26.04.2016

Rezension: Der letzte Wolf

Der letzte Wolf
Universum Film GmbH, März 2016
Darsteller: Feng Shao-feng, Shawn Dou, Ankhnyam Ragchaa
Regisseur: Jean-Jacques Annaud
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Spieldauer: 119 Minuten
11,97 € (Blue-ray)
8,97 € (DVD)

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Inhalt
China 1967. Der Student Chen Zhen wird in die Innere Mongolei geschickt. Hier, im majestätisch sich erhebenden, grenzenlosen Grasland, soll er den Schäfern Lesen und Schreiben beibringen. Doch seine Leidenschaft gilt vom ersten Tag an der archaischen Wildnis und dem von den Nomaden am meisten gefürchteten und am meisten verehrten Tier: dem Wolf. Allen Warnungen zum Trotz beobachtet er heimlich die stürmischen Raubzüge der Wolfsrudel. So wird er Zeuge urgewaltiger Jagdszenen und ist tief bewegt von der Erhabenheit, die von dem erschreckend schönen und ebenso tödlichen Tier ausgeht. Als aus Peking der Befehl eintrifft, die Wölfe als Gefahr für Vieh und Mensch auszuschalten und alle Wolfsjungen zu töten, rettet Chen Zhen einen jungen Wolf und zieht ihn auf. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen dem jungen Mann und dem kleinen Tier, doch das Wolfsrudel vergisst nicht, was ihm genommen wurde ...

Rezension
Die Filme von Jean-Jacques Annaud sind schön und brutal zugleich. Ich kann sie nur sehr schwer einschätzen beziehungsweise das, was sie mit mir machen. Als ich das erste Mal den Film "Der Bär“ sah, musste ich mitten in der Szene, als der Bär die Pferde angriff, rausgehen, weil ich die Grausamkeiten nicht ertrug. Ähnlich geht es mir auch bei vielen Szenen von „Der letzte Wolf“. Auf der einen Seite zeigt er grandiose Naturbilder einer einzigartigen Landschaft und wunderschöne Wolfsaufnahmen. Auf der anderen Seite habe ich streckenweise die Augen geschlossen, weil ich die Brutalität gegenüber den Wölfen und die Jagdszenen nicht mehr ertragen habe. Das war auch der Grund, warum mir die Lektüre des Buches „Der Zorn der Wölfe“ von schon so schwer gefallen ist. Annaud schafft es, dass man als Zuschauer schockiert ist, sodass man weglaufen möchte, und gleichzeitig fasziniert an der Leinwand „klebt“, weil man so von den Aufnahmen gefesselt ist, dass man sich nicht lösen kann. Im Grunde sind seine Filme wie das Leben: brutal und atemberaubend schön zugleich. „Der letzte Wolf“ ist nichts für zarte Gemüter. Aber um alle Aspekte zu erfassen, muss man manches einfach aushalten.
Der Konflikt, auf den der Student Chen Zhen 1967 trifft, ist nicht neu und gerade heute auch in Deutschland wieder hochaktuell. Wölfe töten die Schafe der Hirten und gefährden damit ihre Lebensgrundlage. Die Regierung sieht nur die Möglichkeit, die Wölfe (einschl. aller Welpen) zu töten.
Im Film geht es um den Konflikt von Nomaden und Sesshaften. Die Wölfe symbolisieren das Leben der Nomaden. Sie sind ein Teil ihrer Kultur und werden verehrt. In diese Welt werden von der Regierung „im Namen des Fortschritts“ Bauern angesiedelt. Sie brechen mit ihrer Technik in die heile Welt der Nomaden ein. Wölfe sind plötzlich eine Gefahr für Mensch und Tier und sollen getötet werden. Der vermeintliche Fortschritt wird zur Vernichtungsaktion.
Chen Zhen ist fasziniert von den Wölfen, rettet einen jungen Wolf und zieht ihn heimlich auf. Zwischen ihm und dem Tier entsteht eine tiefe Freundschaft.
Zur Beruhigung für die Wolfsfreunde: Selbstverständlich wurden keine echten Tiere gequält oder getötet. Vielmehr hat man hier überwiegend mit Animationen und allen technischen Tricks der Filmindustrie gearbeitet. Für die echten Aufnahmen wurden 35 Wölfe Wölfe über drei Generationen hinweg aufgezogen und für die oft sehr schwierigen Szenen trainiert. Sechzehn von ihnen wurden tatsächlich im Film verwendet. Die Wölfe sind nun in „Rente“ und leben alle auf einer Farm in Kanada.
Wichtig ist für mich die Message, die der Film vermittelt. Es geht um die Bedeutung von Mensch und Tier, die gemeinsam das Land teilen, und darum, dass die Natur im Gleichgewicht sein muss und Wölfe ein wichtiger Teil davon sind.
In den Extras der Blue-ray Edition erfährt man im Interview mit dem Regisseur, wie viel Sorgfalt die Filmcrew darauf verwendet hat, das Land so zu verlassen, wie sie es vor den Aufnahmen vorgefunden haben.
Ich habe mich schwergetan mit der Bewertung der Punkte. Eigentlich hätte der Film für seine grandiosen Aufnahmen, die Kameraführung, die Musik und die Darstellung des menschlichen und politischen Konfliktes die volle Punktzahl verdient. Wegen der brutalen Szenen ziehe ich jedoch einen Punkt ab. Wer es aushält, der sollte sich den Film auf jeden Fall anschauen. (ehr)