14.06.2016

Rezension: Die Körpersprache der Hunde

Die Körpersprache der Hunde
Wie Hunde uns ihre Welt erklären

Barbara Wardeck-Mohr
Kynos, 2016
232 Seiten
ISBN 978-3954640874
24,95 €

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Inhalt
Wer Hunde verstehen will, muss ihre Körpersprache lesen und deuten können: Dieses Buch bietet dazu einen umfassenden Überblick.
Dabei ist es nicht nur notwendig, die äußere Mimik und Körperhaltung zu erkennen, sondern auch, das zugrunde liegende Verhalten und seine Entstehung zu verstehen. So stehen Neuropsychologie, Verhaltensbiologie und die Individualentwicklung eines Hundes in wechselseitigem Zusammenhang.
Fachlich fundiert und von zahlreichen Fotos unterstützt veranschaulicht dieses Buch Hundeverhalten in seiner Komplexität und stellt damit einen wichtigen, übersichtlichen Leitfaden für Hundehalter, Hundeausbilder und alle Interessierten dar.

Rezension
Hunde kommunizieren – und zwar immer! Meist auch dann, wenn für uns Menschen gar keine Kommunikation zu erkennen ist. Denn jede Stellung der Ohren, jede Bewegung der Lefzen, jeder Blick, jede Veränderung der Körperhaltung und auch Dinge wie Markieren, sich wälzen oder scheinbar unbeteiligt irgendwo herumliegen sind de facto Kommunikation. Lautäußerungen jeder Art sowieso. Auch das Aufnehmen von Eindrücken ist Kommunikation, denn zu selbiger gehört ja nicht nur das Senden von Informationen, sondern auch das Empfangen – und Hunde beobachten und analysieren (vor allem uns Menschen) stets sehr genau.
Was ist also Kommunikation und wie kann ich als Mensch den Kommunikations-Code meines Hundes entschlüsseln? Das Buch bietet hier sowohl leicht verständliche Infos und Anschauungsmaterial für den Laien, als tiefergreifende Verhaltensbiologische Erklärungen für Hundetrainer und alle anderen, die einfach mehr wissen wollen. Die Analysen vergleichen auch die Kommunikation von Wölfen mit der von Hunden, zeigen Parallelen aber auch die Unterschiede beider Spezies. Wer kommuniziert wann weshalb wieviel mit wem? Wie wichtig ist Kommunikation – zur Konfliktlösung, zum Überleben, zur gemeinsamen Interaktion, zur Schaffung von Distanz. Was umfasst sie und wann sollte man als Mensch Kommunikation unbedingt positiv verstärken? Thema: Aggression und was wir darunter verstehen. Ein auf den ersten Blick aggressiv kommunizierender Hund vermeidet durch klare Kommunikation zunächst einen eskalierenden Konflikt. Hier wäre Strafe kontraproduktiv.
Um die Kommunikation der Hunde zu verstehen, muss man als Mensch ein Stückweit auch erst einmal aufhören, den Hund zu sehr zu vermenschlichen und ihm „Worte in den Mund zu legen“. Denkweisen prägen die Art unserer Kommunikation. Sich dessen bewusst zu sein, kann auch helfen, unklare oder falsche Signalaussendungen zu vermeiden, die Hunde verunsichern oder zu unerwünschtem Verhalten verleiten könnten.
Kommunikation unterscheidet sich auch je nach Alter und Beziehung der Hunde untereinander. Welpen müssen Kommunikation erst noch lernen und tun die von den Eltern und Geschwistern. Hunde mit viel Sozialkontakt entwickeln ein anderes Kommunikationsvolumen als solche, die überwiegend als Einzelgänger gehalten werden. Die persönliche Charaktergrundlage formt ebenfalls die Kommunikation – dominante Persönlichkeit oder unterwürfige Persönlichkeit. Eine weitere Besonderheit ist unleugbar die durch den Menschen hervorgerufene starke optische Variabilität der Hunde. Stehohren kommunizieren anders als Schlappohren. Braune Augen wirken auf das Gegenüber anders als stechend blaue. Eine kurze Schnauze (womöglich noch mit Unter- oder Überbiss) sendet andere Signale aus als eine lange. Eine lange Rute sendet andere Signale aus eine kupierte, insbesondere wenn sie rassebedingt dauerhaft über dem Rücken getragen wird (wie z.B. beim Spitz). Über all diese Dinge muss sich der Mensch bewusst sein, muss erkennen, warum schon die Frühprägung des Welpen in einer Hundeschule mit möglichst unterschiedlichen Hundetypen (optisch wie charakterlich) sinnvoll und hilfreich für den weiteren Lebensweg sein kann.
Es ist überraschend, wie viele Aspekte man im Bereich Kommunikation beachten muss, um sie zu verstehen.
Dieses Buch geht in die Tiefe, ohne zu sehr in unverständlichen Fachjargon zu verfallen. Dennoch ist es stellenweise trocken, da sehr sachlich und analytisch. Kein Buch für jedermann, aber für jeden, der sich mit Hundesprache umfangreich auseinandersetzen will. Und das sollte letztlich jeder tun, der täglich mit Hunden kommuniziert – also jeder der einen Hund besitzt. (Tanya  Carpenter)