04.02.2017

Rezension: Tödliche Freundschaft

Tödliche Freundschaft
Was wir den Tieren schuldig sind und warum wir ohne sie nicht leben können

Florian Schwinn
Westend Verlag, 2017
320 Seiten
ISBN 978-3864891434
24,00 €

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Inhalt
Ohne die Tiere - keine modernen Menschen! Denn der Homo sapiens hätte sich niemals zur weltbeherrschenden Gattung entwickelt, wenn unsere Vorfahren nicht eine besonders eiweißreiche Nahrung für sich entdeckt hätten: das Fleisch. Wer das begreift, muss die Tiere anders behandeln - achtsam und mit Respekt. Aber wer das begreift, kann die Menschheit auch nicht zu Veganern machen. Denn eine flächendeckende vegane Ernährung wäre weder gesund noch naturnah. Sie wäre auf Kunstdünger und Chemie angewiesen. Florian Schwinn zeichnet die Kulturgeschichte der untrennbaren Beziehung des Menschen und seiner Nutztiere nach, liefert ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rechte der Tiere und begründet, warum die globale Umstellung auf vegane Ernährung ein Irrweg wäre. Denn vegan bedeutet Tiertod, Hungersnot und Agrarchemie.

Rezension
Dieses Plädoyer für unsere Haus- und Nutztiere aus Tierschutzsicht ist längst überfällig und interessant dargestellt, wenngleich auch verwirrend umgesetzt.

Im ersten Kapitel „Der große Wuff“ geht es um Kaniden, um die Entstehung und das Verhalten von Wolf und Hund. Allerdings tue ich mich schwer mit den Quellen, aus denen der Autor oft zitiert und recherchiert hat. Immer wieder beruft er sich auf (die von mir sehr geschätzten) Konrad Lorenz und Erik Zimen und deren Wolfsbeobachtungen. Beide Forscher haben jedoch Gehegewölfe beobachtet, und diese verhalten sich – wie hinlänglich bekannt ist – nun einmal anders als wild lebende Wölfe. Leider gibt es fast keine Aussagen aus der aktuellen Freilandforschung der letzten fünf bis zehn Jahre. Nur so kann es geschehen, dass der Autor immer wieder den völlig überholten Begriff des „Alphawolfs“ verwendet, oder davon spricht, dass die Wölfe den Ranghöheren „dienen“, aus dem Rudel ausgestoßen werden, nicht bellen etc. All dies entspricht nicht der Realität und dem Verhalten wild lebender Wölfe. Leider kann ich in den Literaturquellen (die im Übrigen nicht den Vorgaben für Zitate entsprechen) keine einzige aktuelle Quelle entdecken. Das ist sehr schade.
Dabei übt der Autor berechtigte Kritik an vielen Missständen, um mit Qualzuchten und dem gelangweilten Gebrauchshund nur zwei zu nennen. Die Lektüre lohnt sich also durchaus.

Auch im weiteren Verlauf beschäftigt sich der Autor aus Tierschutzsicht sehr kritisch mit der Schweine-, Hühner- und Rinderzucht.

Das Buch ist für alle Tierfreunde definitiv lesenswert, weil es eine Unmenge an Informationen bietet. Für mich persönlich jedoch ist der Text zu unübersichtlich, auch weil der Autor bei vielen Themen hin und her springt. Mehr fehlt ein roter Faden und ich habe Probleme, dran zu bleiben.

Zur weiteren Information empfehle ich die (leider ebenso unübersichtliche) Webseite des Buches/Autors: florianschwinn.de/ mit zahlreichen Links und Informationen.

Außerdem möchte ich noch auf das Titelbild hinweisen, in dem ein Bauer den Kopf seiner Kuh im Arm hält. Für mich drückt dieses Bild mehr liebevolle Zuneigung zum Tier aus, als es ein Standardbild mit Hund im Arm getan hätte. (Elli H. Radinger)