31.01.2016

Mecklenburg-Vorpommern: Backhaus: Beim Dauerbrenner Wolf ignoriert die CDU die Faktenlage und schürt lieber Angst

Zu den jüngsten Äußerungen der agrarpolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion im Nordkurier stellt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus fest:
„Frau Schlupp ignoriert mal wieder die Faktenlage beim Wolf. Entgegen ihrer Äußerungen stelle ich klar, dass die Rechtslage bei einem vermeintlichen Problemwolf schon heute den Abschuss ermöglicht; dass die Aufnahme ins Jagdrecht außer mehr Bürokratie nichts bringen würde, zumal der Wolf aufgrund seines internationalen Schutzstatus dann auch nicht bejagt werden dürfte. Und wenn man dann wie Frau Schlupp in aller Öffentlichkeit behauptet, dass es mehr Wölfe gibt als angenommen, dann bitte ich sie auch, dies nachzuweisen. Alles andere ist nur Panikmache und damit unseriöse Politik“, erklärte der Minister.

In Deutschland sind derzeit 31 Wolfsrudel, 8 Wolfspaare und 6 territoriale Einzelwölfe amtlich und wissenschaftlich nachgewiesen worden. Davon halten sich zwei Wolfsrudel und ein Einzelwolf in Mecklenburg-Vorpommern auf.

Nach dem Sicherheits- und Ordnungsgesetz kann ein Wolf bereits heute erlegt werden. Wer den Wolf jedoch ohne Genehmigung bejagt, verstößt gegen internationales-, europäisches-, Bundes- und Landesrecht. Denn der Wolf ist ein streng geschütztes Tier. Die geforderte Aufnahme ins Jagdrecht würde nichts daran ändern. Ändern würden sich nur die Zuständigkeiten. Der Wolf würde aufgrund der Schutzerfordernisse eine ganzjährige Schonzeit erhalten und viele Aufgaben wie z.B. das Monitoring, die Finanzierung für Maßnahmen zum Schutz des Wolfes, für die Forschung oder Ausgleichzahlungen müssten der Jägerschaft übertragen werden. „Der Landesjagdverband hat mehrfach öffentlich betont, dass er der Aufnahme eben aus diesen Gründen skeptisch gegenüber steht. Vielmehr haben wir mit dem ‚Managementplan für den Wolf in Mecklenburg-Vorpommern‘, der von Landwirten, Jägern und Naturschützern hoch anerkannt ist, seit 2010 die Grundlage für den weiteren Umgang mit dem Wolf geschaffen“, so Dr. Backhaus.

Im Falle von Schäden an Haus- und Nutztieren können bis zu 100 % Zuwendungen gewährt werden, wenn unverzüglich nach Feststellung des Schadens ein vom Land benannter Rissgutachter den Wolf als Schadensverursacher nicht ausschließen kann. Auch werden die Anschaffung beispielsweise von Zäunen und Hütehunden gefördert. „Ich bitte daher auch alle Tierhalter, die Vorkehrungen einzuhalten, damit sich der Wolf erst gar nicht an die Futterquelle Schaf oder Ziege gewöhnen kann. Schließlich ist ein Schaf im Gegensatz zum Wild leichter zu erbeuten, da bei der Domestikation der Fluchtreflex der Tiere stark abgenommen hat. Sollte sich ein weiteres Rudel außerhalb der derzeitigen Wolfsgebiete ansiedeln, dann werden wir über die Gebietskulisse auch noch einmal reden müssen. Aber bisher haben wir keinen weiteren sesshaften Wolf nachweisen können. Insofern bitte ich Frau Schlupp: Immer schön bei den Fakten bleiben!“, so der Minister.
(Pressemeldung Nr.034/16  | 27.01.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz)

27.01.2016

Vermeintliche Wolfsangriffe und unkundige "Wolfsberater" (aktualisiert)

Zwei Meldungen sind mir in den letzten beiden Tagen besonders unangenehm aufgefallen:

1) Angeblich soll ein Jogger in Gartow im Landkreis Lüchow-Danneberg von zwei Jungwölfen an der Hand berührt worden sein. Die einschlägigen Jagdmedien machen sofort einen "Wolfsangriff auf Jogger" daraus. Es wird untersucht, ob es sich nicht um Hunde gehandelt hat.

2) Die nächste Meldung kommt aus Bergen. Dort soll der Hund einer Frau von einem Wolf angefallen worden sein. Verwunderlich, dass sie bei dem "Angriff" noch Zeit gehabt hat, das (entspannte) Tier zu fotografieren ... Hier ist überhaupt noch nichts bewiesen. Die Polizei bestätigt den Vorfall nicht. Dafür wird er gezielt auf der FB-Seite "Wolf-nein-Danke" gepuscht.
Man beachte auch den Kommentar zum Zeitungsartikel, der auf ein FB-Video hinweist. Wo bitte  ist hier ein gefährlicher Wolf zu sehen?

In beiden Fällen empfehlen die vom Land bestellten sogenannten "Wolfsberater", die namentlich erwähnt werden, "auffällige Wölfe zu jagen". Und wer entscheidet, ob sich ein Wolf auffällig verhält? Sicher die Jäger, die sich ja sooo gut auskennen im Verhalten wilder Wölfe. Eine solche Forderung ist meines Erachtens nicht nur ignorant, arrogant und dumm, sondern höchst gefährlich und zeugt von enormer Unkenntnis von Wolfsverhalten seitens dieser "Wolfsberater". Der Wolf bei Bergen trägt ein Radiohalsband, wird also bereits beobachtet- So lässt sich nachweisen, ob und wann er sich beispielsweise Dörfern nähert. Offensichtlich gibt es im Wolfsmanagement von Niedersachsen eine extreme Anti-Wolf-Tendenz. Um so unverständlicher, dass dann weiterhin die Jäger das Monitoring betreiben. Die Regierung hat anscheinend kein Interesse, daran etwas zu ändern. Hoffentlich zahlt sich das bei den nächsten Wahlen aus ...

An die Wolfsberater
Ich möchte hinzufügen, dass es sehr viele sehr kundige Wolfsberater gibt, die einen großartigen Job machen, und das alles ehrenamtlich. Sie stehen zwischen allen Fronten. Ich gestehe - ich hätte nicht die Nerven dazu. Meine Hochachtung an Sie! 
Ich weiß, dass viele von Ihnen kurz davor sind, aufzugeben. Bitte tun Sie es nicht. Sie haben mit so viel Idealismus begonnen und Sie sind die letzte Stütze für die Wölfe und die wichtigste Aufklärung für die Menschen in den Wolfsgebieten.
Informieren Sie sich über das Verhalten von wild lebenden Wölfen, klären Sie auf, dass Jungwölfe, die sich Menschen nähern oder durch Dörfer laufen, nicht gefährlich oder verhaltensauffällig sind. Mit dem unbedachten Vorschlag, solche Wölfe müssten auf Dauer "entnommen" (= getötet) schaden Sie vielen guten Menschen, die jahrelange Aufklärungsarbeit betrieben haben und natürlich letztendlich auch dem Wolf, den Sie mit schützen wollten.

An die Jäger
Ja, ich weiß, es gibt viele von Ihnen die pro-Wolf sind.  Warum hören wir dann immer nur von denen, die der Meinung sind, der Wolf gehöre nicht hierher? Warum treten Sie  nicht vor und sprechen sich öffentlich für den Wolf aus und gegen Ihre ewig gestrigen Kollegen? Räumen Sie in Ihren eigenen Reihen auf. Das ist längst überfällig.


24.01.2016

Aktuelle Informationen zu den Wölfen in Sachsen und Jahresrückblick 2015

Verbreitung in Sachsen im Monitoringjahr 2014/2015

In Sachsen wurden im letzten abgeschlossenen Monitoringjahr 2014/2015* zehn Wolfsrudel und ein territorialer Wolf nachgewiesen. Neun Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Darüber hinaus sind zwei Territorien grenzübergreifend: eines zu Brandenburg (SP) und ein weiteres zur Tschechischen Republik (HW).
Drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z) haben nur zu einem kleinen Teil ihr Gebiet auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern mitgezählt.

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen (Monitoringjahr 2014/2015). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen weitere Wolfsterritorien. Schraffiert gekennzeichnet sind Gebiete in denen der Status unklar ist (Gohrischheide und Raum Löbau/Zittau). © LUPUS

Entwicklungen im aktuellen Monitoringjahr 2015/2016
Im Laufe des Monitoringjahres 2015/2016 konnte in neun der bekannten sächsischen Wolfsrudel Nachwuchs bestätigt werden (DZ, DN, KH, LH, MI, NY, NO,  RT, SP). Insgesamt konnten 33 Welpen nachgewiesen werden, wobei es sich dabei um Mindestzahlen handelt.

Darüber hinaus hat südlich des Nieskyer Rudels im Bereich der Königshainer Berge eine weitere Reproduktion stattgefunden. Genetische Analysen ergaben, dass sich die ehemalige Kollmer Fähe mit einem unbekannten Rüden verpaart hat. Einer der Welpen wurde im Juni in den Königshainer Bergen tot aufgefunden, er starb im Alter von ca. 7 Wochen an einer Magen-Darm-Erkrankung.
Die Kollmer Fähe lebte ursprünglich mit dem besenderten Rüden „Timo“ (MT5)  in einem Territorium im Gebiet um die Hohe Dubrau/ Kollmer Höhen, wo sie im Jahr 2013 mind. einen Welpen aufzogen (Kollmer Rudel). Nachdem Timo im Januar 2014 das Sendehalsband nach zweijähriger Sendezeit planmäßig verlor, verschwand das Kollmer Rudel aus ungeklärter Ursache noch im selben Jahr. Seit Winter 2014/15 wird das ehemalige Kollmer Territorium von den beiden benachbarten Rudeln (Nieskyer- und Daubaner Rudel) eingenommen. 
Die Lage und Größe des neuen Territoriums der ehemaligen Kollmer Fähe und ihrer neuen Familie ist unbekannt, insbesondere wie weit es sich von den Königshainer Bergen nach Süden und Westen erstreckt. Da sich im Verlauf des Jahres 2015 auch westlich von Löbau bei Cunewalde (Landkreis Bautzen) Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfsrudels verdichten, stellt sich die Frage, ob dieses Gebiet noch zum Territorium des neuen Rudels der ehemaligen Kollmer Fähe gehört, oder sich westlich von Löbau bei Cunewalde ein weiteres Wolfsrudel neu gegründet hat. 
Auch im Bereich um die Gohrischheide im Norden des Landkreises Meißen liegen aus 2015 nach wie vor einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe vor. Im Rahmen des Monitorings soll weiter geklärt werden, ob sich Wölfe hier dauerhaft aufhalten.
Zur Klärung des Status in den Bereichen Königshain, Reichenbach, Löbau, Cunewalde, sowie Gohrischheide sind Hinweise aus der Bevölkerung sehr wichtig. Neben Sichtungsmeldungen sind insbesondere Hinweise auf Losungen (Wolfskot), Spuren oder Risse interessant. Günstig sind dabei Fotodokumentationen der Hinweise inklusive Größenvergleiche (Zollstock oder anderer Gegenstand z.B. Taschentuch).
Bitte melden Sie diese Hinweise zeitnah an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@buero-lupus.de) oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de).

Tote Wölfe:
Insgesamt wurden 2015 im Freistaat acht tote Wölfe gefunden. Fünf Wölfe starben bei Verkehrsunfällen, zwei Wölfe starben an natürlichen Todesursachen und ein weiterer wurde illegal geschossen (das Kontaktbüro berichtete).

Herdenschutz:
Im Jahr 2015 wurden dem sächsischen Wolfsmanagement insgesamt 56 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet, bei denen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen wurde. Dabei wurden 140 Nutztiere getötet, 11 sind vermisst und 17 weitere wurden verletzt. Es handelt sich um Schafe, Ziegen und Gatterwild (Damwild und Mufflon). In den meisten Wolfsterritorien waren keine oder nur geringe Schäden an Nutztieren zu verzeichnen. Die Schäden konzentrieren sich oft in Gebieten, wo Wölfe erst seit kurzem wieder ansässig sind und sich noch nicht alle Tierhalter auf die neue Situation eingestellt haben.
Im vergangenen Jahr gab es die meisten Übergriffe im Territorium des Rosenthaler Rudels. Neben unzureichend geschützten Nutztieren wurden hier in einigen Fällen auch geschützte Tiere erbeutet, u.a. durch Überspringen von Zäunen. Um dem entgegen zu wirken, wurden die dort ansässigen Schaf- und Ziegenhalter aufgerufen, ihre Schutzmaßnahmen zu überprüfen und ggf. zu verbessern (siehe PM des KB vom 14.09.15). Hierfür wurden 10.000 lfm „Flatterband“ (Breitbandlitze) inklusive der dafür erforderlichen Weidepfähle kostenfrei ausgeliehen und die Tierhalter bei Bedarf vor Ort in Sachen Herdenschutz beraten. Diese Maßnahmen waren offenbar erfolgreich, da seit nunmehr 3 Monaten keine neuen Übergriffe in diesem Gebiet gemeldet wurden.
Wenn Wölfe wiederholt erfolgreich unzureichend geschützte Nutztiere töten können, lernen sie, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind, als ihre natürlichen Beutetiere Rehe, Hirsche oder Wildschweine. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen geschützte Nutztiere zu töten. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst alle Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet ausreichend geschützt werden.
Seit Anfang des Jahres 2015 haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen. Dies wurde von zahlreichen Tierhaltern angenommen. So wurden 2015 insgesamt 386 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 305.260,90 € ausgezahlt. Durch den zeitlichen Vorlauf für Tierhalter in noch nicht vom Wolf besiedelten Gebieten können Schäden verhindert werden, bevor sie entstehen.
Detailliertere Informationen zu den Monitoringergebnissen 2014/15 in Sachsen und Brandenburg finden Sie im "Statusbericht für das Monitoringjahr 2014/2015" auf der Internetseite vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz.

*Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.


20.01.2016

Rezension: Der Ruf der Wildnis

Der Ruf der Wildnis
Jack London

dtv, 2013
160 Seiten
ISBN 978-3423142779
8,90 €

Bestellen Sie das Buch hier

Inhalt
Jack Londons 1903 erschienener Abenteuerroman, der die Zeit des Goldrauschs beschreibt, gilt als eines seiner besten Werke. Es ist die Geschichte von Buck, einer Mischung aus Bernhardiner und Schlittenhund, der menschlicher Brutalität und Gewalt ausgesetzt ist und erst durch den Goldgräber Jack Thornton Güte und Freundlichkeit kennenlernt: ein eindrucksvolles Plädoyer für Menschlichkeit und Nächstenliebe und ein spannendes Abenteuer, das bis zur letzten Seite fesselt.




Rezension
Wolfgang Tischer hat das Buch in seinem Literaturcafé mit einem Video rezensiert und begibt sich in Kürze auf eine Reise in den Yukon, um Jack Londons Spuren zu folgen. Sie können ihm folgen.

Mehr und zur Rezension hier

19.01.2016

"Wolf und Jagd", Artikel in La Vita mit falschen Fotos

Die Zeitschrift "La Vita" hat in ihrem Free-Animal-Rundbrief Dezember 2015 einen schönen Artikel zum Thema "Wolf und Jagd" gedruckt.
Bedauerlicherweise haben die Redakteure nicht ordentlich recherchiert und sowohl als Titelfoto als auch im Innenteil "Wölfe" dargestellt, die Kojoten sind. Schade!

Hier nochmal der Unterschied:

Das ist ein Kojote, so wie in La Vita abgebildet. Man beachte die großen Ohren und die schmale Schnauze. (Foto: Elli Radinger)
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Und das ist ein Europäischer Wolf (Foto: Gunther Kopp)
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08.01.2016

NABU: Experimente mit Wölfen sind unzulässig

Jagdaufseher und –pächter handeln gegen die Grundsätze des Landes Niedersachsen

Hannover, Barnstorf – Nach Medienberichten vom 6. Januar 2016 wurde im Landkreis Diepholz eine Wölfin gezielt von einem Jagdaufseher und einem Jagdpächter angefüttert. Anlass dieses "Experiments" sei es gewesen, einen Wolf anzulocken. Welche Konsequenzen diese Handlung auf das Verhalten von Wölfen haben kann, scheinen die beiden Akteure nicht zu wissen. Der NABU Niedersachsen kritisiert die Anfütterung auf das Schärfste und verweist auf die Regelungen im niedersächsischen Wolfskonzept.

Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen, zeigt sich erschrocken: „Einzelne Wölfe, die gefüttert werden bzw. regelmäßig menschliche Speiseabfälle fressen oder sich anderweitig an den Menschen gewöhnen, können sich auffällig vertraut gegenüber Menschen verhalten. Durch solche Habituations-Maßnahmen, wie sie nach Zeitungsberichten im Dezember durchgeführt wurden, kann ein Wolf beginnen, die Nähe des Menschen nicht mehr zu meiden, sondern gezielt zu suchen. Deshalb ist eine Fütterung auch zum einmaligen Anlocken strikt zu unterlassen und muss Konsequenzen haben.“

Eine entsprechende Einschätzung und Regelung ist im bereits im Juni 2010 erschienenen Wolfskonzept des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (Seite 13) nachzulesen: „So soll zum Schutz des Menschen und des Wolfes insbesondere einer Gewöhnung an menschliche Nähe oder Menschen, z.B. durch gezielte Anfütterung, entgegengewirkt werden.“

In diesem Zeitungsartikel wird weiterhin behauptet, dass der „Wildbestand gewaltig reduziert“ wurde und die  Jäger sich zunehmend um das Wild in den Revieren sorgen. Dazu Dr. Buschmann. „Wölfe erbeuten nur einen Teil des Wildes, wie es für andere Räuber-Beute-Beziehungen in der Natur generell gilt. Die Befürchtung, Wölfe im Revier würden den Wald leer fressen, ist unbegründet – das zeigen die Beobachtungen in der Lausitz, wo das Wechselspiel zwischen Beute (Wild) und Jäger (Wolf) seit nunmehr 15 Jahren funktioniert. Das Wild stellt sich nach und nach wieder auf den Wolf ein und wendet dabei seine im Laufe der Evolution entwickelten Feindvermeidungsstrategien an. Z.B. ändert es häufiger seine Einstände (Aufenthaltsorte) und nutzt andere Wechsel (Wege).“

Quellenhinweis Wolfskonzept Niedersachsen:
Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Der Wolf in Niedersachsen - Grundsätze und Maßnahmen im Umgang mit dem Wolf. S. 13, 2. Absatz, 2. Satz. Download hier unter http://www.der-wolf-in-niedersachsen.de/

Hintergrund
Der Wolf ist eine streng geschützte Art nach Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention und der europäischen Naturschutzrichtlinie (FFH-Richtlinie). Auch das Bundesnaturschutzgesetz schützt den Wolf. Es zählt ihn zu den besonders und streng geschützten Arten. Sie unterliegen damit dem umfassenden Schutz der Zugriffs- und Besitzverbote des 44 BNatSchG. Dies betrifft insbesondere das Töten von Wölfen. Verboten ist auch das Töten eines erkennbar schwer verletzten Wolfs beziehungsweise eines Hybriden, sofern dafür keine ausdrückliche Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde vorliegt.

Der Wolf galt bis 2000 in Deutschland als ausgestorben und kehrt dank der Schutzbemühungen auf eigenen Pfoten zurück. Der NABU unterstützt die Rückkehr des Wolfes seit 10 Jahren mit seinem Projekt „Willkommen Wolf!“

















Kommentar d. Redaktion
Wenn tatsächlich in Niedersachsen Jäger und Jagdpächter Wölfe gezielt angefüttert haben, dann ist dies nicht nur extrem dumm - wenn nicht sogar kriminell - sondern zeigt auch, wie unfähig Niedersachsens Regierung in Sachen Wolf ist, wenn sie solche Idioten nicht unter Kontrolle hat. (Foto: Gehegewolf © Gunther Kopp)

07.01.2016

Rezension: Expedition Wolf (DVD)

Expedition Wolf
DVD und Blue-ray
Polyband, 2014
Spieldauer: 100 Minuten
ASIN: B00DIR8AE0
17,99 €

Hier können Sie die DVD und Blue-ray bestellen

Inhalt
Der Wolf wurde früher gejagt und galt Mitte des letzten Jahrhunderts fast überall in Nordamerika als ausgestorben. Doch seit einigen Jahren haben Wölfe die amerikanischen Wälder zurückerobert. Unlängst wurde ein Rudel an einem wenige Stunden von Seattle entfernten Ort im Bundesstaat Washington gesichtet. Angeblich sollen sich die Wölfe an verschiedenen Orten im Evergreen State aufhalten. Ein Team aus Forschern, Experten und Filmemachern ist in der Wildnis Washingtons unterwegs, um die Neuankömmlinge zu beobachten. Monatelang sind sie den Wolfsrudeln per Flugzeug, Hubschrauber, mit Schlitten, Motorschlitten, Skiern und Schneeschuhen auf der Spur. Eine gefährliche Mission in rauer Gebirgslandschaft, die dem Team Höchstleistungen abverlangt und bei der modernste Kameras und bahnbrechende Kartierungstechniken zum Einsatz kommen.

Rezension
Für mich, die ich seit über 25 Jahren wild lebende Wölfe in Montana und Wyoming erforsche, war dieser Film besonders spannend.
Er zeigt die Arbeit der Forscher, die versuchen, mehr über die Wölfe in Washington und an der Westküste von Kanada herauszufinden. Und er zeigt leider auch den Hass der Rancher. Auch sie kommen hier zu Wort – obwohl ich gerne darauf verzichtet hätte. Dieser Hass ist ein Teil des Lebens von uns allen, die wir uns mit Wölfen beschäftigen. Ich bewundere daher enorm die Bemühungen der Filmcrew, sich „neutral“ zu verhalten, was ihnen nicht leicht gefallen ist – wie man deutlich den Gesichtern ansehen konnte.
Auch Doug Smith, der Leiter des Yellowstone Wolfprojektes, kommt in diesem Film zu Wort. (Einige der Aufnahmen stammen von den Yellowstone-Wölfen; ich habe sie wiedererkannt.) Smith berichtet nicht nur die Schwierigkeiten, die mit der Rückkehr einer ausgestorbenen Tierart entstehen können, sondern klärt auch über das Verhalten von Wölfen auf. Menschen, die sich nicht so sehr mit den Beutegreifern auskennen, wird es vielleicht verwundern, dass diese bei der Jagd nicht besonders erfolgreich sind. (Stichwort: Evolutionäres Wettrüsten.)
„Expedition Wolf“ ist ein sehr ausgewogener Film, eine spannende Dokumentation, die uns in unberührte, atemberaubende Landschaften mitnimmt und in jedem, der einmal diese Wölfe mit eigenen Augen gesehen hat, eine große Sehnsucht hinterlässt. (ehr)

06.01.2016

Norwegen: genetisch wertvoller Wolf gewildert

40jähriger verhaftet: Eingewanderter Wolf im Trysilgebiet illegal geschossen

Der aus Finnland eingewanderte Rüde ist tot. Ein 40jähriger Norweger gab zu, dass er den Wolf erschossen hat. Die illegale Tötung wurde am Samstag entdeckt, als Naturschutzpersonal die Spur des Einwanderers verfolgte. Plötzlich endete diese in einer Blutlache. Durch eine DNA-Schnellanalyse wurde sicher gestellt, dass das geschossene Tier wirklich der eingewanderte Wolf war.
Das Ziel der Spurensuche war, den Wolf zu besendern, um ermitteln zu können, wo er sich ansiedelte. Erst vor wenigen Tagen war der Wolf aus Dalarna nach Norwegen gewandert.
Die hinzugezogene Polizei konnte schnell einen Verdächtigen ermitteln, der später die Tat zugab.
Es handelt sich um einen 40jährigen aus Trysil. Im Verhör gab er an, dass er Wölfe in Norwegen ohne weiteres akzeptiere „aber sie müssten sich von Häusern und Menschen fernhalten“.
Der Polizei gab er seine Motive bekannt, sie äußert sich aber zunächst noch nicht darüber.
Man gab aber bekannt, dass es sich nicht um Notwehr oder eine anderen Grund handelt, der die Tat legalisieren könnte. Und er wusste, dass es sich um einen Wolf handelte. Das geschossene Tier versteckte er in einer Jagdhütte, zu der er Zugang hatte.
Der Wolf war einer von sehr wenigen, die es innerhalb von Jahren geschafft hatten, den langen Weg nach Mittelschweden lebend zurückzulegen.
Man hatte sehr große Hoffnungen, dass er sich in die skandinavische Population einbringen und die Inzuchtfolgen verringern würde.
Seit 1991 haben nur drei eingewanderte finnisch-russische Wölfe auf eigenen Pfoten den Weg nach Mittelskandinavien geschafft und sich dort vermehrt [Anm. des Übersetzers: außerdem wurde ein Paar aus Nordschweden hierher umgesiedelt].
Beträchtlich mehr Wölfe haben über die Jahre diesen langen Weg begonnen, wie DNA-Nachweise aus Nordschweden zeigen. Wo sie geblieben sind, weiß niemand, aber DNA von ihnen wurden niemals bei den mittelschwedischen Wölfen nachgewiesen.
Dass im vorliegenden Fall Wilderei nachgewiesen werden konnte, ist einzig dem Umstand zu verdanken, dass die Spur des Wanderwolfs verfolgt wurde. Ziel war, ihn am Wochenende zu besendern, um ihm folgen und ihn gegen Jagd und Wilderer vorbeugend schützen zu können. Und ebenso, festzustellen, wo er eine Fähe finden und sich ansiedeln würde.
Wilderei gilt in Norwegen als ein sehr schweres Vergehen. Dem 40jährigen Wilderer drohen bis zu 6 Jahre Gefängnis.
Sollte sich herausstellen, dass es sich um eine organisierte, gezielte Jagd auf den Einwanderer handelte, kann die Strafe noch härter ausfallen.
Aufgabe der polizeilichen Ermittlungen wird unter anderem sein, dies zu klären. Der 40jährige sagt, dass er die Tat allein begangen hat.
(Quelle, Übersetzung: Karsten Dörfer)


05.01.2016

Rezension: African Wild Dogs

African Wild Dogs: On the Front Line
Brendan Whittington-Jones

Jacana Media, 2015
220 Seiten
Sprache: Englisch
ISBN 978-1431421299 (amazon.com)

US $ 23,95 (Taschenbuch)
US $ 9,15 (Kindle)

Rezension
Brendan Whittington-Jones hat ein Buch geschrieben, das seine Erfahrungen im Wildtiermanagement des afrikanischen Wildhundes darstellt. Das Buch liest sich ausgesprochen leicht, und steht in der Tradition großer, im vergangenen halben Jahrhundert veröffentlichter ähnlicher Berichte von Jane Goodall, Iain Douglas- Hamilton, oder auch George Schaller. Die Schilderungen des Verhaltens, der Ökologie und auch der Managementprobleme sind also in eine Erzählung eingebettet, die die siebenjährige Erfahrung des Autors im Hluhluwe-iMfolozi Reservat darstellt. Die Hauptaufgabe von Brendan Whittington-Jones war, eine Strategie für das so genannte Populationsmanagement der afrikanischen Wildhunde zu entwickeln. Durch die zunehmende Aufsplitterung der Bestände in immer kleinere und immer weiter von einander getrennte Reservate sind Strategien für den Genaustausch, bisweilen auch für Umsiedelungen und andere aktive Managementmaßnahmen nötig. Dazu wurden die Hunde mit Sendern bestückt, und ihre Wanderungen, vor allem auch bezüglich einer möglichen Veränderung der Rudelzusammensetzung wurden untersucht. Um mehr Daten gerade bei einer möglichen Rudelspaltung zu erzielen, wurde von jedem Rudel mindestens zwei Tiere besendert. In der Tat konnten mehrere Rudelaufspaltungen und auch mehrere Wiedervereinigungen im Sinne eines Fusion-Fissionssystems dadurch dokumentiert werden. Die Wanderungen erzeugen durchaus einen natürlichen Genaustausch, bisweilen sind Wanderungsentfernungen von 250 bis 600 Kilometern, manchmal sogar über sehr intensiv genutzte landwirtschaftliche Gebiete, belegt. Trotzdem müssen häufig zum Beispiel vereinsamte Junggesellengruppen durch gezielte Umsiedelung weiblicher Tiere aufgestockt werden, und in manchen Fällen ist auch der Fang von abgewanderten Hunden die einzige Möglichkeit, sie vor illegaler Bejagung zu bewahren.
Die bisweilen frustrierenden Erfahrungen des Autors und seiner Mitstreiter/innen, sei es mit Bürokratie, illegal jagdlustigen Landbesitzern, den Medienvertretern (die ständig in kürzester Zeit dramatische Filmszenen erwarten) und der Öffentlichkeit, die viel schneller Erfahrungen und Ergebnisse erwartet, als dies durch gezielte Forschungsprojekte möglich ist, tönen sicherlich für viele im Wolfs- und anderen Kaniden- und Prädatorenmanagement Tätige sehr vertraut. Was Brendan Whittington-Jones ausmacht, ist jedoch der immer wieder aufscheinende Humor, und die in seinen sonstigen Schilderungen durchaus erkennbare Normalität. Hier schreibt kein verbiesterter Ökofreak mit Kräuterteetendenzen, sondern jemand, der durchaus das abendliche oder mittägliche Bier mit den Kollegen ebenso schätzt wie die aus dem Internet geholte elektronische Musik.
Nachteilig für die Verwendung des Buches als Grundlage von wissenschaftlicher Erkenntnis ist, dass weder ein Index noch ein Literaturverzeichnis vorhanden sind. In der Fliestextdarstellung wird immer wieder auf Forschungsergebnisse eigener und anderer Arbeiten hingewiesen, man findet jedoch leider nicht die Originalquellen. Da das Ganze im chronologischen Erzählstil aufgebaut ist, muss man buchstäblich das ganze Buch lesen um an die dort vorhandenen biologisch-ökologischen Sachinformationen zu kommen. Befunde wie die bereits angesprochene lange Wanderungsdistanz von mehreren, meist gemeinsam wandernden Rüden, die geringe Überlebensrate (nur ca. 50% der Jungtiere in Südafrika scheinen zu überleben), die herausragenden und besonders wichtigen Lebensraumeigenschaften, die durch eine Habitatmodellierung errechnet wurden, oder der Rudelzusammenhalt werden eingestreut in die genannten erzählenden Textteile dargeboten.
In ganz Südafrika sind nur noch etwa 450 afrikanische Wildhunde anzutreffen, der Gesamtbestand in Afrika wird auf ca. 6600 Individuen geschätzt.
Es ist also höchste Zeit, etwas für das Management dieser Tierart zu tun.
Vieles, was der Autor in seinen Erfahrungen mit Bürokratie, Naturschutzbehörden aber auch den Gegnern des Wildhundschutzes erlebt hat, erinnert sicherlich auch an die Erfahrungen in Mitteleuropa. Auch hier sind durchaus einige, für das Wolfsmanagement möglicherweise interessante Befunde versteckt. So äußert er sich beispielsweise, und dies ist offenbar nicht nur eine Privatmeinung sondern zumindest in Südafrika auch eine durch Fakten gestützte Erkenntnis, sehr skeptisch über die Wirkung von Kompensationszahlungen. Nach den südafrikanischen Erfahrungen sind Kompensationszahlungen zwar möglicherweise ein Einstieg in ein erfolgreicheres Naturschutzmanagement, sie führen jedoch offensichtlich auf lange Sicht nicht zu einer erhöhten Toleranz gegenüber den Beutegreifern.
Auch die dringende Empfehlung, sich rechtzeitig von solchen Auseinandersetzungen zurückzuziehen, die man ohnehin nicht gewinnen kann, und Zeit, Energie und Ressourcen lieber darauf zu verwenden, sich mit denjenigen Menschen zu beschäftigen, die bereit sind, eventuell auch die eigenen Argumente anzuhören und zu wichten, ist für den alltäglichen Umgang mit allzu fanatischen Wolfsgegnern sicherlich von Vorteil.
In den meisten Fällen, so Whittington-Jones, sind Menschen für offene, ehrliche Kommunikation durchaus ansprechbar, und ein vorausschauendes, durch sinnvolle Gesprächsführung unterstütztes Profil muss also in allen Fällen gefordert werden. Gerade die bisweilen sehr einseitig bis polemisch jagdfeindlich argumentierenden Wolfsschützer sollten sich auch diese Erkenntnis doch mehr zu Herzen nehmen.
Fazit: Wer sich für die Atmosphäre des Prädatorenmanagement im südlichen Afrika interessiert, und/oder in seiner Jugend die Bücher von Grzimek, Jane Goodall und den anderen, Freilandautoren verschlungen hat, findet hier sicherlich eine sehr amüsante und kurzweilige Freizeitliteratur. Wer sich für harte Fakten über Biologie, Ökologie und Schutz des afrikanischen Wildhundes interessiert, wird den Hintergrundbereicht bestenfalls als Untermalung der in anderen Studien gefunden harten Fakten und statistischen Daten benutzen. Trotzdem ist das Buch insgesamt für alle empfehlenswert, die sich mit dem Prädatorenmanagement beschäftigen wollen. (Udo Gansloßer)

04.01.2016

Das Wolfsjahr 2015

Ein Blick zurück von Ulrich Wotschikowsky

Das vergangene Wolfsjahr hatte es wahrhaftig in sich.
Erst zog die Goldstedter (oder Vechta-)Wölfin in Niedersachsen eine blutige Spur durch die Schäferei. Das tut sie immer noch, deshalb ist diese Geschichte noch nicht zu Ende. Ebenfalls in Niedersachsen sorgte das Munsterrudel durch seine ungenierte Annäherung an Menschen wochenlang für Schlagzeilen. Und im Frühjahr marschierte auch noch ein junger Wolf auf Wanderschaft unbekümmert durch Siedlungen und versetzte manche Leute in Angst und Schrecken.
Das Wolfsmanagement war auf solche Ereignisse nicht vorbereitet, wurde kalt erwischt und hat nun viel zu tun, den entstandenen Imageschaden zu reparieren.

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