27.01.2016

Vermeintliche Wolfsangriffe und unkundige "Wolfsberater" (aktualisiert)

Zwei Meldungen sind mir in den letzten beiden Tagen besonders unangenehm aufgefallen:

1) Angeblich soll ein Jogger in Gartow im Landkreis Lüchow-Danneberg von zwei Jungwölfen an der Hand berührt worden sein. Die einschlägigen Jagdmedien machen sofort einen "Wolfsangriff auf Jogger" daraus. Es wird untersucht, ob es sich nicht um Hunde gehandelt hat.

2) Die nächste Meldung kommt aus Bergen. Dort soll der Hund einer Frau von einem Wolf angefallen worden sein. Verwunderlich, dass sie bei dem "Angriff" noch Zeit gehabt hat, das (entspannte) Tier zu fotografieren ... Hier ist überhaupt noch nichts bewiesen. Die Polizei bestätigt den Vorfall nicht. Dafür wird er gezielt auf der FB-Seite "Wolf-nein-Danke" gepuscht.
Man beachte auch den Kommentar zum Zeitungsartikel, der auf ein FB-Video hinweist. Wo bitte  ist hier ein gefährlicher Wolf zu sehen?

In beiden Fällen empfehlen die vom Land bestellten sogenannten "Wolfsberater", die namentlich erwähnt werden, "auffällige Wölfe zu jagen". Und wer entscheidet, ob sich ein Wolf auffällig verhält? Sicher die Jäger, die sich ja sooo gut auskennen im Verhalten wilder Wölfe. Eine solche Forderung ist meines Erachtens nicht nur ignorant, arrogant und dumm, sondern höchst gefährlich und zeugt von enormer Unkenntnis von Wolfsverhalten seitens dieser "Wolfsberater". Der Wolf bei Bergen trägt ein Radiohalsband, wird also bereits beobachtet- So lässt sich nachweisen, ob und wann er sich beispielsweise Dörfern nähert. Offensichtlich gibt es im Wolfsmanagement von Niedersachsen eine extreme Anti-Wolf-Tendenz. Um so unverständlicher, dass dann weiterhin die Jäger das Monitoring betreiben. Die Regierung hat anscheinend kein Interesse, daran etwas zu ändern. Hoffentlich zahlt sich das bei den nächsten Wahlen aus ...

An die Wolfsberater
Ich möchte hinzufügen, dass es sehr viele sehr kundige Wolfsberater gibt, die einen großartigen Job machen, und das alles ehrenamtlich. Sie stehen zwischen allen Fronten. Ich gestehe - ich hätte nicht die Nerven dazu. Meine Hochachtung an Sie! 
Ich weiß, dass viele von Ihnen kurz davor sind, aufzugeben. Bitte tun Sie es nicht. Sie haben mit so viel Idealismus begonnen und Sie sind die letzte Stütze für die Wölfe und die wichtigste Aufklärung für die Menschen in den Wolfsgebieten.
Informieren Sie sich über das Verhalten von wild lebenden Wölfen, klären Sie auf, dass Jungwölfe, die sich Menschen nähern oder durch Dörfer laufen, nicht gefährlich oder verhaltensauffällig sind. Mit dem unbedachten Vorschlag, solche Wölfe müssten auf Dauer "entnommen" (= getötet) schaden Sie vielen guten Menschen, die jahrelange Aufklärungsarbeit betrieben haben und natürlich letztendlich auch dem Wolf, den Sie mit schützen wollten.

An die Jäger
Ja, ich weiß, es gibt viele von Ihnen die pro-Wolf sind.  Warum hören wir dann immer nur von denen, die der Meinung sind, der Wolf gehöre nicht hierher? Warum treten Sie  nicht vor und sprechen sich öffentlich für den Wolf aus und gegen Ihre ewig gestrigen Kollegen? Räumen Sie in Ihren eigenen Reihen auf. Das ist längst überfällig.