13.09.2016

Rezension: Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen

Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen
Eine Reise zur Leichtigkeit
Clara Maria Bagus
Allegria, 2016
208 Seiten
ISBN 978-3793423072
14,00 €

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Inhalt
Traurig und einsam blickt der Mann auf die trübe Landschaft des nicht enden wollenden Winters. Doch plötzlich setzt sich ein kleiner Vogel unverhofft auf den Ast eines kargen Baumes, der wie von Zauberhand unmittelbar anfängt zu blühen. Kaum fliegt der Vogel davon, kehrt der Winter jedoch zurück. Der Mann erkennt, wie sehr er sich nach der Wärme und Schönheit des Frühlings sehnt, und macht sich auf, den geheimnisvollen Vogel zu finden. Auf seiner Reise erwarten ihn Abenteuer, und er begegnet Menschen, die ihn daran erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist.



Rezension
Dieses Buch beginnt einfach und düster. Nacht, Dunkelheit, Frost. Ein alter Mann, der auf den Frühling wartet, der nicht kommen will. Aber bevor der Leser sich der Melancholie hingibt und das Buch schon weglegen will, taucht ein bunter Vogel auf, der alles verändert. Was er berührt wird in ein Blütenmeer verwandelt. Und schon ist der Leser gefangen und kommt nicht mehr los.
Mir kam beim Lesen der vielen kurzen Kapitel manchmal der Gedanke, dass sich der Vogel vielleicht zwischen den Seiten versteckt und den Leser mit der Poesie der Autorin verzaubert. So soll Literatur sein. Sie soll uns vergessen machen und an das Gute, Schöne glauben lassen. Soll uns die Augen öffnen.
Fasziniert hat mich auch die Sprache und die Handlung des Buches. Als Leser taucht man ein in eine Welt, von der man eigentlich nichts erfährt. Keine Namen, keinen Ort, keine ausführliche "Beschreibung", wie man sie sonst gewohnt ist. Wir konzentrieren uns ganz auf den Mann und folgen ihm auf der Suche nach dem Vogel, der den Frühling bringt. Die Handlung hat etwas eigenartig altertümliches. Es erinnert mich an die Küche meiner Urgroßmutter, die nur von dem Feuer erhellt wurde, der durch das Türchen des Holzofens schien. Neben ihm stand ein Sessel und ich saß bei meiner Urgroßmutter auf dem Schoß, während sie mir Märchen erzählte. Ein wunderbares, warmes Gefühl von Geborgenheit. So habe ich mich gefühlt, als ich dieses Buch gelesen habe.
Die Fragen, die sich der Mann – und jeder von uns –stellt, sind so banal wie universell: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Die allgegenwärtige Suche nach dem Sinn des Lebens. Und sogar die Antworten kennen wir eigentlich alle schon, sie werden uns in unzähligen Ratgebern vermittelt. Dennoch ist dieses Buch „anders“. Niemand, der sich darauf einlässt, bleibt unberührt.
Lesen Sie das Buch, machen Sie sich auf die Suche nach dem bunten Vogel – und finden Sie am Ende heraus, dass der Frühling schon längst in Ihnen ist. (ehr)