08.01.2016

NABU: Experimente mit Wölfen sind unzulässig

Jagdaufseher und –pächter handeln gegen die Grundsätze des Landes Niedersachsen

Hannover, Barnstorf – Nach Medienberichten vom 6. Januar 2016 wurde im Landkreis Diepholz eine Wölfin gezielt von einem Jagdaufseher und einem Jagdpächter angefüttert. Anlass dieses "Experiments" sei es gewesen, einen Wolf anzulocken. Welche Konsequenzen diese Handlung auf das Verhalten von Wölfen haben kann, scheinen die beiden Akteure nicht zu wissen. Der NABU Niedersachsen kritisiert die Anfütterung auf das Schärfste und verweist auf die Regelungen im niedersächsischen Wolfskonzept.

Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen, zeigt sich erschrocken: „Einzelne Wölfe, die gefüttert werden bzw. regelmäßig menschliche Speiseabfälle fressen oder sich anderweitig an den Menschen gewöhnen, können sich auffällig vertraut gegenüber Menschen verhalten. Durch solche Habituations-Maßnahmen, wie sie nach Zeitungsberichten im Dezember durchgeführt wurden, kann ein Wolf beginnen, die Nähe des Menschen nicht mehr zu meiden, sondern gezielt zu suchen. Deshalb ist eine Fütterung auch zum einmaligen Anlocken strikt zu unterlassen und muss Konsequenzen haben.“

Eine entsprechende Einschätzung und Regelung ist im bereits im Juni 2010 erschienenen Wolfskonzept des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (Seite 13) nachzulesen: „So soll zum Schutz des Menschen und des Wolfes insbesondere einer Gewöhnung an menschliche Nähe oder Menschen, z.B. durch gezielte Anfütterung, entgegengewirkt werden.“

In diesem Zeitungsartikel wird weiterhin behauptet, dass der „Wildbestand gewaltig reduziert“ wurde und die  Jäger sich zunehmend um das Wild in den Revieren sorgen. Dazu Dr. Buschmann. „Wölfe erbeuten nur einen Teil des Wildes, wie es für andere Räuber-Beute-Beziehungen in der Natur generell gilt. Die Befürchtung, Wölfe im Revier würden den Wald leer fressen, ist unbegründet – das zeigen die Beobachtungen in der Lausitz, wo das Wechselspiel zwischen Beute (Wild) und Jäger (Wolf) seit nunmehr 15 Jahren funktioniert. Das Wild stellt sich nach und nach wieder auf den Wolf ein und wendet dabei seine im Laufe der Evolution entwickelten Feindvermeidungsstrategien an. Z.B. ändert es häufiger seine Einstände (Aufenthaltsorte) und nutzt andere Wechsel (Wege).“

Quellenhinweis Wolfskonzept Niedersachsen:
Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Der Wolf in Niedersachsen - Grundsätze und Maßnahmen im Umgang mit dem Wolf. S. 13, 2. Absatz, 2. Satz. Download hier unter http://www.der-wolf-in-niedersachsen.de/

Hintergrund
Der Wolf ist eine streng geschützte Art nach Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention und der europäischen Naturschutzrichtlinie (FFH-Richtlinie). Auch das Bundesnaturschutzgesetz schützt den Wolf. Es zählt ihn zu den besonders und streng geschützten Arten. Sie unterliegen damit dem umfassenden Schutz der Zugriffs- und Besitzverbote des 44 BNatSchG. Dies betrifft insbesondere das Töten von Wölfen. Verboten ist auch das Töten eines erkennbar schwer verletzten Wolfs beziehungsweise eines Hybriden, sofern dafür keine ausdrückliche Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde vorliegt.

Der Wolf galt bis 2000 in Deutschland als ausgestorben und kehrt dank der Schutzbemühungen auf eigenen Pfoten zurück. Der NABU unterstützt die Rückkehr des Wolfes seit 10 Jahren mit seinem Projekt „Willkommen Wolf!“

















Kommentar d. Redaktion
Wenn tatsächlich in Niedersachsen Jäger und Jagdpächter Wölfe gezielt angefüttert haben, dann ist dies nicht nur extrem dumm - wenn nicht sogar kriminell - sondern zeigt auch, wie unfähig Niedersachsens Regierung in Sachen Wolf ist, wenn sie solche Idioten nicht unter Kontrolle hat. (Foto: Gehegewolf © Gunther Kopp)