05.07.2016

Rezension: Viktor und der Wolf

Viktor und der Wolf
Hannes Klug
Rowohlt Taschenbuch, 2016
192 Seiten
ISBN 978-3499217463
Alter: 10 - 12 Jahre
9,99 €

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Inhalt
Viktor wünscht sich oft, er wäre ein starkes, wildes Tier, das sich gegen alles wehren kann. Gegen Tom und Ronnie in der Schule, zum Beispiel. Oder gegen die Trauer nach dem Tod seines Vaters. Vielleicht ist es darum kein Zufall, dass Viktor eines Tages am Bahndamm einem verletzten Wolf begegnet. Viktor spürt sofort eine tiefe Verbundenheit mit dem wilden Tier. Aber dann wird der Wolf gefangen und in einen Wildpark gebracht. Viktor weiß eines ganz genau: Er muss dem Wolf helfen!

Rezension
In diesem Buch finden sich ein Wolf, der aus einem Gehege ausbricht, und verängstigt versucht, zu überleben, und ein Junge, der den Verlust seines Vaters verschmerzen muss. Beide haben Angst, zu vertrauen und sich zu öffnen und finden über Artengrenzen hinweg einen Weg zueinander – und zu sich selbst.

Es gibt nur wenige Wolfsbücher für Kinder, die meisten sind im Genre Fantasie zu finden. Um so erfrischender, wenn ein Kinderroman eine realistische Basis hat und die (Gehege-)Wölfe echt und authentisch porträtiert werden. Als Wolfsforscherin freue ich mich sehr darüber – wenngleich ich als solche mit dem Schluss nicht ganz glücklich bin. Aber das schmälert nicht den Zauber des Buches. Es ist ein Roman, eine Fiktion.
Besonders fasziniert haben mich die Schilderungen des Autors, wie sich Viktor dem Wolf nähert. Er drängt sich nicht auf, sondern beobachtet nur aus der Distanz und respektiert das Tier. So soll es sein. Am Ende entscheidet der Wolf, ob und wie er sich dem Menschen nähert.
Ähnlich empfinde ich auch den Erzählstil. Obwohl im Buch sehr viele Informationen zu finden sind über Wölfe, Wilderei, Tierhandel, Mobbing – fast schon ein wenig zu viel – drängt sich der Text nicht auf und lässt den Leser seinen eigenen Weg finden. Ich empfinde den Ton angenehm zurückhalten und ruhig.

Gefallen hat mir auch die Erzählung aus der Perspektive des Wolfes. Wie ist es, aus seinem Gefängnis auszubrechen? Wie sieht das Leben „draußen“ aus? Wie groß ist die Angst vor den Menschen? Sehr gut schildert der Autor auch den Unterschied zwischen wilden und gefangenen Wölfen und betont, dass Wölfe sich nicht als Haustiere eignen. Das ist wichtig.

Kurzum – hervorragend recherchiert, wunderbar erzählt und mit absolut bezaubernden Illustrationen von Barbara Korthues. Man muss sich einfach in diesen Wolf verlieben! (ehr)