20.04.2016

Aktuelle Informationen zu den Wölfen in Sachsen April 2016

Aktuelle Verbreitung in Sachsen
Das Monitoringjahr* 2015/2016 läuft noch bis Ende April. Im Anschluss werden alle im Jahr gesammelten Daten zusammenfassend ausgewertet. Der abschließende Stand zur Verbreitung von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2015/16 wird deshalb erst im Sommer bzw. Frühherbst bekannt sein.
Im letzten Monitoringjahr 2014/2015* wurden in Sachsen zehn Wolfsrudel und ein territorialer Wolf (Hohwald) nachgewiesen. Im Laufe der letzten Monate konnten zwei neue Rudel bestätigt werden. Es handelt sich dabei um das Gohrischheide- und das Königshainer Berge Rudel. Damit gibt es nach aktuellem Kenntnisstand in Sachsen zwölf Wolfsrudel. Ob die territoriale Fähe im Hohwald-Territorium inzwischen einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Zehn der derzeit bestätigten Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Drei Territorien sind grenzübergreifend: zwei zu Brandenburg und ein weiteres zur Tschechischen Republik (Abb.1). Darüber hinaus haben drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z) einen kleinen Teil ihres Gebiets auf sächsischer Seite. Da der größere Teil der Territorien in anderen Ländern liegt werden sie in den jeweiligen Nachbarländern mitgezählt.


Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen (Stand April 2016). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen weitere Wolfsterritorien. Die Schraffierungen kennzeichnen die Gebiete Löbau/Zittau in dem die Situation noch nicht geklärt ist (Status unklar). (Copyright LUPUS)

In den Landkreisen Görlitz und Bautzen südlich der A4 gibt es weitere einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe. Dies betrifft die Bereiche Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf a.d. Eigen und Zittau. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht den Status zu klären.

Zur Klärung der Situation in diesen Gebieten sind Hinweise aus der Bevölkerung sehr hilfreich. Neben Sichtungsmeldungen sind auch zeitnahe Hinweise auf Losungen (Wolfskot), Spuren oder Risse, wenn möglich mit Fotos, interessant.
Bitte melden Sie Hinweise zeitnah an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@lupus-institut.de) oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de).

Tote Wölfe:
Im Jahr 2016 wurden bisher zwei Wölfe tot aufgefunden. Eine Wolfsfähe wurde am 13. Februar nahe Burghammer (LK Bautzen) tot gefunden. Es handelt sich um eine erwachsene Tochter des Milkeler Rudels. Das Tier war dem Wolfsmonitoring über Fotofallenaufnahmen bekannt. Es humpelte stark und wies ausgeprägte Räudesymptome auf. Die Untersuchung am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin ergab, dass eine Vorderpfote mehrfach gebrochen war. Durch die mit der Verletzung einhergehende Schwächung des Organismus wurde das Ausheilen der Räude wahrscheinlich behindert. Das Tier war zum Zeitpunkt des Todes stark abgemagert.
Ende Februar (28.02.) wurde auf der S94 bei Biehla (LK Bautzen) ein männlicher Welpe bei einem Verkehrsunfall getötet. Die Verwandtschaftsanalyse ergab, dass er aus dem Rosenthaler Rudel stammt.

Herdenschutz:
Im Jahr 2016 (Stand: 15.04.2016) gingen bislang insgesamt neun Meldungen zu Nutztierschäden beim sächsischen Wolfsmanagement ein. Davon konnte in fünf Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden. Dabei kamen 83 Nutztiere zu Schaden. Es handelte sich um 70 Schafe, 3 Ziegen, 8 Stück Damwild und 2 Mufflons.
Am 22.02.2016 berichtete das Kontaktbüro über einen Wolfsangriff auf eine Schafsherde am Rand der Königsbrücker Heide. Die abschließende Schadensbilanz ergab 67 tote Schafe und 3 tote Ziegen, sowie drei vermisste Tiere. 61 Tiere konnten lebend wieder eingefangen werden.
Die betroffene Herde wird seit einigen Jahren in der Königsbrücker Heide zur Heidepflege eingesetzt und dabei an verschiedenen Standorten jeweils in einer dem Mindestschutz entsprechenden Koppel (Elektrozäune) gehalten. Bis zu diesem Vorfall gab es keine Übergriffe der im Naturschutzgebiet lebenden Wölfe auf diese Herde. Anhand der vorgefundenen Indizien konnte festgestellt werden, dass der dem Mindestschutz entsprechende Zaun an zwei Stellen umgefallen war und die Herde aus dem Zaun ausbrechen konnte. Die toten Tiere lagen fast ausschließlich außerhalb der Koppel. Die Ursache für den umgefallenen Zaun konnte nicht sicher festgestellt werden.
Es handelt sich bei diesem Vorfall um den größten Nutztierschaden, den es bislang bei einem Wolfsübergriff in Sachsen gab. Übergriffe in diesem Umfang sind zwar selten, aber nicht außergewöhnlich. Das Phänomen von Mehrfachtötungen (surplus killing), ohne dass alle getöteten Tiere gefressen werden, ist von Wölfen und anderen Beutegreifern, wie z.B. Marder oder Fuchs im Hühnerstall bzw. auch von Hunden, bekannt. Mit einem „Blutrausch“ hat dieses Verhalten nichts zu tun.
Mehrfachtötungen treten fast ausschließlich unter „künstlichen“ Bedingungen auf. Bei der Jagd auf freilebende Beutetiere haben Beutegreifer kaum Gelegenheit mehr als ein Tier zu töten - aufgrund der Feinvermeidungsstrategien der Beutetiere. Bei Übergriffen auf Nutztiere, welche meist in hoher Dichte auf relativ kleinem und zudem begrenztem Raum stehen, und bei welchen das Fluchtverhalten durch die Domestikation deutlich abgeschwächt ist, bietet sich den Beutegreifern ein Überangebot von verfügbarer Nahrung. Diese günstige Gelegenheit veranlasst dazu, mehr Tiere zu töten, als sogleich verzehrt werden können. Die Beutegreifer würden ggf. zu einem anderen Zeitpunkt zum angelegten „Vorrat“ zurückkehren bzw. einen Teil der Nahrung zur späteren Nutzung vergraben. Dieses Verhalten wird durch die Entsorgung der Kadaver unterbunden. Wölfe sollen sich nicht an Nutztiere als Beute gewöhnen.

Seit dem 01.03.2016 steht Tierhaltern in Sachsen neben dem bisherigen Sachbearbeiter für Präventionsberatung vom Staatsbetrieb Sachsenforst, Herrn Klingenberger, ein weiterer Ansprechpartner zur Verfügung. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat zusätzlich Herrn Ulrich Klausnitzer mit der Beratung zum Herdenschutz beauftragt. Herr Klausnitzer ist Diplom-Agraringenieur und Inhaber des Fachbüros für Naturschutz und Landschaftsökologie in Roßwein OT Haßlau.

Dabei sind die Zuständigkeiten regional wie folgt aufgeteilt:

Herr Klausnitzer, Tel. 0151 / 50551465
Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz

Herr Klingenberger, Tel. 0172 / 3757602
Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden

*Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.

Abkürzungen:
LK – Landkreis
RL NE – Richtlinie „Natürliches Erbe“