13.06.2016

Rezension: Herrchentrubel

Herrchentrubel: Graue Schnauze, großes Glück
Michael Frey Dodillet
Heyne, 2016
240 Seiten
ISBN 978-3453200876
14,99 €

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Inhalt
Zehn Jahre lang hat sich Herrchen von zwei verrückten Hunden auf der Nase herumtanzen lassen. Doch ab zehn werden Hunde bekanntlich ruhiger. – Ruhiger? Herrchen weiß nicht mehr, wer ihm diesen Unsinn erzählt hat. Tatsache ist, dass Luna auch im hohen Alter noch alles zusammenfaltet, was nicht bei drei auf dem Baum ist, und Wiki Selbsterbrochenes bewacht, als handle es sich um die Goldreserven von Fort Knox. Während Trainer Krause von Handauflegen bis zu mantraartigen Lalala-Gesängen alles empfiehlt, was die Fachwelt an Absurditäten zu bieten hat, wird Herrchen klar: Es gibt nichts Schöneres als vierbeinige Dickschädel, die sich nicht verbiegen lassen. Dann jedoch entpuppt sich eines Tages eine harmlos aussehende Beule bei Luna als bösartiger Tumor, und auf einmal wird Herrchen schmerzlich klar, dass auch das wildeste Hundeleben einmal zu Ende geht … Unterhaltsam, witzig und emotional berührend wie nie!

Rezension
Michael Frey Dodillet hat uns schon viele Jahre – und zwei Buchbände lang – am Leben seiner Hunde Luna und Wiki teilnehmen und die vielen meist fruchtlosen Erziehungsversuche verschiedener "Krauses" mit erleben lassen. Im letzten Band seiner "Herrchen-Trilogie" kommen nun auch die Krawallmäuse in die Jahre. Ob sie das ruhiger werden lässt, verrate ich hier nicht.
Dieser letzte Band ist m.E. der beste von allen, denn hier beschäftigt sich der Autor auch intensiv mit der Hundeszene. (Auf diese Kapitel konzentriert sich auch der Schwerpunkt meiner Rezension.) Und wir erkennen sie alle wieder. Dodillet braucht keine Namen zu nennen, wenn er von "Waternapfgate" spricht bzw. von der "Klangschalentherapie", wenn er die kettenrauchende Erfinderin der "Rudler" beschreibt oder sich über § 11 auslässt. Wir alle wissen, wer oder was hier durch den Kakao gezogen wird.
Einige Beispiele machen auch die Lächerlichkeit mancher Einfälle irgendwelcher Schlaumeier und ewigen Nörgler klar. Oder wussten Sie, dass Caesar Millan den Test zu § 11 beim Veterinäramt Hannover nicht bestanden hat? Dodillet hält uns mit sehr viel Insiderwissen die ganze Absurditäten der Hundeszene vor Augen, wenn er beispielsweise berichtet, dass Maike Maja Nowaks Erziehungskorrektur "Ksst" unmittelbar nach ihrer TV-Sendung eine Online-Petition nach sich zog, in der die Initiatoren und 15.000 Unterschreiber das ZDF zur sofortigen Absetzung der Sendung aufgefordert haben. Die so gemaßregelten Hunde würden ständig gehemmt und unterdrückt und wären entsprechend traumatisiert. Der Autor bringt es mit seiner grandiosen Ironie stets auf den Punkt.
Offensichtlich gibt es auch einige "betroffene Hunde", die mächtig bellen, weil sie sich selbst im Buch wiedergefunden haben. Sie sind leicht zu erkennen an den 1-Sterne-Rezensionen bei Amazon (und den entsprechenden Kommentaren zur Rezension), in denen sie statt den Text zu rezensieren, lieber den Autor persönlich angreifen.
Als jemand, der seit über 20 Jahren die Hundeszene in all ihren Irrungen und Wirrungen beobachtet, kann ich nur sagen: Bravo, Herr Dodillet, gut erkannt.
Der Spaßfaktor der Bücher von Michael Frey Dodillet ist garantiert, wenngleich mir manchmal die humorvolle Beschreibungen in ihrer Geschwindigkeit und Häufung ein wenig „too much" werden. Die Gefahr besteht dann, dass sich der Leser zu schnell vom Text löst, was sehr schade wäre. Ich hätte mir gelegentlich ein etwas langsameres Thempo gewünscht.
Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall sowohl allen Hundehaltern und als auch "Krauses" und werde es gerne weiter verschenken.  (ehr)