24.08.2016

Rezension: Tief im Land

Tief im Land
Meine Jahre in den Wäldern von Wales

Neil Ansell
Allegria, 2016
272 Seiten
ISBN 978-3793423119
18,00 €

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Inhalt
"Tief im Land" entführt uns in die Ruhe eines archaischen, asketischen Lebens. Neil Ansell verbrachte fünf Jahre zurückgezogen in den Hügeln von Wales. In exzellenter Prosa erzählt er von seinem Alltag in einem alten, halb verfallenen Cottage ohne Strom und Gas. Im Laufe der Zeit verschmilzt er immer mehr mit seiner Umgebung. In bemerkenswerter Selbstvergessenheit beschreibt er Landschaft, Tier- und speziell die Vogelwelt. Auf wunderbare Weise gelingt es ihm, uns in die Stille des Landes hineinzuziehen.

Rezension
Das Buch beginnt auf eine gewisse Art und Weise "düster". Wir folgen dem Autor auf seinem Weg zur selbst gewählten Isolation und fragen uns: Kann jemand dort überhaupt leben?
Der Autor kann es. Und wie gut er das kann. Mit jeder Seite zieht Ansell den Leser tiefer in das Buch und sein Leben und lässt ihn nicht mehr los. Einer der vielen Gründe dafür sind die wunderschönen, detaillierten Beschreibungen von Pflanzen, Tieren (insbesondere von Vögeln) und der Natur. Irgendwann im Laufe der Lektüre vergisst der Leser den Alltag mit all seinen Problemen und blickt durch die Augen des Autors frühmorgens im Nebel von seinem Berg herunter, wo die Welt nur noch aus kleinen Inseln besteht, die aus dem Nebel herausragen.
Ruhe, Langsamkeit, Bedachtsamkeit, Stille. Die Konzentration aufs Detail, die Beschreibung des Lebens in der Einsamkeit. Das alles macht die Magie des Buches aus und schafft eine Sehnsucht, die fast schon schmerzhaft ist.
Der Autor will herausfinden, wer er ist, und sucht dazu die Einsamkeit. Er sagt dazu: "Das gewählte Alleinsein ist das Gegenteil von Einsamkeit." Wie Recht er hat. Und wirklich allein ist er nie, denn er hat seine gefiederten und haarigen Freunde, deren Leben er beobachtet.
Ein schlichter Lebensstil geprägt von den Jahreszeiten und Elementen. Warum ist ein solches Leben für unsere gehetzte, digitalisierte, gestresste Gesellschaft so verlockend? Vielleicht weil wir tief in uns eine Ahnung haben, dass dieses Leben im Grunde unsere eigentliche Bestimmung ist.
Warum haben Sie zu diesem Buch gegriffen? Mich persönlich hat das Stichwort "Wildnis" neugierig gemacht. Darunter stellen wir uns normalerweise Länder wie Alaska, Montana oder den Yukon vor. In "Tief im Land" erleben wir, dass der Mensch keine große endlose Wildnis in der Ferne braucht, um Frieden zu empfinden. Es reicht ein kleines halb verfallenes Cottage in den Hügeln von Wales (oder jeder andere Ort in unserer Nähe). Keine wilden, gefährlichen Tiere, keine Abenteuer, nur der Wechsel der Jahreszeiten und das Kommen und Gehen von Pflanzen und Tieren. Ein einfaches Leben, das dem Rhythmus der Natur folgt. Fünf Jahre lang!
Damit soll man ein Buch füllen können? Glauben Sie mir: man kann! Und das sogar so grandios und poetisch, dass das Lesen niemals langweilig wird. (ehr)