13.04.2016

Rezension: Laufen. Essen. Schlafen

Laufen. Essen. Schlafen.
Eine Frau, drei Trails und 12.700 Kilometer Wildnis

Christine Thürmer
Malik, 2016
288 Seiten
ISBN 978-3890294711
16,90 €

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Inhalt
Als Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist – zu Fuß, per Fahrrad oder Boot. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

Rezension
Um den Titel gleich zu aktualisieren. Christine Thürmer ist inzwischen 33.000 km gewandert, 30.000 km geradelt und 6.000 km gepaddelt. Ohne Zweifel: diese Frau muss süchtig sein nach Freiheit, Natur, Wandern, Unterwegssein.
Als ich das Buch las, musste ich schmunzeln und an meine eigenen Wanderträume denken, die ich vor 20 Jahren hatte. Ich wollte den „American Discovery Trail“ laufen, der mehr als 6.800 Meilen von der Ost- zur Westküste Amerikas verläuft und gerade erst fertiggestellt war. Und nun sitze ich hier, lese Frau Thürmers Buch und frage mich, was passiert ist und warum ich nicht gewandert bin, so wie die Autorin? Um es mit John Lennon zu beantworten: Das Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen. Mir kamen andere Träume „dazwischen“, die ich mir erfüllt habe. Aber auch ich bin komplett ausgestiegen wie die Autorin. Ich konnte daher beim Lesen des Buches jeden Moment, jedes Gefühl und jede Minute nachempfinden.
Christine Thürmer stolpert wie jeder „Frischling“ von einem Fettnäpfchen ins nächste, macht Fehler, aus denen sie schnell lernt. Besonders spannend waren für mich auch die Kapitel aus Deutschland zu lesen. Fasziniert war ich von den Vorbereitungen für eine Ultralight-Tour: Zahnbürste auf die Hälfte kürzen (da hätten es doch auch die Finger als Ersatz getan, oder?), Etiketten aus den Kleidern trennen (was nicht alles „Gewicht“ sein kann), die genauen Excel-Tabellen, um das Gewicht auszurechnen (welcher Weitwanderer kommt überhaupt auf solche eine Idee, wohl nur eine Excel-Spezialistin wie Frau Thürmer).
Mit jeder Seite habe ich etwas dazu gelernt, das ich nunmehr auch bei deutlich kürzeren Wanderungen gebrauchen kann wie z.B. Trailrunner statt Wanderstiefeln! Sehr viel mehr zur Ausrüstung findet man auf dem Blog der Autorin (in englischer Sprache), den man sich unbedingt anschauen sollte, denn hier gibt es noch viele weitere Beschreibungen von Trips, die sie gemacht hat.
Dass sie damit nicht aufhören wird, davon gehe ich nach dem Lesen des Buches aus. Denn das Langstreckenwandern ist ihr „Kick“, nach dem sie süchtig ist.
Mir haben im Buch besonders die Beschreibungen der vielen Mitwanderer und der „Trail Angels“ (toll, dass es sowas gibt) gefallen. Auch die unterschiedlichen Schönheiten und Schwierigkeiten der drei Trails waren treffend und sehr bildhaft geschildert, wobei ich mir ursprünglich den AT eigentlich als den „einfachsten“ Trail vorgestellt hatte. Man kann vom Lesen Muskelkater bekommen.
Und über allem steht das Motto aller Thruhiker: Was ist dir wichtiger, der Trail oder alles andere? Wenn der Trail an erster Stelle steht, dann schaffst du es auch als Thruhiker. Ein bemerkenswertes und unbedingt lesenswertes Buch über Widerstände, die man überwinden, Wetter, das man aushalten und Träume, die man leben muss.
Ich möchte an dieser Stelle jedem zurufen: Lebt eure Träume. Wenn nicht jetzt, wann dann? (ehr)