allerdings wurden deutlich weniger Tiere gerissen als öffentlich behauptet.
    Zudem muss immer die richtige Ursache geklärt werden. Ich erinnere nur an manchen Fehlalarm. In knapp vierzig Prozent aller Vorfälle haben wir es nicht mit Wölfen als Verursacher zu tun, sondern beispielsweise mit Hunden.

    Anrede,
    das Washingtoner Artenschutzabkommen, die Europäische Richtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz stellen seltene wildlebende Tiere unter besonders strengen Schutz.
    Um die finanziellen Verluste, die der Wolf verursacht, aufzufangen, wurden jedoch Möglichkeiten zum finanziellen Ausgleich geschaffen. Nutztierhalter sollen auch in Zukunft ihrem Beruf nachgehen können. Seit unsere Richtlinie in Kraft getreten ist werden nicht nur finanzielle Verluste ausgeglichen.
    Für diese Billigkeitsleistungen wurden mit der „Richtlinie Wolf" klare Regeln geschaffen und auch Fördermöglichkeiten für individuelle Präventionsmaßnahmen eingeführt.
    Beides wird seitdem regelmäßig in Anspruch genommen - von 175 Anträgen kommen insgesamt 19 aus dem Raum Diepholz/Vechta. Das sind bei der dortigen Nutztierhalterdichte allerdings noch ziemlich wenige.
    Die Tiere von Herrn Barth waren besser geschützt. Trotzdem wurden die Zäune wahrscheinlich zweimal von einem Tier überwunden. Meine Staatssekretärin Almut Kottwitz war auch zweimal vor Ort und hat mit Herrn Barth besprochen, wie der Grundschutz noch verbessert werden kann. Derzeit wird geklärt, wie sichergestellt werden kann, dass der Halter auch über Herdenschutzhunde bzw. eine entsprechende Förderung und die notwendige Ausbildung verfügt. Außerdem hatte der Halter Esel angeschafft. Wo die Esel auf der Weide, standen, ist der Wolf nicht eingedrungen.

    Anrede,
    Lassen Sie mich nun auf das Anliegen der CDU eingehen: Sie fordern den sofortigen Abschuss. Überschrift BILD vom 06.11. „CDU will Problem-Wolf erschießen lassen"
    Da stellt sich - bei allem Verständnis für geschädigte Nutztierhalter und solche, die Schäden befürchten - zunächst die Frage, ob dieser Forderung unter Beachtung der rechtlichen Voraussetzungen überhaupt nachgekommen werden kann.
    Nach derzeitigem Stand ist ihre Forderung der Aufruf zum Rechtsbruch.
    Das Artenschutzrecht sieht für besonders geschützte Tiere nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit einer Entnahme einzelner, individuell bekannter Tiere aus der Natur vor. Beim Wolf heißt das, er muss entweder eine konkrete Gefahr für Menschen darstellen, oder er muss sich darauf spezialisiert haben, regelmäßig Nutztiere zu reißen, die hinreichend gegen Wolfsangriffe geschützt sind. Dabei müssen aber auch alle verfügbaren Mittel - beispielsweise auch Herdenschutzhunde - zum Schutz genutzt werden und die Arbeiten müssen sachgerecht ausgeführt sein.

    Anrede,
    Eine Entnahme ist im Artenschutzrecht das letzte Mittel zur Problemlösung. Sie ist nur zulässig, wenn es dazu keine Alternativen gibt.
    Vorsorglich habe ich aber angeordnet, dass dieses Tier besendert werden soll.
    Sollte das Tier dann wiederholt einen als hinreichend erachteten Schutz überwinden, kann man seiner mit Hilfe des Senders relativ schnell habhaft werden.
    Nach Artenschutzrecht ist es zwingend erforderlich, nur das Tier zu entnehmen, das auch gemeint ist. Und das geht nicht, wenn man irgendwo in der Zielgegend einen Wolf sieht oder meint zu sehen, sondern nur, wenn dieser Wolf - dank genetischer Analysen - genau bestimmt ist. Würde man das falsche Tier treffen, hätte das erhebliche strafrechtliche Konsequenzen für die betreffende Person.

    Anrede,
    übrigens ist vor allem Sachsen hier dank der viel längeren Wolfserfahrung ein wichtiger Vorreiter. Schon vor rund acht Jahren gab es dort einen ähnlichen Vorgang. Das Tier dort ließ das Springen seit in den Zäunen grimmige Hunde auf ihn warteten.
    Auch in Sachsen haben in letzter Zeit Mitglieder des sogenannten Rosentaler Rudels mehrere Male Elektrozäune übersprungen und dann Schafe gerissen. Das hörte auf, als in richtiger Höhe über dem Zaun Flatterbänder angebracht worden sind.
    Vor Ort wird zwar - wie hier - die Entnahme gefordert, die sächsische Regierung aber fordert schlicht und einfach eine Verstärkung der Schutzmaßnahmen.

    Anrede,
    insgesamt haben wir es mit einer rechtlich komplizierten Lage zu tun Man muss sich angesichts ihrer hiesigen Forderungen ja auch fragen, warum ihre Partei fortwährend auf Landesebene Alarm ruft und nicht auf Bundesebene aktiv geworden ist, um bei der EU eine Änderung der Richtlinie zu beantragen.
    Vielleicht hat ja die Kommission Herrn McAllister und Herrn Dammann-Tamke die Aussichtslosigkeit ihrer Wünsche so deutlich klar dargestellt, dass sie das Unterfangen aufgegeben haben.
    Nutztierrisse durch Prädatoren sind kein neues Phänomen. Das Thema ist so alt wie der Beruf des Bauern. Jahrtausende lang haben Mensch und Tier in Koexistenz gelebt - sogar ohne Richtlinie Wolf.
    Heute haben wir ein wachsendes Bewusstsein vom Wert des Artenschutzes - gerade auch für die Rolle der großen Prädatoren bei der Balance unserer Ökosysteme. Das gebietet ein sorgfältiges Abwägen, die Achtung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die sorgfältige Ausführung präventiver Schutzmaßnahmen und die Kooperation aller Beteiligten.
    Lebensrisiken und Gefährdungen können wir nie ganz ausschließen. Denken Sie etwa an die Zahl der Personen, die versehentlich bei der Jagd zu Schaden kommen. Oder denken wir an die Tausenden von Wildunfällen oder die Vorfälle mit Hunden.
    Auch im CDU regierten Sachsen - dreimal kleiner als Niedersachsen - sind in diesem Jahr (Stand 21.10.2015) schon rund 130 getötete Nutztiere gemeldet wurden. Und trotzdem heißt es im Managementplan Wolf der von ihrem Parteifreund Tillich geführten dortigen Landesregierung "der Freistaat Sachsen begrüßt, dass mit der Rückkehr der Tierart Wolf nach Sachsen in Deutschland die europäischen Bemühungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt Früchte tragen"

    Anm. d. Red.:
    Eine Bemerkung kann ich mir hier nicht verkneifen. Leider wird immer noch der Begriff des Tötens verschönt bzw. neutralisiert. Ich wehre mich strikt dagegen, wenn von einer "Entnahme" gesprochen wird.  Wenn ein Wolf "entnommen" wird, wird er getötet. Wenn ein Mörder einen Menschen umbringt, hat er ihn auch nicht "entnommen". Wölfe sollen getötet werden, das wollen Teile der Regierung und Interessengruppen. Nennen wir das Kind endlich beim Namen.



    01.11.2015

    Wer war’s? Vermeintliche Wolfsrisse in den Medien

    Diese "Wolfsrisse" schaffen es nicht in unseren Newsletter

    Jeden Tag überschwemmen die Mails mit Meldungen zu Wolfsrissen mein Postfach. Aber war es wirklich der Wolf?
    Ich habe mir die Meldungen eines einzigen Tages herausgepickt. Bei nur einer einzigen Meldung wurde der Wolf mittels DNA-Untersuchung. Bitte beachten Sie sehr genau die Sprache der Meldungen: "Hätte, könnte ... sein, ist vermutlich, es ist davon auszuehen, dass ..., ist sich sicher." Vermutungen sind Stimmungmache. In unserem kostenlosen monatlichen Newsletter Wolf & Co berichten wir nur über bestätigte Wolfsangriffe.

    Sachsen-Anhalt: Wolf greift Fohlen an. Herde wehrt Angriff ab
     - DNA-Auswertung bestätigt

    Niedersachsen: Rückkehr des Wolfes nicht ohne Konflikte. Züchter melden Wolfsrisse.
    - Keine DNA-Bestätigung

    Niedersachsen: Experte: Wolf hat Reh in Sudweyhe getötet. Der "Experte" ist der "Überzeugung".
    - Keine DNA-Bestätigung

    Niedersachsen: Wolf mehrfach in Hellingst gesichtet. Ein Wolfsbeauftragter bestätigt die Sichtung und Jäger haben ein "offenbar" gerissenes Reh entdeckt.
    - Keine DNA-Bestätigung

    Niedersachsen: Wolfsriss mitten in Cornau. Die auffälligen Bissspuren legten den Verdacht nahe, dass es ein Wolf gewesen sein muss. „Es sieht ziemlich danach aus“, erklärt der Wolfsberater.
    - Keine DNA-Bestätigung