05.02.2017

Wissen Wolf: Wurden die deutschen Wölfe wiederangesiedelt?


Wiederansiedlung versus Rekolonisierung

In den letzten Tagen konnten wir vermehrt in den Medien über die "wiederangesiedelten" Wölfe lesen.
Beispiel: "Aktuelle Debatte des Landtages / Barth: Die Wiederansiedlung der Wölfe verlangt verstärkte Präventionsmaßnahmen."

Daher möchte ich noch einmal richtigstellen, dass wir in Deutschland KEINE Wiederansiedlung von Wölfen haben, sondern eine natürliche Rückwanderung. Bei einer Wiederansiedlung wird eine bedrohte Tierart, die vorher nicht (mehr) in diesem Gebiet gelebt hat, von Menschen zurückgebracht. So wurden beispielsweise im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark in den neunziger Jahren Wölfe angesiedelt, die man aus Kanada holte. In Deutschland jedoch kommen die Wölfe auf eigenen Pfoten ins Land zurück, das bedeutet, dass hier eine Rekolonisierung stattfand. Unsere ersten Wölfe kamen eigenständig aus Polen ins Land.

Sämtliche andere Spekulationen (wie z.B. die der "Kofferraumwölfe") sind absurde Verschwörungstheorien, so wie die von 9/11 oder der nicht stattgefunden Mondlandung, über die zu diskutieren Zeitverschwendung ist. Wissenschaftliche Fakten beweisen das Gegenteil.

Mehr dazu in unserem neuen Buch im Kapitel "Willkommen Wolf" > Umstrittene Rückkehrer.

© Elli H. Radinger

02.02.2017

Wolfwatching im Wendland

Wieder einmal hat es mich in die Göhrde gezogen. Mit vier guten Freunden wollte ich Spuren der deutschen Wölfe suchen. Wir hatten alle Entzugserscheinungen, denn wir waren gemeinsam mehrmals in Yellowstone gewesen und von den täglichen Wolfssichtungen dort sehr verwöhnt.
Wir wussten, dass wir in Deutschland kaum eine Chance haben, einen wilden Wolf zu Gesicht zu bekommen. Uns reichte das Gefühl, dass irgendwo in der Nähe Canis lupus sein könnte.

Auf der Karte ist die Göhrde rot markiert.




















Unser langes Wolfswochenende begann hier:



Wolfsberater Kenny Kenner hat einen unglaublichen Wissenschatz nicht nur über Wölfe im Allgemeinen und die lokalen Wölfe im Besonderen, sondern auch über die ökologischen Zusammenhänge und die Probleme, die zum Leben mit Wölfen dazugehören.


Auf einem Feld hatten die Wölfe einen Tag zuvor ein Reh gerissen.


Außer ein paar Haaren und Knochen war nichts mehr übrig. Die Wölfe, Füchse und andere Nutznießer hatten ganze Arbeit geleistet.




Dann wurde ernst. Es ging ins Wolfsgebiet. Hier leben momentan ein Elternpaar und sechs Jungwölfe.


Hütehund Alva hatte alle Pfoten voll zu tun, um das Team zusammenzuhalten. Oft kann man schon am Verhalten von Hunden erkennen, ob Wölfe in der Nähe sind.


Hurrah, die erste Wolfsspur.


Daaa ist er lang gelaufen.


Nochmal nachmessen! Geschnürte Spur, Schrittlänge passt - ein Wolf!


Und gleich der nächste Beweis!


Auf solchen Forstwegen, die natürlich auch die Wölfe gerne nutzen, findet man immer wieder Markierungen, besonders an Kreuzungen und anderen strategisch wichtigen Punkten.


Insgesamt sammelten wir an diesem Tag 16 Kotproben und sahen zahlreiche frische Wolfsspuren.


Kenny (hier mit Joe) demonstrierte, wie Kotproben entnommen und registriert werden.




Das Wolfwatcher-Team.
Von links: Barbara, Elli, Geli, Sabine, Joe, Kenny, Andrea.


Die nächste Wolfswoche in der Göhrde, an der ich ebenfalls mit einer Lesung/Vortrag  teilnehme, findet in Zusammenarbeit mit dem BUND vom 18. bis 25. Juni 2017 statt.
Weitere Informationen und Anmeldung hier ...


Wer möchte, kann noch einmal meinen Bericht aus dem Sommer in diesem Blog nachlesen:   Wolfstourismus in Deutschland.

Und auch im neuen Buch von Günther Bloch und mir "Der Wolf kehrt zurück" beschäftigen wir uns intensiv mit den Vorteilen (und Gefahren) des Wolfstourimus.

(Alle Fotos: Elli H. Radinger, Karte: Wikipedia)