29.04.2016

Stellungnahme von Umweltminister Wenzel zum toten Wolf

Umweltminister Wenzel informiert über den toten Wolf MT 6: Wolfsmanagement auch in Zukunft mit großem Respekt vor der Natur und streng orientiert an den Maßgaben der gesetzlichen Vorschriften

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat heute (Donnerstag) auf einer Pressekonferenz in Hannover darüber informiert, dass der besenderte Wolf aus dem Munsteraner Rudel (MT 6) am Mittwochabend im Landkreis Heidekreis im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr letal entnommen wurde. Mitarbeiter des Wolfsbüros des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) wurden bei der Maßnahme durch die Polizei und weitere Beauftragte unterstützt.

Dazu Umweltminister Stefan Wenzel:
„Seit Sommer des vergangenen Jahres gab es Meldungen über das zeitweise auffällige Verhalten des Wolfs. Das Umweltministerium hat daraufhin unter anderem mit dem intensivierten Monitoring, mit der Besenderung und der Vergrämungsaktion durch den schwedischen Experten eine Vielzahl von Maßnahmen durchgeführt. Nachdem der Wolf in den vergangenen Tagen erneut bei verschiedenen Nahbegegnungen gegenüber Menschen eine auffällige Distanzlosigkeit gezeigt hat, wurde in Übereinstimmung mit Fachleuten und auch in Abstimmung mit dem neuen Wolfsberatungszentrum auf Bundesebene beschlossen, dass eine Entnahme des Tieres erfolgen muss.
Bei allen Maßnahmen des niedersächsischen Wolfsmanagements gilt der Grundsatz, dass die Sicherheit der Menschen im Mittelpunkt steht.
Das Beispiel des Wolfs MT 6 zeigt, dass der Umgang mit Wildtieren im Verhältnis von Mensch und Natur immer wieder auch zu Konflikten führen kann.
Die Diskussion über die Rückkehr der Wölfe wird sowohl politisch als auch in der Bevölkerung zum Teil mit großer Emotionalität geführt.
Alle Beteiligten sind gut beraten, sich beim Wolfsmanagement auch in Zukunft mit großem Respekt vor der Natur und streng an den Maßgaben der gesetzlichen Vorschriften orientiert zu verhalten.
Über den Ausgang der Maßnahme kann sich niemand freuen.
Vielmehr muss das Schicksal des Wolfs aus dem Munsteraner Rudel dazu beitragen, unser Wissen über die Wildtiere zu vermehren und weiterhin mit guten Argumenten und großem Engagement für deren Akzeptanz in der Bevölkerung zu werben.“



28.04.2016

Umweltministerium informiert: Wolf MT6 ist tot

"Kurti" ist tot

Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz hat darüber informiert, dass der besenderte Wolf aus dem Munsteraner Rudel (MT6) tot ist. Entsprechend der Anordnung des Ministeriums wurde das Tier am Mittwochabend im Landkreis Heidekreis im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr letal entnommen. Über die weiteren Zusammenhänge wird das Ministerium heute (Donnerstag) in Hannover informieren.


26.04.2016

Rezension: Der letzte Wolf

Der letzte Wolf
Universum Film GmbH, März 2016
Darsteller: Feng Shao-feng, Shawn Dou, Ankhnyam Ragchaa
Regisseur: Jean-Jacques Annaud
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Spieldauer: 119 Minuten
11,97 € (Blue-ray)
8,97 € (DVD)

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Inhalt
China 1967. Der Student Chen Zhen wird in die Innere Mongolei geschickt. Hier, im majestätisch sich erhebenden, grenzenlosen Grasland, soll er den Schäfern Lesen und Schreiben beibringen. Doch seine Leidenschaft gilt vom ersten Tag an der archaischen Wildnis und dem von den Nomaden am meisten gefürchteten und am meisten verehrten Tier: dem Wolf. Allen Warnungen zum Trotz beobachtet er heimlich die stürmischen Raubzüge der Wolfsrudel. So wird er Zeuge urgewaltiger Jagdszenen und ist tief bewegt von der Erhabenheit, die von dem erschreckend schönen und ebenso tödlichen Tier ausgeht. Als aus Peking der Befehl eintrifft, die Wölfe als Gefahr für Vieh und Mensch auszuschalten und alle Wolfsjungen zu töten, rettet Chen Zhen einen jungen Wolf und zieht ihn auf. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen dem jungen Mann und dem kleinen Tier, doch das Wolfsrudel vergisst nicht, was ihm genommen wurde ...

Rezension
Die Filme von Jean-Jacques Annaud sind schön und brutal zugleich. Ich kann sie nur sehr schwer einschätzen beziehungsweise das, was sie mit mir machen. Als ich das erste Mal den Film "Der Bär“ sah, musste ich mitten in der Szene, als der Bär die Pferde angriff, rausgehen, weil ich die Grausamkeiten nicht ertrug. Ähnlich geht es mir auch bei vielen Szenen von „Der letzte Wolf“. Auf der einen Seite zeigt er grandiose Naturbilder einer einzigartigen Landschaft und wunderschöne Wolfsaufnahmen. Auf der anderen Seite habe ich streckenweise die Augen geschlossen, weil ich die Brutalität gegenüber den Wölfen und die Jagdszenen nicht mehr ertragen habe. Das war auch der Grund, warum mir die Lektüre des Buches „Der Zorn der Wölfe“ von schon so schwer gefallen ist. Annaud schafft es, dass man als Zuschauer schockiert ist, sodass man weglaufen möchte, und gleichzeitig fasziniert an der Leinwand „klebt“, weil man so von den Aufnahmen gefesselt ist, dass man sich nicht lösen kann. Im Grunde sind seine Filme wie das Leben: brutal und atemberaubend schön zugleich. „Der letzte Wolf“ ist nichts für zarte Gemüter. Aber um alle Aspekte zu erfassen, muss man manches einfach aushalten.
Der Konflikt, auf den der Student Chen Zhen 1967 trifft, ist nicht neu und gerade heute auch in Deutschland wieder hochaktuell. Wölfe töten die Schafe der Hirten und gefährden damit ihre Lebensgrundlage. Die Regierung sieht nur die Möglichkeit, die Wölfe (einschl. aller Welpen) zu töten.
Im Film geht es um den Konflikt von Nomaden und Sesshaften. Die Wölfe symbolisieren das Leben der Nomaden. Sie sind ein Teil ihrer Kultur und werden verehrt. In diese Welt werden von der Regierung „im Namen des Fortschritts“ Bauern angesiedelt. Sie brechen mit ihrer Technik in die heile Welt der Nomaden ein. Wölfe sind plötzlich eine Gefahr für Mensch und Tier und sollen getötet werden. Der vermeintliche Fortschritt wird zur Vernichtungsaktion.
Chen Zhen ist fasziniert von den Wölfen, rettet einen jungen Wolf und zieht ihn heimlich auf. Zwischen ihm und dem Tier entsteht eine tiefe Freundschaft.
Zur Beruhigung für die Wolfsfreunde: Selbstverständlich wurden keine echten Tiere gequält oder getötet. Vielmehr hat man hier überwiegend mit Animationen und allen technischen Tricks der Filmindustrie gearbeitet. Für die echten Aufnahmen wurden 35 Wölfe Wölfe über drei Generationen hinweg aufgezogen und für die oft sehr schwierigen Szenen trainiert. Sechzehn von ihnen wurden tatsächlich im Film verwendet. Die Wölfe sind nun in „Rente“ und leben alle auf einer Farm in Kanada.
Wichtig ist für mich die Message, die der Film vermittelt. Es geht um die Bedeutung von Mensch und Tier, die gemeinsam das Land teilen, und darum, dass die Natur im Gleichgewicht sein muss und Wölfe ein wichtiger Teil davon sind.
In den Extras der Blue-ray Edition erfährt man im Interview mit dem Regisseur, wie viel Sorgfalt die Filmcrew darauf verwendet hat, das Land so zu verlassen, wie sie es vor den Aufnahmen vorgefunden haben.
Ich habe mich schwergetan mit der Bewertung der Punkte. Eigentlich hätte der Film für seine grandiosen Aufnahmen, die Kameraführung, die Musik und die Darstellung des menschlichen und politischen Konfliktes die volle Punktzahl verdient. Wegen der brutalen Szenen ziehe ich jedoch einen Punkt ab. Wer es aushält, der sollte sich den Film auf jeden Fall anschauen. (ehr)

25.04.2016

Wichtige Mitteilung: Niedersachsen: Ministerium ordnet Entnahme des besenderten Wolfs vom Truppenübungsplatz Munster an

Die Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz Almut Kottwitz hat am (heutigen) Montag den Umweltausschuss des Landtages über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem besenderten Wolf vom Truppenübungsplatz Munster (MT6) unterrichtet.
Das Tier hatte bei Nahbegegnungen mit Spaziergängern im Landkreis Celle gestern und heute eine auffällige Distanzlosigkeit gezeigt. Daraufhin haben Experten des Wolfsbüros aus dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) den Ablauf vor Ort untersucht. Das Umweltministerium hat den Auftrag erteilt, den Wolf zu betäuben und ihn in ein Gehege zu transportieren.
„Nach den aktuellen Erkenntnissen hat sich das Tier mit kaum noch erkennbarer Scheu den Spaziergängern so dicht genähert, dass wir veranlasst haben, unverzüglich für eine Entnahme zu sorgen“, sagte die Staatssekretärin.
Über den weiteren Ablauf wird informiert.
(Pressemeldung Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz)

22.04.2016

Fotonachweis eines Wolfs in Nordhessen

Hessen bietet im Rahmen des Wolfsmanagements alle wichtigen Informationen zum Wolf
„Es zeigt sich, dass es die richtige Entscheidung war, ein hessisches Wolfsmanagement zu installieren. Nach der Vorstellung des hessischen Wolfsmanagements im vergangenen August wurde jetzt erstmalig ein lebender Wolf durch eine Aufnahme einer Fotofalle gesichtet“, erklärte Hessens Umweltministerin Priska Hinz. Anfang März diesen Jahres ist ein mutmaßlicher Wolf in Nordhessen von einer Fotofalle aufgenommen worden. Ein Wissenschaftler entdeckte das Foto bei der Kontrolle der Fotofalle am Dienstag, 19. April. Die Kamera hatte das Tier am 3. März 2016 nahe dem Ortsteil Wellerode der Gemeinde Söhrewald im Landkreis Kassel  erfasst.
Seit der Vorstellung des hessischen Wolfsmanagements durch Umweltministerin Priska Hinz am 3. August 2015 ist dies der erste behördlich bestätigte Nachweis eines Wolfs in Hessen. Die Aufnahme erfolgte am Rand eines waldreichen, siedlungs- und verkehrsarmen Gebiets, in dem sich bereits Wildkatzen und Luchse angesiedelt haben und in dem die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung damit am höchsten ist. Die Herkunft des Tieres und sein weiterer Verbleib sind unbekannt.
Seit 2006 werden in Hessen immer wieder einzelne durchziehende Wölfe registriert. Es ist deshalb wichtig, das künftige Zusammenleben von Wölfen und Menschen vorzubereiten. Im Rahmen des hessischen Wolfsmanagements wurden eine eigene Homepage und eine Wolf-Hotline eingerichtet, die bei allen Fragen zum Thema Wolf erste Informationen, die richtigen Ansprechpersonen oder Vorgehensweisen vermittelt. Die Wolfs-Hotline wird gut von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen. Zudem steht ein Merkblatt mit den wichtigsten Verhaltensweisen bei einem Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Wolf im Internet zur Verfügung.
Für den Fall, dass sich ein Wolfsrudel dauerhaft in Hessen ansiedelt, hat das Umweltministerium Vorbereitungen getroffen. Das Land kooperiert eng mit Schafhaltern, um den Herdenschutz in Hessen weiter voranzutreiben. Alle Regierungspräsidien wurden bereits für Notfälle mit einem elektrischen Herdenschutzzaun ausgestattet, der im Fall eines nachweislichen Schafsrisses ausgeliehen werden kann. Um das wissenschaftliche Monitoring voranzubringen, hat das Land eine offizielle Wolfbeauftragte. Zusätzlich bildet das Land für alle hessischen Landkreisen jeweils zwei ehrenamtliche „Wolfsberater“ aus, die unterstützend tätig werden.
Das nun entdeckte Foto gelang im Rahmen eines Monitoring-Projekts des Verhaltungsökologen Dr. Markus Port von der Universität Göttingen, der mit Fotofallen eigentlich die Ausbreitung und Raumnutzung von Luchsen in Nordhessen untersucht. Kooperationspartner dieses Untersuchungsprojekts ist die Naturschutzabteilung des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLNUG). Das HLNUG koordiniert als Naturschutzfachdienststelle die Untersuchung geschützter Säugetierarten in Hessen. Die Wolfsbeauftragte des Landes Hessen beim HLNUG bestätigte das aufgenommene Tier als Wolf.
„Eine erste Bilanz unseres hessischen Wolfsmanagements werden wir im Herbst dieses Jahres vorlegen. Dann werden wir mit Sicherheit auch darüber berichten, ob und wie wir das Wolfsmanagement den aktuellen Entwicklungen anpassen“, erklärte Ministerin Hinz abschließend. Vor einem Jahr war an der Autobahn A 66 im Spessart und am Preungesheimer Dreieck im Stadtgebiet Frankfurt jeweils ein Wolf überfahren und dabei getötet worden. (Quelle)


Das Foto des Wolfes aus der Fotofalle
© HMUKLV



20.04.2016

Aktuelle Informationen zu den Wölfen in Sachsen April 2016

Aktuelle Verbreitung in Sachsen
Das Monitoringjahr* 2015/2016 läuft noch bis Ende April. Im Anschluss werden alle im Jahr gesammelten Daten zusammenfassend ausgewertet. Der abschließende Stand zur Verbreitung von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2015/16 wird deshalb erst im Sommer bzw. Frühherbst bekannt sein.
Im letzten Monitoringjahr 2014/2015* wurden in Sachsen zehn Wolfsrudel und ein territorialer Wolf (Hohwald) nachgewiesen. Im Laufe der letzten Monate konnten zwei neue Rudel bestätigt werden. Es handelt sich dabei um das Gohrischheide- und das Königshainer Berge Rudel. Damit gibt es nach aktuellem Kenntnisstand in Sachsen zwölf Wolfsrudel. Ob die territoriale Fähe im Hohwald-Territorium inzwischen einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Zehn der derzeit bestätigten Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Drei Territorien sind grenzübergreifend: zwei zu Brandenburg und ein weiteres zur Tschechischen Republik (Abb.1). Darüber hinaus haben drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z) einen kleinen Teil ihres Gebiets auf sächsischer Seite. Da der größere Teil der Territorien in anderen Ländern liegt werden sie in den jeweiligen Nachbarländern mitgezählt.


Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen (Stand April 2016). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen weitere Wolfsterritorien. Die Schraffierungen kennzeichnen die Gebiete Löbau/Zittau in dem die Situation noch nicht geklärt ist (Status unklar). (Copyright LUPUS)

In den Landkreisen Görlitz und Bautzen südlich der A4 gibt es weitere einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe. Dies betrifft die Bereiche Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf a.d. Eigen und Zittau. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht den Status zu klären.

Zur Klärung der Situation in diesen Gebieten sind Hinweise aus der Bevölkerung sehr hilfreich. Neben Sichtungsmeldungen sind auch zeitnahe Hinweise auf Losungen (Wolfskot), Spuren oder Risse, wenn möglich mit Fotos, interessant.
Bitte melden Sie Hinweise zeitnah an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@lupus-institut.de) oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de).

Tote Wölfe:
Im Jahr 2016 wurden bisher zwei Wölfe tot aufgefunden. Eine Wolfsfähe wurde am 13. Februar nahe Burghammer (LK Bautzen) tot gefunden. Es handelt sich um eine erwachsene Tochter des Milkeler Rudels. Das Tier war dem Wolfsmonitoring über Fotofallenaufnahmen bekannt. Es humpelte stark und wies ausgeprägte Räudesymptome auf. Die Untersuchung am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin ergab, dass eine Vorderpfote mehrfach gebrochen war. Durch die mit der Verletzung einhergehende Schwächung des Organismus wurde das Ausheilen der Räude wahrscheinlich behindert. Das Tier war zum Zeitpunkt des Todes stark abgemagert.
Ende Februar (28.02.) wurde auf der S94 bei Biehla (LK Bautzen) ein männlicher Welpe bei einem Verkehrsunfall getötet. Die Verwandtschaftsanalyse ergab, dass er aus dem Rosenthaler Rudel stammt.

Herdenschutz:
Im Jahr 2016 (Stand: 15.04.2016) gingen bislang insgesamt neun Meldungen zu Nutztierschäden beim sächsischen Wolfsmanagement ein. Davon konnte in fünf Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden. Dabei kamen 83 Nutztiere zu Schaden. Es handelte sich um 70 Schafe, 3 Ziegen, 8 Stück Damwild und 2 Mufflons.
Am 22.02.2016 berichtete das Kontaktbüro über einen Wolfsangriff auf eine Schafsherde am Rand der Königsbrücker Heide. Die abschließende Schadensbilanz ergab 67 tote Schafe und 3 tote Ziegen, sowie drei vermisste Tiere. 61 Tiere konnten lebend wieder eingefangen werden.
Die betroffene Herde wird seit einigen Jahren in der Königsbrücker Heide zur Heidepflege eingesetzt und dabei an verschiedenen Standorten jeweils in einer dem Mindestschutz entsprechenden Koppel (Elektrozäune) gehalten. Bis zu diesem Vorfall gab es keine Übergriffe der im Naturschutzgebiet lebenden Wölfe auf diese Herde. Anhand der vorgefundenen Indizien konnte festgestellt werden, dass der dem Mindestschutz entsprechende Zaun an zwei Stellen umgefallen war und die Herde aus dem Zaun ausbrechen konnte. Die toten Tiere lagen fast ausschließlich außerhalb der Koppel. Die Ursache für den umgefallenen Zaun konnte nicht sicher festgestellt werden.
Es handelt sich bei diesem Vorfall um den größten Nutztierschaden, den es bislang bei einem Wolfsübergriff in Sachsen gab. Übergriffe in diesem Umfang sind zwar selten, aber nicht außergewöhnlich. Das Phänomen von Mehrfachtötungen (surplus killing), ohne dass alle getöteten Tiere gefressen werden, ist von Wölfen und anderen Beutegreifern, wie z.B. Marder oder Fuchs im Hühnerstall bzw. auch von Hunden, bekannt. Mit einem „Blutrausch“ hat dieses Verhalten nichts zu tun.
Mehrfachtötungen treten fast ausschließlich unter „künstlichen“ Bedingungen auf. Bei der Jagd auf freilebende Beutetiere haben Beutegreifer kaum Gelegenheit mehr als ein Tier zu töten - aufgrund der Feinvermeidungsstrategien der Beutetiere. Bei Übergriffen auf Nutztiere, welche meist in hoher Dichte auf relativ kleinem und zudem begrenztem Raum stehen, und bei welchen das Fluchtverhalten durch die Domestikation deutlich abgeschwächt ist, bietet sich den Beutegreifern ein Überangebot von verfügbarer Nahrung. Diese günstige Gelegenheit veranlasst dazu, mehr Tiere zu töten, als sogleich verzehrt werden können. Die Beutegreifer würden ggf. zu einem anderen Zeitpunkt zum angelegten „Vorrat“ zurückkehren bzw. einen Teil der Nahrung zur späteren Nutzung vergraben. Dieses Verhalten wird durch die Entsorgung der Kadaver unterbunden. Wölfe sollen sich nicht an Nutztiere als Beute gewöhnen.

Seit dem 01.03.2016 steht Tierhaltern in Sachsen neben dem bisherigen Sachbearbeiter für Präventionsberatung vom Staatsbetrieb Sachsenforst, Herrn Klingenberger, ein weiterer Ansprechpartner zur Verfügung. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat zusätzlich Herrn Ulrich Klausnitzer mit der Beratung zum Herdenschutz beauftragt. Herr Klausnitzer ist Diplom-Agraringenieur und Inhaber des Fachbüros für Naturschutz und Landschaftsökologie in Roßwein OT Haßlau.

Dabei sind die Zuständigkeiten regional wie folgt aufgeteilt:

Herr Klausnitzer, Tel. 0151 / 50551465
Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz

Herr Klingenberger, Tel. 0172 / 3757602
Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden

*Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.

Abkürzungen:
LK – Landkreis
RL NE – Richtlinie „Natürliches Erbe“

16.04.2016

Landtag Niedersachsen: Aktuelle Anfragen zum Wolf


Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf verschiedene mündliche Anfrage der Abgeordneten geantwortet.
  1. Was beinhaltet der "Wolfserlass" genau?
  2. Wird die Landesregierung den Wolf an die Jägerschaft Burgdorf übergeben?
  3. Erneute Nahkontakte mit einem besenderten Wolf - Und nun?
  4. Inwieweit sind Vergrämungen Tierversuche?

Alle ausführlichen Antworten hier ...

14.04.2016

Lausitz: Radtour ins Wolfsgebiet

Am 16.04.16 lädt das Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz" zu einem Wolfsvortrag mit anschließender Spurenexkursion mit dem Fahrrad ein.
Treffpunkt ist um 10.30 Uhr an der Wolfsscheune im Erlichthof Rietschen.
In einem reich bebilderten Vortrag werden Hintergrundinformationen und Aktuelles über die Wölfe in Sachsen vermittelt. Im Anschluss begeben sich die Teilnehmer mit ihrem Fahrrad auf eine ca. 3-stündige geführte Spurenexkursion ins Wolfsgebiet.

Die Teilnahme an Vortrag und Exkursion ist kostenlos. Die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt, daher ist eine Anmeldung erforderlich: Tel. 035772 46762 oder Mail: kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de
Es besteht die Möglichkeit Fahrräder bei der Touristinformation im Erlichthof zu reservieren und auszuleihen. Tel.: 035772 40235


Foto Copyright: Ralph Frank


13.04.2016

Rezension: Laufen. Essen. Schlafen

Laufen. Essen. Schlafen.
Eine Frau, drei Trails und 12.700 Kilometer Wildnis

Christine Thürmer
Malik, 2016
288 Seiten
ISBN 978-3890294711
16,90 €

Bestellen Sie das Buch hier

Inhalt
Als Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist – zu Fuß, per Fahrrad oder Boot. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

Rezension
Um den Titel gleich zu aktualisieren. Christine Thürmer ist inzwischen 33.000 km gewandert, 30.000 km geradelt und 6.000 km gepaddelt. Ohne Zweifel: diese Frau muss süchtig sein nach Freiheit, Natur, Wandern, Unterwegssein.
Als ich das Buch las, musste ich schmunzeln und an meine eigenen Wanderträume denken, die ich vor 20 Jahren hatte. Ich wollte den „American Discovery Trail“ laufen, der mehr als 6.800 Meilen von der Ost- zur Westküste Amerikas verläuft und gerade erst fertiggestellt war. Und nun sitze ich hier, lese Frau Thürmers Buch und frage mich, was passiert ist und warum ich nicht gewandert bin, so wie die Autorin? Um es mit John Lennon zu beantworten: Das Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen. Mir kamen andere Träume „dazwischen“, die ich mir erfüllt habe. Aber auch ich bin komplett ausgestiegen wie die Autorin. Ich konnte daher beim Lesen des Buches jeden Moment, jedes Gefühl und jede Minute nachempfinden.
Christine Thürmer stolpert wie jeder „Frischling“ von einem Fettnäpfchen ins nächste, macht Fehler, aus denen sie schnell lernt. Besonders spannend waren für mich auch die Kapitel aus Deutschland zu lesen. Fasziniert war ich von den Vorbereitungen für eine Ultralight-Tour: Zahnbürste auf die Hälfte kürzen (da hätten es doch auch die Finger als Ersatz getan, oder?), Etiketten aus den Kleidern trennen (was nicht alles „Gewicht“ sein kann), die genauen Excel-Tabellen, um das Gewicht auszurechnen (welcher Weitwanderer kommt überhaupt auf solche eine Idee, wohl nur eine Excel-Spezialistin wie Frau Thürmer).
Mit jeder Seite habe ich etwas dazu gelernt, das ich nunmehr auch bei deutlich kürzeren Wanderungen gebrauchen kann wie z.B. Trailrunner statt Wanderstiefeln! Sehr viel mehr zur Ausrüstung findet man auf dem Blog der Autorin (in englischer Sprache), den man sich unbedingt anschauen sollte, denn hier gibt es noch viele weitere Beschreibungen von Trips, die sie gemacht hat.
Dass sie damit nicht aufhören wird, davon gehe ich nach dem Lesen des Buches aus. Denn das Langstreckenwandern ist ihr „Kick“, nach dem sie süchtig ist.
Mir haben im Buch besonders die Beschreibungen der vielen Mitwanderer und der „Trail Angels“ (toll, dass es sowas gibt) gefallen. Auch die unterschiedlichen Schönheiten und Schwierigkeiten der drei Trails waren treffend und sehr bildhaft geschildert, wobei ich mir ursprünglich den AT eigentlich als den „einfachsten“ Trail vorgestellt hatte. Man kann vom Lesen Muskelkater bekommen.
Und über allem steht das Motto aller Thruhiker: Was ist dir wichtiger, der Trail oder alles andere? Wenn der Trail an erster Stelle steht, dann schaffst du es auch als Thruhiker. Ein bemerkenswertes und unbedingt lesenswertes Buch über Widerstände, die man überwinden, Wetter, das man aushalten und Träume, die man leben muss.
Ich möchte an dieser Stelle jedem zurufen: Lebt eure Träume. Wenn nicht jetzt, wann dann? (ehr)

12.04.2016

Sachsen: Herdenschutzmaßnahmen Voraussetzung für Schadensausgleichszahlungen bei Wolfsrissen


Übergangsfrist ist ausgelaufen / Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen ist sachsenweit Voraussetzung für Schadensausgleichszahlungen bei Wolfsrissen

Vor einem knappen Jahr wurde das Fördergebiet zum präventiven Herdenschutz gegen Wolfsübergriffe auf den gesamten Freistaat Sachsen erweitert. Das heißt, dass seitdem alle Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen Fördermittel zur Sicherung ihrer Nutztiere beantragen können. Die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen, Sächsische Schweiz – Osterzgebirge sowie Teile der Landkreise Mittelsachsen, Leipzig und Nordsachsen waren bereits seit 2011 in der Förderkulisse.

Die Tierhalter im neu dazugekommenen Fördergebiet hatten ein Jahr Zeit, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Mit Ablauf dieser Frist am 09.02.2016 gilt nun überall in Sachsen: Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild haben nur Anspruch auf Schadensausgleich, wenn bei einem Nutztierriss durch einen Wolf der vorgeschriebene Mindestschutz vorhanden war. Entschädigung von nicht oder unzureichend geschützten Nutztieren wird nicht mehr geleistet.

Als Mindestschutz gelten nach wie vor mind. 90 cm hohe, stromführende Elektrozäune (Stromnetze, Litzenzäune mit mindestens 5 Litzen) oder 120 cm hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material, mit festem Bodenabschluss.
Die Meldung eines Schadens muss durch den Tierhalter innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Landratsamt erfolgen. An Wochenenden oder Feiertagen gibt es Bereitschaftspläne. Der Kontakt zu den Rissgutachtern kann auch über die Rettungs- oder Polizeileitstellen hergestellt werden.

Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern haben weiterhin die Möglichkeit, sich im Rahmen der Förderrichtlinie "Natürliches Erbe" Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe (Anschaffung von Elektrozäunen, Flatterband und Herdenschutzhunden, Installation von Unterwühlschutz bei Wildgattern) fördern zu lassen. Der Fördersatz liegt bei 80 % der förderfähigen Ausgaben (vom Netto).

Weiterer Ansprechpartner zum Thema Herdenschutz und Fördermöglichkeiten
Seit dem 01.03.2016 steht den Tierhaltern in Sachsen neben dem bisherigen Sachbearbeiter für Präventionsberatung gegen Wolfsübergriffe auf Nutztiere, Herrn Klingenberger, ein weiterer Ansprechpartner zur Verfügung. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat für zwei Jahre Herrn Ulrich Klausnitzer mit der Beratung von Tierhaltern bezüglich Herdenschutz beauftragt. Herr Klausnitzer ist Diplom-Agraringenieur und Inhaber des Fachbüros für Naturschutz und Landschaftsökologie in Roßwein OT Haßlau.

Tierhalter, die Fragen zum Herdenschutz bzw. zur Förderung von präventiven Schutzmaßnahmen haben oder Hilfe bei der Antragstellung brauchen, können sich an einen der folgenden Sachbearbeiter wenden.

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer (Tel. 0151 / 5055 1465, E-Mail herdenschutz@klausnitzer.org).

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in Malschwitz OT Wartha (Tel. 0172 / 3757 602, E-Mail andre.klingenberger@smul.sachsen.de).

Mehr Informationen zu den Förderrichtlinien, den Antragsformularen und zum Herdenschutz bekommen Sie außerdem auf folgenden Seiten:
-    Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL): http://www.smul.sachsen.de/foerderung/3528.htm
-    Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“: http://www.wolfsregion-lausitz.de

08.04.2016

Schleswig-Holstein: Wolf war Verursacher für den Verlust eines Schafes bei St. Peter-Ording im März 2016



FLINTBEK / ST. PETER-ORDING. Am 20. März 2016 wurde in der Gemeinde St. Peter-Ording im Kreis Nordfriesland bei einer Kontrolle des Tierhalters ein verletztes Schaf auf einer Weide aufgefunden. Aufgrund der Schwere der festgestellten Verletzungen musste das Tier durch einen herbeigerufenen Tierarzt eingeschläfert werden.

Im Rahmen der routinemäßigen Untersuchungen des Vorfalls durch die Mitarbeiter des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements wurde der Vorfall aufgenommen und Proben zur Durchführung genetischer Untersuchungen genommen. Die Untersuchung dieser Proben im zuständigen nationalen Referenzzentrum für die Untersuchung genetischer Proben beim Wolf hat nun ergeben, dass eindeutig ein Wolf Verursacher des Tierverlustes war.

Der aktuelle Wolfsnachweis im Kreis Nordfriesland ist damit der 24. Fall, in dem das Auftreten eines Wolfes sicher in Schleswig-Holstein nachgewiesen werden konnte. Seit dem oben genannten Vorfall hat es keine weiteren Zwischenfälle in der betreffenden Region mehr gegeben.

Der betroffene Schafhalter wurde durch Mitarbeiter des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements umgehend über das Ergebnis der genetischen Untersuchungen informiert und hat nun die Möglichkeit, den durch den Tod des Schafes erlittenen finanziellen Schaden erstattet zu bekommen. (Quelle)