05.01.2016

Rezension: African Wild Dogs

African Wild Dogs: On the Front Line
Brendan Whittington-Jones

Jacana Media, 2015
220 Seiten
Sprache: Englisch
ISBN 978-1431421299 (amazon.com)

US $ 23,95 (Taschenbuch)
US $ 9,15 (Kindle)

Rezension
Brendan Whittington-Jones hat ein Buch geschrieben, das seine Erfahrungen im Wildtiermanagement des afrikanischen Wildhundes darstellt. Das Buch liest sich ausgesprochen leicht, und steht in der Tradition großer, im vergangenen halben Jahrhundert veröffentlichter ähnlicher Berichte von Jane Goodall, Iain Douglas- Hamilton, oder auch George Schaller. Die Schilderungen des Verhaltens, der Ökologie und auch der Managementprobleme sind also in eine Erzählung eingebettet, die die siebenjährige Erfahrung des Autors im Hluhluwe-iMfolozi Reservat darstellt. Die Hauptaufgabe von Brendan Whittington-Jones war, eine Strategie für das so genannte Populationsmanagement der afrikanischen Wildhunde zu entwickeln. Durch die zunehmende Aufsplitterung der Bestände in immer kleinere und immer weiter von einander getrennte Reservate sind Strategien für den Genaustausch, bisweilen auch für Umsiedelungen und andere aktive Managementmaßnahmen nötig. Dazu wurden die Hunde mit Sendern bestückt, und ihre Wanderungen, vor allem auch bezüglich einer möglichen Veränderung der Rudelzusammensetzung wurden untersucht. Um mehr Daten gerade bei einer möglichen Rudelspaltung zu erzielen, wurde von jedem Rudel mindestens zwei Tiere besendert. In der Tat konnten mehrere Rudelaufspaltungen und auch mehrere Wiedervereinigungen im Sinne eines Fusion-Fissionssystems dadurch dokumentiert werden. Die Wanderungen erzeugen durchaus einen natürlichen Genaustausch, bisweilen sind Wanderungsentfernungen von 250 bis 600 Kilometern, manchmal sogar über sehr intensiv genutzte landwirtschaftliche Gebiete, belegt. Trotzdem müssen häufig zum Beispiel vereinsamte Junggesellengruppen durch gezielte Umsiedelung weiblicher Tiere aufgestockt werden, und in manchen Fällen ist auch der Fang von abgewanderten Hunden die einzige Möglichkeit, sie vor illegaler Bejagung zu bewahren.
Die bisweilen frustrierenden Erfahrungen des Autors und seiner Mitstreiter/innen, sei es mit Bürokratie, illegal jagdlustigen Landbesitzern, den Medienvertretern (die ständig in kürzester Zeit dramatische Filmszenen erwarten) und der Öffentlichkeit, die viel schneller Erfahrungen und Ergebnisse erwartet, als dies durch gezielte Forschungsprojekte möglich ist, tönen sicherlich für viele im Wolfs- und anderen Kaniden- und Prädatorenmanagement Tätige sehr vertraut. Was Brendan Whittington-Jones ausmacht, ist jedoch der immer wieder aufscheinende Humor, und die in seinen sonstigen Schilderungen durchaus erkennbare Normalität. Hier schreibt kein verbiesterter Ökofreak mit Kräuterteetendenzen, sondern jemand, der durchaus das abendliche oder mittägliche Bier mit den Kollegen ebenso schätzt wie die aus dem Internet geholte elektronische Musik.
Nachteilig für die Verwendung des Buches als Grundlage von wissenschaftlicher Erkenntnis ist, dass weder ein Index noch ein Literaturverzeichnis vorhanden sind. In der Fliestextdarstellung wird immer wieder auf Forschungsergebnisse eigener und anderer Arbeiten hingewiesen, man findet jedoch leider nicht die Originalquellen. Da das Ganze im chronologischen Erzählstil aufgebaut ist, muss man buchstäblich das ganze Buch lesen um an die dort vorhandenen biologisch-ökologischen Sachinformationen zu kommen. Befunde wie die bereits angesprochene lange Wanderungsdistanz von mehreren, meist gemeinsam wandernden Rüden, die geringe Überlebensrate (nur ca. 50% der Jungtiere in Südafrika scheinen zu überleben), die herausragenden und besonders wichtigen Lebensraumeigenschaften, die durch eine Habitatmodellierung errechnet wurden, oder der Rudelzusammenhalt werden eingestreut in die genannten erzählenden Textteile dargeboten.
In ganz Südafrika sind nur noch etwa 450 afrikanische Wildhunde anzutreffen, der Gesamtbestand in Afrika wird auf ca. 6600 Individuen geschätzt.
Es ist also höchste Zeit, etwas für das Management dieser Tierart zu tun.
Vieles, was der Autor in seinen Erfahrungen mit Bürokratie, Naturschutzbehörden aber auch den Gegnern des Wildhundschutzes erlebt hat, erinnert sicherlich auch an die Erfahrungen in Mitteleuropa. Auch hier sind durchaus einige, für das Wolfsmanagement möglicherweise interessante Befunde versteckt. So äußert er sich beispielsweise, und dies ist offenbar nicht nur eine Privatmeinung sondern zumindest in Südafrika auch eine durch Fakten gestützte Erkenntnis, sehr skeptisch über die Wirkung von Kompensationszahlungen. Nach den südafrikanischen Erfahrungen sind Kompensationszahlungen zwar möglicherweise ein Einstieg in ein erfolgreicheres Naturschutzmanagement, sie führen jedoch offensichtlich auf lange Sicht nicht zu einer erhöhten Toleranz gegenüber den Beutegreifern.
Auch die dringende Empfehlung, sich rechtzeitig von solchen Auseinandersetzungen zurückzuziehen, die man ohnehin nicht gewinnen kann, und Zeit, Energie und Ressourcen lieber darauf zu verwenden, sich mit denjenigen Menschen zu beschäftigen, die bereit sind, eventuell auch die eigenen Argumente anzuhören und zu wichten, ist für den alltäglichen Umgang mit allzu fanatischen Wolfsgegnern sicherlich von Vorteil.
In den meisten Fällen, so Whittington-Jones, sind Menschen für offene, ehrliche Kommunikation durchaus ansprechbar, und ein vorausschauendes, durch sinnvolle Gesprächsführung unterstütztes Profil muss also in allen Fällen gefordert werden. Gerade die bisweilen sehr einseitig bis polemisch jagdfeindlich argumentierenden Wolfsschützer sollten sich auch diese Erkenntnis doch mehr zu Herzen nehmen.
Fazit: Wer sich für die Atmosphäre des Prädatorenmanagement im südlichen Afrika interessiert, und/oder in seiner Jugend die Bücher von Grzimek, Jane Goodall und den anderen, Freilandautoren verschlungen hat, findet hier sicherlich eine sehr amüsante und kurzweilige Freizeitliteratur. Wer sich für harte Fakten über Biologie, Ökologie und Schutz des afrikanischen Wildhundes interessiert, wird den Hintergrundbereicht bestenfalls als Untermalung der in anderen Studien gefunden harten Fakten und statistischen Daten benutzen. Trotzdem ist das Buch insgesamt für alle empfehlenswert, die sich mit dem Prädatorenmanagement beschäftigen wollen. (Udo Gansloßer)