17.12.2015

Versucht die niedersächsische Landesregierung, die Schafsrisse der Goldenstedter Wölfin kleinzureden?

Schriftliche Antwort des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Martin Bäumer, Dr. Stephan Siemer und Ernst-Ingolf Angermann (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten
Durch die Pressemitteilung „Information über Nutztierrisse in den Kreisen Vechta und Diepholz“ des Wolfsbüros beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz) vom
16. November 2015 ist bei den betroffenen Schäfern der Eindruck entstanden, die Landesregierung wolle die Risse, die auf das Konto der Goldenstedter Wölfin gehen, relativieren.
Noch in der 43. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung am 28. Oktober 2015 hatte ein Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) ausgeführt, dass nicht bei allen gerissenen Schafen bislang zu 100 % der Nachweis habe geführt werden können, ob die Schafe von dieser einen Wölfin gerissen worden seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gerissenen Tiere der Wölfin zuzurechnen seien, sei allerdings relativ hoch. Nach Aussage des Ministeriumsvertreters seien 75 Tiere gerissen oder aber aufgrund der Verletzungen eingeschläfert worden. Verletzt worden seien 31 Tiere. Hinzu kämen die Risse aus dem aktuellen Fall, nämlich fünf verletzte Tiere, von denen drei eingeschläfert worden seien, und ein gerissenes Tier.
In der Pressemitteilung des NLWKN heißt es am 16. November 2015 hingegen: „Aus der vorgelegten Aufstellung ist ersichtlich, dass der in der Berichterstattung genannten Wölfin elf Fälle (mit 31 Tieren) eindeutig zugeordnet werden konnten (Stand: 14. November 2015).“
In der Aufstellung des NLWKN werden die Risse unterteilt in die 11 Fälle, die der Fähe eindeutig zugeordnet werden können. Bei weiteren 19 Fällen erfolgte keine genetische Individualisierung. In den Erläuterungen zu den 19 Fällen, bei denen nicht klar ist, welcher Wolf sie verursacht hat, steht: „Wolf festgestellt, aber keine genetische Individualisierung möglich, in 16 Fällen wurde der Haplotyp HW02 nachgewiesen (in Niedersachsen vorkommende Haplotypen: HW01/HW02: Der Haplotyp HW02 ist relativ selten, aber typisch für die Nachkommen des Gartower Rudels, aus dem die Barnstorfer Fähe stammt)“.
Wenn also der in 16 Fällen gefundene Haplotyp HW02 in Niedersachsen selten, aber ein eindeutiges Merkmal der Goldenstedter (Barnstorfer) Wölfin ist, liegt nach Meinung von Fachleuten der Schluss nahe, dass auch diese 16 Risse sehr wahrscheinlich von ihr verursacht wurden. Es wird vermutet, dass sich die vorherige Aussage des MU ebenfalls auf den gefundenen Haplotyp HW02 bezieht.

Vorbemerkung der Landesregierung
In der 43. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 28.10.2015 hat ein Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz mitgeteilt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass auch die anderen Risse, bei denen die Tierart Wolf als Verursacher amtlich festgestellt wurde, auf das Konto der besagten Wölfin gingen, hoch sei. Diese Aussage wurde aufgrund des vorhandenen Kenntnisstandes getroffen, dass es in der betreffenden Region keine anderen Wölfe aktuell gab. Da es mittlerweile verschiedene Hinweise aus der Region auf die Existenz eines oder sogar mehrerer weiterer Tiere gibt, muss die Anzahl der Wölfe neu festgestellt werden. Die Frage, welche Risse eindeutig der Barnstorfer Fähe zuzuordnen sind, konnte daher nicht anders beantwortet werden als in der o.g. Pressemitteilung.

1. Ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass mindestens 16 der 19 Risse „ohne genetische Individualisierung“ in der Aufstellung des NLWKN der Goldenstedter Wölfin zugerechnet werden müssen?
 Bei 16 Fällen wurde der Haplotyp HW02 festgestellt, der von einem oder mehreren Individuen aus der gleichen mütterlichen Linie stammen kann, aber auch bei anderen Wölfen in Deutschland verbreitet ist. Ein mitochondrialer Haplotyp erlaubt keine individuelle Zuordnung. Die Landesregierung kann über Wahrscheinlichkeiten keine Aussage machen, da dieses reine Spekulation wäre.

2. Wie viele der Risse in der Region werden von den betroffenen Schäfern der Goldenstedter Wölfin zugerechnet? 
Es gibt in Schäferkreisen in der Region sehr unterschiedliche Angaben hinsichtlich der Zurechnung der Nutztierrisse zu der Barnstorfer Fähe. Die der Öffentlichkeit bekannt werdenden Einschätzungen geben somit nicht die tatsächliche Situation wieder. Erst die amtliche Feststellung der Verursacherschaft durch den NLWKN kann weitere Klarheit bringen.

3. Wie erklärt die Landesregierung die unterschiedlichen Einschätzungen zu den tatsächlichen Risszahlen der Goldenstedter Wölfin vonseiten des NLWKN und vonseiten der Schäfer?

siehe Antwort zu Frage 2

(Pressemitteilung vom 17.12.2015)