28.10.2016

Sachsen: Herdenschutz im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels

Im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels kam es vermehrt zu Übergriffen auf Schafe. Neben ungeschützten bzw. nicht ausreichend geschützten Tieren, waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. In letzteren Fällen wurden in den beiden Vorjahren vor allem Elektrozäune aber auch Festzäune überwunden. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, wurden im letzten Jahr die Schaf – und Ziegenhalter in der Region des Rosenthaler Rudels darauf hingewiesen, ihre Zäune zu kontrollieren und gegebenenfalls an den empfohlenen Herdenschutz anzupassen. Zugleich wurde „Flatterband“ (Breitbandlitze), welches ca. 20 - 30 cm über den Zaun gespannt wird, an die Tierhalter ausgegeben (PM vom 14.09.2015). 
Im Jahr 2016 gab es bislang 10 gemeldete Übergriffe im Raum Rosenthal. In zwei Fällen war der Mindestschutz nicht erfüllt gewesen, in einem Fall wurde ein 90 cm hoher Elektrozaun und in weiteren sieben Fällen Festkoppeln überwunden. Zäune, die zusätzlich mit Flatterband überspannt waren wurden nicht überwunden. 

Laut dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt sachgerecht geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation im Rosenthaler Rudel flächendeckend zu verbessern (s. unten). Sollte trotz der zusätzlichen Schutzmaßnahmen Erfolg ausbleiben, kann die Entfernung eines Wolfes oder mehrerer Wölfe als letztes Mittel ergriffen werden.

Alle Schaf- und Ziegenhalter im Bereich des Rosenthaler Territoriums (siehe Karte) werden in der gegenwärtigen Situation dazu angehalten, zusätzlich zu den als Mindestschutz definierten Schutzstandards, das im letzten Jahr erhaltene „Flatterband“ (Breitbandlitze), welches 20 – 30 cm über dem Zaun gespannt wird, weiterhin einzusetzen. Sollte das Flatterband nicht mehr einsetzbar sein oder nicht ausreichen, kann das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden. Kontakt: Herr Klingenberger, Tel. 035932/36531, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de
Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im gekennzeichneten Gebiet voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig.

Zusätzlich sollten Tierhalter ihre Zäune regelmäßig auf Schwachstellen prüfen und diese zeitnah beseitigen. Die Umzäunung darf keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und alle Seiten der Koppel müssen geschlossen sein – über offene Gräben oder Gewässer können Wölfe leicht eindringen. Bei stromführenden Zäunen sollte ausreichend Spannung (mind. 2.500 V) anliegen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen.

Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material verfügen über keine aktive, abschreckende Wirkung, wie stromführende Zäune dies tun, sondern sind eine rein physische Barriere. Erfahrungsgemäß bieten sie daher einen geringeren Schutz gegenüber stromführenden Zäunen, weil sie von Wölfen leicht untergraben oder bis zu einer bestimmten Höhe auch übersprungen bzw. überklettert werden können. Ein fester Bodenabschluss bzw. Unterwühlschutz des Zaunes ist besonders wichtig. Für eine individuelle Beratung zu weiteren Maßnahmen für Festzäune wenden Sie sich bitte an die unten aufgeführten Ansprechpartner. 
Einen wesentlich besseren Schutz bieten Elektrozäune, deren Anschaffung bereits seit 2008 vom Freistaat Sachsen gefördert wird. Um dem Mindestschutz zu entsprechen müssen  Elektrozäune mindestens 90 cm hoch sein. Empfohlen werden Elektrozäune mit 100 cm – 120 cm, welche auch gefördert werden.
Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen haben weiterhin die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen (mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, „Flatterband“, Unterwühlschutz bei Wildgattern) zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen.

Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Förderung solcher wenden Sie sich als Tierhalter bitte an die Landratsämter der Landkreise, die Außenstellen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Kamenz, Mockrehna und Zwickau oder an einen der folgenden Mitarbeiter:

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de).

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in 04741 Roßwein, OT Haßlau, Nr. 29a (Tel.: 0151 / 5055 1465, E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org). (Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz)  

25.10.2016

Rezension: Blattgeflüster

Blattgeflüster
Die wunderbare Welt der Pflanzen. Aus dem Leben einer leidenschaftlichen Forscherin
Hope Jahren
Ludwig Verlag, 2016
416 Seiten
ISBN 978-3453280694
22,90 €

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Inhalt
Eine hinreißende Geschichte über Pflanzen, Liebe und die Wissenschaft.
Hope Jahren hat das, wovon viele Menschen träumen: einen Beruf, der ihr Herz und ihr Leben erfüllt. Seit sie denken kann, ist die Geo-Biologin fasziniert von der Natur – von Pflanzen, Bäumen, Blättern, Samenkörnern und den unglaublichen Geschichten, die sie uns erzählen, sogar noch in fossiler Form. Wie ist es beispielsweise möglich, dass ein Kirschkern hundert Jahre lang geduldig warten kann, bis er sich auf einmal dazu entscheidet zu keimen? Hope Jahrens Werdegang von der kindlichen Forscherin zur angesehenen Wissenschaftlerin, die sich trotz zahlreicher Hindernisse in einer Männerwelt behauptet, ist eine inspirierende und mitreißende Geschichte voller Leidenschaft, Durchhaltevermögen und ewiger Neugierde. Ein wunderbares Gleichnis über die Kraft der Natur und die Freude des Entdeckens, das einen ganz neuen Blick auf die Pflanzenwelt eröffnet. Seite für Seite. Blatt für Blatt.

Rezension
Die obige Inhaltsangabe des Verlags gibt nicht annähernd die Tiefe und den Facettenreichtum des Buches wider, das mich in seinen Bann geschlagen hat. Darum wird diese Rezension auch wohl etwas länger ausfallen als meine üblichen Buchbesprechungen.
Der Ludwig Verlag hat sich mit unterhaltenden Sachbüchern über Natur und insbesondere Pflanzen und Bäume einen Namen gemacht. (Bespiel: die großartigen Bücher von Peter Wohlleben.) Mit „Blattgeflüster“ ist ein weiteres Buch mit „grünem“ Inhalt erschienen. Und was für ein Buch! In den USA steht es auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten und wurde von verschiedenen Medien (TIME, Entertainment Weekly) zum „besten Buch des Jahres 2016“ gelistet. Das TIME Magazin nannte die Autorin Hope Jahren sogar eine der „100 einflussreichsten Menschen“. Das ist ein hoher Anspruch. Schauen wir, ob das Buch ihn erfüllen kann.
„Blattgeflüster“ erschließt sich dem Leser nicht so leicht wie die Bücher von Wohlleben. Es ist von einer Wissenschaftlerin geschrieben, und das merkt man ihm an. Dennoch ist es leicht verständlich – soweit das bei den Beschreibungen von detaillierten Laborexperimenten möglich ist. Interessant und spannend wird es besonders, wenn die Autorin aus ihrem Leben erzählt. Im Grunde besteht das Buch aus zwei Teilen: dem biologischen Sachbuch und der Biografie der Autorin. Beide sind miteinander verwoben und wechseln sich kapitelweise ab.
Für mich ist „Blattgeflüster“ weniger ein Pflanzenbuch als die Biografie einer leidenschaftlichen Wissenschaftlerin. Darum trifft meiner Meinung nach der englische Titel auch sehr viel besser zu: „Lab Girl“ (Labormädchen).

Die Autorin
Im Prolog ahnt der Leser schon, was auf ihn zu kommt: Hope Jahren kommuniziert mit uns direkt – „von Wissenschaftler zu Wissenschaftler“ – und nimmt uns mit in ihre Welt.
Die ersten Zeilen sind irritierend und und ungewöhnlich. Die Autorin beschreibt die Perfektion eines Rechenschiebers. Ein Rechenschieber(mit „Degen“ und „Läufer“)! Wissen Sie überhaupt noch, wie so was aussieht? Die Jüngeren unter uns werden sicherlich googeln müssen. Hope spielte als Kind im Labor ihres Vaters mit Rechenschiebern. Mit diesem Buchanfang hat die Autorin meine Neugier geweckt und lässt mich nicht mehr los.
Jahren wuchs in Minnesota auf, einem US-Staat, in dem fast jeder Bürger skandinavische Wurzeln hat. Es ist eine traditionelle Welt, in der Familie und Heimat eine wichtige Rolle spielen. Aber Skandinavier gehören auch nicht gerade zu den redseligen Menschen. Sie sprechen selten miteinander. Und so herrscht auch in der Familie von Hope Schweigen und Kälte – wie in ihrer späteren Laborwelt. Wärme und Zuneigung erfährt sie erst, als sie ihr Elternhaus verlässt.
Ein Kind, das im Labor des Vaters zwischen Betonwänden und Reagenzgläsern aufwächst. (Den Vater erwähnt sie übrigens später im Buch überhaupt nicht mehr.) Was sollte anderes aus ihm werden als ein Wissenschaftler – wenn das Kind nicht ein Mädchen wäre. Frauen hatten in der Zeit, in der die Autorin aufwuchs, keine Chance als Wissenschaftler. Hopes intelligente Mutter brach ihr Chemiestudium ab, weil es nur auf Männer ausgerichtet war. Hope strebte danach, das Leben ihrer Mutter zu vollenden. Sie studierte zunächst Literatur, fühlte sich aber von Anfang an zu Naturwissenschaften hingezogen, unter anderem, weil sie ihr ein Zuhause boten, einen „sicheren Ort“. Und so baute sie ihre eigenen Labore (insgesamt drei) entsprechend ihrer persönlichen Bedürfnisse und Wünsche, um den Räumen Leben einzuhauchen. Wenn die Autorin ihre Labore beschreibt, spüren wir eine außergewöhnliche Wärme und Liebe zur Einrichtung, so wie unsereins vielleicht unser Wohnzimmer schildert. Eine Wärme, die sie offensichtlich nicht Menschen gegenüber empfingen kann – im Gegensatz zu ihrer Arbeit, über die sie mit großer Leidenschaft schreibt und die den Leser erkennen lässt: Diese Frau ist einzig und allein für die Wissenschaft geboren und bestimmt.
„Blattgeflüster“ gibt uns einen Einblick in die Welt der Forscher und das Schaffen von Wissenschaftlern an Universitäten: harte Arbeit, lange Arbeitszeiten, den Druck, Erfolge zu präsentieren, das ständige Betteln um Gelder für Materialen, für Löhne der Mitarbeiter und für Fördergelder. Das eigentliche Forschen nimmt da nur einen geringen Teil ein, was für eine Frau, die nichts anderes kennt (und will) extrem frustrierend sein muss.
Wie besessen Hope von ihrer Arbeit ist, merkt man, wenn sie eine Begebenheit schildert, bei der sie als erste eine wissenschaftliche Entdeckung macht, die sie einzigartig macht. Ein bedeutendes Ereignis, das sie zum Weinen bringt: „Kurz ein kleines Geheimnis zu besitzen, das vom Universum nur für mich gedacht war ...“
Aber nach und nach entdecken wir mehr verwirrende Anzeichen im Charakter der Autorin und ahnen, dass sie psychisch gestört ist: Sie kaut an ihrem Handrücken, bis er blutet, hat manchmal Erinnerungslücken und Angststörungen, und wir erfahren später im Text, dass sie manisch-depressiv ist. An einer Stelle schildert sie einen solchen Zusammenbruch brutal und erschreckend ehrlich. Danach verstehen wir besser, warum sich die Forscherin immer wieder in ihr Labor zurückzieht, den einzigen sicheren Ort, den sie kennt.
Jahrens Kommentare über Sexismus im akademischen Umfeld sind detailliert und machen mich wütend. Der Leser erkennt, wie Wissenschaft in der Realität praktiziert wird und wie unglaublich hart jemand (der noch dazu unter einer mentalen Krankheit leidet) kämpfen muss, um seine Forschung zu finanzieren

Bill
Bill ist Hopes Mitarbeiter und ihr Seelengefährte. Die beiden verbindet eine einzigartige Freundschaft, die Jahren mit so großer Zärtlichkeit schildert, dass man immer wieder geneigt ist, auf eine Liebesbeziehung zu hoffen. Aber Hope liebt und heiratet einen anderen Mann, mit dem sie auch einen Sohn bekommt. Dieser Mann taucht im Buch kaum auf, scheint aber verständnisvoll und vermutlich auch leidensfähig genug zu sein, um die enge Beziehung zu Bill zu dulden.
Hope und Bill arbeiten zusammen, bauen gemeinsam neue Labore auf und erforschen Pflanzen, Bäume, Samen und Erde in aller Welt. Beide arbeiten durchschnittlich 16 Stunden täglich – genauer gesagt nachts. Bill ist ihr Angestellter, wird jedoch kaum oder nur schlecht von ihr bezahlt. Darum muss er in seinem alten VW-Bus leben. Es hat mich irritiert, dass die Wissenschaftlerin ihren Partner, der ihr eine so große Hilfe ist, nicht besser bezahlen kann. Ebenso Jahrens schlechte Behandlung und Herabwürdigung ihrer Studenten. Gerade sie, die aus eigener Erfahrung wissen muss, wie man sich als Student in der Forschung fühlt, geht ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer ihren Weg. Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob am Ende der Preis der Forschung und der Wissenschaft die Menschlichkeit ist. Vielleicht muss jeder, der absolut besessen von seiner „Sache“ ist, auch bereit sein, diesen Preis zu bezahlen?

Die Pflanzen
„Blattgeflüster“ ist auch ein Pflanzenlehrbuch. Wir erhalten faszinierende Einblicke in die Welt der Pflanzen, Bäume und Moose, verständlich geschrieben und poetisch zugleich. Jahren beschreibt diese Lebewesen, die uralten Bewohner unseres Planeten, voller Schönheit und Wertschätzung. Seit Wohllebens Baumbüchern wissen wir, wie interessant Bäume sein können. Hier können wir dies auch über andere Pflanzen erfahren. Die Autorin verbindet biologische Lektionen mit interessanten und humorvollen Geschichten. Dabei definiert sie auch ehrlich ihre Daten und deckt ihre Quellen auf, was in der Welt der Wissenschaft sehr ungewöhnlich ist.

Fazit
„Blattgeflüster“ ist eine eloquente Demonstration, was geschehen kann, wenn jemand die Ausdauer, Leidenschaft und den Willen zur Aufopferung findet, um sein Leben dem zu widmen, was er wirklich liebt und im Laufe dieser Arbeit den Menschen zu entdecken, der er zu sein bestimmt ist.
Hope Jahren schreibt brillant und drückt die Erfahrungen und Gefühle ihres Lebens als Wissenschaftlerin erstaunlich klar aus. Das Buch verknüpft botanische Informationen mit Einblicken in die Arbeit und das Denken der wissenschaftlichen Welt, die Rolle von Frauen in der Forschung und das Leben eines bipolaren Menschen.
Allen jungen Frauen da draußen, die sich für eine wissenschaftliche Karriere interessieren, sei dieses Buch besonders ans Herz gelegt – und dazu als „Warnung“ die Erkenntnis der Autorin: „Wissenschaft ist Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger.“
Im Epilog gibt die Autorin allen Lesern einen wunderbaren Tipp: „Pflanzen Sie einen Baum“ und empfiehlt den entsprechenden Baum dazu. Ich schließe mich an: Pflanzen Sie einen Baum und lesen Sie dieses Buch. (ehr)

Der Wolf in Niedersachsen - Vielleicht wäre Rotkäppchen heute eine gute Wolfsberaterin?

(Video: Niedersächsische Landesregierung)

24.10.2016

Mecklenburg-Vorpommern: 7 Wolfswelpen in Fotofalle getappt

Die in Mecklenburg-Vorpommern bekannten Wolfsrudel haben erfolgreich Nachwuchs großgezogen. Auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide bestätigen Fotofallenbilder 4 Welpen, in der Ueckermünder Heide wurden 3 Welpen nachgewiesen. Beide Wolfsrudel ziehen seit 2014 jährlich Nachkommen auf. Das Wolfsmonitoring mit Fotofallen wird in diesen beiden Gebieten von den Bundesforstbetrieben Trave und Vorpommern-Strelitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) durchgeführt.

„Die Welpennachweise bestätigen unsere Erkenntnis, dass sich die Wolfsvorkommen weiter entwickeln werden. Wir haben entsprechend Vorsorge getroffen und mittlerweile das ganze Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns mit Ausnahme der Ostseeinseln zum Wolfsgebiet erklärt“, betont Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V.

Dennoch seien Tierhalter angehalten, die Schutzmaßnahmen für Schaf- und Ziegenherden gemäß den Anforderungen aus dem Wolfsmanagementplan anzuwenden. Nur dann werden Schäden der Tierhalter, die durch Wölfe verursacht wurden, gemäß der 2013 in Kraft getretenen Förderrichtlinie Wolf – FöRiWolf M-V zu 100 % ausgeglichen. Auch unterstützt das Land Tierhalter bei Präventionsmaßnahmen, die über einen Grundschutz hinausgehen mit bis zu 75 %

Weiterhin gilt inzwischen als gesichert, dass der Wolfsrüde aus der brandenburgischen Kyritz-Ruppiner Heide 2016 ein eigenes Rudel begründet hat. Im Rahmen seiner Streifzüge nutzt er auch die Region südlich der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Informationen zur FöRiWolf M-V und zum Wolfsmonitoring finden Sie auf der Homepage des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie oder auch auf www.wolf-mv.de

 Hintergrund
Seit dem Jahre 2000 gibt es wieder dauerhafte Vorkommen wildlebender Wölfe in Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern wurde der erste sesshafte Einzelwolf im Jahre 2006 bestätigt. Bis zum Jahr 2013 war insgesamt von 3 Einzeltieren auszugehen (im Bereich der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide, der Ueckermünder Heide und in der südlichen Müritz-Region im Grenzbereich zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern).

Im Juli 2014 konnte durch Fotobelege nachgewiesen werden, dass die Wolfspaare auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide Welpen aufziehen.

Auch im Jahr 2015 wurden in der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide mindestens 6 und in der Ueckermünder Heide mindestens 7 Welpen per Fotofalle nachgewiesen. (PM Nr.338/2016  | 24.10.2016  | LU  | regierung-mv.de)
 

20.10.2016

Zwei tote Wölfe im Landkreis Bautzen

Am 15.10.2016 wurde bei Rehnsdorf (Gemeinde Elstra, LK Bautzen) ein toter erwachsener, männlicher Wolf von Spaziergängern gefunden und gemeldet. Die genetische Untersuchung soll Informationen zu seiner Identität liefern.
Die Untersuchung des Kadavers am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin zeigte, dass der Wolf an Auszehrung, also eines natürlichen Todes gestorben ist. Das Tier hatte eine Verletzung (Riss oder Schnitt) an der Innenseite der Lippen, welche sich stark entzündet hatte. Dies sorgte offenbar dafür, dass der Wolf seit längerer Zeit keine Nahrung und ggf. kein Wasser mehr zu sich nehmen konnte und deshalb verhungert bzw. verdurstet ist.

Am frühen Morgen des 19. Oktobers 2016 wurde auf der Straße zwischen Bernsdorf und Leippe (LK Bautzen) ein Wolfswelpe von einem Auto angefahren. Der männliche ca. 5 Monate alte Welpe überlebte den Unfall, schleppte sich noch einige Meter von der Fahrbahn und blieb dann liegen.
Die Polizei informierte daraufhin das LUPUS Institut, welches seinerseits einen Tierarzt hinzu zog. Dieser betäubte den Wolf und brachte ihn zur Untersuchung in seine Praxis. Dabei wurden mehrere Knochenbrüche und innere Verletzungen festgestellt, wodurch eine Heilung und Wiederfreilassung des Tieres ausgeschlossen wurde. Aufgrund dessen wurde der Wolf nach Erteilung der  Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Bautzen von dem  Tierarzt eingeschläfert.

Der Kadaver des Welpen wurde anschließend zu weiteren Untersuchungen und Forschungszwecken an das IZW in Berlin gebracht. Die Untersuchung dort bestätigte, dass der Welpe vor längerer Zeit, bereits in sehr jungem Alter, beschossen wurde. Die bei der tierärztlichen Untersuchung gemachten Röntgenaufnahmen hatten bereits Hinweise darauf gegeben. Das Landratsamt Bautzen wird Anzeige gegen Unbekannt erstatten.

Das Gebiet, in dem der junge Wolf angefahren wurde, gehört vermutlich zum Territorium des im letzten Jahr neu etablierten Berndorfer Wolfspaares. Falls die genetischen Untersuchungen dies bestätigen wäre damit für 2016 eine erste Reproduktion dieses Paares nachgewiesen. (Foto: Berndorf-Welpe bei der Untersuchung © LUPUS)



18.10.2016

Zertifizierung von Herdenschutzhunden

Der VAH e.V. hat am 09.10.2016 in Gießen in Mittelhessen und am 11.10.2016 im Amt Neuhaus in Niedersachsen je eine Arbeitstauglichkeitsprüfung und Zertifizierung von arbeitenden Herdenschutzhunden an Nutztieren durchgeführt. Die Hunde wurden in den Schäfereien von Mati Abel (Beuern) und Klaus Seebürger (Preten) den Prüfern vorgeführt. 
Neben der Bindung an die Herde (Sozialisierung), lagen weitere Prüfungsschwerpunkte in Zaunsicherheit, Territorialverhalten, Verteidigungsbereitschaft und geringstmögliche Aggression gegenüber Menschen, da diese Hunde auch für touristisch genutzte Gebiete, wie z.B. der Lüneburger Heide, Moorniederungen, Fluss- und Küstendeichen und Almen geeignet sein müssen. Alle vorgeführten Hunde, die z.T. vor zahlreichen Zuschauern aus den Bereichen Nutztierhaltung, Behörden, Ministerien und Verbänden aus mehreren Bundesländern geprüft wurden, haben diese in unterschiedlichster Benotung bestanden. Im Anschluss fand in Beuern noch eine Infoveranstaltung mit Vortrag statt, die ebenfalls gut besucht war.
Damit hat der VAH e.V. in Hessen, wie bereits ein Jahr zuvor in Niedersachsen, die erste Prüfung dieser Art für am Nutztier arbeitende Herdenschutzhunde durchgeführt. Bereits im Frühjahr fand eine Prüfung in Werningerode in Sachsen-Anhalt statt. Die Prüfung in der Schäferei Seebürger fand in mehreren Herden in Niedersachsen im Biosphärenreservat Elbtalaue, sowie in Mecklenburg-Vorpommern statt.
Der Verein für arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V., gegründet im Februar 2015 in Langenhagen bei Hannover, betreut alle an Weidetieren arbeitenden Herdenschutzhundrassen und deren Halter als Interessenvertretung. Er berät inzwischen nahezu bundesweit im Bereich Herdenschutz und Herdenschutzhunde, um aufzuzeigen, welche Maßnahmen zum Schutz der Weidetiere vor dem Wolf und anderen großen Beutegreifern möglich sind. Organisiert sind hier neben Schäfern im Haupt- und Nebenerwerb auch Pferde-, Rinder-, und weitere Nutztierhalter, sowie Sachverständige für Veterinärmedizin, sowie Hundehaltung und -ausbildung.

Weitere Infos auch unter www.va-herdenschutzhunde.de und bei Facebook
(Pressemitteilung Verein für arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V.)

17.10.2016

Rezension: Hund & Mensch

Hund & Mensch
Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft

Kurt Kotrschal
Brandstätter Verlag, 2016
272 Seiten
ISBN 978-3710600548
24,90 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Trotz aller technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ist die Sehnsucht nach einer intensiven Beziehung zu einem Hund ungebrochen. Aus gutem Grund: Kinder, die mit Hunden aufwachsen, profitieren massiv in ihrer körperlichen, emotionalen und sozialen Entwicklung. Hundehalter sind glücklicher, gesünder und emotional stabiler. Hunde schützen uns vor Altersdepression und Vereinsamung. Der Verhaltensforscher und Biologe Kurt Kotrschal spürt der außergewöhnlichen Partnerschaft zwischen Mensch und Hund seit vielen Jahren nach. Auf wissenschaftlicher Basis belegt er, warum Menschen Hunde brauchen, um ganz Mensch zu sein. Denn seine spannenden neuen Erkenntnisse belegen, was Hundehalter seit vielen Jahren spüren. Ohne die Beziehung zu einem Hund ist der Mensch psychisch nicht vollständig. Und: Hunde sind uns noch ähnlicher als bisher angenommen.

Rezension
In diesem Buch versucht der Autor das Geheimnis der Seelenverwandtschaft von Mensch und Hund zu ergründen. Das ist ihm gelungen.

Man wundert sich, dass der Autor und Biologe, der so viel über Hunde forscht und schreibt, selbst ohne Hunde aufgewachsen ist. "Trotzdem ist etwas aus mir geworden", schreibt er und fragt sich, wie viel mehr hätte aus ihm werden können, wenn er einen Hundegefährten gehabt hätte. Das fragen wir uns auch. Aber er hat den Hundemangel nachgeholt und wird am Ende einer der bekanntesten Verhaltensforscher im deutschsprachigen Raum und für seine Arbeit 2010 zum "Wissenschaftler des Jahres" gewählt.  Kotrschal ist Mitbegründer des Wolfsforschungszentrums (Wolf Science Centers, WSC) in Österreich, einer Institution, die sich mit dem Verhalten von Wölfen und Hunden beschäftigt – oft mit vergleichenden Analysen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich aus eigener Erfahrung der festen Überzeugung bin, dass man beispielsweise das Sozialverhalten von Wölfen niemals in Gefangenschaft ergründen kann, sondern ausschließlich durch Beobachtung von frei lebenden Wölfen. So gesehen erschließen sich mir manche wissenschaftlichen Versuche des WSC, was Wölfe angeht, nicht. Wozu beispielsweise vergleichen, wer von beiden – Wolf oder Hund – eher den Zeigegesten eines Menschen folgt? Die Natur hat den Wolf nie dazu gemacht, auf die Gestik eines Menschen zu reagieren. Warum auch?
Wenn aus solchen Experimenten die Erkenntnis folgt, dass "die Kommunikation unter Wölfen sehr stark auf Blicken und Blickrichtung beruht", oder "Wölfe sich beim Kommunizieren ständig kurz anschauen", dann kann ich das tagtäglich auch bei der Freilandbeobachtung sehen und muss dafür keine Wölfe von Hand aufziehen und somit die Voraussetzungen für derartige "Erkenntnisse" noch unnatürlicher machen. Für mich (auch als grundsätzliche Gegnerin von Zoos und Gehegen) sind also solche Versuche mit Wölfen zumindest überflüssig.
Gleichwohl finde ich die im WSC durchgeführten Experimente mit Hunden außerordentlich interessant, zeigen sie uns doch, wie eng das Verhältnis Hund-Mensch ist. Okay, wir Hundebesitzer wussten das eh schon immer, aber schön, dass uns nun auch wissenschaftlich bestätigt wird, dass Hunde empathisch sind und ein Gefühl für Gerechtigkeit haben. Das haben uns aber Jane Goodall und Marc Bekoff schon vor Jahren erzählt.

Soweit meine persönliche Einstellungen und Kritik zur Forschung. Diese sollen jedoch nicht den Wert der Arbeit des Autors – den ich im Übrigen sehr schätze – schmälern. Zurück also zum Buch.
Zum Thema "Hund und Mensch" gibt es inzwischen zahlreiche Fach- und Sachbücher auf dem Markt. Dieses Buch unterscheidet sich davon, nicht nur, weil es von einem Wissenschaftler geschrieben ist, der jahrelang zum Thema geforscht hat, sondern auch, weil es verständlich geschrieben ist – etwas, das immer noch vielen wissenschaftlichen oder pseudowissenschaftlichen Büchern fehlt. Sowohl Fachleute als auch Laien können es lesen und vor allem verstehen. Darüber hinaus ist es großartig geschrieben: unterhaltend und äußerst informativ. Viele Leser und insbesondere Hundehalter werden bei der Lektüre bestätigend nicken: "Kenn ich!"

Wer Wölfe liebt, wird sich durch das Buch bestätigt fühlen – besonders im Schlusskapitel, in dem der Autor schreibt, dass es "völlig inakzeptabel ist, dem Wolf, der Wildform des Hundes, das Lebensrecht neben uns zu verwehren".  Richtig so!

Fazit: "Mensch & Hund" bekommt meine absolute Empfehlung. Jeder Hundefreund sollte es gelesen haben.  (ehr)

12.10.2016

Schnelle Eingreiftruppe für Schafe

NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf schult Herdenschutz-Helfer

Wetzlar – Zur Vorbereitung der Rückkehr von Wölfen nach Hessen hat die NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf eine Schulung für ehrenamtliche Herdenschützer im Nationalen Naturerbe „Weinberg Wetzlar“ veranstaltet. „Mit unserer ‚Schnellen Eingreiftruppe Herdenschutz‘ möchten wir Schafhalter dabei unterstützen, sich auf die Rückkehr des Wolfs nach Hessen optimal vorzubereiten“, erklärt Ausbildungsleiterin Isa Rössner. Die ehrenamtlich aktiven Herdenschützer helfen auf Anfrage von Schafhaltern beim fachgerechten Aufbau von Schutzzäunen gegen mögliche Wolfsübergriffe. Das vor einem Jahr ins Leben gerufene Projekt habe sich, so Rössner, mittlerweile zu einer wichtigen Plattform für den sachlichen Austausch zwischen Schäfern und Wolfsfreunden entwickelt. Deshalb nahmen neben interessierten Naturschützern auch Schafhalter an der Fortbildung teil. Da das NABU-Schutzgebiet „Weinberg Wetzlar“ von großen Schafherden beweidet und gepflegt wird, war auch der Wetzlarer NABU-Schutzgebietsbetreuer Bernhard Feth unter den Teilnehmern.

Zum Einstieg der Fortbildung beantwortete Projektleiterin Isa Rössner Fragen der sechzehn Teilnehmer zur Rückkehr des Wolfs nach Hessen, die für Schäfer und Schafhalter von besonderem Interesse sind. Im Mittelpunkt standen die Aspekte Nahrungsbedarf, Wiederkehr des Wolfs nach einem Jagderfolg, Anzahl jagender Wölfe pro Familie und typisches Verhalten an Schutzzäunen. Anschließend vermittelte die Schafhalterin und Biologin Dr. Eva Strese wichtige Grundlagen zum Herdenschutz mit Zäunen. Mit Hilfe eines Modells veranschaulichte die Referentin, wie ein elektrischer Herdenschutz-Zaun funktioniert und wie sich ein Überspringen oder Untergraben effektiv unterbinden lässt. Dieses Hintergrundwissen ist notwendig, um im Gelände Fehlerquellen erkennen und beheben zu können. Im Praxisteil der Fortbildung übten sich die Teilnehmer anschließend darin, unter fachkundiger Anleitung selbst einen wolfssicheren Zaun aufzustellen. „Viele Teilnehmer waren davon beeindruckt, was man beim Zaunbau alles berücksichtigen muss, um Wölfe von der Herde fernzuhalten“, so Rössner. Mit einem optimierten Herdenschutzzaun sei es aber möglich, den Schutz von Wölfen und Schafen weitgehend in Einklang zu bringen. Damit noch mehr Wolfsfreunde und Schafhalter für ein gedeihliches Auskommen von Wölfen und Schafen sorgen können, soll es im kommenden Jahr weitere Fortbildungen geben.

Hintergrund
Die Beweidung mit Schafen ist ein wichtiger Bestandteil von Pflegemaßnahmen im Naturschutz. Durch das Offenhalten von Wiesenlandschaften trägt sie viel dazu bei, seltene Tiere und Pflanzen dauerhaft zu erhalten. Mit dem Aufbau der „Schnellen Eingreiftruppe Herdenschutz“ hat sich die Landesarbeitsgruppe Wolf im NABU Hessen zum Ziel gesetzt, Schäfer bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen und ihre Tiere – soweit irgend möglich – gegen mögliche Wolfsübergriffe zu schützen. Dafür bildet sie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus. Die Schulungen werden vom hessischen Umweltministerium finanziell unterstützt. (PM NABU-Hessen, 11.10.16)



(Foto: Tammo Zelle)