12.06.2016

Rezension: Eins, zwei, drei … ganz viele

Eins, zwei, drei … ganz viele
Mehrhundehaltung mit positiver Bestärkung

Anne Rosengrün
Kynos 2016
216 Seiten
ISBN 978-3954640867
24,95 €

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Inhalt
Damit zwei oder noch mehr Hunde tatsächlich mehr Spaß machen als einer, sind Organisation, Regeln und Erziehung gefragt.
Dass es dabei viel weniger um Rangordnung und Rudelführer als vielmehr um durchdachtes Management und Training geht, zeigt dieses Buch ausführlich und in nachvollziehbaren Schritten. Mit dem strukturierten Vorgehen richtig verstandenen Trainings über positive Bestärkung werden schnell gewünschte Verhaltensweisen etabliert und unerwünschte gar nicht erst gefördert.
Endlich und lang erwartet ein modernes Buch über Mehrhundehaltung, das konkrete Trainingsanleitungen anstatt unklarer Rangordnungs-Philosophien bietet.

Rezension
Mehrhundehaltung liegt im Trend! Keine Frage. Und es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Bücher zu diesem Thema, von denen ich schon einige gelesen habe und doch nie das gefunden habe, was ich mir davon erhofft habe. Das meiste, was man in diesen Mehrhundehalterbüchern findet, ist jedem, der Hunde hat und sie auch mit Artgenossen zusammenlässt längst bekannt. Die wenigsten haben noch die rosarote Brille auf und erwarten von vornherin die perfekte Harmonie. Wenn es denn mal Zwist gibt, empfehlen immer noch viele Bücher die Dominanz des Hundehalters, um derlei im Keim zu ersticken, was aus verhaltensbiologischer Sicht inzwischen längst ebenso überholt und widerlegt ist, wie die unsägliche „Die regeln das unter sich“-Masche.
Soweit also zu den üblichen Mehrhunde-Büchern. Aber dieses hier von Anne Rosengrün ist überraschend anders. Es geht von Grund auf sachlich und mit leicht verständlichen – aber auch leicht umzusetzenden – Hilfestellungen vor. Gleich vorweg mit der Frage: Warum will ich mehr als einen Hund? Was kann ich dafür tun? Was erwarte ich? Und welcher Zweithund passt zu mir, aber vor allem auch zu meinem schon vorhandenen Hund (oder Hunderudel). Die Autorin geht auf unterschiedliche Charaktere ein. Was passt wie weshalb zusammen und wie erreicht man das. Wie verhilft man sich und den Hunden zu Harmonie und klarer, fairer Kommunikation, wenn es doch nicht so traumhaft kompatibel war, wie anfangs gedacht? Wie baue ich das Training mit mehreren Hunden auf? Denn schließlich gilt: Je mehr Hunde ich gleichzeitig führe, umso sicherer muss ich sie unter Kontrolle haben – ergo, umso besser müssen sie gehorchen. Dies wird nicht durch Druck und Dominanz erreicht, sondern durch viele Übungen und Trainingseinheiten, die den Bindungsaufbau und die Bindungsfestigung unterstützen – zwischen Mensch und Hund, aber auch zwischen den Hunden untereinander. Klare Regeln und Strukturen, Förderung von deeskalierender Kommunikation (zu der eben auch Knurren und Zähnezeigen gehören). Körpersprache lesen können, um zu erkennen, wo ein Konflikt kommunikativ gelöst wird und wo eine Eskalation droht, bei der ich als Hundehalter natürlich (und angemessen) einschreiten muss. Jede Übung – sowohl für den Aufbau einer guten, funktionierenden Rudelstruktur, als auch zur Lösung von Problemen und zur Meisterung von Alltagssituationen – ist super erklärt und in allen kleinen Steps dargelegt, so dass sie leicht nachvollzogen und durchgeführt werden können. Dabei wird auch darauf eingegangen, dass das Mehrhundemanagement nicht immer nur mit dem eigenen Hund erfolgen muss. Thema Hundeschulen, Hundesitting, Hunde-KiTa und dergleichen.
Kurz: Es ist das erste Mehrhundehalter-Buch, das mich rundum überzeugt hat und dass ich uneingeschränkt für jeden Empfehlen kann, der mehr als einen Sofawolf zu händeln hat.
(Tanya  Carpenter)