09.06.2016

Niedersachsen: Welche Konsequenzen zieht die Landesregierung aus dem bisherigen Wolfsmanagement?

Rede von Umweltminister Stefan Wenzel am 09.06.2016 im Niedersächsischen Landtag zur Großen Anfrage der Fraktion der FDP (LT-Drs. 17/5112 und. 17/5801)

Wir behandeln heute die große Anfrage der FDP-Fraktion zum Thema Wolfsmanagement, alle Antworten zu den 83 Einzelfragen liegen schriftlich vor. Auf einige wichtige inhaltliche Punkte möchte ich hier eingehen.
Erlauben Sie mir zunächst einige grundsätzlichere Bemerkungen. Die Erörterung der in den vergangenen Monaten so vehement und zum Teil auch emotional geführten Debatte über die Chancen und Risiken der Rückkehr des unter strengem Artenschutz stehenden Wolfes kann nur dann seriös geführt werden, wenn wir uns auch die Zeit nehmen, die vielfältigen wissenschaftlichen Aspekte der Wildtierentwicklung anzusprechen.


Ist der Jäger der bessere Wolf?
  •  Für den modernen Menschen ist die Jagd nicht mehr in erster Linie Nahrungserwerb, sondern ein, wenn auch vielfach mit großem Ernst und großem Engagement betriebener, Zeitvertreib.
  • Der Jäger geht heutzutage im täglichen Leben einem Beruf nach und hat nur begrenzt Freizeit.
  • Die weit verbreitete Trophäenjagd bringt mit sich, dass Eingriffe in die Jugendklasse und beim weiblichen Wild nur in geringerem Umfang stattfinden.
  • Wildfütterung ermöglicht höhere Wildstände, als die Ökosysteme von Natur aus tragen können.
  • Hinzu kommt, dass die moderne Landwirtschaft mit zum Teil riesigen und unübersichtlichen – und damit kaum bejagbaren Schlägen und riesigen Futtermengen – dem Schalenwild während der Vegetationsperiode hervorragende Ausgangsbedingungen verschafft.
  • All das hat zur Folge, dass die Schalenwild-Populationen stetig anwachsen.
Daraus folgen erhebliche Schäden, die vor allem Hirsche und Rehe an den Waldbeständen verursachen. Deshalb wurden in Niedersachsen viele Millionen Euro zum Schutz des Waldes gegen Wildschäden ausgegeben.

Der Jäger ist nicht der bessere Wolf, es ist aber auch nicht der Wolf der bessere Jäger – die Erwartungen an Revier und Beutetiere sind schlicht grundverschieden.

Dabei steht für mich völlig außer Zweifel – und die Jagdstatistiken aus den mittlerweile ältesten Wolfsgebieten in Deutschland, in der Lausitz, zeigen das – dass der Wolf nicht in der Lage ist, unsere Schalenwildbestände maßgeblich zu reduzieren. Das kann nur der Mensch selber.
  • Es gibt aber einen anderen maßgeblichen Effekt: Dazu ist zunächst einmal festzuhalten, dass im Räuber-Beute-Verhältnis grundsätzlich nicht der Räuber die Beute, sondern vielmehr die Beute den Räuber reguliert. 
  • Gerade für den Wolf gibt es sehr anschauliche und überzeugende Untersuchungen, zum Beispiel von der Isle Royal in Kanada.
  • Mit anderen Worten: Je höher die Schalenwilddichte umso größer ist am Ende auch die Wolfspopulation.

Bedeutung des Wolfes für das Ökosystem
 
In natürlichen Ökosystemen haben die Beutegreifer eine unersetzliche Rolle: 
  • Aus Opportunitätsgründen sortieren sie immer zuerst die schwächsten Tiere einer Beutetierpopulation aus. 
  • Auch aus anderen Ursachen verstorbene Tiere verschmähen sie nicht. 
  • Damit kommt den Beutegreifern eine ganz wichtige Rolle als „Gesundheitspolizei“ zu. 
  • Durch diesen Jagddruck, der ganz anders geartet ist als der Jagddruck den der Mensch ausübt, halten sie die mittleren und großen Pflanzenfresser – bei uns sind das vor allem die Hirschartigen – mehr oder weniger immer in Bewegung. 
  • Das hat vor allem positive Wirkungen auf Bäume und Büsche, die dadurch weniger intensiv verbissen werden und höhere Chancen erhalten, dem Äser des Wildes zu entwachsen. Ein altes Sprichwort sagt nicht umsonst: „Wo der Wolf geht, kann der Wald wachsen“.
  • Dieser positive Einfluss auf die Vegetationsentwicklung wirkt sich in der Folge direkt auf den Wasserabfluss und damit auch auf Erosions- und Überschwemmungsgeschehen aus.

Resilienz von Ökosystemen

Ökosysteme können umso besser auf Störungen reagieren und sich selbst bei vielfältigen negativen Einflüssen erhalten, je vielfältiger ihre Ausstattung mit Tier- und Pflanzenarten ist. Auf einen kurzen Nenner gebracht: je größer die Artenvielfalt, desto höher die Resilienz eines Ökosystems. Das ist gerade dann von Bedeutung, wenn Ökosysteme vielfältigem Stress durch menschliche und klimatische Einflüsse ausgesetzt sind.

Was heißt das im Zusammenhang mit dem Wolf?
  • Der prägende Einfluss einzelner Pflanzenfresserarten nimmt ab.
  • Dadurch werden zahlreiche ökologische Nischen geschaffen, die auch von anderen pflanzenfressenden Tierarten genutzt werden können.
  • Von diesen profitieren andere, kleine und mittelgroße Beutegreifer, die ihrerseits für die Fitness ihrer jeweiligen Beutetierpopulationen eine ähnliche oder dieselbe Rolle spielen, wie der Wolf für die Schalenwildarten.
  • Das wiederum schafft Lebensmöglichkeiten für weitere Arten.
Wölfe und andere große Beutegreifer tragen damit maßgeblich zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des jeweiligen Ökosystems bei.


Risiken in der Industriegesellschaft

Deutschland ist ein hochentwickeltes Land mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte und vielfältigen Ansprüchen an die Landschaft. 
Da wird ein Großprädator wie der Wolf von Teilen der Bevölkerung als außer-gewöhnliche, neue Bedrohung empfunden. 
Die Bedrohung ist aber eher umgekehrt zu sehen, es ist der Wolf, der in unserer modernen Industriegesellschaft bedroht ist, vor allem durch den Verkehr.

So provozierend es klingt, so zutreffend ist es doch: Jedes Überqueren einer Straße ist allerdings gefährlicher als ein Spaziergang in einem Wolfsterritorium. 


Verhalten im Wald und auf der Heide

In diesem Zusammenhang lassen Sie mich auch erwähnen, wie der Mensch sich „im Wald und auf der Heide“ verhalten sollte, damit das so bleibt.

Kürzlich musste in Niedersachsen erstmalig ein Wolf der Natur entnommen werden, weil eine Gefährdung von Menschen durch dieses Tier (MT6) nicht mehr auszuschließen war. 

Was wirklich zu der Fehlentwicklung bei diesem speziellen Tier geführt hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr abschließend klären. 

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass dieser Wolf – und darauf lassen Verhaltensweisen, die eine Erwartungshaltung erkennen ließen, schließen – „positive“ Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. 
Diese „positiven“ Erfahrungen können dadurch initiiert worden sein, dass er als Welpe von Menschen Futter direkt erhalten hat, zumindest aber Futter gefunden hat, das menschlichen Ursprungs war (z.B. Reste von Marschverpflegung auf dem Truppenübungsplatz). 

Das führt mich zu einer wichtigen Information für die Bevölkerung, aber auch für die Verantwortlichen in den Kreisen und Gemeinden: Alle sollten sich darum bemühen, den wild lebenden Wölfen den Zugang zu anderen Nahrungsquellen als die Wildtierpopulationen, so schwer wie möglich zu machen, d.h.: 
  • Müll am Haus, in der Siedlung, an Parkplätzen, Grillplätzen usw. nur in gut verschlossenen Behältern lagern.
  • Bei gemeinschaftlichen Jagden auf zentrale Aufbruchplätze entweder zu verzichten, oder von diesen alle Aufbruchreste gründlich zu entfernen und ordnungsgemäß zu entsorgen.
  • Luderplätze als jagdliche Einrichtungen so zu gestalten (zum Beispiel durch ein senkrecht eingegrabenes Betonrohr), dass Wölfe keine Möglichkeit haben, an das Luder zu kommen.
Einzelaufbrüche in der Landschaft dagegen sind, auch wenn sie mit menschlichen Gerüchen verbunden sind, als weniger kritisch anzusehen, weil dadurch keinerlei räumliche oder zeitliche Prägung zu befürchten ist. 

Zusammengefasst: Wer ein Wildtier füttert, bringt sich und das Tier in Gefahr!

Aber: Die Gewöhnung an den Menschen entsteht nicht nur über das Futter: 
  • Das Internet ist voll von kurzen Filmsequenzen und Fotos, auf denen zu erkennen ist, dass Menschen sich längere Zeit in der Nähe von frei lebenden Wölfen aufgehalten, vielfach sich diesen auch aktiv genähert haben.
  • Dadurch hatten diese Tiere mannigfaltige Gelegenheit zu lernen, dass in der Regel der Mensch ungefährlich zu sein scheint.
  • In der Folge bedeutet das, dass Wölfe mit diesen Erfahrungen sich von Menschen und deren Lebensäußerungen, auch wenn das mit Geräuschen verbunden ist, kaum beeindrucken lassen.
  • Kommt dann noch ein Hund dazu, gibt es für den Wolf einen Grund mehr, sich zu nähern, denn Hunde werden als Artgenossen wahrgenommen, die entweder als Revier-/Nahrungskonkurrent zu bekämpfen sind oder als potenzielle Geschlechtspartner zu umwerben. 
  • Der am anderen Ende der Hundeleine befindliche Mensch wird dabei (weil aus Wolfssicht ungefährlich) weitgehend ignoriert.
Das muss heißen: 
  • Keine aktive oder passive Fütterung!
  • Keine aktive Annäherung an Wölfe, z.B. um ein noch besseres Foto zu bekommen!
  • Ein Fahrzeug bei Antreffen eines Wolfes nicht verlassen!
  • Kein Dulden der Wölfe in der näheren Umgebung von Spaziergängern durch diese selbst!
  • Hunde in Wolfsgebieten an der Leine halten, der Mensch ist für den Hund der beste Schutz.
  • Wölfe die sich zu stark annähern (unter 30 m) aktiv vertreiben! Auch unter Einsatz körperlicher Abwehrmittel (Anschreien,  Pfeifen, Bewerfen und Schlagen mit Gegenständen, Treten, und im Extremfall: Einsatz von Pfeffergel oder Pfefferspray).

Von gesunden Wölfen geht keine Gefahr für Menschen aus. 
Damit das so bleibt, ist es wichtig, dass die eben genannten Punkte von allen Bürgern beachtet werden. 

Ein von Menschen gefütterter Wolf kann nicht nur für denjenigen gefährlich werden, der ihn füttert, sondern auch für völlig unbeteiligte Mitmenschen. 


Entwicklung Wolfsmanagement

Die sehr zügig verlaufene Entwicklung der Rückkehr von Wölfen nach Niedersachsen hat schnell die Grenzen für ein ehrenamtliches Management erkennen lassen. 
Das hat diese Regierung zum Anlass genommen, das Wolfsmanagement zunehmend zu professionalisieren. 

Das Niedersächsische Wolfsbüro wurde gegründet, dort arbeiten drei Biologen an:
  • der Dokumentation von „Wolfsereignissen“,
  • der Schadensprävention, 
  • der amtlichen Feststellung von Nutztierschäden durch Wölfe, 
  • des Schadensausgleichs durch Billigkeitsleistungen, 
  • der Beratung von Nutztierhaltern,
  • der Aufklärung der Öffentlichkeit
und in diesem Jahr auch
  • der Vergrämung
  • und Entnahme von MT6.
Das Wolfsbüro wird um zwei Tierärzte verstärkt – eine Tierärztin hat bereits am 1. Juni ihren Dienst angetreten – die Aufgaben der beiden Veterinäre werden vor allem sein:
  • schnellere Abwicklung der amtlichen Feststellung (Wolf als Verursacher eines Nutztierrisses)
  • Verstärkte Beratung der Nutztierhalter zu Präventionsmaßnahmen
  • Einsatz bei gegebenenfalls nötigen Besenderungen oder Vergrämungen (auch Entnahmen)
  • Einsatz beim Umgang mit verletzten Wölfen
  • Öffentlichkeitsarbeit.
Eine Verwaltungsfachkraft zur Abwicklung von Präventions- und Billigkeits-Förderanträgen soll künftig das Team des Wolfsbüros ergänzen.

In dem Zusammenhang ist auch die öffentlich diskutierte „Leitlinie für Wolfsberater“ zu sehen, ein Entwurf des Umweltministeriums wurde den ehrenamtlichen Wolfsberatern vorgestellt. Die Wolfsberater hatten Gelegenheit, diesen Entwurf zu kommentieren. Die Rückmeldungen werden derzeit im Umweltministerium ausgewertet und danach die Endversion des Leitfadens erstellt. 

In der Planung war auch, dass ein weiterer Wolf in der Region Diepholz besendert werden soll, um eventuelle Verhaltensauffälligkeiten nachweisen zu können. 
Zur Vorbereitung dieser Besenderung hat die Landesjägerschaft Niedersachsen in unserem Auftrag ein intensives Monitoring im Raum Diepholz/Vechta/Oldenburg durchgeführt. 
Aus heutiger Sicht erscheint eine umgehende Besenderung aktuell nicht mehr angezeigt. Die von dieser Wölfin verursachten Nutztierrisse trafen zu rund 98 % Tierbestände, die keinen ausreichenden Grundschutz zur Wolfsabwehr aufwiesen. 
In den vergangenen Monaten sind Rissvorfälle in dem genannten Raum stark zurückgegangen, vor allem aber waren keine weiteren Risse in geschützten Tierbeständen mehr zu verzeichnen. Deshalb werden wir – und damit haben wir schon begonnen - die Beratung der Nutztierhalter der Region und die Hilfestellung beim Aufbau von Zäunen intensivieren.


Entwicklung andere Länder

Das Thema Wolf beschäftigt nicht nur Niedersachsen, es ist bundes- und europaweit zunehmend in der Diskussion, und hat in jüngster Vergangenheit folgende Entwicklungen mit sich gebracht:
  • Deutliche Verbesserung der Abläufe bei der Bearbeitung von DNA-Proben beim Senckenberg-Institut Gelnhausen
  • Ausdehnung der Wolfspopulation auch in Richtung Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern
  • (In all diesen neu mit dem Wolf in Berührung kommenden Bundesländern schaut man mit großem Interesse auf die niedersächsischen Erfahrungen und Managementansätze)
  • Gründung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), auch auf Initiative dieser Landesregierung
  • Wiederbelebung des Unterarbeitskreises Wolf bei der LANA.

Weitere Schritte 

Ein Ausblick auf unsere weiteren Planungen in Sachen Wolfsmanagement:

Ausbau der Zusammenarbeit auf nationaler Ebene: 
  • vor allem mit der DBBW und in Bund-Länder-Arbeitsgruppen => hier setzen sich die Vertreter Niedersachsens vor allem auch für eine Vereinheitlichung der Standards bei der Wolfsprävention ein, 
  • für eine einheitliche Behandlung beim Ausgleich von Nutztierrissen wurde von Niedersachsen zwar angestrebt, fand aber keine Mehrheit, hier sperrten sich vor allem Länder, die noch keine Wölfe haben
  • Ausbau auch der internationalen Zusammenarbeit, vor allem hinsichtlich des Austauschs von Erfahrungen und Wissen
  • Durchführung einer Studie zu Habitatansprüchen und Populationsentwicklung 
  • Realisierung der „Esel Studie“ – die Verträge mit den am Versuchsvorhaben beteiligten 3 Nutztierhaltern sollen in der kommenden Woche vor Ort unterschrieben werden
  • Verstärkte Nutztierhalterberatung, zunächst mit Schwerpunkt in den Landkreisen Diepholz/Vechta/Oldenburg – dem Aktionsraum der Barnstorfer Wölfin – (Beratungen finden zum Beispiel in der kommenden Woche statt).
  • Fortsetzung der Gespräche mit den Nutztierhaltern.

Ausblick
  • Es ist davon auszugehen, dass die Besiedlung Deutschlands durch Wölfe weiter fortschreitet.
  • Wie schnell das geht, vermag ich nicht zu beurteilen. 
  • Die Tendenzen deuten darauf hin, dass künftig alle geeigneten Territorien wieder von Wölfen besiedelt sein werden. Die hohen Schalenwildbestände leisten dabei ihren Beitrag.
  • Dieser Gesamtanstieg der Population bringt aber keine Erhöhung der Wolfsdichte in den jeweiligen Wolfsterritorien mit sich, denn die sind besetzt. 
  • In den deshalb sicher zu erwartenden neuen Wolfs-Siedlungsgebieten werden die Nutztierrisse vermutlich zunächst zunehmen, die Erfahrung hat gezeigt, dass Nutztierhalter in der Regel erst reagieren, wenn die Gefährdung konkreter wird.
  • Langfristig aber erwarte ich, dass die Nutztierrisse in den etablierten Wolfsregionen abnehmen werden, weil dort die Prävention nach und nach immer besser greift, die Nutztierhalter wieder lernen mit der Gefahr „Wolf“ umzugehen.
  • Dass Nutztierrisse ganz vermieden werden können, ist allerdings nicht zu erwarten, denn nicht jede Weide kann komplett geschützt werden.
Die Erfahrungen in den Ländern, in denen der Wolf schon früher zurückgekehrt ist zeigen, dass ein Zusammenleben von Wolf und Mensch funktioniert.

Das gibt mir die Sicherheit, dass dieses auch in Niedersachsen möglich ist. 

Diese Landesregierung jedenfalls ist entschlossen, das ihre dazu zu tun. 

So wurden auf u. A. Initiative Niedersachsens im vergangenen Jahr Dauerweiden z.B. auf Deichen und Heideflächen in die Agrarförderung der ersten Säule integriert. Damit können Schafhalter, die mit ihren Tieren diese Flächen pflegen, bis zu 3 Mio. Euro zusätzliche Agrarfördermittel erhalten.

Eine Bitte, einen Wunsch, eine Aufforderung möchte ich an dieser Stelle noch vor allem an den rechten Teil unseres Parlaments richten:
Helfen Sie mit, dass die Debatte über den Wolf nicht länger – wie zumindest in Teilen geschehen – im Stile einer Debatte über eine Art Schädlingsbekämpfung geführt wird. Das gebietet nicht nur die gesetzliche Vorgabe hinsichtlich des Artenschutzes für das Tier.  Das gebietet vielmehr der Respekt vor der Kreatur. Gerade für die Vertreter einer C-Partei ist dies auch Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung. Und das gebietet der Respekt vor der Natur.  Bei allen Maßnahmen die wir ergreifen, steht die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle.  Aber das darf nicht bedeuten, dass der Mensch sich über die Natur erhebt.
Die Debatte über die Umwelt, die Natur und den Artenschutz darf nicht zu einer Buchhaltung über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit einzelner Tiere werden.
Das Muster einer solchen Debatte über die Nützlichkeit der Natur hat auch hier unser Land schon vor Jahrzehnten erlebt. Das Betonieren, Asphaltieren und Kanalisieren der Natur hat uns Menschen keinen wirklichen Segen gebracht.
Von dem französischen Schriftsteller Victor Hugo stammt der Satz “Es ist traurig zu denken, dass die Natur spricht und die Menschen nicht zuhören!“

Ich wünsche mir, dass wir alle – jenseits aller kontroversen Einschätzungen der Chancen und Risiken der Rückkehr des Wolfes – nicht diesen Fehler machen und nicht zuhören.   

Ich danke für die große Anfrage und Ihre Aufmerksamkeit!

 (Hervorhebungen von der Redaktion)