02.09.2016

Wolf und Wildschäden

Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg e.V. (ÖJV Brandenburg)

Landesjagdverband Brandenburg verwechselt Ursache und Wirkung. Nicht der Wolf ist Verursacher von Wildschäden sondern überhöhte Schalenwildbestände. Wolfsexperte attestiert: „Große Rotwildrudel im Wald sind immer ein Zeichen übermäßig hoher Wilddichte“ - zumeist auf Grund unzureichender Bejagung.

In einer vor einigen Tagen vom Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) herausgegeben Pressemitteilung wird behauptet, dass in der Züllsdorfer Feldflur besorgniserregende Wildschäden trotz hoher jagdlicher Aktivitäten zu beklagen seien. Verursacht würden diese durch bis zu 120-köpfige Rotwildrudel, die wegen eines Wolfsrudels ihr Verhalten stark änderten und schon tagsüber schwere Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen verursachten. Die Jäger seien machtlos, die Landesregierung lasse sie im Regen stehen.

Seit Jahren ist wildbiologisch belegt, dass der Wolf für die Bildung solcher Großrudel nicht verantwortlich ist. Stellvertretend für zahlreiche Wissenschaftler, die diese Position teilen, sei hier der Jäger, Wildbiologe und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky zitiert:

„Die Größe von Rotwildrudeln wird in erster Linie durch zwei Faktoren bestimmt: Die Lebensraumstruktur und die Populationsdichte. Voraussetzung ist ein hohes Nahrungsangebot, in unserer Kulturlandschaft beispielsweise ertragreiches Grünland oder große Raps-oder Luzerneschläge. Rudel in der Größenordnung von 50 und mehr Tieren kennen wir nur bei einer sehr hohen Populationsdichte, jedenfalls bei einem Mehrfachen der amtlich zulässigen Dichte von etwa drei Stück pro 100 ha. Solche Rudelgrößen sind in vielen Gebieten bekannt, wo Wölfe fehlen, z.B. auf Truppenübungsplätzen oder in der Letzlinger Heide vor Ankunft der Wölfe.”
„Der Wolf ist ein einheimisches Wildtier, das unsere Landschaft enorm bereichert. Er ist ein großartiger Helfer auf dem Weg zu höherer Biodiversität und Naturnähe. Die Wiederbesiedlung Brandenburgs durch den Wolf fordert viel Mühe, Engagement und Wissen. Dieser Aufgabe stellen sich alle Betroffenen. Den Wolf jedoch verantwortlich zu machen für eigenes jagdliches Versagen ist unsachlich und abwegig.“ betont Simon Karrer, stellvertretender Vorsitzender des ÖJV Brandenburg und ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter des Landes.

Der LJVB propagiert eine Jagd, die auf hohe Wildbestände und Trophäenkult ausgerichtet ist und die damit der gesetzlichen Hegepflicht widerspricht. Diese Jagd ist verantwortlich für die erheblichen Wildschäden, die es in Brandenburg in vielen Gegenden gibt, unabhängig davon, ob der Wolf dort bereits wieder heimisch ist oder nicht.

Wer über zu hohe Wildschäden klagt, sollte wissen, dass zuallererst der Jäger die Wildbestände reguliert. Wer dann den Wolf als Ausrede ins Spiel bringt, hat weder von der Jagd noch von der Lebensweise des Wolfes etwas verstanden. (www.oejv-brandenburg.de)