10.06.2016

Rezension: Rohfütterung für Hunde

Rohfütterung für Hunde
Frisch füttern leicht gemacht
Silke Böhm
Cadmos, 2016
112 Seiten
ISBN 978-3840425196
14,95 €

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Inhalt
Gesunde Ernährung liegt stark im Trend und ist für viele Menschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Hundehalter möchten auch ihren Vierbeinern gern eine gesunde und abwechslungsreiche Kost anbieten und gehen dazu über, ihre Hunde frisch zu füttern. Rohes Fleisch und frisches Gemüse in Kombination mit Ölen und Kräutern ist eine gesunde und vor allem auch preiswerte Alternative zu Trocken- und Dosenfutter. Die Autorin erklärt verständlich und praxisnah, wie die Frischfleischfütterung einfach und wenig zeitintensiv in den Alltag integriert werden kann auch in den von beruflich stark eingespannten Hundehaltern. Sie beschreibt die nötigen Futterbestandteile und zeigt auf, dass mit guter Vorbereitung auch die Frischfütterung kaum aufwändiger ist, als eine Dose zu öffnen oder dem Hund ein paar Trockenbrocken in den Napf zu werfen. Silke Böhm macht außerdem Schluss mit Vorurteilen wie Rohes Fleisch macht Hunde aggressiv oder Wenn ich meinem Hund rohes Fleisch gebe, wird er diese Tiere jagen , stellt Einkaufslisten auf, beschreibt, welches Fleisch besonders wertvoll für Hunde ist und hält Negativlisten mit Substanzen parat, die ihnen schaden.

Rezension
Barfen ist in Mode, und die Zahl derer, die anbieten, individuell auf jeden Hund zugeschnittene Futterpläne zu erstellen (und sich dies oft teuer bezahlen zu lassen) steigt kontinuierlich. Dabei kann es im Grunde sehr einfach sein. Wäre wirklich solch ein mathematischer Aufwand erforderlich, um einen Hund gesund und ausgewogen zu ernähren, hätten die Hunde der letzten Jahrhunderte kaum eine Überlebenschance gehabt, doch erstaunlicherweise wurden diese teilweise sogar älter als ihre heutigen Artgenossen. Diese Tatsache wird gerne von Hardcore-Barfern herangezogen, um auf die Fertigfutterindustrie zu schimpfen und die Tatsache, dass diese ja zu wenig Fleisch im Futter verwendet. Genau hier liegt aber der erste Knackpunkt, auf den dieses Buch erfreulich sachlich eingeht. Hunde früherer Zeiten wurde nämlich nicht, wie immer behauptet wird „artgerecht mit Fleisch“ ernährt, sondern mit Abfällen und selbst erbeuteten Kleintieren (Mäuse, Ratten u.ä.). Fleisch war viel zu teuer, selbst der Mensch aß es nur selten. Also ist es schlicht unmöglich, dass der Hund im 18. Oder 19. Jahrhundert (oder noch früher) überwiegend mit Fleisch ernährt wurde. Auf dem Speiseplan stand durchaus viel Gemüse und Stärkelieferanten wie Getreide und Kartoffeln. Warum aber hatten diese Hunde nicht die Probleme der heutigen Fertigfutterhunde? Es hat nichts mit der Zutat an sich zu tun, sondern mit deren Qualität und vor allem mit deren Zubereitung. Kurzum: Das Problem ist die industrielle Bearbeitung, die alles tot kocht und dann künstlich wieder die verlorenen Vitamine und Mineralstoffe zufügt. Künstliche Pendants sind aber nicht identisch mit den natürlichen Stoffen, sie wirken anderes – teils gar nicht, teils sogar schädlich, weil ihnen die Begleitstoffe fehlen, die in den echten natürlichen Lebensmitteln enthalten sind. Faserstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, die zueinander passende Kombination von Nährstoffen und nicht zuletzt eine meist problemlose Ausscheidung von Überschuss, was bei künstlichen Präparaten häufig nicht möglich ist.
Die Autorin kommt unterm Strich als zum gleichen Fazit wie alle Barfer: Frischfütterung ist besser als Fertigfutter und Fertigfutter kann schädlich sein. Nur die Begründung ist eine andere und das ist für mich das erfreulichste an diesem Buch. Dass hier mit echten Tatsachen argumentiert wird und nicht mit den so leicht widerlegbaren Halbwahrheiten, die man sonst oft hört.
Der Hund ist kein Wolf mehr! Die biologischen Unterschiede (auch wenn sie gering sind) sind nicht von der Hand zu weisen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass auch ein Wolf kein reiner Karnivor ist, sondern den Speiseplan um Pflanzliches bereichert.
Ansonsten ist das Buch sehr umfangreich und detailliert, bleibt dabei aber stets leicht verständlich, sodass jeder Laie seinen Hund problemlos frisch ernähren kann. Verbotene (weil für den Hund schädliche) Lebensmittel werden aufgeführt, ebenso wie die Komponenten, die im Futter enthalten sein müssen, enthalten sein sollten oder ggf. enthalten sein dürfen. Desweiteren gibt es die Empfehlung, saisonal frisch zu füttern, denn es hat durchaus Gründe, warum nicht alles zu jeder Jahreszeit verfügbar ist. Es werden eine Vielzahl von Alltagstips gegeben, auch die benötigte (Küchen-) Ausstattung wird aufgeführt. Womit kann ich das Futter aufpeppen und abwechslungsreich machen (auch dann, wenn ich doch mal zum Fertigfutter greife), welche Krankheiten lassen sich beeinflussen, was sollte ich bei welchem Krankheitsbild beachten? Eine kleine Kräuter- und Ölkunde rundet das Bild ab. Vermisst habe ich hier nur den Hinweis, dass manche Öle riskant sind, wie z.B. Epi-Gefahr bei Rapsöl, Krebsrisiko bei Maiskeim-, Distel- oder Sonnenblumenöl.
Am Ende wird es noch ein wenig unterhaltsam mit dem Futterprotokoll des eigenen Hundes der Autorin und eine übersichtliche Nährwerttabelle gibt es auch noch.
Mein Fazit: Derzeit eines der besten Barf-Bücher auf dem Mark. (Tanya Carpenter)