13.11.2016

Rezension: Wölfe

Wölfe: Ein Portrait
Petra Ahne
Matthes & Seitz Berlin, 2016
ISBN 978-3957573339
18,00 €

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Inhalt
Der Wolf ist zurück in unseren Breiten, und mit ihm eine jahrhundertealte Obsession zwischen Angst und Anziehung. Petra Ahne nimmt die kultur- und naturgeschichtlich Fährte des bernsteinäugigen Wanderers auf, durchstreift die Motivgeschichte von Rotkäppchen bis zum Werwolf, erkundet die ambivalente Beziehung zu seinem domestizierten Nachfahren, dem Hund, und der Spezies, die ihm entweder verklärend huldigt oder noch immer nach dem Leben trachtet: dem Menschen.




Rezension
Ich gestehe, ich bin zunächst skeptisch an das Buch herangegangen, als ich den ersten Satz vom Text auf der Buchrückseite las: „Manchmal töten Wölfe Menschen.“
Auch wenn es stimmt, so halte ich diesen Satz an einer derart wichtigen Stelle nicht gerade als verkaufsfördernd für Wolfsfreunde, mag er doch viele abschrecken. Ich war jedoch schnell wieder „versöhnt“, als ich begann, das Buch zu lesen.

Das Büchlein gehört zur Naturkunde-Reihe von Matthes & Seitz, die bewusst keine bloße Wissenschaft betreiben will, sondern die leidenschaftliche Erforschung der Welt. Und so hebt sich auch dieses Buch wohltuend anders von den üblichen Wolfsbüchern ab, die heute auf dem Markt sind.

Schon äußerlich sticht es hervor mit seinem ungewöhnlichen Einband und der farbigen Prägung. Das Tier auf dem Cover ist sehr dunkel und erst auf den zweiten Blick als Wolf zu erkennen, zumal der Holzschnitt aus dem Jahr 1891 wie ein Kojote aussieht.
Die Autorin Petra Ahne ist Redakteurin bei der Berliner Zeitung, also keine „Wolfsfachfrau“, was sie ja auch nicht sein muss. Aber Wölfe geküsst hat sie allemal, wenn es auch nur Tanja Askanis weiße Gehegewölfe waren (wie Fotos aus dem Internet zeigen). Gut recherchiert hat sie auf jeden Fall. So gesehen halten alle Aussagen im Buch meinem kritischen Expertenurteil stand. „Wölfe: Ein Portrait“ ist aktuell, wölfisch korrekt, aufklärend und ohne die sonst so typischen Klischees, die wir leider noch allzu oft lesen können.

Mir hat besonders das Kapitel „Vom Ruf einer unbekannten und ursprünglichen Kraft“ gefallen, über dessen Thema wir sonst nur wenig lesen: „Vom Drang zum wilden Tier.“ Hier beschreibt die Autorin Menschen, die mit Wölfen beziehungsweise Wolfsmischlingen leben, weil sie „etwas Unverfälschtes, Wildes besitzen wollen“. Den Irrglauben, sich durch die Haltung von Gehegewölfen (die Pianistin Hélène Grimaud) oder von Wolfsmischlingen (der Philosoph Mark Rowland) selbst bestätigen zu müssen. Bei aller Kritik bleibt Ahne stets respektvoll und verständnisvoll.

Im Kapitel „Mit Anfa im Garten (Der Wolf und die Wissenschaft)“ klärt die Autorin erneut über den Mythos Alpha auf (Danke!) und fragt: „Ob sich die Idee vom Leitwolf auch deswegen so lange gehalten hat, weil sie reichlich Identifizierungsmöglichkeiten für ein viriles Selbstbild bietet?“ (Seite 51) Denn „Die Geschichte der Wolfsforschung ist auch die Geschichte einer überschaubaren Zahl von Männern, die ihr Leben diesem einen Tier verschrieben haben.“

In „Wölfe“ wird der Wolf aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, u.a. historisch, kulturell, wissenschaftlich. Auch die Bilder im Buch sind ungewöhnlich: historische Bilder, Zeichnungen, Holzschnitte, Skizzen. Das letzte Kapitel „Portraits“ listet Wolfsarten und –unterarten auf mit farbigen Abbildungen und Beschreibungen.

„Wölfe: Ein Portrait“ ist für mich ein wunderschönes Buch, das deutlich aus den meisten Wolfsbüchern heraussticht. Es ist interessant, klug und empathisch geschrieben. Wem der Preis für 144 Seiten zu hoch scheint, dem sei versichert: Es lohnt sich!
Ein wunderbares Geschenk für jeden Wolfsfreund. (ehr)

Übrigens: Der Artikel „Tierschau“ von Petra Ahne über Zoos war 2014 für den bekanntesten Journalistenpreis, den Theodor-Wolff-Preis, nominiert. Hier geht es zum lesenswerten Artikel ...