26.12.2015

Rezension: Karte der Wildnis

Karte der Wildnis
Robert Macfarlane

Verlag Matthes & Seitz, 2015
303 Seiten
ISBN 978-3957571014
34,00 €

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Inhalt
Wo gibt es heute noch Wildnis?, fragt sich Robert Macfarlane, als er den Straßenatlas ausbreitet und beschließt, die letzten unberührten Flecken Natur zu finden, die sich hinter den Schraffuren und Linien, Farben und Symbolen fernab der Schnellstraßen verstecken: abgelegene Inseln und verborgene Gebirge, unwegsame Moore und undurchdringliche Wälder. Seine Suche führt ihn von den schroffen Klippen im Norden Schottlands zu den verwunschenen Hohlwegen Südenglands, von der kargen Kalksteinlandschaft Westirlands zu den stürmischen Stränden Norfolks. Macfarlane durchschwimmt brandende See und stehende Gewässer, erklimmt steile Hänge und windumtoste Gipfel, oft an den Grenzen der Belastbarkeit, um am eigenen Leibe zu erfahren, was Wildnis ist und liest die Berichte derjenigen, die diese Orte vor ihm aufsuchten: Pilger und Philosophen, Forscher und Literaten. Was als Reise zur ungezähmten Natur begann, wird zum lebendigen Streifzug durch Raum und Zeit, der geologische wie kulturhistorische Schichten gleichermaßen durchstößt und auch vor der Wildnis der Städte nicht die Augen verschließt. Am Ende entsteht tatsächlich eine Karte der Wildnis , eine sprachmächtige Einladung zum Staunen, wie nah das Ferne, Fremde, Wilde uns immer noch ist.

Rezension
In der Serie „Naturkunden“ erscheinen im Verlag Matthes & Seiz Bücher, die von der Natur erzählen. In dieser Reihe ist auch das Buch „Karte der Wildnis“ erschienen. Schon äußerlich besticht es in seiner Schönheit und verlockt zum Anfassen: in historischem Format gebunden, Leinenstruktur, fadengeheftet und mit rotem Kopfschnitt.
Das Buch ist unterteilt in verschiedene geografische Kapitel (Insel, Tal, Moor, Wald, Gipfel etc.), die jeweils mit einem schwarz-weiß Foto bebildert sind.
Wer bei diesem Buch auf eine Reisebeschreibung zu „wilden“ Orten hofft und auf eine Anleitung, wo er sie finden kann, der wird enttäuscht – es sei denn, er kennt sich gut in Großbritannien aus. Offensichtlich geht der Autor davon aus, dass seine Leser die beschriebenen Orte bereits kennen. Ebenso setzt er eine gewisse Fachkenntnis bei geologischen oder anderen Begriffen im Buch voraus. Das Buch hat sich also für mich zunächst nur schwer erschlossen.
Gleichwohl hat mich die Magie der Worte von Macfarlane verzaubert und tiefer in das Buch hinein gezogen.
Wer bisher glaubte, um Wildnis zu erleben, müsse er weit reisen und andere Kontinente besuchen, der wird hier eines Besseren belehrt. Der Autor nimmt uns mit auf seine Reisen nach England, Irland und Schottland. Dabei beschreibt er die Wildnis so bildlich und schildert seine Erlebnisse so detailliert, dass wir mit ihm frieren, nass werden oder den Nachthimmel bestaunen. Er hat die Fähigkeit, die Landschaft zu fühlen und durch die Poesie seiner Sprache diese Gefühle auf den Leser zu übertragen.
Mir hat das Buch Lust gemacht, aufzubrechen und die geheime Wildnis vor meiner eigenen Haustür zu erforschen.
Ausgezeichnete Übersetzung von Andreas Jandl und Frank Sievers. (ehr)